Einstellung im Spiel

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  • Hallo zusammen,


    ich trainiere seit November 2008 eine A-Jugend. Übernommen habe ich die Mannschaft mit 0 Punkten. Mittlerweile haben wir 4, stehen aber natürlich mitten im Abstiegskampf. Da es 3 weitere Mannschaften mit so wenig Punkten, ist der Abtsiegskampf lange nicht verloren.


    Die Mannschaft hat bereits in vielen Spielen gezeigt, das sie lange mit den Gegnern der oberen hälfte mithalten kann. Aber seit 2 Spielen ist es wieder so, das 95% der Spieler diese "0 Bock" Einstellung an den Tag legen. So wieder gestern, wir spielen beim Tabellen 4, liegen 1:0 in Rückstand, kämpfen uns auf ein 1:1 heran. So steht es bis zur 75.min (!!), Endergebnis 1:7!!!! Bei jedem Rückstand lassen sie den Kopf hängen und haben keine Lust mehr. Die Mannschaft ist nicht Motiviert und zeigt auch nicht die benötigte Eintellung, den Abstieg verhindern zu wollen. Ich als Trainer war nach dem Spiel natürlich arg angefressen, aber die meistens Spieler gehen lachend vom Feld. "Gott sei dank haben wir nicht 10 bekommen" "HAHAHA". Da bekomme ich mehr als einen dicken Hals. Ich habe den Eindruck, es ist denen egal, ob wir absteigen oder nicht. Ich versuche wirklich alles, bin jedes mal auf neue Motiviert, aber komme nicht an die Mannschaft ran.Trainingsbeteiligung als solches stimmt, die Qualität ist sicher auch nicht das Problem. Aber die Einstellung. Liegt es vielleicht an mir? Bin ich vielleicht doch der falsche? Hat jemand Tipps, was und wie ich was ändern kann. Vom Gefühl her kann ich nicht sagen, das die Mannschaft ein Problem mit mir hat, im Gegenteil, da ich auch ausserhalb des Platzes einiges Positiv verändert habe.


    Vielleicht könnt ihr mir ja helfen. Donnerstag haben wir ein wichtiges Nachholspiel, bei einem Tabellenplatz konkurrenten.



    LG


    Timo

  • grüß dich


    als a - junioren trainer hast du es mit einer (fast) schon erwachsenen truppe zu tun. aber eben nur fast. ich vermute viele deiner jungs nehmen fußball in diesem alter nicht mehr so ganz ernst bzw. merken erst im spiel, dass es um was geht. die jungs sind aber durchaus bereit, leistung zu erbringen und sich dir unterzuordnen. als ich a - junior war, konnte ich mich nicht wirklich mit unserem damaligen trainer identifizieren... ergo habe ich nicht mit so viel sicherheit gespielt, weil der trainer total ruhig am rand war, nichts aufmunterndes gesagt hat usw.


    als erstes musst du die truppe (wie du richtig gesagt hast) erreichen. hängt natürlich von jedem selbst ab aber der beste weg führt für mich über den "kumpeltyp". sei humorvoll, mach mal ein späßchen im training mit und lass sie nicht an die tabellensituation denken. zeig ihnen, dass du an sie glaubst aber mache ihnen klar, dass es ohne den eigenen siegeswillen auch nicht aufwärts geht.
    doch auch ein kumpeltyp muss mal sauer werden dürfen:


    Zitat

    Ich als Trainer war nach dem Spiel natürlich arg angefressen, aber die meistens Spieler gehen lachend vom Feld. "Gott sei dank haben wir nicht 10 bekommen" "HAHAHA". Da bekomme ich mehr als einen dicken Hals.

    In der Situation musst du alle spieler in der kabine mal auf deutsch gesagt die meinung geigen. dabei gehts aber nicht um die lautstärke deiner rede, sondern stelle ihnen doch auch mal fragen wie: "wollt ihr absteigen, damit die spiele wieder einfacher werden?" erfrage ihre ansicht zu ihrem verhalten und stichel ruhig mal ins ego. die kerle werden auf jeden fall eins haben und bei vielen definiert sich das über fußball. wie gesagt: du musst dir nicht alles bieten lassen.


    du brauchst aber mehr geduld. nur mit mit viel harter arbeit kanst du harmonie UND leistung unter einen hut bringen, und zwar nur, wenn dir die spieler vertrauen und du ihnen rückendeckung gibst.
    mein rat: versuch es weiter!


    schleifer

    "Ihr vier spielt jetzt drei gegen zwei!" ;)


    "Der Verteidiger wurde fair vom bein getrennt!"


    "es ist enorm wichtig, dass man neunzig minuten hundertprozentig ans nächste spiel denkt!"

  • Die Worte meines Vorredners hören sich schon sehr plausibel an. Im echten Umgang mit einer A Jugend kenne ich mich nicht aus, jedoch im Umgang mit Jugendlichen allgemein.


