Völlig falsche Sichtungskriterien bei der Talent-Auswahl (von LZ/Stp)?

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  • Erstmal herzlichen Dank für eure Mühe bzgl. der Frage! Klar, es gibt solche u. solche Sichter, grad das finde ich ja Teil der Willkür des System daran, dass nicht jeder klare, nachvollziehbare (gar nachlesbare) Kriterien als Vorgabe zu haben scheint! Mir sagte einer: wir haben alle auf der Liste, aus denen mal was werden kann. Den Rest kann man getrost vergessen, soviel sei sicher. Diese Einstellung gegenüber den Sichtungsobjekten fand ich bedenklich, ja anmaßend: woher bezieht er sein (All-)Wissen, wenn sein (einzig benanntes) Kriteriun "weite Abstöße" sind? Auf Nachfrage dann nur Flucht in die Haltung, dass er es nicht nötig habe, sich mit Fragen/-rn abzugeben...


    Finde ich doch arg "subjektiv", anderes eben unverbindlich, doch so sollen dann die Karrieren "gemacht", entschieden werden? Eins ist dabei ja sicher, wenn man die Trainings vor Ort mit denen im LZ (o. Stp) sieht: ein Unterschied wie Tag u. Nacht. Je länger wer ausgechlossen wird (Passiv!), desto größer die Schere zu Geförderten. Wo Spieler hier in ihrer peer group ohne Leerzeiten voll Motivation und Elan "powern", zudem Spaß daran vermitteln kriegen, lernen sie dort mitunter fast nichts außer: Rumhängen, Stören u. coole Fauheit, d.h. gar Falsches wie Bolzen von der Mitte aus o. eben jene weiten Abstöße, die sie dann vom Stp ausschließen... Ich habe die dennoch spielen lassen, denn im Fußball zählen nun mal Tore u. im uneingepielten Mixed-Team klappte Hinten-raus-spielen natürlich nicht (was auch der Torwart sah, keiner bot sich seinen schon verzweifelten Blicken an - da bleibt doch nur: weg mit dem Ball!), wogegen weite Abschläge 3 Großchancen brachten: was man macht, man mach's verkehrt - böse Falle? Ich hätte ja jenes Kriterium gern schriftlich gekriegt, dann mal dummen Nationaltorwarten zum Nachlernen geschickt ;)


    Mich interessieren also a) die Kriterien und b) mögliche Abhilfe bzw. Aufklärung, wobei nach meinem Eindruck mancher "da oben" sich einfach für so allwissend hält, dass er gar nicht mehr miteinander reden zu müssen meint. Trotzdem sollte man versuchen über Gutwillige dafür zu werben, dass Fußballalter, ungleiche Chancen in der Biografie o. im Wachstum, echte Benefits wie Spielintelligenz, Wille zu kurzer Ball-Kontaktzeit, soziale Kompetenz wie Wille, für andere zu laufen (contra social loafing) etc. mehr Beachtung finden, so Sichtungen auch transparenter, im Urteil nachvollziehbarer (bei Werder gibt es quasi eine Checkliste für jeden, die dann wertvolle Hinweise liefert für den, der will) werden. Das wäre meine Hoffnung bzgl. Fairplay, Respekt, die so zu heißen verdienten.

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • ein absolut sicheres und gerechtes Sichtungssystem kann es wohl nicht geben.


    bei uns lief es wie folgt ab.


    Vereine können melden, aber auch als Elternteil konnte man sein Kind anmelden.


    die dem Stützpunkttrainer bekannten anwesenden Heimtrainer bekamen eine Liste mit den Rückennummern, einige Schwerpunkte auf die wir achten
    sollten (u.a. Technik, Schnelligkeit, Spielverhalten). und sollten mitbewerten.


    über 50 Kinder auf dem Platz, da war einfach nicht alles bei jedem feststellbar.


    Ergebnis;


    ca 10 Kinder waren bei allen Mitbewerter auf dem Bogen, ca 6-8 bei bei über 70 %, über 20 Kinder höchsten 1 Punkt (Heimtrainer?) der Rest
    wurde unterschiedlich beurteilt. die 6-8 Gruppe und der Rest wurden nochmals eingeladen.


    die Bögen der Trainer war mit dem Ergebnis der 3 Stützpunktrainer fast identisch.


    im weiteren Verlauf des Jahres, und auch noch später, konnten die Vereinstrainer nach Absprache jederzeit einen Spieler zur Beurteilung zum Stützpunkt schicken.


    mir sind auch Fälle bekannt, wo vom Stützpunktrainer von sich aus nachträglich Spieler eingeladen wurden, die halten auch ihre Ohren und Augen offen.


    genauso wurden auch Spieler im Laufe der der Zeit aussortiert, weniger wegen Leistung sondern fast ausschliesslich wgen Unzuverlässigkeit.


    es ist halt überall anders, da es Menschen sind, die handeln und keine Maschinen,


    Stützpunkttrainer sein, ist keine Qualitätsaussage, auch hier gibt es Riesenunterschiede.
    2 davon lernte ich auf einem Stützpunkt kennen, der eine war Stützpunkttrainer mit Laib und Seele, für den anderen war es Prestige und Geld.


