Ich möchte gar nicht wieder zurück - vor Corona. Ich möchte nach vorne. Und ja, da hat Corona auch einiges Positives bewirkt:
- es gab und gibt viele Diskussionen zum Kinderfußball. Die Akzeptanz steigt. Die Anhänger steigen.
- es wird jetzt in Bayern über die Meldeliga und einen Auf- und Abstieg innerhalb einer Saison auf Kreisebene abgestimmt. Das ist ein Fortschritt!
- auch das Homeoffice bringt viele Vorteile: Zeiteinsparung für Pendler, Flexible Arbeitszeiten, weniger Reisen -> mögliche Trainer*innen können die Zeiten für ihr Training nutzen
- viele Schulen zeigen, dass auch ein Homeschooling möglich ist und seine Vorteile hat (meine Kinder sind zum Beispiel dadurch weniger gestresst; es kommt zur Diskussion, wie sinnvoll Noten sind; auch hier Fahrzeiten fallen weg usw.)
Warum wollen wir wieder zurück?
- das wir wieder volle Trainingsplätze in der Zeit von 17-20 Uhr haben? (Stoßzeiten) - mit einigen Errungenschaften/Erfahrungen aus der Corona-Zeit und der höheren Flexibilisierung und Zeiteinsparungen, könnte man zukünftig evtl. schon ab 14 Uhr trainieren und die Stoßzeiten entzerren und den Kindern mehr Platz auf dem Platz geben.
- Trainerfortbildungen durch Online-Seminare, Schulungen usw. werden gut besucht -> mehr Trainer*innen können daran teilnehmen
- es wird sich Gedanken gemacht, was wirklich wichtig im Leben ist. Und ja, manche stellen fest, dass die Meisterschaft in der F-Jugend nicht dazu gehört und es wichtiger ist, dass sich alle Kinder bewegen, Spielzeiten bekommen und Freude am Fußball haben - unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit
Wo sind die Ansätze für die Zukunft, die die Welt vor Corona mit den Erkenntnissen von Corona verbessern?
- wo sind die Vereine, die daran denken in "Betreuungszeiten" Training anzubieten? Dann würden Trainingsplätze sogar morgens benutzt werden.
- wie können sich die Vereine neu aufstellen, wenn es zukünftig einen Wechsel zwischen Präsenz- und Onlineunterricht geben wird?
- wo sind die Konzepte diese neuen Möglichkeiten im Sinne der Vereine zu nutzen.
Diese 2-3 Jahre Corona können uns 10-20 Jahre voran bringen, wenn wir die Möglichkeiten nur nutzen. Und ob wir im April oder erst im September wieder auf dem Platz stehen (persönlich würde ich gerne morgen wieder trainieren), würde das nur marginal für die Generation unserer Kinder ändern.
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Direkt vorweg. Dein Beitrag ist für mich kein reines Trainerthema!
Das ist Sport- und Vereinsentwicklung für Vereinsvorstände, Jugendleiter, Koordinatoren, sportliche Leiter, Innovatoren, vielleicht Schulleiter und natürlich AUCH Trainer, die Spaß daran haben (und die nötige Zeit) solche Dinge zu konzipieren und anzuschieben. Ich persönlich finde solche Dinge allerdings sehr spannend, daher schreibe ich nochmal dazu.
Mir hat dein Beitrag ab dem ZWEITEN SATZ gut gefallen, einfach weil er den Blick mit einem erfrischenden Optimismus nach vorne richtet und versucht die Situation so anzunehmen, wie sie ist. Vielleicht etwas provokativ durch die Fragestellungen, aber das muss man ja unabhängig vom Inhalt betrachten. 
Zum ERSTEN SATZ:
Ich möchte gar nicht wieder zurück - vor Corona.
Das ist ein Satz, der mir schwer über die Lippen geht. Da er, so wie er da steht, für mich unnötig polarisiert. Einfach weil Corona ganz aktuell erstmal viel zu vielen Menschen (weltweit) Leid zufügt. Durch Tot, Krankheit, Kontaktverbote, Existenzverluste, und und und. Die vermeintlichen Vorteile und Errungenschaften sind somit unmittelbar verbunden mit dem überall entstandenen Leid und sind daher für meinen Geschmack „teuer erkauft.“ Ich würde vermuten, dass du den Satz inhaltlich anders gemeint hast, allerdings kann ich auch gut verstehen, wenn Jemand so eine Aussage nicht besonders toll findet und gar nicht ernsthaft weiter liest.
