Richtige Entscheidung?

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  • Hallo in die Runde, interessantes Forum hier.


    Wollte mal kurz von der bisherigen "Fußballer Karriere" meiner Tochter, Jahrgang 2015 berichten und nach Meinungen fragen. Meine Tochter spielt jetzt seit ca. dreieinhalb Jahren bei uns im Dorfverein mit den Jungs zusammen. Dabei steht sie eigentlich, abgesehen von einer kurzen Zeit als Verteidigerin im Tor. Da bestreitet sie auch in der D-Jugend aktuell so ziemlich alle Spiele am WE. Ich selbst hab absolut 0 fußballerischen Background und kann auch dem entsprechend nichts über ihr Talent aussagen.


    Umso überraschter war ich letztes Jahr im Oktober, als über ihre Trainerin die Anfrage eines großen Vereins kam, ob sie nicht mal zum Probetraining kommen wollen. Empfanden wir natürlich als große Ehre. Die Meinung bei mehr fußballaffinen Menschen in meinem Umfeld gingen da weit auseinander von Warnungen bis zur absoluten Zustimmung. Im November begann dann das Training. Gezielt auf TW. Meine Tochter bekam auch regelmäßig Spielzeit.


    Bei einem Hallenturnier im Januar hat mich dann das Gefühl beschlichen, dass sie von Trainerseite sehr kritisch beäugt würde. Ich hab das noch während des Spiels mit der Intention angesprochen, welches Zusatztraining geeignet wäre, die Fehler auszubügeln und die klare Aussage bekommen, dass es 'bei ihr nicht reichen wird.' Ehrlich gesagt war ich da nach knapp drei Monaten mit Weihnachtspause dazwischen schon baff. Mit meiner Tochter habe ich direkt darüber gesprochen. Dann gab es einen Elternabend. Die Verantwortlichen erklärten das Konzept und machten einen riesigen Aufriss um das psychische Wohl der Mädels, falls diese nicht in die U13 kämen.


    Ich ließ in versammelter Runde trocken verlauten, dass ich ja eh schon wüsste, dass meine Tochter raus ist, was sofort mit ungläubigem Gebahren abgetan wurde. Ich hätte das alles falsch verstanden, alle Mädels würden von der U13 gesichtet. Und O-Ton: Die Mädels dürfen den Spaß am Kicken nicht verlieren und es würde vom Verein auf jeden Fall eine Empfehlung geben, welcher umliegende Verein bei Rausschmiss dem Leistungsprofil gerecht werde, sprich, wo's weitergeht. Ich kam mir vor wie ein Depp.


    Keine zwei Wochen später, nach "erfolgreichem" Spiel werden meine Tochter und ich von der Trainerin und dem Co abgefangen. Kurzes Gespräch, alle psychologischen Ansätze weg, Aussage: "Du bist definitiv raus". Sie könne gern noch ins Training kommen und die "schwächeren" Spiele gegen zweitklassige Kreismannschaften mitspielen. Wir sind dann nicht mehr hin. Das "Ob" ist egal, aber wie's gelaufen ist, hat mich richtig geärgert und fand ich definitiv nicht in Ordnung. Ich denke, meine Tochter war nur Mittel zum Zweck, weil es aktuell nur eine Torhüterin gab, da würde für die laufende Saison schnell Jemand gebraucht. Ihr Rausschmiss kam dann auch ziemlich zeitnah mit dem Dazustoßen eines weiteren Mädels. Auf eine Empfehlung für einen geeigneten Verein warten wir bis heute noch, haben umgehend alle zu schließenden Mitgliedschaften gekündigt. Ich fand es unterirdisch.


    Dann haben wir wieder auf die heimischen Jungs reduziert. Im Frühjahr waren wir dann auf einem Turnier. Beim zweiten Spiel kam die Trainerin vom DFB-Mädelsstützpunkt zu meiner Tochter und meinte, sie solle unbedingt zum DFB kommen. Da waren wir dann auch im Sommer und jetzt nach den Ferien zum zweiten Mal. Die Trainerinnen haben ihre Beidfüßigkeit gelobt und gesagt, dass sie ihre Defizite noch ausbügeln könnten. Es lief aber gleich so gut, dass sie eine Einladung für den September zum Sichtungstraining der Verbandshauswahl bekommen hat.


