Beiträge von Coach1976

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    Sinn der Lizenzstufen ist ja nicht zwangsweise was man damit trainieren darf, sondern wie man damit trainieren kann.

    Dementsprechend bieten die "+" Stufen für den der mehr Zeit investieren kann und will etwas mehr Input und Hintergrund.

    Wir müssen uns manchmal etwas von der starren denke, dass man etwas tut um eine bestimmte Hierarchiestufe auf der Leiter zu erreichen lösen. Beim Lernen und der Qualifikation geht es doch in erster Linie darum Fähigkeiten zu erlangen und (hoffentlich) erst in zweiter Linie darum diese soweit oben wie möglich auszuüben...

    ich sehe das auch so. der Beitrag ist mit der schärfe so richtig. Ich finde es nicht überzogen. Es zeigt das sich da was fehl entwickelte

    Ich gebe Dir recht, dass der Beitrag in der Schärfe absolut in Ordnung ist, weil es diese Fälle definitiv in dieser extremen Ausprägung gibt.
    Was mir daran aber nicht gefällt ist das pauschalisierende, dass dem außenstehenden Zuschauer suggeriert, dass es überall und immer so ist.
    Was hätte dagegen gesprochen zumindest 5 Minuten des Beitrags dafür zu verwenden, dass man zeigt wo und wie es gut läuft und auch zufriedene Kinder und Eltern zu Wort kommen zu lassen. Die gibt es nämlich auch.

    Ich finde Charles De Goal hat bei der ganzen Diskussion doch nur den Fehler gemacht dem Gegner zunächst zu unterstellen, dass er den Spieler absichtlich verletzt hat und aufgrund der Vorgeschichte bewusst wieder das Schlüsselbein in "Angriff" nahm.

    Mit der nachfolgenden Relativierung seiner Sicht hat er das doch ausreichend geklärt.

    Billigend eine Verletzung in Kauf nehmen ist aber trotzdem nochmal etwas anderes, als vorsätzlich verletzten zu wollen.


    Beides gehört sich nicht, klar, aber es ist trotzdem ein Unterschied.

    Ja, du hast recht. Ich war im Moment des Beitrags natürlich auch emotional geleitet, was ich normalerweise vermeiden möchte. Vorsatz hätte ja wirklich die Intention des letztlichen erneuten Bruchs, mit so einer Intention schubst kein 16-Jähriger. Billigend in Kauf nehmen mit dem Hintergedanken, dass der ja vor kurzem was hatte, trifft es wahrscheinlich eher....

    Nach den Konsequenzen, die das Spiel für den Jungen hatte kann man - nach dem Motto: "hinterher ist man schlauer" - natürlich einräumen, dass man im Vorfeld der Partie die ein oder andere Entscheidung anders hätte treffen können:
    => Erstes Spiel nach langer Verletzung ausgerechnet gegen die Ex-Mannschaft, die auch noch körperlich überlegen, aber spielerisch unterlegen ist

    ABER: selbst wenn das Team von Charles De Goal tatsächlich überheblich aufgetreten sein sollte, weil sie den älteren Gegner so dominiert haben und selbst wenn der betroffene Spieler vielleicht seinen Beitrag dazu geleistet hätte, rechtfertigt das doch nicht, dass jemand aus Frust einen Gegner absichtlich abräumt und damit billigend eine Verletzung in Kauf nimmt.

    Wo also soll das was er geschrieben hat denn sonst stehen als im Frustabbau-Thread.

    let1612 ich bin vollkommen bei Dir, dass mit richtigem Training mehr zu erreichen ist als durch reine Selektion. Das Problem ist aber, dass wir heute doch schon Probleme haben überhaupt ausreichend Trainer für die breite Basis zu finden, geschweige denn solche, die es auch noch gut machen könne und vor allem wollen.

    Die Zusammenfassung in lokale / regionale Leistungsgruppen kann vielleicht auch dazu dienen, dass man Trainer und Spieler mit gleichen Zielen besser zusammenbringt.
    Der daraus resultierende Konflikt zwischen Breiten- und Leistungssport und die Auswirkung auf die Vereine sind mir dabei durchaus bewusst und gefallen mir auch nicht wirklich.

    Die Länder, die in den letzten Jahren die stabilste Talententwicklung hatten (Spanien, Frankreich, Niederlande, Belgien, England) unterscheidet aber eines am deutlichsten von unserem (eher föderal geprägten) Vereinssystem.
    Spieler werden früher nach Leistung zusammengefasst (ich nenne es bewusst nicht selektiert) und trainieren und spielen häufiger und regelmäßiger in diesen starken Gruppen.

    Diese regionaleren Leistungsgruppen hätten nebenbei noch den Charme, dass die Entfernungen zu den Spielen nicht 100-200 km betragen wie in den NLZ-Ligen sondern der Spielbetrieb ggf. in einem Umkreis von 50-75 km stattfinden kann.

    Warum immer den Verein wechseln. Wieso nicht einfach einen NLZ Auswahl bilden von den beteiligten Förderkader und gegen das andere NLZ Förderkader Team spielen. Vielleicht alle Monate mal ein Spiel oder so.

    Ich kapiere nicht wieso man da immer den Basisvereinen die Spieler entziehen muss ?! Um eine Talentförderung zu implementieren.

    Entscheidend für die Talententwicklung sind regelmäßige Trainings und Spiele mit ähnlich starken und engagierten Spielern. Da reicht das Stützpunkt Training 1x pro Woche einfach nicht, wenn man die anderen beiden Trainings + Spiel in einer heterogenen Mannschaft im Heimatverein absolviert, wo Mitspieler den Ball immer noch mit der Sohle stoppen und der Pass zum Mitspieler mit Vollspann oder Pike gespielt wird.

    Bitte nicht falsch verstehen: ich finde Spaßfußball im Dorf- / Hobbyverein oder wo auch immer großartig und wichtig und es ist auch vollkommen OK, wenn Teams heterogen zusammengesetzt sind und der hochveranlagte Techniker mit seinem grobmotorischen Kumpel kickt.
    ABER: es gibt Spieler, die wollen ab einem gewissen Alter ihr Hobby auf bestmöglichem Niveau ausüben und haben auch genug Talent daran zu arbeiten, auch wenn sie vielleicht keine kommenden Nationalspieler sind.

    Von diesen Jungs gibt es deutlich mehr, als die Kader der NLZ aufnehmen können.

    Den Vorschlag von Goodie Vereine zu mehreren "Leistungsteams" zusammenzufassen finde ich sehr gut, sofern er beinhaltet, dass aus dieser Zusammenfassung wirklich Mannschaften entstehen, die gemeinsam Trainieren und Spielen. Ich wäre allerdings eher bei 5-6 Vereinen als bei 3 (hängt aber sicher auch von der Größe der Vereine und der Region ab).

    Im ersten Schritt wirkt das sicher als ob den Vereinen die Spieler geklaut werden.

