Inwieweit Eingriff auf das Spiel nehmen

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  • Sorry,


    ich stelle jetzt erst fest, dass mein Post wirklich zu Fehlinterpretation führen kann.


    Die ersten drei Punkte sollen das Denken vieler Eltern aufzeigen.
    Die letzten zwei Punkte sind Feststellungen von meiner Seite.


    Gruß, Christoph

    C 1 Viktoria Buchholz


    Auf jede Mannschaft, die in Schönheit stirbt, kommen hundert, die in Hässlichkeit sterben – kein Grund also, sich auf Hässlichkeit zu fokussieren.
    Martin Rafelt

  • Ich habe meinen F-Jungs den Unterschied zwischen "Autoscooter-" und "VW-Bus-Fahren" erklärt / gezeigt. Ergebnis: fahren sie "Bus", machen sie in der Regel 3 - 4 Tore pro Spiel - in Teamwork! Fahren sie "Scooter", geht fast nichts. Aber: ich fordere den "VW-Bus" nicht ein ... ich erinnere sie nur ab und zu (dann, wenn's "total chaotisch" wird) vom Spielfeldrand aus mittels Zeigen eines kleinen Modellbusses daran. Manchmal ist ihnen dieses "Erinnern" eine Hilfe, manchmal bringts nichts.


    Ins Spiel reinrufen, korrigierend eingreifen wollen ... das habe ich mir vor 3 Wochen - und den meisten Spielereltern inzwischen auch - in Gänze abgewöhnt, denn die Kids wurden dadurch nur verunsichert. Verunsichert in IHREM (!!!) Spiel.


    Inzwischen beginnen wir unsere Spiele so: Spieler, Eltern u. ich sind in der Umkleide. Ich spreche ein paar motivierende Worte, sage den Kids, daß es IHR Spiel ist ... und wir Eltern und Trainer hinter ihnen stehen, sie anfeuern, uns freuen werden ... aber uns aus ihrem Spiel heraushalten werden. Ich bitte die Jungs dann, sich in Ruhe abzusprechen, wie sie spielen möchten (... wer spielt zunächst, wer bleibt vorerst als Wechsler draußen etc.) - wobei wir Eltern/Trainer währenddessen draußen warten. Wenn sie sich einig geworden sind, machen sie noch ihren Mannschaftsruf und kommen dann aus der Umkleide raus.
    Dieses Signal ("Raushalten") hat Doppelwirkung.


    Seit ich das so mache, hat sich der Teamgeist schlagartig verbessert. Plötzlich ist keiner mehr beleidigt, weil er nicht von Anfang an spielen darf. Auf dem Platz wird auf wundersame Weise plötzlich miteinander kommuniziert (... "hey A, spiel ab, ich bin dabei" oder "B, pass auf den xy auf" ... oder "Torspieler, du stehst zu weit links!").


    Inzwischen grinse ich innerlich über die bekannten "Joystick-Trainer", die total unter Strom stehen, sich die Lunge aus dem Hals plärren .... da sehe ich nunmehr ganz entspannt mit 'ner Tasse Kaffee in der Hand meinen Jungs zu und freue mich über viele Kleinigkeiten, die sie ganz alleine schaffen. Selbst das Auswechseln wird seit Neuestem (nicht immer, aber immer öfter) von den Jungs eingeleitet (..."Trainer, ich brauch ne Pause").


    Ob wir seither mehr Spiele gewinnen ? Nein. Aber auch das ist mir zwischenzeitlich Banane. Es ist seit meinem "Wandel" auch keine Träne bei den Jungs mehr geflossen. Kein Wunder ... jetzt dürfen sie ja endlich das, was sie eigentlich möchten: IHR SPIEL SPIELEN !


    In Falco's Song "Out Of The Dark" gibt es eine Textpassage, die da lautet "Muss ich denn STERBEN um zu LEBEN ?"
    Denkt' mal über diese Phrase nach, liebe Joystick-Coaches.


    Jürgen

  • boerngenju
    wenn die spieler bestimmen wer spielt, wüsste ich schon jetzt, welches mädchen bei uns als erstes den verein verlassen würde, gibts da keine probleme, das da einer sagt, ich spiele zu wenig?

    „Alles, was wir für uns selbst tun, tun wir auch für andere, und alles, was wir für Andere tun, tun wir auch für uns selbst.” - Thich Nhat Hanh

  • tibo


    Sorry, vielleicht habe ich mich da ein wenig mißverständlich ausgedrückt.


    Wir haben 13 Kicker im Kader. Zu Spielen gehen i.d.R. 9 mit.


    Diese Zusammensetzung entscheide generell ich als Betreuer - aber unter Berücksichtigung mehrerer Faktoren. "Oberstes Gebot" dabei ist, daß unterm Strich (also in einem bestimmten Zeitabschnitt, sagen wir während der Vorrundenspiele) alle angemessen zum Zug kamen.
    Von krankheitsbedingten o. ä Ausfällen/Absagen abgesehen ist für mich die Trainingsbeteiligung eines jeden ein entscheidender Aspekt.