    Die Hälfte der Mädels, die dort auflaufen, kennt sie schon von ihrer vorherigen "schlechten" Erfahrung, genau so wie die Trainerin, die das Auswahltraining betreut / sie damals rausgeschmissen hat. Das fand ich maximal unglücklich, hab die Entscheidung aber final meiner Tochter überlassen. Sie hat letzten Endes auf Absage plädiert, was ich auch getan habe. Sie soll den Spaß an der Sache doch behalten. Soll jetzt erst mal bei den Jungs weiterspielen, wenn sie will bei der Mädelsmannschaft aus dem Nachbarort und ab und an das Stützpunkttraining besuchen.


    War meine Entscheidung richtig? Vielleicht hilft der Text auch einfach nur anderen Menschen, die so unbedarft an die Sache rangehen, wie ich.


    Sorry für den langen Text.

  • Je nach Landesverband gibts unterschiedliche Regelungen für die Mädels.


    Wer bei den Damen durchstarten will, muss im wesentlichen als Jugendliche bei den Jungs mithalten können. In sofern macht man nichts falsch, wenn sie bei den Jungs mitspielt und sofern sie dort mit Tempo und Körperlichkeit kein Problem hat. In unserem LV ist STP-Platz die Eintrittskarte in den Jungsbereich ab der C-Jugend. Ohne STP darf man dann nicht mehr bei den Jungs spielen und muss in eine Mädchenmannschaft.


    Prinzipiell muss man festhalten, dass bei den Mädchen die Leistungsdichte nicht so hoch ist wie bei den Jungs aber sie ist da! Bei den besten gibts inzwischen eine ähnliche Auslese mit Selektion und Deselektion wie bei den Jungs.


    Aber unterm Strich muss man festhalten: die Kinder müssen Spaß haben. Spaß hat man am ehesten, wenn man in einem gedeihlichen Umfeld auf seinem Niveau (weder zu hoch noch zu tief) spielen kann. Wenn ihr das im Heimatverein habt, prima. Seid einfach froh, dass sie nicht noch "zur Belohnung" ne Verbandssperre bekommen habt. Das ist meinem Sohn mal passiert...

    Welches Ziel verfolgt sie? Will sie sich immer weiter verbessern, immer weiter, immer weiter?


    Oder ist Sport eher etwas soziales für sie? Ich kenne hier einige Mädchenmannschaften, die ganz anders agieren als die Jungs. Da wird bei wichtigen Spielen erstmal das Stanket mit Girlanden geschmückt. Alles irgendwie girlie - im besten Sinne. Ich bin ja eh der Meinung, dass Mädchen und Damenfussball ihre eigene DNA benötigen. Guck zum Volleyball. Beide Varianten sehen sich nur noch ähnlich. Die Männer, extrem Kraft und Körperbetont. Die Damen mit anderen Aufschlägen, längeren Ballwechseln und mehr Finesse.


    na ja, über allem steht die Frage, was deine Tochter möchte. Und zwar dieses Jahr. Und dann nächstes Jahr... das darf sich auch ändern. Es ist eh jedes Jahr wieder neu und anders.

    Mit den Besten zu siegen kann jeder. Du musst es mit allen können!

  • Allerdings, ich überlasse eigentlich ihr die Entscheidung, was sie will. Sie wollte bis vor kurzem schon an ihr Vorbild A.-K. Berger ran reichen :) . Ich denke, sie kann in dem Alter noch gar nicht beurteilen, was das bedeutet (Aufwand). Durch die ganzen 'Erfahrungen' ist sie jetzt natürlich hin und her gerissen. Wie gesagt, fand ich maximal unglücklich und würde ich so kein zweites Mal mehr machen.


    Sie äußert sich aber auch nicht mehr, was sie erreichen will. Insofern werde ich einfach mal beobachten, wo die Reise lust- und ambitionsmäßig bei ihr hingeht. Kein Druck, alles gechillt. Ist sie wirklich talentiert und hat weiter Lust, wird sich ein Türchen öffnen.


    Das mit der Verbandssperren find ich allerdings interessant Finde es auch immer etwas traurig, dass die Jungs da wesentlich mehr ranklotzen müssen, um überhaupt mal die Chance zu bekommen, sich zu präsentieren


    LG

  • Je nach Landesverband gibts unterschiedliche Regelungen für die Mädels.