    dementsprechend war auch das Engagement und der unterschiedliche Umgang der beiden mit den Kindern.


    gg
    gg

  • Hallo


    Wir als Eltern, ich als Mutti haben das ja nun auch live erlebt. Als unser 96ger soweit war, kam er in den DFB Stützpunkt. Es gab alle halbe Jahre diese Statustests, in denen die Schnelligkeit, Laufgewandheit, Dribbling, Ballkontrolle und Balljonglieren getestet wurde.
    Die Tests vielen sehr gut aus. Daraufhin wurde er zu dem Sichtungsturnier für die Landesauswahl eingeladen. ....dort war es echt....wie soll ich sagen....deprimierend. Die Kinder des Sportinternats waren mit unseren Vereinskindern in einer Mannschaft (wurden also gemischt und zwei Mannschaften draus gemacht) mit den anderen Stützpunktkindern. Die Internatskinder haben sich den Ball immer schön hin und her gespielt , die Vereinskinder bekamen den Ball so gut wie nie..... Nominiert für die Landesaufwahl wurden dann auch weitestgehend die Internatskinder. Nach mehrern solchen Turnieren wurde ein anderer Versuch gestartet. Auf ganz engem Feld 5 gegen 5, Vereinskinder und Internatskinder aufgeteilt. Da bekamen die Vereinskinder nun öfter mal den Ball und das Resultat, er wurde nominiert, als Ersatz.....


    Dennoch hat er sich gefreut. Die Stützpunkttests waren super, unser DFB Trainer meinte, er gehört ins Internat, die meldeten sich dann auch (sicher weil er bei der Landessichtung aufgefallen ist) und luden ihn 2 Jahre lang zum Probetraining ein. Wie da aber im Leben so ist. Als Novemberkind, eher still und introvertiert, erfüllt zwar seinen Trainerauftrag, spielt sich aber nicht in den Vordergrund....wurde er nicht genommen.... Das tat sehr weh, keiner der Trainer verstand warum. Als Begründung kam ein Pauschalschreiben, die Technik würde nicht ausreichen...die Trainer hier haben sich totgelacht. Naja, aber der Neffe, (der gar nicht beim Stützpunkttraining war) des Landesobersten blabla...keine Ahnung wie der sich nennt Beaufttragter oder so, der war dabei. Der lange nicht so weit war wie unser 9ger, der durfte Landesauswahl spielen und wurde auch von der Sportschule genommen....ja, ihr hört da ein wenig Verbitterung. Die Trainer haben fest damit gerechnet, das es was mit dem Internat wird, weil er in den Tests durchweg ein A bekommen hat. Wer sich auskennt weiß was das heißt.


    Solange solch eine Vetternwirtschaft nicht aufhört und die Internatskinder nicht auf gleicher höhe stehen, wie die Vereinskinder gibt es keine gleichwertige , faire Sichtung. Hätten wir das alles vorher gemerkt....hätten wir viel Zeit, Nerven und Spritgeld gespart.


    Jetzt, mit 15 ist er soweit, das er merkt, was los ist. Dazu muß ich sagen, das sein letzter Trainer, von dem ich wirklich sehr viel halte, weil er wußte wie er mein doch introvertiertes Kind händeln muß, hat dazu einiges beigetragen, das er selbstbewußter wurde. Von daher nun auch solche Gedankengänge. Ich kenn mein Kind kaum wieder. Es freut mich, aber ich möchte ihn vor einer Enttäuschung wahren....


    Man hat einmal die Stützpunktsachen und die Sichtungen für die Landesauswahl und dann die Sache mit den Probetrainings für das Internat, welches einfach für unseren, mit damals 12 Jahren einfach zu früh war.

  • Bei uns läuft eine Sichtung wie folgt ab:
    Nach dem Sommerferien werden die Vereine des U 11 Jahrganges angeschrieben, dass sie für ein Fördertraining des Kreises die in ihren Augen geeigneten Spieler melden.
    Diese werden dann zum Training eingeladen. Da meist auch einer der Auswahltrainer eine Mannschaft in dem entsprechenden Jahrgang trainiert, wird geschaut, ob eventuell Spieler von Vereinen, die bereits aus der Masse herausragten, vergessen wurden. Falls dies so sein sollte, werden diese von Lehrausschuss ebenfalls eingeladen.
    Danach werden dann ca. sechs Trainingseinheiten mit allen gemeldeten Spieler durchgeführt. Zum Winter hin wird dann der Kreis der Spieler reduziert, da die Hallenzeiten knapp sind und die Fördertrainer unabhängig voneinander ein Votum über jeden Spieler abgeben. Erstaunlicherweise besteht zu ca. 95% Einigkeit, welche Spieler weiter zum Fördertraining kommen.
    In der Zeit bis zum Winter wird zumindest ein Vergleichsturnier mit anderen Landkreisen durchgeführt, um die Spieler auch im Wettkampf zu sehen, wobei bei diesen Turnieren der Sichtungsgedanke im Vordergrund steht, soll heissen, dass die Spieler auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden.
    Nach der Winterserie, in der auch Turniere der Fördermannschaften gespielt werden, findet dann der Sparkassencup statt.
    Hier stellen, zumindest bei uns, alle Vereine eine Mannschaft.
    Dort wird dann von den Stützpunkttrainern gesichtet. Überraschenderweise sichten diese bis auf wenige Ausnahmen auch diejenigen Spieler, die die Fördertrainer in Erwägung gezogen haben.
    Fehlende Spieler können von der Fördertrainern den Stützpunkttrainern empfohlen werden, diese werden dann grundsätzlich auch zum Sichtungstraining des Stützpunktes eingeladen, ebenso wie Torspieler, die im Turnier nicht gefordert wurden, aber von den Fördertrinern empfohlen wurden.
    Achja, Kriterien sind für mich und meine Kollgen:
    Koordinationsfähigkeit, Dribbling und Spielverständnis. Passen ist völlig egal, da kein Altersziel.


