Zwei Probleme sehe ich bei dem ganzen - nicht neuem - Diskurs.
1) Es wird gerne Technik vs Größe argumentiert, als ob es nur entweder oder gibt und al ob es da keine Abstufungen gibt.
Das ist ein Argumentationsstil, der immer den Diskurs verhindert und dazu dient. Egal zu welchem Thema.
Man stelle die beiden Gegenpostionen/Extreme dar und behaupte, dass es nur entweder-oder gäbe.
2) Schon die Bezeichnung, was gute Technik wirklich ist, ist halt vielfach eine andere (falsche in meinen Augen).
Technik ist nämlich nicht die B-Note, wie einer Jonglieren kann, oder oder...
Technik ist zwingend gebunden an Gegner- und Zeitdruck. Man kann Technik nur unter Berücksichtigung dieser Bedingungen vergleichen/bewerten.
Extrembeispiel:
Ein kleiner langsamer Spieler sieht oft elegant aus, bekommt das Attribut Techniker von vielen. vielen Menschen. Aber wenn er alles auf langsamen Tempo ausführt und bei Gegnerdruck dies dann nicht mal auf dem langsamen Tempo machen kann, dann ist es defacto eben keine gute Technik. Das sieht dann elegant aus, aber es ist eben trotzdem technisch nicht gut, weil Tempo und Gegnerdruck fehlen.
(Und wenn hier das Beispiel Messi kam: Mal Videos von dem als 13 oder 14 jähriger gesehen? Das war alles in unfassbarem Tempo und auch unter großem Gegnerdruck.)
Und ich habe zB mal gegenteilige Erfahrung gemacht:
Ich hatte einen großen Spieler, der stämmig war. Er wirkte auch nicht so schnell.
Dem wurde vom Stützpunkttrainer (und anderen ebenso) nachgesagt, er sei nur groß und er wurde nicht genommen.
Dann wurde die Landesauswahl gebildet und er kam in einer Spielform mal vorne (und/oder auf Außen) zum Einsatz. Plötzlich hat der Trainer den Spieler anders bewertet, , weil er eben nicht nur mit Masse, sondern mit Tempo und Technik alles überlaufen hat. Also noch nicht als Granate, aber er kam in die Landesauswahl, und das quasi als Außenstürmer. Er setzte sich dann als Stamm-IV schnell durch, weil er da noch wertvoller war.
Ein paar Monate später stand er dann als IV in der Startelf der U15-Nationalmannschaft, debütierte später mit 18 in der Bundesliga.
Der war nämlich richtig schnell (wir haben Lichtschrankentest gemacht) und konnte auf hohem Tempo und unter großem Gegnerdruck technisch auch richtig etwas. Elegant sah das aber nie aus, jedenfalls nicht vergleichbar mit manch kleinem Spieler.
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Seit dem obigen Beitrag von Sir Alex finden sich eigentlich nur Antworten, die seine Aussage, dass in der Diskussion um Größe / Technik leider völlig undifferenziert polarisiert wird, belegen.
Ich finde die Diskussion verliert dadurch extrem an Qualität...
Ich bin mal in Gedanken das neue Team meines Sohnes (U12-NLZ) durchgegangen.
3 Spieler sind überdurchschnittlich groß (einer davon ist Torwart)
2 Spieler sind deutlich kleiner als der Durchschnitt , 2 weitere etwas kleiner.
Der Rest bewegt sich in dem Rahmen, den man für die Altersgruppe als "normalgroß" bezeichnen kann.
Ich bin mir sicher, dass die Größe der Eltern nicht als Sichtungskriterium genommen wurde, es ist aber tatsächlich so, dass sich deren Größenverhältnisse exakt in dem Bereich einordnen wie die dazugehörigen Kinder oben.
Weitere "Talentmerkmale":
SPEED: es sind einige extrem schnelle Spieler dabei, viele überdurchschnittlich schnelle, aber auch ein par normale
richtig "langsame" Spieler sind definitiv nicht dabei.