    Wer bei den Damen durchstarten will, muss im wesentlichen als Jugendliche bei den Jungs mithalten können. In sofern macht man nichts falsch, wenn sie bei den Jungs mitspielt und sofern sie dort mit Tempo und Körperlichkeit kein Problem hat. In unserem LV ist STP-Platz die Eintrittskarte in den Jungsbereich ab der C-Jugend. Ohne STP darf man dann nicht mehr bei den Jungs spielen und muss in eine Mädchenmannschaft.


    Prinzipiell muss man festhalten, dass bei den Mädchen die Leistungsdichte nicht so hoch ist wie bei den Jungs aber sie ist da! Bei den besten gibts inzwischen eine ähnliche Auslese mit Selektion und Deselektion wie bei den Jungs.

    Das ist bei ihr auf der TW-Position schon etwas anders. Als Feldspieler gebe ich recht, wenn Mädels da solange wie möglich bei den Jungs mitspielen, dann hilft das ihrer Entwicklung enorm.


    Auf der TW-Position wird sie sicher in bestimmten Situationen auch in Zweikämpfe müssen, aber ihre Rolle ist da schon sehr gesondert.

    Die Erfahrung von D88J liest sich mal wieder wie eine ganz typische Situation, wo einzelne Nasen über den Karriereweg von Talenten bestimmen. Unglücklich natürlich auch die Doppelrolle als Trainerin im Leistungsverein und bei der Auswahl. Aber solche Konstellationen gibt es häufig.


    Ich würde auch sagen, dass ihr gemeinsam erarbeiten solltet, was deine Tochter möchte.

    Das ist ausschlaggebend für ihren weiteren Weg. Möchte sie wirklich versuchen das Bestmögliche herauszuholen, solltet ihr die Chance nutzen und zur Verbandsauswahl zu gehen und beim DFB-Stützpunkt bleiben. Die positive Meinung der Stützpunkttrainerin kann auch bei der Verbandstrainerin ein Umdenken erzwingen. Und von einer Einladung vom Verband träumen viele Kids.


    Ansonsten soll sie entspannt bei der Jungsmannschaft weiterspielen oder eben zur Mädelstruppe aus dem Nachbarort wechseln. Gerade die Mädelstruppe aus dem Nachbarort könnte bei ihr auch den Spaß am Sport erhalten.

  • Ja, ich bin gespannt, ob sie nochmals die Chance kriegt zum Sichtungstraining der Verbandsauswahl zu gehen, nachdem wir jetzt abgesagt haben. Vorausgesetzt natürlich, sie will (das steht über allem) und macht die entsprechenden Fortschritte. Ich werde mich aber auch nochmal mit ihr auseinandersetzen, was sie nun will. Ist alles spannend. Schön, dass sie es ohne TW-Training überhaupt soweit gebracht hat.


    Danke für die Kommentare :thumbup:

  • Hauptsache Deine Tochter ist mit der Entscheidung zufrieden. Mich würden jetzt die angesprochenen Defizite interessieren, weil der Vorteil der Beidfüssigkeit für die Trainerin wohl nicht überwogen hat.

  • Hallo, vielleicht bist auch ein wenig Du das Problem weil du ständig das Gespräch zu den Trainern suchst. Ansonsten würde ich zurück zum Heimatverein wechsen

  • Hauptsache Deine Tochter ist mit der Entscheidung zufrieden. Mich würden jetzt die angesprochenen Defizite interessieren, weil der Vorteil der Beidfüssigkeit für die Trainerin wohl nicht überwogen hat.

    Na ja, die Trainerin vom Stützpunkt hat sie ja für das Sichtungstraining der Auswahl vorgeschlagen. insofern hat sie wohl weniger Defizite gesehen, als ihre vorherigen Trainer bei dem "großen" Verein. Von dort haben wir eigentlich nur die Rückmeldung bekommen, dass sie die Trainingsinhalte zu langsam umsetzt. Kritik ist auch in Ordnung. ich war nur blauäugig und baff, wie schnell dass das Aus bedeutet.


    Ich hab mich aber auch immer weitestgehend mit Gesprächen mit den Trainern zurückgehalten, mache ich auch heute noch so. Ich bin ein sehr (zu) selbstkritischer Mensch und projiziere das bei Nachfragen an Trainer wahrscheinlich auch oft auf mein Kind. Das, was ich jetzt beim DFB als "Kritik" mitgenommen hab, ist, dass sie vom klassischen Torhüter eher auf Torspielerin switchen muss. Bei den Jungs in der

    "Dorfmannschaft" wird halt so nicht gespielt. Die schießen im Spielaufbau oder in Bedrägnis lieber gleich ins Seitenaus, anstelle einer Rückgabe.