    Für mich nachvollziehbar und fair.

  • Ich denke, man sollte diese Sichtungsveranstaltungen nicht überbewerten. Eigentlich ist es auch jedem klar, dass sie kaum objektiv sein können. Vor allem über Talent und Potential sagen sie - zumindest bis 12 - für sich alleine genommen nur soviel aus, dass wohl ein Minimum an Talent und Disziplin vorhanden sein muss, um es überhaupt ins Sichtungstraining geschafft zu haben.
    Ansonsten zählt einfach was man sieht. Darum heisst es ja auch Sichtungstraining.


    Leider ist es eben schon so, dass ein Trainer einen weit grösseren Einfluss auf die technische und mentale Entwicklung eines Juniors hat als sie durch seine Gene gegeben wäre. Dies wird aber von Sichtern insofern wieder korrigiert, als sie die Fähigkeiten und die aktuelle Rangierung ihrer Trainer in der Regel kennen, und damit die Sichtungskandidaten entsprechend einzusortieren wissen.
    Schwieriger wird es mit der Tagesform. Wobei auch das meistens oft nur auf die subjektive Empfindung des Einzelnen zurückzuführen ist. Denn - Hand aufs Herz - am Sichtungstag sind alle nervös und können in den seltensten Fällen ihr ganzes Potential abrufen. Und wer's kann - ja der kann es halt. Leistung auf Abruf ist wichtig und kann deshalb, wie andere PsychoFaktoren als relevantes Plus mitgezählt, resp. unkorrigiert stehen gelassen werden.
    Vergessen sollten man auch nicht, dass man in der Regel mehrmals an Sichtungstrainings treilnehmen kann. Wer die Zeit dazwischen nutzt, fleissig und sinnvoll trainiert wird es das nächste Mal mit grösserer Wahrscheinlichkeit schaffen - immer davon ausgehend,dass er seine Fähigkeiten selber auch realistisch einzuschätzen weiss und - am wichtigsten - seine Leistungskurve nicht wegen anderen Faktoren einknickt.
    Damit ist jedes Sichtungstraining - unbestritten - Glückssache.
    Relativiert wird dieser Glücksfaktor aber dadurch, dass es die Meisten, welche es nur knapp, respektive mit "Glück" in die Auswahl geschafft haben, zu mehr als 80% während der nächsten zwei bis drei Jahren an den nächsten Stufen ganz scheitern werden und dann leider frustriert den Sport oft ganz aufgeben.


    So krass wie das jetzt tönen mag - wenn Leistungsvereine scouten interessieren sowieso nur die 3 - 7 Spieler die AUFFALLEND am oberen Ende der Sichtungsskale hochpoppen. Die kommen dann auf Listen, welche mit dem normalen DFB Selektionsbetrieb nur noch insofern zu tun haben, als dass sich Spitzenvereine IHRE Talente rauspflücken, in der eigenen Schleife hochzüchten, um sie dann nur noch der Form halber durch den DFB Prozess zu schleusen. Einmal beim Spitzenverein drin, ist insofern gut drin dass es dann schon bedeutend mehr braucht als ein Tagestief um da wieder rauszufliegen.
    Natürich ist die Selektion durch Spitzenvereine natürlich ganz was anderes. Hier wird wirklich über längere Zeit an der Leistungsgrenze entlang beobachtet, korriegiert und gefördert. Hier werden dann aber auch psychomotorische Faktoren abgeklärt, Charakter, Intellekt, Motivation, Team- und Kommunikationsfähigkeit bis hin zum Sexappeal resp. Vermarktungspotenital. DAS ist dann nicht mehr Zufall, denn Spitzenförderung ist einfach zu teuer um sich hier durch die Tagesform leiten zu lassen. Aber eben - Spitzenförderung ist ja nicht das Thema hier.
    Mein persönlicher Tip:
    Jeder Vater sollte, sofern ihm die Förderung seines Sohnes wirklich am Herzen liegt, sich SELBER um die best- und frühstmögliche Ausbildung seines Sohnes bemühen und lieber ein paar Kilometer fahren, als seinen Jungen bei einem schlechten Trainer vergammeln zu lassen.
    Parallel dazu werden sich Kinder mit WIRKLICHEM Talent durch Eigenmotivation und Interesse unabhängig vom ganzen Selektionszirkus automatisch mehr reinhängen und schon bald einen Vorsprung erreichen, den niemand mehr übersehen kann. Und falls dies mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht der Fall sein sollte, sollte man sich als Elternteil auch darüber freuen können, dass es dem Kind einfach nur Spass macht mit den Jungs was "Gscheits" zu tun.
    Wirkliche Talente, die es wirklich bis ganz nach oben schaffen, erkennt man in der Regel oft sofort. Schwierig ist es nur bei den 99% anderen, welche sich im Nachhinein oft wünschen, lieber schon früher ausgeschieden worden zu sein, als mit überambitionierten Eltern im Rücken schon mit 20 vor dem Nichts zu stehen.
    Selektion hat auch was Positives. Vergessen wir das nicht !!