    Ich möchte dazu nur einen Gedanken anfügen:


    Wieso spricht ein Firmeninhaber manchmal mit einem Mitarbeiter, statt mit allen. Ein Trainer spricht oft vor allen Spielern, einen Firmeninhaber oft nur einmal im Jahr, ...auf der Betriebsversammlung. Ansonsten geht man als Einzelkämpfer in sein Büro.


    Ich würde zu dem von Schleifer genannten auch Einzelgespräche führen und zwar nicht nur mit den "Wortführern", sondern auch mit den "Mitläufern". Mitläufer würde ich versuchen stark zu reden. Jedem Einzelnen kann man hier direkt und punktgenau versuchen ins Ego zu reden. Da kann sich das Gegenüber nicht mehr hinter die Brust der Gruppe verschanzen, sprich er steht nackt vor Dir und das ha, ha, ha, wird wohl nicht stattfinden, es sei denn, der ist noch vollkommen Grün hinter den Ohren. Gruß Andre

  • Ja, es ist eine Frage des Charakters der Mannschaft bzw. der Einzel- oder Führungsspieler.


    Im Prinzip wollen sie Leistung erbringen, was das Beispiel des Spieles 1-1 bis zur 75 Minute durchaus bestätigt. Dann aber verfallen sie kollektiv in tiefe Depression und stellen die Arbeit völlig ein. Das hat zum einem mit dem eigenem, teilweise fehlendem Selbstbewußtsein, zu tun, ist aber für meine Einschätzung ehr ein falsches Gruppendynamisches Verhalten. Hier sind meiner Meinung nach als erstes die Führungsspieler in der Pflicht, ihre Mitspieler mit zu reißen.


    Hier würde ich zwei Dinge empfehlen. Als erstes vor versammelter Mannschaft die eigene Einschätzung, für das auseinanderbrechen der Mannschaft, erläutern, um dann den Spielern die Möglichkeit zu geben, den vorhandenen Bruch im Spiel bzw. in der Leistung zu erklären. Das ganze bitte ruhig und sachlich, da das draufhauen garantiert den gegenteiligen Effekt haben würde, den man erreichen möchte. Unabhängig davon sind Einzelgespräche mit allen Spielern erforderlich, da jeder über einen anderen Charakter verfügt bzw. unterschiedlich angesprochen/motiviert werden muss, damit er unabhängig von den anderen bis zum Spielende seine Leistung erbringt.


    Ohne Änderung in der Einstellung, bei schwierigen Spielsituationen, könnt und werdet ihr nicht erfolgreich sein. Aus meiner Sicht handelt es sich um ein offensichtliches Kopfproblem bei den Spielern.

    Wer kämpft kann verlieren - wer nicht kämpft hat bereits verloren

  • Ich sehe es so: Als E - Junioren Trainer, trainiert man mit "kleine Kinder" und als A - Junioren Trainer, trainiert man mit "grosse Kinder". Diese Jungs sind zwischen 17 + 19 Jahre alt und sind noch lange nicht so reif, wie wir es uns vorstellen. Es gibt nur wenige die mit 19, schon "Männer" sind.


    Diese lachen nach einer 1:7 Niederlage und Du regst Dich auf? Dann trainierst Du das falsche Team! Dein Ziel muss die Ausbildung sein, da darfts Du Dich aufregen, wenn die Junioren im Training nicht recht mitmachen.


    Zu den Teams; Es gibt Teams, die gehen voll auf Leistung und können diese sogar durch Druck beibehalten oder sogar erhöhen. Diese Teams, sind für mich schon bald Spitzenfussballteams. Dafür gibts in solche Teams andere Probleme; zB. die Einwechslung eines weniger Leistungsfähigeren Spieler kann schon für Unstimmigkeiten sorgen und solche Spieler werden grundstäzlich nicht im Team akzeptiert. Dann gibts Teams wie deine; Natürlich stört es den Jungs, 1:7 verloren zu haben. Anderseits beweisen diese eine Menge Moral... So einfach werden sich diese nicht von einer Krise unterkriegen lassen, weill Sie ganz locker eingestellt sind. Was musst Du machen? Akzeptiere es doch so! Es sind ganz klar Breitensportler die Du da hast. Diese wollen zwar spielen aber ein Sieg muss ja scheinbar nicht sein. Beim Training würde ich nicht mal darüber reden. Hacke das Spiel ab. Versuche beim nächsten Training möglichst locker zu sein und beim Einstimmen etwas lustiges einzubauen. Danach wird aber weiter, mit beharrlichkeit geübt und trainiert.


    Irgendwie erinnert mir deine Geschichte, an meinem B2 die ich vor ca. 2 Jahren trainiert hatte. Alles lustige und aufgestellte Jungs. Diese hatten am Anfang "Larifari" aber lernten dass das Training doch noch Spass macht. Verlieren war kein grosses Problem, dass Team konnte nach einer 10:0 Niederlage noch lachen, was meine Arbeit im Psychologischen Aspekt erheblich vereinfachte, da es ja diesen nicht störte.