    Ich sehe darin aber eine Chance, dass Spieler da abgeholt werden können wo sie stehen und von Ihrer individuellen Basis weg gefördert werden können. Vielleicht hält das langfristig mehr Jugendliche beim Fußball als das heute der Fall ist (Stichwort Drop-Out), weil die stärkeren nicht das Gefühl haben zu stagnieren und die schwächeren den Spaß behalten, weil sie nicht jede Woche frustriert feststellen müssen, dass alle anderen viel besser sind als sie.

    Malikinho
    ganz allgemein ist es leider so, dass - wie der Begriff schon sagt - die Selektion immer dazu führt, dass man eine Entscheidung für bzw. gegen einzelne Spieler trifft. Vermutlich hast Du recht, dass bei sehr vielen Entscheidungen die körperlichen Attribute mehr Gewicht bekommen, und deshalb bei engen Entscheidungen der größere, stärkere Spieler gegenüber dem kleineren (manchmal auch zu Unrecht) den Vorzug erhält. Wie du auch schon schreibst ist es aber entgegen der Aussage von beobachter_1000 nicht so, dass Spieler, die technisch deutlich schwächer sind als andere oder gar nichts draufhaben nur wegen ihrer Größe vorgezogen werden.
    Für mich läge die beste Option in Bezug auf Talentförderung darin, dass man die Basis für diese verbreitert.

    Das kann entweder geschehen, indem jedes NLZ eine zweite Jahrgangsmannschaft einführt, die auf dem gleichen Niveau trainiert wie die "erste", oder aus den Stützpunkten werden regionale Leistungszentren, die feste Mannschaften haben und genauso wie die NLZ 3x pro Woche trainieren und auch an einem Wettbewerb (NLZ-Runde oder Stützpunktrunde - normale Runde macht vermutlich keinen Sinn) teilnehmen.

    Problem bei meinem Vorschlag: der Basis (Breitensport-/ Dorfverein) gehen noch mehr gute Spieler verloren.

    Außerdem kosten beide Varianten natürlich zusätzliches Geld, das DFL, DFB und Vereine aufbringen müssten.
    Letztendlich muss jeder Spieler (mit den Eltern) für sich entscheiden, welchen Weg er gehen möchte (NLZ, ambitionierter Verein + Stützpunkt oder Dorfverein + Stützpunkt ...) und dabei berücksichtigen welche Wege ihm offenstehen.


    Zum Thema Marco Reus und erwartete Spielpraxis in der U17 beim BVB:
    hier sollten in den NLZ tatsächlich durchgängig Jahrgangsmannschaften (auch eine U18) existieren. Außerdem sollte für jeden gesunden Spieler im NLZ bis inkl. U19 eine Mindestspielzeit je Woche festgelegt werden, um jedem ausreichend Spielpraxis zu garantieren. Bei allem Aufwand für Training etc. und Entbehrungen in der Freizeit, die das NLZ von den Jugendlichen einfordert sollten diese im Gegenzug jede Woche die Möglichkeit haben ausreichend lange zum Einsatz zu kommen. In U12-U14 wird in Bayern bei den NLZ ja schon in dritteln gespielt, damit dies ermöglicht werden kann.
    Dafür landen wir dann wieder an einer Reform der Wettbewerbe ohne Auf-/ Abstieg im Jugendbereich...



    Die von beobachter_1000 so hoch gelobten Systeme aus der Schweiz, Frankreich, Spanien, England und auch aus den Niederlanden, sind in jedem Fall deutlich weniger vereins- und breitensportbasiert als das in Deutschland der Fall ist.

    Da werden Talente von Profivereinen oder regionalen Leistungszentren frühzeitig entdeckt und gefördert. In den meisten Fällen ist das dann aber im Vergleich zum deutschen Vereinsfußball ein "Full-time-Job" mit viel mehr Training, und relativ enger Bindung an die Leistungsorientierte Förderung.

    Das deutsch Vereinssystem mit dem ihm eigenen Kirchturmdenken passt da sicher nicht rein.

    Denkbar wäre in meine Augen ein mehrstufiges Konzept:
    Stufe 1: U6 - U11:
    Vereinsfußball, Kinderfußball
    Spaß an der Bewegung, Grundlagenausbildung, Fußballspiel mit Freunden

    Stufe 2: U12 - U16

    Talentförderung auf breiter Basis (NLZ, regionale / lokale DFB-Leistungszentren)

    selektierte Teams, Training mit hoher Regelmäßigkeit und Qualität und Intensität
    Leistungsvergleiche zwischen den LZ
    => für die, die kein Interesse an Talentförderung haben bzw. bei denen es offensichtlich nicht reicht läuft natürlich parallel der Breitensport im Verein weiter.

    Stufe 3: ab U17

    Leistungssport oder Breitensport

    die besten bleiben im NLZ, dort gibt es nach wie vor Jahrgangsmannschaften (U17/U18/U19), um die Förderbasis breiter zu halten als heute

    die Spieler, die es nicht in die U17 geschafft haben wechseln zurück in den Breiten- bzw, gehobenen Amateursport


    letztendlich ist es nicht viel anders als aktuell auch schon, mit dem Unterschied, dass die Förderbasis im Bereich U12-U16 deutlich breiter wird und Spieler mit Potential in dieser Altersspanne dem klassischen Vereinsmodell verloren gehen, ggf. aber später wieder zurückkehren. Am Ende kostet alles deutlich mehr Geld als heute und würde die Vereine vorübergehend in jedem Fall Mitglieder kosten. Woran ich definitiv nicht glaube, dass es etwas hilft Gelder in den Breitensport umzuleiten um dort die Trainer zu bezahlen, die die Kinder im goldenen Lernalter trainieren.

    Gerade in dem Alter ist es entscheidend, dass die Kids möglichst regelmäßig mit gleichstarken Spielern auf hohem Niveau trainieren, und das spricht nun mal für das Zusammenfassen der Talente in festen Teams.

    Mit dem alleinigen Ziel den Breitensport zu stärken tut man ohne jeden Zweifel etwas sehr sinnvolles für die Gesellschaft und vielleicht bekommt man für die N11 auch den ein oder anderen Klose oder Gosens mehr als zuvor, das Ziel die Talentförderung in der Spitze zu verbessern und mehr Top-Talente auszubilden lässt sich damit aber nicht erreichen.

    Coach1976 das heißt dann für mich, das jeder bei Dir die gleichen Chancen hatte ob Klein Groß usw. Es wurde nach Leistung gesichtet und nicht nach Körper usw. Ich denke so muss es auch sein.

    Es wurde ein Gesamtpaket gesichtet.

    Es hätte sicherlich jede Menge körperlich starker Spieler gegeben, die die 4 kleineren in Zweikämpfen vor Schwierigkeiten stellen, aber das Spiel besteht ja nicht nur aus Zweikämpfen.