  • Sicher muß ausgesiebt werden. Ist gut und richtig. Dennoch bleibt die Frage der Gleichheit und da sehe ich noch potential. Versteh mich nicht falsch. Ich bin im Nachhinein froh, das mein Sohn von dem Sportinternat "ausgemustert" wurde. Denn mit 12 von zu Hause weg, das ist wirklich nur was für die, die es wirklich richtig wollen und auch hart im nehmen sind.
    Da gehörte meiner definitiv nicht zu und so konnte er eine sehr schöne Fußballzeit bisher verbringen, er spielt in 2 Wochen Relegation für die Regionalliga und hier ist schon eine recht gute Nachwuschsförderung im Anmarsch. (hat ja langgenug gedauert, bis der Verein das Potenial der Jugend bemerkt hat ). Was mich so stört ist, das hier in der Gegend (im Osten Deutschlands) einfach noch zu wenig Möglichkeiten gibt. Die paar Sportinternate können das ganze Talent und Potential gar nicht erfassen, von daher ist es vollkommen klar, das viele durch das Raster fallen.
    Letzendlich schaffen es eh die wenigsten und werden meiner Meinung nach oft auch verheizt. Das war mir damals einfach nicht klar, als er bei den Sichtungen und Probetrainings war. Jetzt ist man schlauer und jetzt weiß ich , das er hinter der Entscheidung steht , wenn er sich zu einem Probetraining anmelden will und nicht wir als Eltern. Denn ich möchte mir später nicht nachsagen lassen müssen, ich hätte ihn zu irgendetwas genötigt. Übrigens, was mir bei den ganzen Sichtungen noch auffiel, das fast nur Stürmer und Mittelfeldspieler in die Landesauswahl berufen wurden.....meiner war Abwehr. ;)

  • Mir hat es immer sehr geholfen ab und zu mal in die Juniorenabteilungen der Top-Vereine reinzuschauen. Damit hatte ich immer einen guten Vergleich auf nationaler Ebene um die eigenen Jungs gerade auch im Hinblick auf die Teilnahme an Sichtungstraings beurteilen zu können. Schwierig ist es dann ehrlich zu sich selber als Vater und Trainer zu sein. Die Jungs taten sich da oft leichter als ich, nicht zur Spitze zu gehören ;)

  • Günter
    Das bei euch praktizierte Sichtungssystem unter Einbindung der Vereinstrainer finde ich gut. So gibt man jedem Verein und jedem Trainer die Möglichkeit der Mitwirkung. Allerdings sollte man von der Stichtagssichtung abrücken und einen Sichtungszeitraum einführen. Denn am Stichtag gibt es den Heimattrainereinfluß, der die Fähigkeiten seiner Spieler besser oder schlechter geschult hat. Das Talentpotential festzustellen bedeutet hingegen die Feststellung, wie schnell welche Fortschritte erzielt werden können. Ferner gibt auch ein Sichtungszeitraum die Möglichkeit, inwieweit die Eigenmotivation, Fleiß und der Spaß am Fussball der Antriebsmotor zur Weiterentwicklung der Talente vorhanden ist. Natürlich bedeutet dies für alle Beteiligten einen höheren Aufwand. Dagegen steht dann aber ein gerechteres Auswahlverfahren und die Förderung von Talenten, die nicht nur besondere sportliche, sondern auch charakterliche Fähigkeiten besitzen. Wenn man das Glück hat, sich mit genügend Ex-Profis zu unterhalten, dann hört man immer wieder das Argument: es gab genug Spieler, die mehr Talent hatten als ich. Die meisten kamen nach einem Leistungsknick, der ersten schwereren Verletzung oder einem Trainer, der sich schlecht beurteilt hat, nicht zurück in die Spur. Sollte das nicht zu denken geben? Ich finde es immer wieder lustig, wenn ein neuer Jahrgang zum Stützpunkt kommt und Eltern wie Spieler sich darin einig sind, das alle Nationalspieler werden, mindestens aber Bundesligaprofis! Soll man ihnen schon am ersten Tag diesen Traum nehmen?


