Beiträge von Linksfuss

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    Am Einfachsten wäre es natürlich wenn er in Zukunft in der U11 (Jahrgang 2012) spielen würde. Jetzt gab es die Idee, dass er weiterhin mit der U10 trainieren könnte, aber nur jedes zweite Jahr in Pflichtspielen eingesetzt werden dürfte - in den Jahren, in denen die Jahrgänge 2012 und 2013 zur selben Altersgruppe gehören, also 2024/25 D-Jugend, 2026/27 C-Jugend usw.


    Das macht für meinen Fall allerdings auch keinen Unterschied, da der betreffende Spieler ja demnächst D-Jugend wäre und die Mannschaft noch ein Jahr E-Jugend bleibt. Eine ärztliche Bescheinigung wird er nicht bekommen, weil es dafür keine Gründe gibt.

    Den Spieler nur jedes zweite Jahr einzusetzen halte ich persönlich auch nicht für sinnvoll, ich muss das aber auch nicht entscheiden.


    Dir ging es ja bei deinem Post rein um den formellen Ablauf, aber aus dem was du so beschreibst lässt sich für mich nicht erkennen, aus welchen Grund "Jetzt gab es die Idee" entstanden ist, ihn weiterhin in der E-Jugend zu belassen. Vor allem, da diese Idee ja schon auch direkt für nächsten Jahre gedanklich durchgespielt wurde..2024/25 und 2026/27.


    So richtig ist mir bei dem Vorgehen noch nicht klar, für wen das ein Gewinn sein soll und nach welchen Maßstäben da demnächst die Entscheidung getroffen werden soll, wie es für den Jungen weiter geht.


    Magst du dazu nochmal etwas mehr Einblicke geben wollen?

    Dieser Gedanke ist jetzt eher noch der Trainingsplanung vorgelagert:

    Bei uns muss mit der Mannschaftsmeldung bei der E-Jugend eine Stärkeneinschätzung mit abgegeben werden.

    Nimm dir dafür die Zeit und überlege dir gut, mit welcher Spielstärke du melden möchtest.


    Wie schätzt du die aktuelle Spielstärke der Kinder wirklich ein? Später muss ein Team auf dem Platz stehen und nicht zwei Einzelkönner. Meldest du zu stark, kannst du manche deiner Kinder im Spielbetrieb eventuell gar nicht einsetzen, da sie mit dem dort herrschenden Niveau überfordert sind (meist athletisch überfordert) und dann letztendlich auch die anderen Mitspieler überfordert sind.

    Interessant ist für die Mannschaftsmeldung auch mal einen Überblick zu bekommen, welche Kinder am Wochenende bei den Spielen verlässlich zur Verfügung stehen und welche zwar Trainingsweltmeister sind, aber an den Wochenenden vielleicht häufig fehlen, da sie noch anderen Sport machen, die Eltern ggf. getrennt leben oder die Familie an den Wochenenden der Fußball einfach die schwächste Priorität hat. Auch solche Infos sind nicht uninteressant für die Stärkeneinschätzung.


    Geht mir nicht darum bewusst zu schwach einzuschätzen!

    Aber wenn du z.B. das Ziel verfolgst Kinder auf unterschiedlichen Positionen spielen zu lassen und auch während der Spiele auf Positionen rotieren möchtest, geht zwangsläufig erstmal Spielstärke flöten (im Vergleich zur Top-Top-Aufstellung). Diese Gedanken haben für mich schon viel mit der Trainingsplanung und der persönlichen Trainingsphilosophie zu tun!

    Für Kinder, die ganz deutlich von ihren Möglichkeiten abfallen, bleiben vermutlich nur zusätzliche Freundschaftsspiele. Aber der Großteil der Kinder sollte der Staffelstärke schon gewachsen sein, sonst fliegen dir die Trainings nachher auch komplett um die Ohren.

    Ich bin auch auf dem Wissensstand von nero .

    Ich versuche es mal noch etwas weiter auszuführen..


    Mal den einfachsten Fall angenommen:

    Alle 2012er und 2013er Kinder eures Vereins kannst du aktuell gleichwertig als eine Altersklasse betrachten. Die Altersklasse nennt sich E-Junioren / E-Jugend. Alle diese Kinder dürfen gemeinsam als eine E-Jugendmannschaft am offiziellen Spielbetrieb teilnehmen.