    Etwa so kommt mir dein Team vor...durch viel Lockerheit, wird dein Team sogar den Abstieg verhindern. Versuche dem Team Freude an Saisonspiele zu vermitteln. Sie sollten mit Freude und ohne grosse Gedanken über Konsequenzen spielen dürfen. Ich weiss... es hört sich schwer an. Ich kann Dir nur empfehlen dies zu versuchen, mit dem Risiko alt abzusteigen. Was ja nicht so schlimm ist...

  • Was mich nebenbei auch mal interessieren würde, in welcher Liga ihr im Moment spielt? In welcher Liga spielt die Mannschaft sollte sie absteigen?

  • Wir spielen z.Zeit in der Kreisliga A, wenn wir absteigen sollten, würden wir in die Kreisliga B gehen.


    Erstmal natürlich ein Dank, für eure Tipps. Morgen sehe ich die Jungs beim Training, werde schauen, wie ich was mache.



    Timo

  • Da muss ich mir doch die Augen reiben, wenn ich manche Reaktionen hier lese... Ich erlaube mir, die von Timo beschriebene Situation etwas anders zu interpretieren!
    Er erzählt von einer Null-Bock-Einstellung! Das ist ein Unterschied zu E-Junioren, die zum Spaß und nicht wegen dem Erfolg Fußball spielen. E-Junioren spielen nämlich engagiert, nur vielleicht nicht erfolgsortientiert, das ist ein Unterschied zu Null Bock! Die A-Jugend-Spieler von Timo sind erfolgsorientiert, sie spielen nämlich gut, so lange (beim Stand von 1:1) Erfolgsaussichten bestehen. Und sobald sie merken, es läuft gegen sie, haben sie keine Lust mehr.
    Ich denke auch nicht, dass stark reden, motivieren, allein hier Erfolg haben wird. Ich stimme hier weitgehend bcefferen zu. Andre erwähnt den wichtigen Aspekt "Einzelgespräche", mit Führungsspielern Mitläufern.


    Vor allem solltest du vor der Mannschaft und auch den Führungsspielern herausstellen:
    - Dass eine Trainer-Mannschaft-Beziehung ein geben und nehmen ist. Jeder Spieler, der sich im Spiel bewusst hängen lässt, lässt seine Mitspieler und seinen Trainer IM STICH.
    - Dass andererseits die Mannschaft durch ein geschlossenes Auftreten und die richtige Einstellung - und nur so - diese Saison etwas Besonderes leisten kann: Im Abstiegskampf erfolgreich zu bestehen.


    Bei uns im Verein war es auch immer eine schöne Sache, wenn ein Vereinsverantwortlicher, z.B. der Jugendleiter, vor einem wichtigen Spiel ein paar motivierende Worte zur Mannschaft spricht und eine Art Siegprämie (Kasten Spezi, Kabinenfest, "Nichtabstiegsfeier") auslobt. Die Spieler merken nun, dass ihre Leistung gesehen und beachtet wird.

  • Ich würde mit der Mannschaft über die Situation sprechen und die Mannschaft die Frage stellen, ob sie Lust haben abzusteigen. Dazu würde ich ein großes Foto von einem Verlierer-Team zeigen. Auf dem Foto sieht man Spieler die nach einem Abstieg die Köpfe hängen lassen und am Boden liegen.
    Frag deine Spieler, ob sie am Ende der Saison auch niedergeschlagen sein wollen, oder ob alle Spieler für das gemeinsames Ziel alles geben wollen, damit man das nicht erleben muss.


    Ich denke es ist wichtig, den Spielern mit Bildern zu zeigen, was passieren kann und wie man sich dann fühlt. Spieler können sich dadurch besser hineinversetzten und man erreicht die Spieler dadurch besser.


    Zeig auch ein großes Bild von einem Sieger-Team, dass einen Pokal hoch hält und feiert. Erzähl deinen Spielern was das für ein geiles Gefühl ist am Ende der Saison solch ein Erlebnis zu haben und nicht ab zu steigen. Was man am Ende der Saison für eine geile Feier feiern könnte, aber für dieses Ziel den Klassenerhalt aber auch alles dafür tun muss.


    Erzähl deinen Spielern dass man auch Spiele gewinnen kann, wenn man zurück liegt. Nach einen Rückstand muss die Mannschaft erst Recht zusammen halten. Spreche an das man sich positiv weiter motivieren muss. Wenn man aufgibt macht es auch keinen spass Fussball zu spielen. Das sollte man deinen Spielern klar machen.


    Gerade weil deine Spieler noch nicht so viele Erfolgserlebnisse gehabt haben, musst du deine Spieler stark reden. Erzähl jeden von seinen Stärken und wenn jeder seine Stärken vom Anfang des Spiels bis zum Abpfiff des Spiels einbringt, dann wird es der Gegner schwer haben.


    Gruß,
    Tim