    Nun zu den unterschiedlichen Sichtungsmethoden:
    Nach dem DFB-Stützpunktfördersystem werden pro Jahrgang ca. 15 Spieler ausgewählt und erhalten montags zusätzlich ein Fördertraining von Trainern, die für den Leistungsbereich ausgebildet werden. Die Scouts der Leistungs- und Profivereine interessieren sich hingegen nur für die Top-Talente in ihrer Umgebung, wobei der Sichtungsradius immer größer wird, je älter die gesichteten Kinder werden. Die DFB-Förderung ist gestaffelt nach Alter, die in den Vereinsleistungszentren nach dem Leistungsstand. Beide Systeme verfolgen den Zweck "die Stecknadel im Heuhaufen zu finden", d.h. die Hoffnung verfolgen, es möge das Talent dabei sein, welches eines Tages ganz nach oben gelangt. Schon allein aus diesen unterschiedlichen Merkmalen ergeben sich eine Reihe von weiteren Unterschieden. Beim DFB-Stützpunktsystem gibt es pro Jahrgang 2 - 3 Toptalente. Den Rest findet man auch auf anderen Sportplätzen. Manchmal gibts gar keine Toptalente, aber es wird trotzdem Fördertraining gemacht. Das Sichtungsgebiet der Leistungs- und Profivereine ist größer, weshalb die Schwankungen nicht ganz so groß sind.


    Weil jedoch im unteren Jugendbereich ohnehin noch keine seriösen Erfolgsprognosen gegeben werden können, darf man beide Fördersysteme nicht allzu ernst nehmen. Wünschenswert wäre die Verfeinerung der Messmethoden zur Nachhaltigkeitsprüfung. Denn, wenn nur ca. 0,5 % aller Stützpunktspieler das Ziel des Berufsfussballspielers erreichen, dann sollte man schon mal nachschauen, was die anderen 99,5 % so treiben bzw. was mit ihnen getrieben wird?


    Vermutlich wird es wieder auf das Ergebnis der deutschen Nationalmannschaft in der EM ankommen, ob man in Frankfurter DFB-Zentrale mit den Kopf zum "weiter so" nickt oder aber im Mißerfolgsfall das bisherige System auf den Prüfstand stellt und nach Optimierungsmöglichkeiten sucht. Auch, wenn man allzugerne wiederholt, das ja die Jugend die Zukunft sei, dominiert das Interesse an der Nationalmannschaft als "Aushängeschild" des Landes. Der Rest darf kleine Brötchen backen!

  • Interessant deine Schilderungen! Man muss hart im Nehmen sein, für Sensible, d.h. kreative Gemüter, ist da kein Platz...? So erlebe auch ich dies "Sichten", das vor allem Selektieren zu sein scheint! Daher der Wunsch zur "Validierung" der Kriterien u. Aspekte. Falls jemand den Ein-Blick hat, die mal objektiv, in ihrer mutmaßlichen Rangfolge zusammenzufassen, da ich dazu sont nichts finden konnte...

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....


  • Also bei unserem DFB Stützpunkt bist du mit 12 Jahren raus. Entweder du hast es in die Auswohl oder in ein Internat geschafft, oder nicht. Es gehen unglaublich viele Talente verloren. Und eine Sichtung findet dann schon noch für die Landesauswahl statt, zu der man aber nicht mehr eingeladen wird, sondern nur noch die Kinder der Internate. Somit war unser Sohn dann mit 12 aus diesem System ausgemustert.

  • @Milky
    Nach derzeitigem Leistungsbeurteilungsverständnis läßt sich eine Veranlagung bereits sehr früh feststellen. Weil aber nicht nur die Top-Talente, sondern auch die über dem Durchschnitt liegenden Talente gefördert werden, glaubt man eine gute Basis für die Jugend-Elite-Ausbildung gefunden zu haben. In dieses System passen allerdings kaum die Ausnahmen (z.B. Talente, die erst später zum Fussball kommen, weil sie vorher in einer anderen Sportart aktiv waren). Bei den Mädchen passt dieses Fördersystem gar nicht, weil viele erst später mit dem Fussball starten. Hier kann`s sogar vorkommen, das die U 17 ihre Frauenmannschaft schlägt. Später als Damenmannschaft dann aber ebenfalls gibt ihr Vereins-Mädchenmannschaft verliert. Denn anders als bei den Jungen, wo sich der Muskel- und Körperlängenzuwachs nützlich für die Sportart erweist, können die weiblichen Körperrundungen und die geringere Zunahme an Muskelmasse nicht so positiv für die Sportart genutzt werden. Für mich war es z.B. gar keine Überraschung, das die deutsche U 17 Mädchenmannschaft beim Testspiel gegen ein Team aus der 2. BuLi dominierte und deutlich gewann. Weil diese Sparte des Mädchen- und Frauenfussballs noch sehr jung ist, überlegt man derzeit, ob man die Altersbegrenzungen für die Teilnahme von Mädchen in Frauenmannschaften lockert.