    Fall: Ein Verein hat viele (oder sehr viele) 2012er und 2013er Kinder

    Dann meldet der Verein i.d.R. mehrere Mannschaften für den Spielbetrieb (E1, E2, E3 usw.).

    Welches Kind in welcher dieser Mannschaften spielt, ist dem Verband rein formell erstmal völlig egal.

    Da mit der Mannschaftsmeldung (zumindest bei uns im FLVW-Fußballkreis) jedoch auch eine Stärkeneinschätzung zu erfolgen hat (also wie stark wird die jeweilige Mannschaft eingeschätzt), werden die Kinder i.d.R. vom Verein/den Trainern festen Mannschaften zugeordnet.


    Fall: Jahrgangsmannschaften

    Vereine mit vielen Kindern, neigen häufig dazu ihre Kinder nach Geburtsjahr getrennt einzuteilen. In der E1 sind dann z.B. nur 2012er und in der E2 dann nur 2013er Kinder. Das ist aber eine vereinsinterne Konvention/Absprache. Den Verband interessiert diese vereinsinterne Absprache (zumindest bei uns) nicht.


    Fall: Staffeln im Spielbetrieb mit Jahrgangsbezeichnungen

    Ich meine ich wäre bei fussball.de auch mal auf Fußballkreise gestoßen, in denen es anscheinend U11- und extra U10-Staffeln gibt. Damit kenne ich mich jedoch nicht aus. Ob die Fußballkreise die Geburtsjahrgänge dort wirklich einschränken (und ein 2012er-Kind dort wirklich nicht in einer U10-Staffel mitspielen darf) oder ob das nur eine Orientierung für Vereine sein soll oder eine Alternative zur Stärkeneinschätzung sein soll, kann ich nicht sagen.

    Bei Turnieren sehe ich es auch oft, dass es ein U11- und ein U10-Turnier gibt. Hat man nur eine gemischte Mannschaft, würde ich vor der Anmeldung dort nachfragen. Nach meinem Verständnis drückt diese Einteilung eher das Spielniveau des jeweiligen Turniers aus. Die Stärkeneinschätzung gilt ja nur für den Spielbetrieb und nicht für Vereinsturniere.


    "Höhere Mannschaft" und Festspielen (der Paragraph, den Nero genannt hat)

    Damit ist nicht zwangsläufig eine Mannschaft mit älteren Kindern gemeint. Es geht schlicht um die Nummer der gemeldeten Mannschaft. z.B. E1, E2, E3.. Bei uns im Kreisverband gibt es die Vorgabe, dass die E1 immer die stärkste Mannschaft sein soll, dann die E2, dann E3 usw.

    Hat ein Spieler eine gewisse Anzahl an Spielen in der höheren Mannschaft gemacht (z.B. E1), darf er nicht mehr unmittelbar in einer niedrigeren Mannschaft (z.B. E2) spielen. Das ist ein Spezialfall, den man als Trainer wissen sollte, die oberen Punkte sind für das Grundverständnis jedoch erstmal wichtiger und helfen dir hoffentlich etwas weiter.

    Falls ich da irgendwo einen Fehler rein gehauen habe, korrigiert oder ergänzt mich gerne.

    Ich glaube als Trainer würde ich es einfach mal ausprobieren und schauen, wie die Spieler_innen darauf reagieren.

    Auf jeden Fall, du musst es ausprobieren! Und dann beobachten. Allein durch überlegen und anlesen kommst du da nicht weiter. Du brauchst das direkte Feedback aus der Praxis auf dem Trainingsplatz, damit du mit deinen Gedanken weiter kommst. Falls du tiefergreifende Erfahrungen aus der Trainingspraxis aus anderen Spielsportarten hast, dann hilft dir das eventuell bei deinen theoretischen Überlegungen ein Stückchen weiter. Aber früher oder später musst du auf den Platz, um zu überprüfen, ob deine Trainingsgedanken der Praxis standhalten können.

    Da du u.a. auch über den wen wechselnden Spielstand argumentierst (Vorteil der Goldenen Karten), will ich den Punkt mal gerne aufgreifen.