    Genauso wären da sicher auch noch viele andere Spieler mit guter Technik gutem Auge und Passspiel, die aber vielleicht zu langsam, körperlich zu schwach etc. im Vergleich zu denen sind die genommen wurden.

    Am Ende hat der Trainer eine Mannschaft gesichtet, die zusammen trainieren und spielen kann und nicht ausschließlich die individuell besten Talente, die im Umkreis zu finden waren. Dementsprechend versteht es sich von selbst, dass diese Truppe nicht so die nächsten 6-7 Jahre zusammenspielen wird.
    Aktuell bin ich von der Mannschaft sportlich und charakterlich begeistert. Die Stimmung zwischen den Jungs, den Trainern und auch den Eltern ist besser als zuvor im Heimatverein. Daran erkennt man auch was ein gemeinsamer Nenner (Begeisterung für Fußball) bewirken kann. Im Heimatverein haben viele halt einfach mitgespielt weil das Angebot halt da war, und weil die Anderen auch dabei sind. Die Leidenschaft und Hingabe für das Spiel waren aber bei weitem nicht so gefestigt wie jetzt bei den NLZ-Jungs.
    Die gute Stimmung wird sich sicher spätestens wenn es in Richtung Saisonende geht und mancher sich Gedanken macht ob und wie es weitergeht relativieren, aber im Moment macht es wirklich rundherum Spaß.


    Um aber nochmal auf die Ausgangsfrage von beobachter_1000 zu kommen.

    Es wurde nach einem Paket von aktuell vorhandenen Fähigkeiten (Technik, Schnelligkeit, Motorik, kognitive Fähigkeiten, körperliche Voraussetzungen => dazu gehört auch die Größe) gesichtet und versucht zu erahnen welches Entwicklungspotential die Jungs bei diesen Fähigkeiten noch haben könnten. Die aktuellen Fähigkeiten sind offensichtlich und relativ leicht zu beurteilen, der zweite Teil ist größtenteils Glückssache.
    Da wurde sicher ein Spieler genommen, weil er technisch, motorisch und kognitiv so stark war, dass er seine körperlichen Nachteile dadurch kompensieren konnte. Ein anderer (großer) ist jetzt nicht der Dribbelkönig, aber hat eine gute Übersicht und ist deshalb und wegen der Größe so zweikampfstark, dass es echt sehr schwer ist an ihm vorbeizukommen. Außerdem hilft sein Passspiel im Spielaufbau. Er hat sich deshalb gegen technisch stärkere Spieler durchgesetzt. Einer der Stürmer hat noch offensichtliche Probleme bei der Ballannahme, im Dribbling und auch beim Blick für die Mitspieler. Dafür ist er aber dermaßen Reaktions- und Antrittsschnell, dass es die vorherigen Schwächen überkompensiert, wenn man ihn auf die Reise schickt. Ich bin mir sicher dem Trainer ist das schon bei der Sichtung aufgefallen und er wird mit dem Jungen eben daran arbeiten, dass er seine Bälle auch im hohen Tempo verarbeiten kann und im richtigen Moment auch mal den Mitspieler sucht. Er wird das Ziel haben jeden Spieler im Gesamtpaket zu verbessern, indem die Stärken weiter gestärkt, aber eben auch die Schwächen jedes einzelnen reduziert werden.

    Und ich bin überzeugt, (und weiß das auch als Teilnehmer an der Stützpunktsichtung), dass die Bewertungskriterien sich bei der Stützpunktsichtung nicht großartig von denen am NLZ unterscheiden. Es geht immer um ein Gesamtpaket und nicht ausschließlich um ein KO-Kriterium (wie beim Basketball, wo man bei einer erwarteten "Endgröße" von unter 1,85 gar nicht auf die Liste kommen kann).

    Dass man dann später im NLZ mit 3+x Trainings pro Woche im Normalfall deutlich mehr entwickeln kann als 1x pro Woche am Stützpunkt liegt auf der Hand.
    Meinen Sohn würde ich in Sachen Gesamtpaket aktuell bei den Top 3-5 in der Mannschaft einordnen. Trotzdem ist uns genauso bewusst, dass das kein Freilos für die nächste Saison oder x Jahre NLZ ist. Dazu ist die individuelle Entwicklung einfach viel zu wenig planbar und es gibt (zum Glück) viel zu viele Jungs und Mädels die richtig Lust und Talent haben auf hohem Niveau Fußball zu spielen.

    Deswegen: Egal ob Stützpunkt, NLZ, ambitionierter Leistungsverein: Jedes Kind das Spaß dabei hat Fußball zu spielen und darüber hinaus gerne die Grenzen seines Leistungsniveaus kennen lernen möchte, soll das versuchen, so lange es den Aufwand dafür nicht als Belastung empfindet und die Zeit genießen in der es mit starken Mitspielern und Trainern zusammenarbeiten darf. Egal wie lange es geht, die Zeit ist nie verschwendet, so lange man es mit Freude tut.

    Allen Eltern und Fachleuten drum herum würde ich raten:

    Manchmal hilft es, denen, die etwas tun und Zeit in die sportliche Ausbildung der Kinder stecken (egal auf welchem Niveau) zu vertrauen, dass diese ihr Bestes geben.

    Seit dem obigen Beitrag von Sir Alex finden sich eigentlich nur Antworten, die seine Aussage, dass in der Diskussion um Größe / Technik leider völlig undifferenziert polarisiert wird, belegen.

    Ich finde die Diskussion verliert dadurch extrem an Qualität...


    Ich bin mal in Gedanken das neue Team meines Sohnes (U12-NLZ) durchgegangen.

    3 Spieler sind überdurchschnittlich groß (einer davon ist Torwart)

    2 Spieler sind deutlich kleiner als der Durchschnitt , 2 weitere etwas kleiner.

    Der Rest bewegt sich in dem Rahmen, den man für die Altersgruppe als "normalgroß" bezeichnen kann.

    Ich bin mir sicher, dass die Größe der Eltern nicht als Sichtungskriterium genommen wurde, es ist aber tatsächlich so, dass sich deren Größenverhältnisse exakt in dem Bereich einordnen wie die dazugehörigen Kinder oben.

    Weitere "Talentmerkmale":

    SPEED: es sind einige extrem schnelle Spieler dabei, viele überdurchschnittlich schnelle, aber auch ein par normale

    richtig "langsame" Spieler sind definitiv nicht dabei.
    TECHNIK: alle Jungs (inkl. Torhüter) sind in den Basistechniken fit. Gute Ball-An-/ -Mitnahme, ordentliches Dribbling mit und ohne Finten, Sauberes Passspiel mit der passenden Technik zur erforderlichen Situation, ein paar (meiner Meinung nach zu wenige) sind beidfüßig. Beim Torschuss fehlt vielen noch die richtige Balance aus Kraft und Präzision, beides bekommen nur wenige hin

    MOTORIK: ein Junge (Turner, Trampolinspringer, Parcoursfreak) sticht extrem heraus. Zwei Spieler (von den großen) wirken für mein Empfinden eher steif, der Rest ist gut bis überdurchschnittlich

    SPIELVERSTÄNDNIS: aktuell wirken alle noch ein bisschen wie Bolzplatzjungs, die einfach nur spielen wollen. Taktisches Verständnis ist vorhanden, Positionsspiel defensiv dafür, dass die Jungs komplett neu zusammengewürfelt wurden sehr gut, im Ballbesitz ist Luft nach oben in allen Bereichen (Freilaufverhalten, Positionsspiel, Blick für den Mitspieler und rechtzeitiges Abspiel).