Ich sehe das eher so:
Da die Corona-Situation, und die damit verbundenen negativen Folgen, mittlerweile schon so lange andauert und uns vermutlich noch länger bestimmen wird, ist eine Diskussion im Sinne von "Wollen wir zurück vor Corona oder wollen wir so weiter machen wie heute?" mittlerweile eh müßig geworden. Allein schon deshalb, da es aktuell gar nicht in unserer Hand liegt (mit "uns" meine ich jeden Einzelnen und die Gesellschaft), Corona vollkommen zu kontrollieren oder mit einem Machtwort einfach zu beenden (selbst eine politische 180 Grad Wendung würde ja nach meinem Verständnis Corona nicht einfach verschwinden lassen, die Probleme würden sich dadurch vermutlich verlagern). Und es liegt auch nicht in unserer Hand die Zeit zurückzudrehen. Die Erde dreht sich nun mal relativ unbeirrt seit fast einem Jahr weiter (Karneval fing es ja damals in Deutschland an) und ausgelöst durch Corona gab es in allen Bereichen Veränderungen und Weiterentwicklungen. Allerdings eher nach dem Motto „Aus der Not eine Tugend machen.“ Diese Erfahrungen (z.B. arbeiten im Homeoffice) oder technischen Weiterentwicklungen (z.B. Videotelefonie) stehen uns jetzt einfach dauerhaft zur Verfügung.
Ab dem ZWEITEN SATZ:
Beim Homeoffice sage ich bewusst "Erfahrungen", da ich die Art und Weise, wie es heute vielfach praktiziert wird, eher als pragmatisch-provisorisch bezeichnen würde. Es funktioniert zur Überraschung vieler Betroffener vielleicht besser als erwartet und das ist ja auch gut so. Aber ob es ein wünschenswertes Modell vieler Arbeitnehmer sein wird, die nächsten Jahre vom Küchentisch oder von der Couch aus zu Arbeiten, das würde ich aktuell doch anzweifeln 🙂. Wie sich das also wirklich weiterentwickeln wird, das wird wohl erst die Zeit zeigen und sich vielleicht auch regional unterschiedlich entwickeln. Dauerhaft zurück ins Büro muss das ja auch nicht bedeuten, aber 1:1 so wie heute, wird es bei Vielen wohl auch nicht laufen (Folge wäre z.B.: Dachboden zum Homeoffice ausbauen). Geht mir jetzt auch nicht um eine Diskussion ums Homeoffice (grundsätzlich falsches Forum), sondern eher darum, dass man noch etwas abwarten muss, um daraus langfristig neue Möglichkeiten für den (Vereins-)Sport ableiten zu können. Das gilt mindestens genauso für das sogenannte digitale Homeschooling, insbesondere im Grundschulbereich.
Trotzdem sprichst du mit deinen Fragen und Anregungen ja ein paar interessante Punkte an!
Und das finde ich auch super und total berechtigt innerhalb dieses Threads. Ich interpretiere den Beitrag als eine Art Brainstorming und Mutmacher zu dem Thema „Welche POSITIVEN Möglichkeiten KÖNNTEN die Veränderungen und Entwicklungen für die Breitensportvereine bieten?“.
Hier mal 3 ganz konkrete Beispiele, um deine Anregungen praxisnah zu ergänzen:
Beispiel 1 - Walking Bus ergänzend oder alternativ zum Schulbus (nicht mit Maske im Bus sitzen müssen) oder Elterntaxi:
Pedibus – Wikipedia
Bei Dritt- oder Viertklässlern vielleicht sogar mit dem Rad. 3-4 Kinder und ein Elternteil.
Sowas ist vielleicht durch Homeoffice eines Elternteils zukünftig realisierbar und würde gleich mehreren Kids bereits eine gewisse Alltagsbewegung bieten.
Beispiel 2 - Im Sportheim-Büro einen kleinen Coworking-Space für Student(en) einrichten (idealerweise Spieler in der eigenen Seniorenmannschaft):
Können Infrastruktur wie WLAN, Multifunktionsdrucker nutzen und dort (gemeinsam) "lernen", natürlich nur soweit das auch zielführend ist. Getränke frei usw. Sowas wird vielleicht erst dadurch möglich, dass Unis auch weiterhin auf digitale Inhalte setzen.
Gleichzeitig könnten sie den Materialwart machen und Bälle, Leibchen, Trainingsmaterial rausgeben. Höre folgende Stelle im Podcast:
Norbert Elgert - Spielmöglichkeiten in kleinen Vereinen
Beispiel 3 - Videotelefonie in Gruppen:
Ich fände es total super und sinnvoll, wenn insbesondere im Kinderbereich, wo vermutlich (kenne keine Statistik) die wenigsten Trainer über einen großen Erfahrungsschatz als Trainer im Kinderbereich verfügen (da sie oftmals Neueinsteiger sind), vor jeder Saison der Kreisverband/Staffelleiter einen verbindlichen, digitalen Infoabend macht, in dem der Verband den Saisonablauf vorstellt und ganz klar das Regelwerk inkl. FPL erklärt und auch die Einhaltung hinweist. Im Idealfall auch mal anhand von einigen Videosequenzen ganz praktische Spielsituationen und den Umgang damit zeigt (z.B. Abschlag per Hand über die Mittellinie -> bei FPL nicht erlaubt), Aufbau der Coaching-Zone und die Bedienung des DFB-Net vorstellt.