    Situationen sorgen zu können die durchaus auch so im Spiel mal vorkommen können (Zwei Gegentreffer in kürzester Zeit zu kassieren oder die Mannschaft hat in einem realen Spieverlauf nichts zu verlieren als äquivalent zu der "Die Tore zählen doppelt in der nächsten Minute-Karte" was eine ähnliche Spielcharakteristik kreiert, was Wiederrum Raum zum kontern gibt und eine disziplinierte Verteidigung erfordert,


    Ich würde sagen, du schlägst da eine Lösung für ein Problem vor, dass ich so im Trainingsalltag (zumindest in meinem Training) nicht sehe. Daher wollte ich auch wissen, wie dein Bezug zum Fußball und der Trainerarbeit ist, um deine Sichtweise einfach besser einordnen zu können. Als Zuschauer (insbesondere womöglich als neutraler Zuschauer) kann man natürlich sagen, ein geschossenes Tor ändert alles. Es ändert jedoch in erster Linie den Spielstand (für mich eine Art statistischer Wert) und verändert bestimmt auch etwas in den Köpfen der Spieler. Die angestrebte Spielweise auf dem Platz soll sich durch ein geschossenes oder kassiertes Tor aber nicht zwangsläufig ändern. Für mich liegt der Fokus im Training viel mehr auf der Art und Weise wie gespielt wird, als auf einem möglichst hohen Spielergebnis. Und das Spielergebnis soll daher für mich auch nicht unmittelbar auf die Verhaltensweisen der Spieler Einfluss nehmen.


    Gedanken zum eigenen Spielverhalten/Matchplan erfolgen eher nach "Welche Mannschaft hat wo auf dem Platz den Ball und wie wollen wir darauf reagieren?".

    Hier mal ein kurzes knappes Beispiel was Adi Hütter dazu sagt:

    Wie entsteht ein Matchplan? (Adi Hütter)


    Und um das gewünschte Spielverhalten dann trainieren zu können, kann man natürlich als Trainer richtig kreativ sein, über den Spielstand das Spielverhalten zu trainieren ist da in meinen Augen jedoch weniger bis kaum Zielführend. Es geht dann eher darum, wie ich die Spieler in gewissen Spielfeldausschnitten und Rahmenbedingungen (das könnten dann auch Provokationsregeln sein) bringen kann, in denen sie ihr Spielverhalten üben und Verbessern können.


    Nochmal kurz zum "klassischen Trainingsspiel":

    Ich bin in der E-Jugend unterwegs. Viele andere, die hier häufig schreiben, ebenfalls eher im Kinderfußball. Das "klassische Trainingsspiel" (Abschlussspiel) gibt es in meinem Training eigentlich gar nicht. Es ist eigentlich in kaum einem Training identisch und wenn es nur eine andere Feldform ist. Zudem gibt es schon sehr lange die verschiedensten Provokationsregeln (oben bereits von vielen erwähnt), über die ein gewisses Spielverhalten zusätzlich getriggert werden kann. Gerade im Kinderfußball gibt es finde ich schon sehr viele Spielformen, die teilweise weit weg vom klassischen Trainingsspiel sind. Ich denke du hast beim "klassischen Trainingsspiel" das berühmte Abschlussspiel vor Augen: Oft auch angekündigt durch die Ansage "Und jetzt Freies Spiel!".;)

    Ideen und Anregungen für kreative Spielformen sind eigentlich schon bekannt und zugänglich (Webseiten, Bücher, dieses Forum). Und jeder Trainer darf das ja gerne weiter denken. Inwiefern das jedoch in der Breite (also auf den Trainingsplätzen, wenn man in der Woche mal die umliegenden Vereine abfahren und dort schauen würde) wirklich passiert (sowohl im Kinder-, als auch im Jugend- und Seniorenbereich), da fehlt mir persönlich der Überblick.


    Ist ein weites Feld und Kreativität ist durchaus erlaubt, insbesondere in Spielformen. Nicht nur für die Spieler/Kinder, sondern auch für die Trainer.

    Cruyffiola Ich glaube das Wort was du suchst und was mir auch sofort durch den Kopf geschossen ist, lautet "gamification". Angewendet auf ein Spiel bekommt das ganze jedoch eine gewisse Diskussionsbrisanz. Ursprünglich kommt das glaube ich eher aus Themenbereichen, die eher Dröge und alles andere als "spielerisch" sind und durch "gamification" (für den Anwender / Mitarbeiter / ...) attraktiver gemacht werden sollen.