    Der Großteil agiert auch unter Gegnerdruck selbstbewusst und kann sich behaupten, Vororientierung ist Altersgemäß vorhanden aber selbstverständlich noch ausbaufähig.
    Die Jungs machen aber alle den Eindruck, dass sie das was ihnen von den Trainern vorgegeben wird umsetzen wollen und auch können, von daher ist Entwicklung sicher möglich.


    FAZIT: in der Mannschaft ist kein Spieler von dem man sagen würde: der hat da nichts zu suchen und ist vollkomme zu unrecht gesichtet worden, aber auch kein Überflieger, der alle überstrahlt und sich schon mal einen vernünftigen Berater suchen sollte. ;)Das Team würde mit 100%iger Sicherheit jede U12 Jahrgangsmannschaft im Umkreis von 75km deutlich schlagen und auch gegen die meisten U13 Teams in diesem Umkreis gewinnen bzw. zumindest gut mithalten können.

    Trotzdem gibt es mit Sicherheit hier im Umkreis immer noch genügend gleichaltrige Jungs, die wenn man sie zusammenpackt und ein Team aufstellt nicht chancenlos gegen die Mannschaft wären. Das betrifft zum einen Spieler, die vom NLZ nach der Sichtung nicht berücksichtigt wurden bzw. welche, die dort gar nicht auf dem Schirm waren, weil nicht bekannt, oder ggf. kein Interesse zu wechseln.


    Trotzdem finde ich den Sichtungsprozess und das Ergebnis vollkommen in Ordnung und jeder in der Mannschaft ist aktuell völlig zurecht dabei. Es ist aber nicht auszuschließen, dass bis zur U19 mindestens die Hälfte vielleicht sogar alle Jungs nicht mehr dabei sein werden. Ich würde dafür aber weder einen schlechten Sichtungsprozess, noch die unmenschlichen Strukturen in der Nachwuchsförderung verantwortlich machen, sondern es IST derzeit einfach so wie es IST.

    Die einzige Lösung ist in meinen Augen, dass die Förderstruktur so breit aufgestellt sein muss, dass jedes Talent, das hochwertige Förderung haben möchte (und zwar regelmäßiger als 1x pro Woche) diese auch bekommt und eben nicht nur ein Kader von 16-18 NLZ-Spielern.

    Das würde dann aber dazu führen, dass noch mehr Spieler in Leistungskadern (bei welchen Vereinen oder Organisationen auch immer) zusammengefasst werden und dem Vereinsleben im Breitensportverein verloren gehen.
    Denn die wichtigste Erfahrung, die ich in den letzten knapp drei Monaten gemacht habe ist, dass wesentlich für die Entwicklung -neben gutem Training- ein homogener Trainingskader, in dem alle gleich viel Bock und gleich viel Ehrgeiz haben Fußball zu spielen und zu lernen ist.

    Es gibt natürlich auch die 1,65 großen Supertechniker, die später Weltfußballer wurden ;)


    Einigen wir uns doch mal darauf: es ist verdammt schwer die richtige Prognose zu treffen. Sowohl im NLZ als auch am Stützpunkt und auch in vielen Vereinen, werden Momentbetrachtungen nach bestem Wissen und Gewissen bewertet und Entscheidungen getroffen. Man bewertet, was jemand aktuell körperlich, technisch und kognitiv kann und versucht Phantasie zu entwickeln was noch dazu kommen oder verloren gehen könnte und fällt dann eine Entscheidung, die man in dem Moment für richtig hält.

    Es gilt dabei aber immer: hinterher sind alle schlauer - ganz besonders die, die vorher keine Meinung hatten und keine Entscheidungen getroffen haben, glänzen hinterher mit den schlauesten Sprüchen...

    Coach1976. Also das kann ich jetzt nicht behaupten, das in der Kreisliga nur schwache Fußballer spielen. Also nicht bei uns. Da gibts kaum Unterschiede zwischen BOL und Kreisliga. Wir haben letztens einen BOL Verein mit 5:0 richtig abgestempelt. Also da wäre ich vorsichtig mit solche Aussagen das in der Kreisliga keine talentierten Spieler sind (in den Hallentunieren waren wir gegen BOL Vereine aus anderen Verbänden und Ligen auch gut unterwegs). Phu das ist schon eine Aussage !

    Meine Erfahrungen hierzu sin das BOL bis Platz 8 bis 4 kaum Unterschiede gibt zu den Kreisliga 1 - 4. In den Leistungscamps konnte ich auch hier KEINE oder kaum Unterschide erkennen. Meistens sind es körperliche Vorteile, die dann aber mit zunehmenden Alter schwinden. Wirkliche Unterschiede sind bei den NLZ Manschaften zu sehen, die eh meist ein Jahrgang tiefer gegen den BOL oder Landesligisten spielen. Aber wie auch hier sind es auch körperliche Sachen aber die NLZ Spieler sind halt dann noch auf einen sehr hohen technischen Niveau.

    Generell wird den STP zuviel von den Eltern erwartet. Das sind Zusatztrainings und die Spieler dort sind talentierte Spieler aber wären sie extrem gute Spieler, hätte sie ein NLZ schon längst gesichtet. Man muss von dem Gedanken weg kommen das diese Spieler im STP die Elitespieler sind. Das ist eben nicht so und den STP und den Trainern dort wird dann zuviel erwartet. Aber!!! es gibt schwarze Schafe die glauben sie sind die nächsten DFB Nationalmannschaftstrainer und labern die Kinder mit irgendwelchen Unsinn voll das hier die Karriere beginnt usw. Und plötzlich kommen Realitäten und dann geht das geweine an, weil die Kinder sowie Eltern glauben - Hier ist die Elite von Deutschland. STP Spieler sind nix anderes wie NLZ Stützpunktspieler. Eine Auswahl an talentierten Spieler auf einen guten technischen Niveau. MEHR NICHT!!!!

    Sorry, da war ich jetzt in meiner Aussage ähnlich pauschal unterwegs wie Du es zumeist bist.

    Bitte streiche einfach die Spielklassen aus meinem letzten Satz.