    Doch nun zurück zum Fördersystem bei den Jungen:
    Darin unterscheidet sich das niederländische und deutsche Vereins-Sichtungssystem nicht. Allerdings gibt es danach deutlichere Unterschiede, die ich bereits an anderer Stelle erläutert habe. Während bei den deutschen Vereinen ein hohes Maß an "Kirchturmdenken" vorhanden ist und nach kurzfristigen Erfolgserwägungen Talentförderentscheidungen getroffen werden, sind die Niederländer daran interessiert, mit gemeinsamen Anstrengungen durch Zusammenschlüsse von Nachwuchsabteilungen mehrerer Vereine möglichst viele Talente an den obersten Leistungslevel heranzuführen. Ein Erfolgsrezept haben auch unsere holzschuhklappernden Nachbarn nicht. Dennoch schaffen sie es Jahr für Jahr deutlich mehr Talente aus dem Jugendbereich in den höchsten Seniorenbereich zu fördern, während bei uns viele auf der Strecke bleiben. Das meinte ich z.B. mit meiner Bemerkung, man möge doch mal schauen, was mit den anderen 99,5 % von Talenten wird! Weil aber die Niederlande nicht mal so viele Einwohner wie das Bundesland NRW hat, können die sich eine Talentverschwendung nicht leisten, wenn sie weiterhin international "mitspielen" wollen.

  • Verstehe was du meinst. Es ist nur schwer dafür eine Lösung zu finden. Es ist auch eine finanzielle Sache. Nicht nur beim DFB auch bei den Eltern. Die Frage ist, können wir uns erlauben so viele Talente durch das Raster fallen zu lassen? Ich denke nein. Was könnte die Lösung sein. Einfach nochmal zu Sichtungen einzuladen, auch wenn die Kinder mit 12 ausgesiebt wurden ? Ihnen nochmal mit 15 oder 16 eine Chance zu geben ? Wo dann aber hin mit diesen Talenten? Die Sportinternate haben dann schon 3 bis 4 Jahre oder mehr in die Talente reingesteckt, die sie mit 12 geholt haben.
    Mir fällt keine Lösung ein, die fair, finanzierbar und umsetzbar wäre.


    Ich finde die Geschichte von unserem Sohn ist das Beste negativ Beispiel , das es so, wie es jetzt läuft nicht gut ist

  • @Milky
    Ich verstehe deine Sorge, wonach "alle Türen zu sind, wenn man erst einmal ausgesiebt wurde"! Es kommt aber nicht darauf an, was du willst, sondern was dein Kind will. An anderer Stelle hatte ich mal erwähnt, das ich mal ein Experiment gewagt habe und 8 Keeper vom F-D-Jugend-Alter (die von ihren Trainern für unfähige Feldspieler gehalten wurden) eine Saison lang zu trainieren. Von diesen Torleuten qualifizierten sich 3 für den Stützpunkt. 2 wurden genommen. Der dritte, der für zu klein gehalten wurde, hat heute Schuhgröße 47, Hände wie Bratpfannen und ein Kreuz wie ein Ochse. Weil es ich genervt, aber auch einen zusätzlichen Ansporn gegeben hat, fleissig weiterzutrainiern, spielt dieser Keeper heute am höchsten und hat fast nach jeder Saison Angebote noch höher zu spielen. Er möchte aber (noch) gar nicht, weil er den Mehraufwand fürs Training scheut und Angst hat, das er in der Schule nicht mehr mitkommt. Ein anderer Stützpunktkeeper spielt heute Tennis, weil er über einen Freund plötzlich Spaß an dieser Sportart gefunden hatte und ziemlich enttäuscht war, das er auf dem Stützpunkt kein TW-Training bekam! Es war übrigens gar nicht das Ziel, es den Vereins- oder Stützpunkttrainern mal zu zeigen, das man mit vielseitigen Training Keeper zu höheren Leistungen formen kann. Wir wollten einfach nur gemeinsam Spaß miteinander haben und den hatten wir!


    Nun zurück zur Frage, was Talente auszeichnet. Es ist neben der Veranlagung zur Handlungsschnelligkeit in erster Linie der besonders stark ausgeprägte Wille, selbst bei ungünstigsten Rahmenbedingungen in Verein, Familie, Schule, ectl. seine Leidenschaft zur Sportart ausleben zu wollen. Dieser hohe Grad an Eigenmotivation gepaart mit Trainingsfleiß und sich durch nichts in der Welt vom Weg abbringen zu lassen, treibt diese Talente kontinuierlich zu Höchstleistungen. Wir Trainer sind da nur sehr unbedeutende Randfiguren, indem wir gemeinsam daran arbeiten, aus ihnen selbständige Individuen werden zu lassen. Deshalb rate ich auch davon ab, als Eltern mehr als ein Berater sein zu wollen, denn fremdgesteuerter Erfolg führt allzuhäufig dazu, das versäumte Lebenserfahrungen später zu scheitern führen. Will sagen: wenn ihr euer Kind zu etwas drängt, was es aus eigenen Stücken nicht will, dann macht ihr was kaputt, was sich später kaum noch reparieren läßt!


    Es mag Eltern schwer fallen zu akzeptieren, das ihre Kinder trotz vorhandenen Talents andere Interessen haben. Das kann daran liegen, das sie einfach noch nicht so weit sind oder aber gar nicht mehr als das Bisherige wollen.