    In der F-Jugend habe ich mir als Trainer auch Gedanken dazu gemacht. Funino hin oder her. Im Training wollte ich gerne andere Trainingsreize setzen, die ich ausschließlich im Funino so für mich nicht gesehen habe. Habe überlegt, wie aktionreicher Kinderfußball aussehen könnte. Habe nach einer Art Fußball im 'Arcade-Modus' gesucht ^^. Waren im Grunde irgendwo verwandte Gedanken zu diesem Thema.

    Arcade-Modus (engl. Arcade Mode) werden Spielmodi in Computerspielen genannt, die sich vom normalen Spielmodus durch schnelles, geschicklichkeitsbetontes Gameplay unterscheiden. Im Arcade-Modus geht es rein um den Spielspaß ohne Rücksichtnahme auf Hintergrundgeschichte oder andere Elemente, wie Rätsel lösen oder die wirklichkeitsgetreue Fahrphysik bei einem Rennspiel.

    Quelle: gameguidewiki

    Hallo Leodinho ,


    ich bin selbst noch kein Trainer, mache mir jedoch einige Gedanken dazu und wollte mal nach euerer Meinung aus der Praxis fragen

    Welchen Bezug hast du denn selbst zum Fußball?
    Spielst du selbst und hast daher das 'klassische Trainingsspiel'* vor Augen?
    Bist du eher Fan?
    Oder beides?
    Du schreibst, du bist selbst 'noch' kein Trainer. Hast du das vor und beschäftigst du dich aktuell auch allgemein mit dem Thema 'Fußballtraining'?

    *

    Ich finde es interessant das klassische Trainingsspiel so interaktiver zu gestalten

    Bei Kindern in reinen Jahrgangsmannschaften zu denken, ist aus rein organisatorischer Sicht mit Sicherheit ein logischer Schritt. Man erspart sich Diskussionen, wieso, weshalb, warum das eine Kind hier oder das andere Kind dort eingeteilt wurde. Und knapp 50 Kinder auch von der Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen, ist mit Sicherheit auch sehr sinnvoll. Also 25 Altjahrgang mit verantwortlichem Trainerteam, 25 Jungjahrgang mit einem anderen verantwortlichem Trainerteam. Für viele Kinder ist diese Einteilung bestimmt auch passend bzw. es schadet ihnen auch nicht.


    Ideal wäre es mit Sicherheit, wenn Alt- und Jungjahrgang eh schon parallele Trainingszeiten auf dem gleichen Platz haben. Dann könntet ihr es einfach mal ausprobieren, deine deutlich schwächeren Kinder auf einem Feld mit passenden Kindern des Jungjahrgangs zusammenzubringen. Würde mich wirklich nicht wundern, wenn dort ebenfalls 3-4 Kinder dabei sind, die vom ganzen Verhalten gut dazu passen würden. Mit der Betreuung im Training könntet ihr euch dann ja abwechseln bzw. nicht jedes Spielfeld muss ja dauerhaft überwacht werden. ;)

    Betrifft eine F-Jugend - älterer Jahrgang

    Gibt es denn auch eine F-Jugend - JÜNGERER Jahrgang bei euch?

    Wäre es eine Option, sie dort trainieren und spielen zu lassen?

    Ich könnte mir vorstellen, dass dort auch 3-4 Kinder mit einem ähnlichen Niveau dabei sind. Und in Summe mit 6-7 Kindern, sind ja auch schon wieder passable, altersgerechte kleine Spielformen möglich. 2-3 sind in meinen Augen eine undankbare Zahl (gilt übrigens genauso, wenn es 2-3 absolute Überflieger im Vergleich zu den restlichen Kindern sind). Zumindest, wenn man ihnen ansatzweise auch etwas anbieten möchte im Training. 2 deutlich schwächere auf 20 deutlich stärkere zu verteilen, löst jetzt bei den stärkeren Kindern vielleicht keine Jubelsprünge aus, aber ich glaube nicht, dass das jedes der 20 Kinder so wahrnimmt. Da gibt es dann vielleicht 2-3 stärkere Kinder, die da laut ihren Unmut äußern, da würde ich denen dann aber ein paar Takte zu sagen.