    Aber es erfordert unabhängig von der Liga in der das Team spielt ein entsprechend qualitativ hohes Trainingsniveau im Verein parallel zum Stützpunkt.
    Dafür sind gute Trainer nötig, die dieses Training anbieten und eine eher leistungsstarke, homogene Mannschaft, mit der diese Training auch sinnvoll umgesetzt werden kann.

    Grundsätzlich schadet es außerdem nicht in einer höheren Liga zu spielen, da die Wahrscheinlichkeit höher ist, auch im Spielbetrieb entsprechend gefordert zu werden...

    Und ich widerspreche Dir nicht, dass es Kreisligisten, manchmal sogar Kreisklassisten gibt, die BOL-Teams schlagen können. Für die Entwicklung der Spieler ist es trotzdem besser, wenn sie höher spielen, weil die Chance, jede Woche von starken Gegnern gefordert zu werden höher ist als in tieferen Ligen.

    Mir ist das etwas zu viel schwarz-weiß, was die Polarisierung körperlich stark vs. technisch stark betrifft.

    Viele Kommentare zielen in die Richtung:
    Groß und kräftig = technisch schwach und kann sich nur mittels Dampfwalzenmethode behaupten und zerstört damit die eigentlich viel talentierteren technisch starken, aber leider kleineren und schwächeren Spieler.


    ich stimme da Charles De Goal und Effzeh zu 100% zu.

    Entscheidend ist das Gesamtpaket aus allen für das Spiel wichtigen Komponenten.

    Man kann sich die Entscheidungsfindung als Scorecard vorstellen, wo jedes Attribut in die Entscheidungsfindung eingeht. Die Fälle, wo große, starke aber technisch total untaugliche Spieler zu Lasten eines kleineren schwächeren aber technisch perfekten Spieler genommen werden gehen vermutlich gegen null bzw. sind dann als Fehler in Einzelfällen abzuhaken.

    Ähnlich wie es Charles De Goal oben beschreibt, habe ich aus dem Basketball auch schon die Erfahrung gemacht, dass dort die Komponente Größe bzw. prognostizierte Größe alles überstrahlt und es deutlich schwerer ist bei der Selektion durch Technik, Spielintelligenz oder Schnelligkeit zu punkten.

    Dementsprechend ist die Talentselektion im Fußball sicher alles andere als perfekt, aber vermutlich immer noch deutlich "gerechter" als im Basketball.

    Aber ganz ohne körperliche Merkmale (Schnelligkeit, Robustheit im Zweikampf etc.) geht es im Fußball eben auch nicht. Nur mit Technik ist man dann eher im Freestyle Bereich besser aufgehoben und kann versuchen den beidbeinigen "Around-the-world" zu erfinden...;)


    Wie schon mal im anderen Thread mit ähnlichem Thema erwähnt, und wie es auch Trainer E beschreibt bietet der Stützpunkt ein gutes eher individuell ausgelegtes Training zusätzlich zum Vereinstraining für Spieler, die es (noch) nicht in ein NLZ schaffen oder das gar nicht wollen. Damit dadurch eine Weiterentwicklung auf ein höheres Niveau erfolgt ist trotzdem eine entsprechende Qualität des Trainings und der Trainingspartner im Verein erforderlich. d.h. auf der Ebene Gruppe, Kreisklasse, -liga wird es schwer sich mit Stützpunkt und Verein zu einem richtig guten Spieler zu entwickeln. Ausnahmen gibt es hier natürlich immer wieder, aber das sind dann nicht umsonst lediglich Ausnahmen.

    Aber solange es Vereine, Trainer, Eltern und Spieler gibt, die das alles mitmachen und vielleicht sogar so wollen, wird sich das nicht ändern.

    Ja aber es wird einem ja vorgelebt. Auch vom DfB die sagen. Spielt Dein Junge nicht höherklassig hat er keine Chance oder ist er nicht bereitwillig zu einem Stützpunktverein zu wechseln fliegt er raus. Auch die NLZ sehe ich hier extrem kritisch mittlerweile. Das ganze gelaber, den Kindern den Druck zu nehmen wird eben so nicht gelebt. Im Gegenteil immer mehr Schule und immer mehr Training. Immer weitere Entfernungen - bis die Kinder zu Tode trainiert sind. Es wird zuviel Material aus den Stammvereinen gezogen und die Förderung an der Basis vernachlässigt.

    Vielleicht ist bei uns in der Region ja alles etwas anders.

    Aber hier gibt es den Stützpunktverein nicht.
    Die Stützpunkte sind bei uns in der Region auf den Anlagen von Breitensportvereinen mit entsprechend guter Infrastruktur, zentraler Lage im Einzugsgebiet und vernünftiger Platzsituation angesiedelt.

    Darunter sind zwar in 2-3 Fällen auch ambitionierte Vereine, deren Jungend auch etwas höher spielt, aber die Trainer haben größtenteils nichts mit dem Verein an dem der Stützpunkt stationiert ist am Hut, sondern kommen aus der Region und haben einfach Lust mit talentierten ehrgeizigen Jungs/Mädchen zu arbeiten.

    Wir müssen uns aber auch nichts vormachen, wer sportlich talentiert ist und im Laufe seiner Entwicklung das bestmögliche aus sich herausholen will, dem wird das nicht gelingen, wenn er bis zur U19 Kreisklasse spielt + nebenher am Stützpunkt trainiert, weil einfach das regelmäßige Trainingsniveau zu niedrig ist. Dann ist ein Wechsel zu einem höherklassigen Verein / NLZ einfach irgendwann sinnvoll. Sicher gibt es Vereine, die es schaffen mit einem "goldenen Jahrgang" und einem engagierten Trainer von ganz unten ein hohes Niveau zu entwickeln.

    Das Problem ist dann aber meist, dass hinterer nicht ausreichend gute Spieler nachkommen, mit denen sich das Niveau halten lässt, oder die Jahrgänge darüber zu schwach waren, so dass das Team immer in einer Liga spielen muss, in der es unterfordert ist.

    Langfristig bis in die U19 ist es mit dem aktuellen Ligensystem einfach nicht möglich, dass ein Verein höchst mögliches Niveau bietet ohne externe Neuzugänge hinzuzunehmen. Und sobald man das tut "wildert" man ja auch wieder bei anderen Vereinen.

    Diese Seite ist das ultimativ niveauloseste, was mir bisher zu dem Thema begegnet ist. (Vielleicht mal abgesehen über irgendwelche "windigen" Scouts, die Jugendliche - besonders aus Afrika - direkt über die sozialen Medien kontaktieren und dann gegen Vorkasse versprochen ein Probetraining in Europa zu organisieren.)

    Die Konzepte mit Vereinen, kommerziellen Fußballschulen, Stützpunkten und NLZ haben sicher an vielen Stellen Optimierungsmöglichkeiten und es besteht ausreichend Raum für berechtigte Kritik an diesem System.

    Aber, alle dieser Möglichkeiten sind größtenteils seriös geführt und weitestgehend ehrlich organisiert.