  • Letzendlich schaffen es eh die wenigsten und werden meiner Meinung nach oft auch verheizt. Das war mir damals einfach nicht klar, als er bei den Sichtungen und Probetrainings war. Jetzt ist man schlauer und jetzt weiß ich , das er hinter der Entscheidung steht , wenn er sich zu einem Probetraining anmelden will und nicht wir als Eltern. Denn ich möchte mir später nicht nachsagen lassen müssen, ich hätte ihn zu irgendetwas genötigt. ;)


    Schau mal, was ich weiter oben geschrieben habe. ...


    Vor einer Woche hat er mich gefragt, ob er nochmal woanders ein Probetraining machen darf. In Richtung Westen, weil er sich dort auch mal was wegen Arbeit oder Studium verspricht. ;)


    Also nix, es kommt von mir . Ich habe ihn gefragt, ob er auch mit einer Zurückweisung leben könnte und er meinte, klar, dann habe ich es aber versucht ;)

  • @Milky
    Ich glaube, ich habe heute einen schlechten Tag ?( ! Ich habe nicht gemeint, das du dein talentiertes Kind zu etwas drängen sollst, weil ich dieses Gefühl bei dir hätte!


    Du hattest die Frage gestellt, ob wir uns leisten können, Talente durchs Raster fallen zu lassen. Wenn`s systembedingt ist, dann sicherlich nicht! Ansonsten gibt es deutlich wahrnehmbare Talentmerkmale, durch die auch eine spätere Chance für den Leistungs- und Profifussball besteht. Genau diese habe ich versucht (leider nicht gut genug) zu beschreiben. Dann war es ein allgemeiner (nicht persönlich) gemeinter Hinweis, nicht zu drängen, sondern als fürsorglicher Ratgeber dem Kind stehts zur Seite stehen, wenn man gebraucht wird.


    Ich hoffe, es wird jetzt klarer ^^ !?!

  • jow, ....manchmal versteh ich es falsch, weil ich es auf mich beziehe..... ups, wieder was dazugelernt.


    So, jetzt laß ich mal wieder die "Profis" mit ihrem Fachchinesisch ran, gell !!!! :D

  • Nun zurück zur Frage, was Talente auszeichnet. Es ist neben der Veranlagung zur Handlungsschnelligkeit in erster Linie der besonders stark ausgeprägte Wille, selbst bei ungünstigsten Rahmenbedingungen in Verein, Familie, Schule, ectl. seine Leidenschaft zur Sportart ausleben zu wollen. Dieser hohe Grad an Eigenmotivation gepaart mit Trainingsfleiß und sich durch nichts in der Welt vom Weg abbringen zu lassen, treibt diese Talente kontinuierlich zu Höchstleistungen. Wir Trainer sind da nur sehr unbedeutende Randfiguren



    eine äusserst gelungene Interpretation, die ich voll unterstreiche.


    dies betrifft jedoch nicht nur die Talente, sondern im Prinzip alle etwas besseren Spieler einer jeden Mannschaft, wobei dann obige Anforderungen durchaus etwas
    abgestuft sein können. Hier würde ich dann den Trainer nicht unbedingt als Randfigur betrachten, jedoch in der persönlichen Entwicklung des Einzelen
    auch nicht die Bedeutung zumessen, wie hier oft der Eindruck vermittelt wird.


    gg

  • Günter
    Da hast du wohl recht.


    Der Erfolg hat immer viele Väter. Jeder möchte sich gerne darin baden! Nur bei den Mißerfolgen will es natürlich keiner gewesen sein! Warum sollte es auch bei uns Trainern anders sein als sonst im Leben?


    Je schwächer das Talent und der Wille ausgeprägt sind, je mehr sind wir als Trainer gefordert, Hilfestellungen zu leisten. Anders herum wäre es ein Trugschluß allein von der Anzahl der erfolgreichen Talente schon auf die Qualität der Trainer zu schließen.


    Aber immer wieder fallen die Eltern von talentierten Kindern aus dem unteren Jugendbereich herein und lassen sich beschwatzen, das ja nur im Verein XY das Kind richtig gefördert werden kann. Leider werden auch manche Vereine nicht klüger! Denn sie schaden indirekt sich selbst, wenn sie Kinder zu früh aus den Dorfvereinen holen, nur um kurzfristige Leistungsziele zu realiseren oder eben nur, damit sie kein anderer vor der Nase wegschnappt. Diese Form der "Talentwegelagerei" treibt manchmal seltsame Blüten. So hat sich ein Jugendleistungszentrum dazu entschieden, pro Jugendbereich mit einer Leistungsmannschaft an den Start zu gehen. Diese Spieler dürfen dann nicht in den anderen Mannschaften eingesetzt werden. Dieser selbstauferlegte Zwang mag für die Spieler der unteren Mannschaften von Vorteil sein, da sie keinen Konkurrenzdruck von oben fürchten müssen. Für die Nr. 16, 17, 18, 19 und 20 des Leistungsteams ist es aber ein gravierender Nachteil. Die dürfen nahezu die komplette Saison die Reservebank drücken und können sich, um ihrer Spielpraxis beraubt, kaum weiterentwickeln. Wenn es denn wenigstens Trainingsspiele gegen andere Teams zur Wochenmitte für diese Kinder gäbe!