    Nur den schwächeren Kindern bringt das vermutlich so gut wie gar nichts, das wird wohl eher in reine Laufeinheiten für sie ausarten. Und so wie du sie beschreibst, sind sie nicht nur von der Koordination, sondern auch vom Kopf her vielleicht auch einfach noch besser im Jungjahrgang aufgehoben.


    Ehrlicherweise muss ich jedoch auch sagen, die Kinder die bei uns so agieren, wie du sie beschreibst, sind auch die unzuverlässigsten. Werden teilweise kurz vorm Trainingsstart oder extra abgemachten Freundschaftsspielen doch noch abgemeldet -> doch keine Zeit. Sobald es etwas kühler ist, kommen sie nicht. Sind auch eher die Clowns (liegt vielleicht auch an ihrem Entwicklungsstand) und bekommen wenig bis nichts mit. Da schwindet bei mir auch sehr die Motivation mir da Gedanken über Speziallösungen zu machen. Und einem anderen Trainer (in deinem Fall dem Jungjahrgangstrainer) möchte ich die dann auch ungern auf's Auge drücken. Aber das Gespräch würde ich da trotzdem suchen. Vielleicht ist er wirklich auch froh, ein paar Kinder auf dem Niveau dazuzubekommen.

    Etwas Off-Topic, aber nochmal ergänzend meiner der Story über die F-Jugend oben:
    Mittlerweile spielen die alle auch vom Alter her in der E-Jugend und es ist für mich wirklich unbegreiflich, wie die so schwach sein können. Man hat fast das Gefühl, die sehen sich immer nur an den Spieltagen. Das meinte ich oben auch mit dem Jahr für die Tonne. Man hat ihnen schon auch ganz viel Entwicklungszeit geraubt. Ich denke, sie standen die ganze Saison über in jedem Spiel mit dem Rücken an der Wand und konnten immer nur reagieren, aber nie mal auf ihrem eigentlichen Spielniveau selbst agieren oder sich ausprobieren. Die Aktion hat ihnen in meinen Augen wirklich auch sportlich nachhaltig geschadet.

    Ich bin gespannt auf die Antworten der Kollegen, die in der Altersklasse beheimatet sind.


    Ich kann deine Situation gut nachvollziehen, auch wir plagen uns quasi vor jeder Saison mit solchen Gedanken. Also Überlegungen, ob wir eine Saison alleine gestemmt bekommen oder doch eine Spielgemeinschaft her muss. Wobei das bei uns von den Entfernungen sogar noch gut gehen würde. Ich kann mir auch Landstriche vorstellen, wo Orte wenig Kinder hätten und wirklich gerne eine Spielgemeinschaft machen würden, aber die Entfernungen dafür einfach auch sehr groß sind. Also nicht nur zu den Spielen, sondern auch zu den Trainings.


    Ich habe mitbekommen, wie ein anderer Verein eine kompletten F-Jugend hochgezogen hat, um damit eine Handvoll E-Jugendspieler "zu retten". Meiner Meinung nach ging das völlig in die Hose. Den größten Teil der F-Jugendspieler hätte man noch nicht mal als Verstärkung punktuell für Einzelspiele hochziehen können (da dann doch zu schwach). Und die E-Jugendspieler, die gerettet werden sollten, waren auch eher so Kinder, die sehr unregelmäßig kamen und auch keiner den Eindruck eines Leistungsträgers machte oder wenigstens eine Art stabile Säule war. Natürlich ist es schade, wenn dann für eine Jugend erstmal keine Lösung da ist, aber in meiner Wahrnehmung war das Jahr für die hochgezogenen Kinder ein Jahr für die Tonne. So habt ihr es ja nicht vor, aber wenn da jedes Spiel mit verlässlich mit 4-5 zu jungen Spielern aufgefüllt werden müssen, dann sehe ich das schon als schwierig an. Kenne die Kinder aber natürlich auch nicht. Grundsätzlich würde es bestimmt darauf hinaus laufen, dass dann doch die eher stärkeren Kinder hochgezogen werden und dann die schwächeren Kinder die D-Jugendspiele bestreiten.