    Talente werden entdeckt, zu Probetrainings eingeladen und haben dann die Möglichkeit sich entsprechend zu entwickeln.

    Wer das "Entdecktwerden" nicht abwarten kann bzw. tatsächlich durchs Raster gefallen ist, hat genügend Möglichkeiten sich aktiv zu Probetrainings anzumelden oder Talenttage wahrzunehmen.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch nur ein einziges NLZ oder ein vernünftig geführten Verein mit gehobenem Ausbildungsniveau sich fürs Scouting auf eine so dürftige Homepage stützt, bei der "Talente" sich selbst registrieren um irgendwie in den Focus zu geraten.

    Volle Zustimmung.
    Aber macht das den Verein wirklich attraktiver?
    Ich provoziere mal bewusst:
    Vielleicht braucht der Verein eine 2-Klassengesellschaft
    Die der Dienstleister und die der Konsumenten

    Die Dienstleister kümmern sich aktiv ums Vereinsleben, sei es als Trainer/in, Betreuer/in, Thekendienst, Platzwart, Putzmann/frau ...

    Die Konsumenten wollen oder können das nicht, nehmen die Dienstleistung aber gerne in Anspruch, zahlen dafür aber einen entsprechend höheren Mitgliedsbeitrag. Von diesen höheren Beiträgen können dann Investitionen oder bezahlte Dienstleister (Trainer, Platzwart...) finanziert werden.

    Aus dem Tennis kenne ich die Regelung, dass jedes Mitglied eine gewisse Anzahl an Arbeitsstunden pro Jahr leistet oder diese durch eine Kompensationszahlung ablöst.

    Wäre das nicht auch ein Thema im Fußball? Im Jugendbereich natürlich schwer umsetzbar, da hier oft nur die Kinder Mitglied sind und nicht die Eltern. Das wäre aber ggf. durch "Eltern haften für Ihre Kinder" zu lösen.

    Eine solche Regelung würde zumindest den Frust der engagierten Mitglieder, die täglich für die anderen schuften etwas reduzieren.

    Offen bleibt die Frage, wie viele Mitglieder bereit wären mehr zu zahlen.
    Außerdem garantiert das System natürlich weder Zuverlässigkeit beim Spiel / Training noch Vereinstreue.
    Hier helfen meiner Ansicht nur Soft-Facts wie Wohlfühlklima bzw. eine "verschworene" Gemeinschaft zu schaffen.
    Patentrezept dafür fällt mir aber auch nicht ein.
    Unterscheiden muss man bei der Vereinstreue aber immer das sportliche und das gesellschaftliche.
    Ich habe zu meiner aktiven Zeit meinen Heimatclub auch mal aus sportlichen Gründen verlassen, war wenn es zeitlich passte aber immer wieder mal am Sonntag auf dem Sportplatz und zu den Vereinsfesten sowieso und habe auch am Saisonende bei der Renovierung des Rasenplatzes geholfen. Im höherklassigen Verein war ich in erster Linie "Konsument", der zum Training, Spiel gekommen ist und natürlich an mannschaftsinternen Veranstaltungen teilgenommen hat.
    Ähnlich versuchen wir es jetzt nach dem Wechsel unseres Sohnes zu handhaben. Er wird wenn es zeitlich passt sicher das ein oder andere Spiel seiner alten Kollegen als Zuschauer verfolgen und wenn demnächst mal wieder ein Grillfest möglich ist sind wir sicher dabei, bei Bedarf auch gerne hinter dem Grill oder der Theke.

    Natürlich wusste ich was ich bekomme. Aber warum soll ich nicht versuchen den Jungen zu integrieren? Ich habe versucht ehrlich zu dem Vater zu sein und ihn davon zu überzeugen, dass sein Sohn zwar kein Überflieger ist, aber ein guter Junge, der sich bei uns gut einfügt.

    Es hat mich so gefreut, dass er anscheinend seinen Platz bei uns gefunden hatte und dieses Hin und Her nun ein Ende hat.

    Nachdem der Vater mir immer wieder erzählte, wie wohl sein Sohn sich bei uns fühlt und wieviel Spaß er wieder am Fussball hätte, hatte ich die Hoffnung das er es verstanden hat. Doch nun wirft der Vater wieder alles über den Haufen, nimmt seinen Sohn aus einer ordentlichen Mannschaft raus und steckt ihn in eine Mannschaft mit Spielern, die 2 - 3 Klassen stärker sind. Dieser Verein nimmt ihn als Ergänzungsspieler auf, lässt den Vater sogar die lächerliche Ausbildungsentschädigung selbst zahlen, weil man genau weiß, wie sehr er seinen Jungen in diesem Team sehen würde. Das ist alles so unfassbar traurig und der Junge tut mir leid.

    Ich hab aktuell einen ähnlichen Fall. Ich gehe da erstmal sehr vorichtig ran. Ihm passt der alte Verein nicht, weil da die Spieler wohl zu schlecht sind. Ich werde jedoch jetzt den Teufel tun, meine Mannschaft nun an ihm auszurichten. Stammplatzgarantie usw. völliger Schwachsinn. Sowas gibt es nicht! Es spielen entweder ALLE oder man hat ein Leistungsprinzip. Vereinstreue wird es so nicht mehr geben wie früher, dazu gehts im Fußball um zuviel Geld und Macht. Sorry die Zeiten sind vorbei. Das Kind tut mir auch Leid, denn aus Erfahrung wird der Spieler kein Profi. Da gehts um "richtiger Zeitpunkt am richtigen Ort". Ein sehr guter Bekannter war Bundesligaprofi bei einem 1. klassigen Verein, mit dem hab ich desöfteren über "Wie werde ich Profi" unterhalten. Da gehört ziemlich viel Glück und ziemlich viel Ergeiz dazu. Dem Vater rate ich. Hör auf Deine Träume auf den Jungen zu projezieren. Lass ich einfach Fußball spielen wo es ihm gefällt. Punkt.

    Nicht alle Kinder gehen in einen Leistungsverein um Profi zu werden.
    Selbst mit 11/12 Jahren ist vielen bewusst, dass sie zwar den Traum haben und diesen auch gerne verfolgen dürfen, aber nicht mit einem Leben als Profi planen können.

    Trotzdem ist es nicht verboten, dass Kinder in stärkere Mannschaften wechseln, weil es ihnen einfach Spaß macht auf dem höchst möglichen Niveau mit Spielern, die das genauso möchten zu trainieren und spielen.

    Ob das bei dem Spieler den Libra beschreibt der Fall ist kann ich nicht nachvollziehen.

    Was mich an der ganzen Situation am meisten stört ist das Wort Ergänzungsspieler.