    Die "Selbstbestimmung" der Spieler, von der ich sprach, bezieht sich auf den Spieltag, d.h.: die Jungs bestimmen, wer von den 9 wo spielt (wir kicken 3-3) und welche beiden zunächst als Auswechsler fungieren.
    Seit die Jungs - und nicht mehr ich - dies regeln, gibts kein Gemotze (... unter anderem: "Wieso darf A und nicht ich zuerst spielen") mehr.


    Gruß
    Jürgen

  • Ich habe in der letzten Zeit einiges gelesen und viel ausprobiert. Vielen Sachen stimme ich zu und kann ich bestätigen und viele Sachen finde ich nicht sinnvoll.


    Zu allererst ih habe die Trainingseinheit unter http://www.soccerdrills.de/Theorie/raumaufteilung.html mal eingeführt. Ich habe folgendes erklärt. Unser Motto habe GEMEINSAM VERTEIDIGEN , GEMEINSAM TORE ERZIELEN. Ich habe sie gegen den Tabellenführer "ohne " Postionen spielen lassen: 0:18. Ich habe Ihnen dann erklärt warum soviele Tore gefallen sind, mal davon abgesehen das der Gegener wirklich eine klasse für sich war, das das Fussballspiel so wie in diesem Spiel nicht funktionieren kann, nämlich alle auf den Ball. Habe Ihnen erklärt das es eine Lösung für dieses Problem gibt, nämlich die Aufgabe des verteidigens und angreifens aufteilen. Ich habe meinen Jungs erklärt das jeder für einen bestimmten Bereich des Feldes (links, mitte oder rechts) verantwortlich ist. Im Rahmen dieser Aufageb kann er fei handeln und frei entscheiden. Der, der die linke Seite als Aufgabe bekommen hat hat also nichts auf der rechten Seite zu suchen, der der links spielt nichts auf der rechten. Das haben die Jungs verstanden. Ich habe es in den letzten 3-4 Traingseinhiten immer ca. 5 Minuten erläutert und wie in der obigen Trainingsübung durch verschieb geübt, jetzt wissen Sie bescheid. Resultat: Gegen eine Mannschaft die das selbe Niveau hat wie wir haben die Jungs es bis 5 Miunuten vor schluss genaus so gemacht, dann lies Konzentration und Kraft nach und aus einer 2:1 Führung wurde ein 2:3. Aber egal.
    Man kann also auch in der F-Junioren etwas an Taktik mit einstreuen, sollte aber beachten ob es bei den Jungs ankommt, da manche doch noch sehr verträumt sind.


    Ansonsten kann ich nur sagen: 20% Technik Training und 80% Spielen in allen Varianten die auch hier schon erwähnt wurden.


    boerngenju:
    Was du hier schilderst halte ich persönlich nicht für sinnvoll. Wenn sie ihr Spiel ohne Anleitung machen wollen, sollen sie auf eine Bolzplatz gehen. Dort kann jeder entscheiden wo und ob er spielt. Als Trainer entscheide ich nach der Trainingseinstellung und - beteiligung wer von Anfang an ran darf oder nicht, ich entscheide wer auf welche "Position" spielt. Das soll jetzt nicht bestimmerhaft klingen, aber als Übungsleiter hat man die aufgabe das ganze zu steuern und den Jungs das Spil beizubringen.
    Ich wechsle bei meinen Jungs auch die Startaufstellungen und Auswechslungen, so das es gerecht ist. Aber einer muss das Ganzen in der Hand haben.


    Gutes Training soll belohnt werden, und ob jemand gut trainiert hat entscheid ich und sorry nicht die Jungs.


    Mir geht noch sovieles duch den Kof aber das wars erstmal für den Anfang... ich melde mich nochmal.

  • Ja wie soll ich es jetzt sagen ohne mich gleich mit der Hälfte anzulegen


    Punkt 1 Trainer die reinrufen machen meiner Meinung nach nichts falsch, entscheiden für mich ist was und wie oft sie reinrufen.


    Punkt 2: Selbstbestimmung der Kinder das ist für mich eigentlich nur die Verantwortung an die Kinder abgeben, meiner Meinung nach ist das die falsche Methode wenn die Kinder zu einem ausgebildten Trainer kommen wollen sie dann vermutlich immer noch Selbstbestimmen möchten, werden aber schnell merken das erstmal nur der Trainer entscheidet. Tut mir leid das ist aber auch die einzige Form wie ein Mannschaftssport dauerhaft funktioniert, das jeder alles selber entscheidet ist in Trainingsspielen gut, hat aber in einem Spiel bei dem die Kinder auch etwas lernen sollen nichts wertvolles.


