Wollen oder müssen beide Elternteile in Vollzeit arbeiten? In meinem Freundeskreis gibt es nur noch ganz wenige Familien, denen ein Gehalt für Haus (Miete), Lebensmittel, Kleidung, usw. reicht.
Dabei spielt es keine Rolle, ob Mann oder Frau der Hauptverdiener sind. Die Lebenshaltungskosten und der gewünschte Lebensstandard sind deutlich teurer geworden als Einkommen gestiegen sind.
Dementsprechend wurden mehr Ganztagsangebote für Kinder ausgebaut und die Tagesabläufe sind gefühlt in den letzten 10 bis 15 Jahren deutlich strukturierter als früher.
Manche Kinder haben Terminkalender, eine spontane Spielverabredung am Nachmittag ist nicht möglich. In meinem Hamburger Stadtteil verweisen zunhemenden die Spielplätze. Sind Kinder dort, dann größtenteils mit einem Elternteil - Eltern-Klönschnack.
Bewegungsangebote im Ganztag sind unterschiedlich stark vorhanden. In der Grundschule meines Sohnes unterstützt ein privater Anbieter. Von 13 bis 16 Uhr gibt's diversen Sport, Kunst & Handwerk und vieles Andere.
Kinder, die daran nicht teilnehmen, fallen teilweise aus dem Sozialgefüge. Als Sportverein müssen wir uns diesen langen Kita- und Schulzeiten anpassen.
Training erst ab 17 Uhr möglich, und letztes Training muss um 21 Uhr durch sein. Für die kleinsten fällt das Training somit in deren Abendessen-Zeit.
Wir hatten teilweise 6 und 7 Jährige dabei, die ab 7 Uhr in der Schule waren, um 16:15 Uhr zu Hause und um 17:00 Uhr Training. Um 18:15 Uhr war ihr Tag zu Ende. 11 Stunden 15 Minuten (!) Programm.
Viel zu viel, finde ich. Doch unsere Gesellschaft, befeuert durch Influencer und Co., übt diesen Druck auf Erwachsene und Familien aus. Und die Kinder dürfen immer weniger Kinder sein, sondern haben 8 bis 11 Stunden Tage, geplant von ihren Eltern.
Erinnere ich mich an meine Kindheit und Jugend zurück, so gab's keine Nachmittagsangebote an den Grundschulen. Meine Eltern übten einen Vollzeit- und einen Halbtagsberuf aus, damit ein weiterer Urlaub im Jahr möglich war. Haus mit Garten gab's trotzdem.
Fußballtraining war am Nachmittag, 15:30 oder 16:00 Uhr. Weiß ich nicht mehr genau. Gegen 13:00 Uhr war ich aus der Schule zu Hause. Mittagsessen, Hausaufgaben, raus. Später Training. 17:30 Uhr dann wieder zu Hause.
Mein Tag hatte also etwa 6 Stunden 30 Minuten Programm. Der Rest war "frei". Immer und überall waren andere Kinder.
Dieser Wandel wird sich fortsetzen, doch Schule, Sport und andere Aktivitäten wie Schach oder Musik können derzeit nicht damit Schritt halten.
Ich denke, dass Vereinssport durch Nachmittagsangebote der Schulen ersetzt werden müsste. Wäre dann halt nicht mehr SC Irgendwas gegen FC sonstwas, sondern Jg. 1 Grundschule Musterhausen gegen Jg. 1 Grundschule Musterstadt.
Den Kindern dürfte es egal sein. Es ist ihr Hobby und sie können es in der Zeit ausüben, in denen ihre Eltern nicht zu Hause sind. Und der Tag eines Kindes endet 1 bis 2 Stunden früher.
Auch dem Bewegungsmangel kann damit begegnet werden. Es sollte neben täglich 1 Zeitstunde Sport jedoch keinen Zwang geben. Auch Schach, Malen, Musizieren sind tolle Hobbys, die unter den gleichen Problemen wie Vereinsfußball leiden.