    Meiner Meinung nach hat dieses Wort egal ob Leistungs- oder Breitensport bis inkl. U15 (vielleicht sogar noch länger) nichts verloren.
    In diesen Altersklassen muss die Spielzeit vielleicht nicht gleich über alle Köpfe verteilt sein, aber zumindest sichergestellt und garantiert, dass jeder Spieler auf ausreichend Spielzeit je Einsatz kommt und bei zu großem Kadern, dass ALLE Spieler gleich oft zum Einsatz kommen.
    Weniger Spielzeit als eine Halbzeit je Spieler ist dabei in meinen Augen nicht akzeptabel.

    Und wenn jemand in der 70. Minute platt ist kann ja zur Not rückgewechselt werden.

    Voraussetzung ist natürlich, dass alle Spieler mit entsprechender Trainingsbeteiligung Ihre Einsätze und Spielzeiten auch rechtfertigen.
    "Vereins-Hopping" von Spielern, die mit 10 bereits den dritten oder vierten Verein haben ist natürlich trotzdem völlig sinnfrei. Im Kleinfeldbereich den Verein zu Wechseln weil die eigene Mannschaft zu schlecht ist, macht in meinen Augen gar keinen Sinn.

    Außer man ist tatsächlich der einzig ambitionierte Spieler unter lauter Blümchenpflückern.

    Ab D-Jugend gibt es unabhängig ob NLZ oder ambitionierter Amateurclub schon Argumente, die das rechtfertigen. Würde die Verpflichtung bestehen, dass jeder Spieler mindestens eine Halbzeit zum Einsatz kommen muss und die Ergebnisse keine Rolle Spielen würde der Trainer des aufnehmenden Vereins auch keine "Ergänzungsspieler" holen, sondern nur solche, denen er die Spielzeit auch wirklich gerne gibt...

    Dass leistungsorientiere Vereine talentierte Spieler ansprechen um ihre Leistungsmannschaften zu verstärken ist grundsätzlich ok. Wenn es gut organisiert und kommuniziert ist profitiert der Heimatverein später vielleicht sogar wieder von einem sehr gut ausgebildeten Spieler.
    Was mich stört ist das was Charles De Goal oben beschreibt:
    Warum müssen diese Vereine dann noch 3 oder mehr Mannschaften einer Altersklasse bei sich spielen lassen.

    Ab der 3. ist das Trainingsniveau i.d.R. doch auch überschaubar und den Aufwand, den auswärtige Spieler dafür betreiben nicht mehr wert. Hier werden Spieler doch meist nur angeworben um über die Mitgliedsbeiträge den Verein zu finanzieren. Der Aufwand, den der Verein für die Spieler der Teams ab 3. Mannschaft aufwärts betreibt ist dementsprechend auch so, dass man mit den Mitgliedsbeiträgen auf alle Fälle noch Geld übrig hat. Außerdem müssen natürlich auch hier verpflichtend Vereinskollektionen erworben werden, an denen oft auch noch verdient wird.
    Bei Leistungsförderung und Scouting bin ich vollkommen dabei wenn Pro Altersklasse 2 Mannschaften gebildet werden egal ob reine Jahrgangsmannschaften oder Leistungsmäßig getrennt 1. und 2..

    Wenn jemand mehr Teams am Start hat muss zumindest klar kommuniziert werden, dass diese lediglich Breitensportteams sind und für diese sollte auch nicht gescoutet werden, sondern da sollte man auf einheimische Spieler setzen bzw. auf welche, die eigeninitiativ dem Verein beitreten.

    Spieler, die aktiv angeworben werden, sollten außerdem die Planungssicherheit bekommen, dass sie mindestens eine komplette Saison in einer der beiden Leistungsmannschaften trainieren werden und dort ausreichend Spielzeit erhalten.

    Das läuft meiner Meinung nach in den meisten NLZ sehr gut. Bei ambitionierten Amateurclubs habe ich es aber auch schon erlebt, dass ein im Sommer geholter Spieler in der Winterpause zur dritten Mannschaft abgeschoben wurde, weil weitere Neuzugänge kamen und er sich nicht ausreichend entwickelt hat.

    In meinen Augen ein NoGo

    ... Dazu möchte ich weiter ausholen und noch Anmerken, dass die schulische Belastung freilich Auswirkungen haben und bei dem hohen Trainingsaufkommen, Zeiten fehlen um eine Regeneration (keine körperliche) zu bewerkstelligen. Ob es genügend Kinder gibt die das meistern, glaube ich aber das ist nicht die Regel. Ein Fall meinerseits. Ein Junge ging ins NLZ und musste dann nach mehrmaligen Wiederholen der Klasse auch noch in die Mittelschule wechseln, da er einfach keine Zeit und Lust hate den Stoff zu lernen. Weiterer Fall, ein Spieler musste das NLZ abbrechen, da er sonst wegen einer Ausbildung die Lehre sonst schmeißen musste. Nochmal, es ist eine individuelle Entscheidung und auch keine pauschale Aussage. Viele Eltern lassen sich blenden vom Traum: "Fußballprofi". Es kommt immer auf das Kind an. IMMER und nicht auf Aussagen von irgendwelchen Leuten.

    Du kannst aber nicht das ganze System in Sack und Asche schreiben, nur weil es Eltern gibt, die nicht in der Lage sind Ihr Kind in diesem Umfeld richtig einzuschätzen und in der richtigen Form zu begleiten.
    Niemand zwingt Eltern oder Kinder in das NLZ-System. Es ist eine freiwillige Entscheidung, die erwachsene Menschen für ihr und hoffentlich mit ihrem Kind treffen.
    Ich nehme jetzt mal für mich in Anspruch, dass ich bzw. wir als Familie diesen Weg unseres Sohnes mit einer ausreichenden Portion Demut und realistischer Einschätzung der Zusammenhänge angehen. Immer im Blick, dass er sich im Moment damit einen Traum verwirklicht, von dem wir nicht wissen wie lange das sein wird.
    Wir haben im Familienkreis im Vorfeld klar abgesprochen wo die Prioritäten liegen und dass wir grundsätzlich nur von Jahr zu Jahr denken werden. Wir werden ständig sensibel beobachten, wie dieser Spagat unseren Sohn und unsere Familie als ganzes beeinflusst und hoffen, dass wir ihm so lange er es möchte ermöglichen können seinen Fußballtraum zu leben, aber nicht zu jedem Preis.
    Natürlich gibt es genügend Fälle wo das Kind oder die Familie völlig naiv und unreflektiert in das Thema hineinrasselt.
    Aber nochmal: wir sprechen wie im normalen Leben von Erwachsenen Menschen, die Kinder in die Welt gesetzt haben und deshalb nun mal in der Pflicht sind Ihr heranwachsendes Kind vernünftig zu begleiten und nicht einfach 3-4 x pro Woche ins Training zu schicken "und nach mir die Sintflut".

    Es kommt ja auch niemand auf die Idee das Internet abzuschalten oder Smartphones zu verbieten nur weil die meisten Eltern nicht in der Lage sind ihren Kindern einen vernünftigen Umgang damit beizubringen.