TECHNIK: alle Jungs (inkl. Torhüter) sind in den Basistechniken fit. Gute Ball-An-/ -Mitnahme, ordentliches Dribbling mit und ohne Finten, Sauberes Passspiel mit der passenden Technik zur erforderlichen Situation, ein paar (meiner Meinung nach zu wenige) sind beidfüßig. Beim Torschuss fehlt vielen noch die richtige Balance aus Kraft und Präzision, beides bekommen nur wenige hin
MOTORIK: ein Junge (Turner, Trampolinspringer, Parcoursfreak) sticht extrem heraus. Zwei Spieler (von den großen) wirken für mein Empfinden eher steif, der Rest ist gut bis überdurchschnittlich
SPIELVERSTÄNDNIS: aktuell wirken alle noch ein bisschen wie Bolzplatzjungs, die einfach nur spielen wollen. Taktisches Verständnis ist vorhanden, Positionsspiel defensiv dafür, dass die Jungs komplett neu zusammengewürfelt wurden sehr gut, im Ballbesitz ist Luft nach oben in allen Bereichen (Freilaufverhalten, Positionsspiel, Blick für den Mitspieler und rechtzeitiges Abspiel).
Der Großteil agiert auch unter Gegnerdruck selbstbewusst und kann sich behaupten, Vororientierung ist Altersgemäß vorhanden aber selbstverständlich noch ausbaufähig.
Die Jungs machen aber alle den Eindruck, dass sie das was ihnen von den Trainern vorgegeben wird umsetzen wollen und auch können, von daher ist Entwicklung sicher möglich.
FAZIT: in der Mannschaft ist kein Spieler von dem man sagen würde: der hat da nichts zu suchen und ist vollkomme zu unrecht gesichtet worden, aber auch kein Überflieger, der alle überstrahlt und sich schon mal einen vernünftigen Berater suchen sollte.
Das Team würde mit 100%iger Sicherheit jede U12 Jahrgangsmannschaft im Umkreis von 75km deutlich schlagen und auch gegen die meisten U13 Teams in diesem Umkreis gewinnen bzw. zumindest gut mithalten können.
Trotzdem gibt es mit Sicherheit hier im Umkreis immer noch genügend gleichaltrige Jungs, die wenn man sie zusammenpackt und ein Team aufstellt nicht chancenlos gegen die Mannschaft wären. Das betrifft zum einen Spieler, die vom NLZ nach der Sichtung nicht berücksichtigt wurden bzw. welche, die dort gar nicht auf dem Schirm waren, weil nicht bekannt, oder ggf. kein Interesse zu wechseln.
Trotzdem finde ich den Sichtungsprozess und das Ergebnis vollkommen in Ordnung und jeder in der Mannschaft ist aktuell völlig zurecht dabei. Es ist aber nicht auszuschließen, dass bis zur U19 mindestens die Hälfte vielleicht sogar alle Jungs nicht mehr dabei sein werden. Ich würde dafür aber weder einen schlechten Sichtungsprozess, noch die unmenschlichen Strukturen in der Nachwuchsförderung verantwortlich machen, sondern es IST derzeit einfach so wie es IST.
Die einzige Lösung ist in meinen Augen, dass die Förderstruktur so breit aufgestellt sein muss, dass jedes Talent, das hochwertige Förderung haben möchte (und zwar regelmäßiger als 1x pro Woche) diese auch bekommt und eben nicht nur ein Kader von 16-18 NLZ-Spielern.
Das würde dann aber dazu führen, dass noch mehr Spieler in Leistungskadern (bei welchen Vereinen oder Organisationen auch immer) zusammengefasst werden und dem Vereinsleben im Breitensportverein verloren gehen.
Denn die wichtigste Erfahrung, die ich in den letzten knapp drei Monaten gemacht habe ist, dass wesentlich für die Entwicklung -neben gutem Training- ein homogener Trainingskader, in dem alle gleich viel Bock und gleich viel Ehrgeiz haben Fußball zu spielen und zu lernen ist.