    Zudem habe ich den Eindruck, dass bei uns die 7er-D-Staffel sportlich auch recht schwach ist. Klar, ihr wollt das kleine Team in der C-Jugend machen (also 7er-C-Jugend), aber wie viele Teams werden das in eurem Kreis noch machen? Und wie ist da das Spielniveau. Wenn das Spielniveau unterm Strich sogar irgendwo passt, lässt sich darüber eventuell nachdenken. Aber wenn eure Kinder schon länger spielen und dann in den 7er-C-Spielen nur auf absolute Fußballeinsteiger treffen (weil die anderen 7er-C-Teams vielleicht in Wirklichkeit ein Zweit- oder sogar Drittteam eines größeren Vereins ist und ggf. eine Art Sammelbecken für absolute Gelegenheitskicker), geht der Spaß bestimmt auch flöten.

    Spiele als Elternteil verfolgen:

    Ich denke die Spiele sind für Eltern nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Im Training kann soviel passieren und ich finde auch, dass dort die Grundsteine für alles gelegt werden. Oft sehe ich im Training Dinge die schon gut klappen und im Spiel aus diversen Gründen noch nicht. Oder noch nicht in der Häufigkeit, dass das Außenstehende wirklich als dazu gewonnene Fähigkeit wahrnehmen würden. In meinem Team war/ist Spielintelligenz im Mannschaftsverbund ein total zartes Pflänzchen, das sich langsam, aber stetig immer mehr entwickelt. Ich habe in Spielen Veränderungen gesehen, die Eltern nicht ansatzweise wahrgenommen haben - erwarte ich auch nicht, zeigt mir aber auch, dass zwischen 'nicht können' und 'können' einfach auch viel Zeit eingerechnet werden muss und man viele Dinge nicht einfach in 1-2 Trainings abstellen kann. Zudem erwischen natürlich auch die Kinder mal einen schlechten Tag und ein Spiel geht vom Ergebnis vielleicht komplett in die Hose, trotzdem habe ich in solchen Spielen oft spielerische Fortschritte gesehen (auch Konstanz ist für mich ein Fortschritt - also die Konstanz, das erreichte spielerische Niveau erstmal wöchentlich zu bestätigen), wo Außenstehende in der Regel nur vom Ergebnis geblendet ihr Fazit ziehen. Von daher sind deine Beobachtungen natürlich nicht uninteressant, aber zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht auch noch zu oberflächlich, um die Situation möglichst neutral, realistisch einschätzen zu können.


    Vom Zuschauer zum Trainer

    Ich selbst bin Vatertrainer, habe die Jungs aber damals in einem sehr frühen Mini-Alter übernommen und habe somit noch nie als Elternteil zwischen den anderen Eltern an der Seitenlinie gestanden. Trotzdem bekomme ich natürlich hin und wieder Kommentare mit. Rückblickend muss ich sagen, dass es im Kinderfußball gar keine Kunst ist von außen falsche Verhaltensweisen zu kommentieren (schön ausgeruht, ohne Gegnerdruck in offener Spielstellung am Seitenrand stehen - da könnten das viele Kinder bestimmt auch - nicht bei den Minis, aber in der E-Jugend schon). Letztendlich kann man ja immer drauf hauen, wenn etwas nicht geklappt hat. Die Lösungen, die dann jedoch größtenteils reingerufen werden, empfinde ich jedoch oftmals als haarsträubend und so primitiv, dass ich mir sicher bin, dass die auch nicht funktioniert hätten ^^. Die größte Herausforderung eines Trainers ist in meinen Augen (und da sollte er sich deutlich vom 'durchschnittlichen Zuschauer' unterscheiden), dass er eine Vision davon hat, wie es besser gewesen wäre UND die Fähigkeit hat diese Vision auch im Training vermitteln zu können. Oft Übungen rausgesucht oder vorgeschlagen, mit denen das Problem in den Griff zu bekommen sein soll. Die geeignete Übung (oder Spielformen) ist natürlich schon wichtig, aber mindestens genauso viel Potential/Geheimnis steckt in meinen Augen im fachgerechten Coaching und das wiederum, ist schon auch von Erfahrung abhängig.

    Daher meine Frage, wie du an den Job gekommen bist. Um mal einschätzen zu können, wie fachlich und praktisch versiert du bist. Weil „Umschaltverhalten nach Ballverlust“ zu trainieren (und nicht einfach nur grob zu beschreiben was das eventuell ist), das sagt sich halt sehr einfach. D.h., es ist nicht nur für die Kinder ein großer Lernprozess, sondern insbesondere direkt zu Anfang auch für dich als Trainer. Daher lasse dich nicht entmutigen, wenn schnelle, große Erfolge ausbleiben. Konzentriere dich auf die kleinen Erfolge, Schritt-für-Schritt.