    Leider werden die Eltern und Spieler meist erst nach der Spielerpass-Übergabe an den neuen Verein über dessen Rahmenbedingungen informiert.


    Wenn man sich zu solch einer Regelung entschließt, dann würden 15 Spieler reichen. Die anderen 5 Spieler holt man nur deshalb, um in Verletzungs- und Krankheitsfällen "auffüllen" zu können, damit die Saisonziele nicht gefährdet werden.


    Das Vereins-Image und die Intransparenz im Jugendbereich machen diese Methoden möglich, da es keine neutrale Informationsquelle gibt, die bei Einzelfall-Entscheidungen beratend tätig ist! Allerdings habe ich das Gefühl, das unsere Kinder schlauer werden und neben dem Bedürfnis nach guter Trainerarbeit sich auch im Verein und der Mannschaft wohlfühlen möchten. Auch Eltern oder Trainer glauben nicht mehr blindlinks alles und informieren sich (auch übers Internet)! Gerade, weil die Jahrgänge nicht mehr so stark sind, müssen sich die Vereine darauf einstellen, ihre Talentarbeit auf den Prüfstand zu stellen, denn immer weniger Talente wollen sich "verheizen" lassen!

  • eine äusserst gelungene Interpretation, die ich voll unterstreiche.


    dies betrifft jedoch nicht nur die Talente, sondern im Prinzip alle etwas besseren Spieler einer jeden Mannschaft, wobei dann obige Anforderungen durchaus etwas
    abgestuft sein können. Hier würde ich dann den Trainer nicht unbedingt als Randfigur betrachten, jedoch in der persönlichen Entwicklung des Einzelen
    auch nicht die Bedeutung zumessen, wie hier oft der Eindruck vermittelt wird.


    gg


    Die Interpretation mag systembezogen gelungen sein, aber ist dies System per se gut? Ich war auch mal recht offen für die "Triumph-des-Willens-Ideologie" im KiFu, hab mir dann aber gründlich überlegt, woher sie stammt. Gefördert wird da nur ein betimmter Menschentyp, ich meine nicht der unbedingt beste, und so sieht Fußball global dann auch aus: psychisch "robust", uninspiriert, berechnend gewaltsam, sein Geschick "in die Hand nehmend, bloß keine Probleme (fußballbezogen stromlinienförmig), immer sieg-, ich-, werbe- u. geldfixiert ("käuflich"): wie auch Wirtschaft, Politik, Massenmedien. Ist hier der "Weg" (von dem man ssich nicht abbringen lässt) ein eigener o. nicht viel mehr vorgezeichnet - eine Autobahn? Echter "Wille" oder nicht eher Gehorsam gegenüber den diktierten Bedingungen (inkl. "Kaufkraft")?
    Überall "triumphiert" heute quasi dieser gleiche Typ Mensch, dahinter schart sich sein Anhang sowie hinter Kulissen ruinöse Zustände: "brutal auf Erfolg konditioniert, sich dem (im angeblich eigenen Willen) ganz unterwerfend... Würde jemand mit echtem Charakter, echter Eigenmotivation einfach alles nur mitmachen? Kaum. Andere werden von diesem opportunistisch geschliffenem Typ, der ich zum Ideal für alle erklärt, als chancenlos ausgemustert :) die Kehrseite der Medailie!). Und es ist ja, wie Milky schreibt, vor allem finanzgetrieben, wenn man partout schon mit 12 so (ökonomisch) selektiv wie spekulativ eine elitäre Spitze herausfiltern will. Das geht am individuellen Menschen, am Kind völlig vorbei, denn es steht gar nicht wirklich im Fokus, oder? Vielleicht arg pessimistisch, wo doch auch reale Menschen mitarbeiten, sich "engagieren" (wobei vielen Profilierung durchaus nicht unwichtig ist). Aber die Frage ist immer, was ein System aus ihnen macht, wen es wie nach oben bringt, was die Kriterien der Auswahl menschlich bedeuten, woraufhin die Ziele in Wahrheit gehen, wem es nützt! Da alles sollte man vielleicht etwas kritischer sehen. Talent sollte auch eigenes Rückgrat, Charakter, Offenheit in alle Richtungen etc. auszeichnen, finde ich.

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Ich denke nicht dass Fussball nur einen bestimmten Menschentyp fördert.
    Klar muss man bestimmte Fähigkeiten und Veranlagungen mitbringen um im Fussball erfolgreich zu sein. Aber neben dem Fussball gibt es, mindestens bei Junioren auch noch ein privates Umfeld mit Familie, Feunden, Lehrern und Bekannten die NICHT Fussball spielen und das Kind genauso prägen, mit Vorbild, mit Musik, mit anderen Sportarten, mit Ferien, mit Medien, mit Nichtstun etc.
    Der Einfluss des Fussballs wird oft etwas überschätzt. Und es liegt meistens nicht am Fussball wenn sich das Kind nicht in die "Breite" entwickelt, sondern an den Eltern die ihr Kind nicht in die Breite fördern. Fussball ist besser als nichts, aber noch lange nicht alles.