    Punkt 3 jede Woche hoch zu verlieren schadet den Kindern mit sicherheit nicht, aber wenn sich das zu lange hinzieht sollt der Trainer sich dringend über eien Fortbildung Gedanken machen, da die Psychologie auch bei den Kindern eine sehr große Rolle spielt, hat es nicht immer nur etwas damit zu tun was wir den Kindern beibringen (technisch) sondern wie wir mit Ihnen umgehen, verlieren muß man lernen das ist wichtig aber auch Gewinnen ist wichtig. Die Ziel in einem Spiel ist eben das man Gewinnen, wie oft und wie hoch ist denke ich nicht wirklich wichtig solange du keine überdurchscnittlichen Spieler hast, denen muss man eben auch mehr bieten oder sie zu anderen Trainern oder Vereinen bringen.


    Punkt 4: Ich glaube im Forum wird immer eine Weisheit gesucht ich denke jeder Trainer jeder Spieler/inn und jede Mannschaft brauchen auch unterschiedliche Trainingsformen,
    pauschalen wie
    ....nicht reinrufen
    ....nur hinten oder vorne spielen lassen
    ....kein Torwarttraining in der F Jugend
    ....gewinnen ist nicht wichtig
    ....Fußball besteht nur aus Spaß
    ....alles was der DFB schreibt ist richtig oder auch falsch
    halte ich für den Fußball nicht sinnvoll, ich denke es gibt immer 2 Seiten und die eine kann mal richtig wie auch falsch sein

    Einmal editiert, zuletzt von fussiball ()

  • hallo fussball


    mit mir legst du dich da nicht an, sehe es genau so.


    warum aber nicht mal neue Wege versuchen. nur wer oft genug auf die Schnauze fällt, wieder aufsteht kommt weiter.


    gg

  • Mit diesem Post möchte ich allen Mut machen, die den Straßenfußball in die Vereine zurückholen wollen.
    Straßenfußball heißt für mich, den Kinder ihr selbstbestimmtes Spiel lassen.
    Unser Job als Coach, während des Spiel, ist es meiner Auffassung nach, dass wir nur auf ein wenig Gerechtigkeit achten.
    Alle Kinder bezahlen den gleichen Beitrag, also haben auch alle das gleiche Anrecht auf ungefähr die gleichen Spielzeiten.
    Auch heute halte ich mich immer noch an meinem Post von 2006.
    Spielsysteme 7:7



    Achtung!, als F-Jugend-Trainer während des Training (beim mir natürlich Coerver) habe ich aus meiner Sicht auch andere Aufgaben.
    Je nach Schwerpunkt 20 - 40 % Techniktraining . Der Rest des Trainings ist freies Spiel vom 1 gegen 1 bis max. 4 gegen 4.
    Das 1 gegen 1 hat auch den Vorteil, dass sich kein Kind auf die anderen Kinder verlassen kann/muss.
    Somit wird ihnen schon in diesem Alter spielerisch bewusst, dass jeder für das gesamte Spiel/Feld verantwortlich ist.
    Wer sich ausruht wird beim 1 gegen 1 ziemlich schnell spielerisch in die von uns gewünschte Spielauffassung gelenkt.


    Die Ausbildungserfolge meiner Vereinsspieler habe ich im folgenden Link schon einmal gepostet:
    "System" in der F-Jugend



    Mit meiner jetzigen F-Jugend (Jahrgänge 2002/2003/2004) funktionert es schon wieder. Da ich keine Jahrgangsmannschaften bilden kann,(Dorf mit 710 Einwohner)
    betrachte ich diese Jahrgänge als meine Kinder.
    Die 2002 spielen zurzeit in der E-Jugend. 2 von ihnen haben den Sprung in die Kreisauswahl geschafft.
    Von den 2003 ist ebenfalls schon ein Spieler in der Auswahl, weil er unglaublich kreativ und technisch extrem weit entwickelt ist.
    Nächstes Jahr werden mindestens 4 Spieler der 2003er und 1 Spieler des 2004er Jahrganges in die Auswahl kommen.


    Übrigens haben wir mit unserer Coerver Master-Class (Fußballschule) unseren ersten 1 Jugendnationalspieler mit ausgebildet.
    Er war, bevor er zum HSV wechselte, 1,5 Jahre jeden Mittwoch in unserer Fußballschule.
    http://www.dfb.de/index.php?id=13109&no_cache=1&action=showPlayer&player=jacobsen_thore&lang=D&cHash=3e6ebe14dedd6ae974584cf5261c6148


    Gehörte jetzt nicht ganz hier her, aber so wie ich in meinem Heimatverein arbeite, so bilde ich auch die Jungs in der Coerver-Master-Class aus.
    Allerdings ist hier das Verhältnis von Spiel- zum Trainingsanteil ca. 40% zu 60%

    Ein Kind trainieren heißt nicht, eine Vase zu füllen, das heißt, ein Feuer anzuzünden