    Ich komme später nochmal auf deine anderen Punkte zurück.

    Wann hast du das Team denn übernommen? Im letzten Sommer oder jetzt in der Winterpause?


    Falls schon im letzten Sommer: Welche Staffelstärke spielt ihr denn? Hast du das Gefühl, dass die anderen Teams der Staffel mit deinem Team vergleichbar sind? Damit meine ich in erster Linie die Sportlichkeit. Spielen die Kids der anderen Teams ähnlich lange Fußball wie deine? Mir ist schon klar, dass man das nicht jedem Kind sofort ansieht. Aber es wäre schon interessant zu wissen, ob deine Kinder gegen absolute Anfängerkinder Schwierigkeiten haben oder gegen Kinder, die tendenziell erstmal ähnlich lange Fußball spielen.

    Sind womöglich sogar in deinem Team viele Anfängerkinder, die erst kürzlich mit den Fußball begonnen haben?


    Falls jetzt im Winter übernommen: Wann und gegen welche Teams (Spielstärke?) hast du dein Team denn bislang draußen spielen gesehen? Saisonspiele sind ja (zumindest bei uns) in diesem Jahr noch nicht gewesen.


    Warum hast du das Team übernommen? Weißt du, wie das Team vorher trainiert wurde?

    Eher notdürftig (irgendeiner muss es ja machen) oder grundsätzlich schon aus etwas mehr eigenem Antrieb? Wurden da auch mal Funino oder ähnliche Dinge im Training gespielt (z.B. 4 gegen 4 oder 5 gegen 5 mit TW)?

    Auch wenn ich nicht direkt betroffen bin, verfolge ich die Diskussion ganz interessiert.
    Kurze Verständnisfrage:
    ruffy85 Was hat für dich die Fairplay-Liga mit dem neuen Kinderfußball zu tun bzw. nicht zu tun?

    ruffy85 Als ich selbst noch die Minis trainiert habe, bin ich damals recht schnell auf St. Pauli gestoßen, die da für mich gefühlt schon so eine Art Vorreiter in der Anwendung von Funino waren. Welche Rolle spielen denn St. Pauli oder ggf. auch der HSV im Kinderfußball bei euch in Hamburg / Großraum Hamburg? Prägen die da irgendwie schon auch die Fußballlandschaft mit und beeinflussen auch offensichtlich das Treiben des Verbandes? Oder hat sich St. Pauli in den ganz jungen Altersklassen z.B. sogar komplett abgekapselt vom Verband? Prägt Pauli auch parallele Strukturen zum klassischen Spielbetrieb? Bekommst du davon was mit? Eindrücke dazu würden mich mal interessieren ;).

    Viele deiner Fragen, nicht nur die oben, gehen in eine Richtung, die vermutlich nicht so einfach beantwortet werden können und unterm Strich facettenreicher sind, als man zunächst vermutet.


    Schau bzw. Hör dich doch hier mal um. Die Podcasts finde ich ganz gelungen. Beziehen sich inhaltlich auch schon eher auf den Leistungsbereich oder sogar konkret NLZs.


    Fussballtraining im Kinder- und Jugendbereich (Podcast)

    Christian Riecks von Holstein Kiel spricht meine ich auch ein paar Dinge an, in denen er beschreibt, wie sie sich z.B. in Sachen Scouting-Kriterien von anderen NLZs unterscheiden. Ich denke, wenn du da mal ein bisschen querhörst, wirst du hoffentlich merken, was ich oben mit facettenreich meine. Konkret zu U9 gibt es da glaube ich keine Folge, aber 'Erste Hand' sind die Informationen allemal. ;)

    Bin ich durch Zufall drauf gestoßen:

    Forschungsprojekt Analyse von Fußballvereinen in Deutschland


    Dort werden u.a. 15 Fußballvereine genauer unter die Lupe genommen. Auch die Einnahmenseite wird dort offengelegt, zu den Ausgaben habe ich beim Überfliegen nichts gefunden. Aber auch Mitgliederzahlen und Entwicklung, Trainersituation, Sportangebot des Vereins usw. werden dort aufgeführt.