    Ansonsten war der Ratschlag für das Sichtungstraining mehr Fausteinsatz statt flacher Hand in Notsituation und nicht so im Strafraum kleben sondern bei Verlagerung ins gegnerische Mittelfeld auch mal weiter vor. Sorry, falls das fußballerisch nicht alles so korrekt beschrieben ist, ich mach leider nur anderen Sport :)

  • Hallo, vielleicht bist auch ein wenig Du das Problem weil du ständig das Gespräch zu den Trainern suchst. Ansonsten würde ich zurück zum Heimatverein wechsen

    Nix für Ungut. Genau das ist eher nicht der Fall. Eigentlich rede ich mit den Trainern überhaupt nicht und überlasse das meinem Kind. Ich wüsste auch nicht, was ich mit den Trainern reden soll, weil mir da jegliche Kompetenz fehlt.


    Alles was ich mache, ist das ich sonntags mit Tochter auf ihren Wunsch hin zu den Bolzplätzen gehe und mit meinen beschränkten Künsten von allen Ecken auf's Tor schieße und natürlich den Fahrdienst 8) . Wir sind ja auch im Heimatverein (haben wir nie aufgehört). Nur, da ist das Training halt was anderes als bei den "professionellen" Institutionen. Es gibt bei uns kein gezieltes Torhütertraining


    Ich finde halt das alles sehr interessant (teilweise auch fragwürdig), wie da je nach Verein und Stützpunkt die Fähigkeiten unterschiedlich eingeschätzt werden. Wenn man selbst keine Ahnung hat, ist man da ziemlich aufgeschmissen.


    Und ich bin halt etwas im Zweifel, ob es richtig war, das Sichtungstraining abzusagen, weil dort genau die Trainerin sichtet, die meine Tochter nach ein paar Wochen die Leistungsfähigkeit abgesprochen hat. Das war eine Klatsche und eine zweite brauchen wir nicht wieder ein halbes Jahr später. Ist wahrscheinlich persönliches Pech und zählt zu den Erfahrungen im Leben.

  • naja wenn man eine Spielerin holt und nach 3 Monaten merkt das ist nix dann taugen die trainer auch nix. Sonst hätten sie vorher mal gesagt wird schwer

  • Ja, ein Hinweis wäre nett gewesen. Kam aber nicht.

  • naja wenn man eine Spielerin holt und nach 3 Monaten merkt das ist nix dann taugen die trainer auch nix. Sonst hätten sie vorher mal gesagt wird schwer

    Ja, ein Hinweis wäre nett gewesen. Kam aber nicht.

    An sich ist ein Wechsel immer ein Risiko. Man hat seine Spielzeit, kennt das Umfeld. Im neuen Verein gehts bei 0 los. Oft wollen es die Eltern mehr als die Kinder

  • Ja, ein Hinweis wäre nett gewesen. Kam aber nicht.

    An sich ist ein Wechsel immer ein Risiko. Man hat seine Spielzeit, kennt das Umfeld. Im neuen Verein gehts bei 0 los. Oft wollen es die Eltern mehr als die Kinder

    Ja, klar. Aber wir wussten von vorne herein dass es ein Versuch mit offenem Ergebnis ist. Ich sag ja auch: Kritik ist okay, auch bis zum "es reicht nicht." Ist ja kein Ponyhof.


    Habe auch genug Eltern dort kennen gelernt, die nach eigener Aussage präventiv schon für den Fall des Scheiterns bei anderen "großen" Vereinen vorgefühlt haben oder bereit wären, umzuziehen, damit die 'Karriere' wo anders weitergeht.


    Ich finde sowas Wahnsinn, vor allem in diesem Alter.


    Na, ich denke meine Tochter ist aktuell auf dem richtigen Weg, wenn sie sich sich mit dem Hobbyspielerstatus zufrieden gibt. Soll erst mal sehen, wie die Entwicklung ist und wie's mit der Lust bleibt. Dann wird sich vielleicht nochmal was ergeben. Und das Stützpunkttraining kann sie als nettes Plus verbuchen.


    So Long.