    Fantomas Vielleicht findest du dort brauchbare Hinweise.

    coachkai

    Die Wahrnehmung kommt im sogenannten taktischen Handlungszyklus (siehe Anhang) vor der Entscheidungsfindung (taktische Komponente) und diese wiederum kommt vor der Ausführung (technische Komponente). Und alle drei beeinflussen sich gegenseitig. Wer mehr wahrnimmt, hat mehr Lösungsoptionen aus denen er wählen kann. Man hat also eine größere Entscheidungsvielfalt. Gleichzeitig ist diese vom technischen Vermögen abhängig. Denn wer keine gute Technik hat, muss sich auf für ihn umsetzbare Lösungsoptionen beschränken.


    Seit mir diese Zusammenhänge und Abfolgen bewusster sind, beurteile ich unsere Spiele und Trainings nochmal mit anderen Augen. Mir passiert es zumindest im ersten Schritt häufig, dass ich nur den eigenen ballbesitzenden Spieler vor Augen habe. Was soll er mit dem Ball machen? Welche Optionen hat er? Wie verbessere ich ihn kurz vor der Situation (z.B. Vororientierung) und in der Situation? usw. usw. Der ballbesitzende Spieler ist natürlich eine wichtige, aber längst nicht die einzige wichtige Person auf dem Platz. Ist ja schließlich ein Mannschaftssport.


    vangaalsnase deutet es hier ja bereits an.

    Wahrnehmungsschulung wird leider zu oft auf den Schulterblick reduziert, wobei es sich lediglich um eine Bewegung handelt. Das Gesehene zu verarbeiten (wo stehen meine Mit- und Gegenspieler? Welche Passwege sind offen?) gehört jedoch ebenso dazu und ist der entscheidende Part, wenn wir von Wahrnehmung sprechen.

    "Wo stehen meine Mit- und Gegenspieler?"

    'Wo die stehen', kann der ballbesitzende Spieler in dem unmittelbaren Augenblick in dem er den Ball erhält nicht mehr unbedingt beeinflussen, aber eventuell schon vorher durch eine eigene, günstige relative Positionierung (also relativ in Bezug auf die Mitspieler um gute Winkel zu bekommen - und nicht absolut gesehen auf das gesamte Spielfeld).

    'Wo die stehen', können aber in jedem Fall auch die Mitspieler selbst beeinflussen und wenn sie gut sind, können sie das Stellungsspiel der gegnerischen Spieler durch ihr eigenes Stellungsspiel ebenfalls beeinflussen. Das sogenannte 'Spiel ohne Ball'. Ich finde es wichtig zu verstehen, dass die Phasen des Schaubilds von oben, ja genauso jeder 'nicht ballbesitzende Spieler' durchläuft. Die motorische Ausführung beschränkt sich dann "nur" auf das Laufverhalten oder aber vielleicht auch auf Kommunikation (Beispielhaft: Thomas Müller).


    Da es dir coachkai auch um das Trainieren geht: Das nächste Schaubild das mir insbesondere für die Trainingsgestaltung weiterhilft ist dieses hier: Vier Phasen eines Fußballspieles nach Louis van Gaal (Link und Beschreibung)

    Grob gesagt befindet sich immer ein Team in einer dieser Phasen. Da es nur einen Ball im Spiel gibt, können nie beide Teams in derselben Phase sein. Aber in jeder Spielphase (van Gaal) durchläuft jeder Spieler auf dem Platz in jedem Augenblick die 6-Phasen des taktischen Handelns.

    Die 6-Phasen-Taktische-Handlung (bringt die Natur so mit sich) und die 4-Phasen-des-Spiels (bringt das Fußballspiel aufgrund des Regelwerks so mitsich), sind für mich formell erstmal fix und nicht veränderbar. Sie wirken auf jeden Spieler, egal ob er sich dem bewusst ist oder nicht. Ich für mich versuche mir dessen in der Trainingsgestaltung, -durchführung und auch -rückbetrachtung jedoch immer bewusst zu sein. Gilt fürs Spiel genauso. Vielleicht helfen dir meine Gedanken, zusätzlich zu dem bereits geschriebenen noch etwas mehr Zugang zu deiner Eingangsfrage zu bekommen. Wie vangaalsnase oben schon sagte, auch ich versuche es etwas ganzheitlicher zu betrachten, ohne jedoch alles genau in Worte fassen zu können.