    Vermutlich wäre hinsichtlich vernünftiger Entwicklung von Jugendlichen mehr erreicht als wenn man im Fußball auf NLZ verzichtet.

    Bennoah Ich finde die Entscheidung gut, so haben wir das auch gemacht, denn wenn ich sehe was die Kinder für einen schulischen Druck haben dann bereue ich das nicht. Irgendwie waren wir etwas entäuscht und/aber auch glücklich. Es war ein zwiegespaltenes Gefühl da man zu einem Stolz war, aber die vernumpft dann rät es nicht zu machen. Außerdem kam jetzt schon wieder Angebot und haben es wieder abgelehnt. Ein Rat evtl. noch, lass dich nich verrückt machen. Vorallem von diesen ganzen DfB oder NLZ, die immer sagen das er dann in seiner Entwicklung gebremst wird. Das ist nicht so, es ist genau das Gegenteil. In einem NLZ oder an einem DfB Stützpunkt wird er in ein Schema gepresst und kann sich nicht frei entwickeln. Da geht es primär um Leistung anstatt Kreativität. So meine Meinung und Erfahrung. Zudem habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass Spieler nicht unbedingt in einem hohen Leistungsdruck spielen sollen um besser zu werden. In meinen Training habe ich aktuell einen Spieler mit einem unglaublichen Talent. Ich fürchte, dass das nicht mehr lange dauert und die NLZ stehen da um ihn zu holen.

    Bis zu einem gewissen Alter ist das sicher korrekt, dass ein NLZ in Relation zum Aufwand den man reinsteckt keinen Mehrwert zum Heimatverein bringt. (wobei hier schon immer das Niveau im Heimatverein entscheidend ist).

    Beim Stützpunkt muss ich Dir entschieden widersprechen. Es ist unbestritten, dass auch an den Stützpunkten Optimierungsbedarf besteht und dass man vieles besser machen könnte. Das dort Kinder in der fußballerischen Entwicklung gebremst werden ist aber schlicht und einfach falsch.
    Ab dem Alter wo Kinder in den Stützpunkt gehen (und das ist in meinen Augen auch der früheste Zeitpunkt wo NLZ sinnvoll ist) geht es natürlich um Leistung (nicht um Ergebnis) und es gibt genügend Kinder, die in Ihrer körperlichen wie geistigen Entwicklung weit genug sind, dass sie richtig Lust darauf haben in ihrem Lieblingshobby mit Spaß und Freude ihre Leistungsgrenze zu gehen. Wenn es dann noch relativ Wohnortnah als Ergänzung zum Training und Spiel im Heimatverein, wo die Kids weiter mit ihren Freunden kicken abläuft, werden diese Kinder ausschließlich davon positiv profitieren, was nicht heißt, dass sie deswegen Profis werden müssen.

    Kinder, die in dem Altern noch nicht bereit sind ihre Leistungsgrenze auszutesten, kicken eben weiter mit Spaß und Freunden weiter im Heimatclub und versuchen es am Stützpunkt erst später, wenn sie von Ihrer Motivation her soweit sind. Oder sie machen einfach auf Vereinsebene weiter und werden am Ende trotzdem gut ausgebildete Breitensportfußballer, die genauso Spaß an ihrem Sport haben. Grundsätzlich müssen wir nämlich mal festhalten, dass das ganze Thema Stützpunkte und NLZ genauso wie ambitionierte Leistungsvereine im Jugendbereich dazu dient den Nachwuchs für den Profi- und höheren Amateurbereich (bis Verbands-/Oberliga) zu finden.
    Um ein vernünftiger Kreis-/Bezirksligakicker zu werden braucht es das alles nicht. Ich bin überzeugt, dass motorisch angemessen veranlagte Spieler(innen), die ab der U9 bis zur U19 durchziehen locker Kreis- ggf. Bezirksliga spielen können, ohne dabei größere Unfälle zu erleiden oder zu verursachen.


    Zurück zum eigentlichen Thema:
    Mein Sohn (11) trainiert und spielt jetzt seit ca. 8 Wochen in einer NLZ-U12.
    Training 3x/Woche + Spiel einfache Fahrzeit ca. 30 Minuten
    Aufwand für uns als Eltern ist vertretbar, da eine Fahrgemeinschaft mit 2 weiteren Familien bilden können (war auch ein Grund dieses NLZ einem anderen, dass im Raum stand vorzuziehen)
    Der aktuelle Eindruck: wir haben für unseren Sohn genau den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel erwischt.
    Allein durch das höhere Trainingsniveau hat er einen Entwicklungssprung (sportlich & persönlich) gemacht wie lange Zeit vorher nicht. Er geht mit noch mehr Freude und Motivation zum Training und Spiel als vorher im Heimatverein (da gab es daran auch schon nichts zu meckern, aber das jetzt hat noch mal eine ganz andere Dimension). Mir ist bewusst, dass auch daraus irgendwann wieder Alltag wird und die Euphorie auf ein Normalmaß sinkt, aber nach Corona & Co freut es mich einfach ihn so zu erleben.

    Das höher Trainingsniveau kommt zum einen durch den Trainer, der natürlich einfach ein viel größeres Spektrum an Spielformen (Übungen gibt es tatsächlich eigentlich nur zur Regeneration oder Gaudi) hat und diese immer wieder auf die Tagesform der Jungs anpasst, als ich das mit meinem Training realisieren konnte. Zum anderen sind die Jungs alle auf einem ziemlich homogenen deutlich höheren Niveau als im Heimatverein und ziehen in jedem Training voll mit, so dass sie sich gegenseitig hochschaukeln und mit richtig viel Spaß an der Leistung (aktuell sehe ich keinen Leistungsdruck, aber die Saison beginnt ja auch erst) stetig verbessern.

    Im Heimatverein ist es (z.T. coronabedingt, aber auch aus den üblichen altersbedingten Gründen) gegenläufig. Aus der bisherigen Mannschaft möchten einige sich nur noch auf ein Hobby konzentrieren, das nicht der Fußball ist. Andere wurden durch die lange Pause in der guten Entwicklung, die sie davor hatten gebremst. .Es ist nun mal ungünstig, wenn ein 10/11-jähriger den ersten Wachstumsschub (in Höhe wie Breite) gerade in der Zeit bekommt, wo er keinen oder weniger Sport treibt als sonst. Die Jungs rücken in eine gemischte U13 auf, bei der die Spielerdecke wohl zu klein für 2 Teams sein wird aber zu groß für eines. Engagement im Verein bezüglich Spielgemeinschaft und vernünftige Trainer ist da aber nur halbherzig.
    Letztendlich beginnt der übliche Teufelskreis, in den viele Vereine zum Ende der Kleinfeldzeit geraten.
    Für mich ist das ein zweischneidiges Schwert. Einerseits tut es mir Leid, für viele Jungs, die ich jetzt 7 Jahre trainiert habe, andererseits habe ich in den 7 Jahren ausreichend unentgeltlichen Beitrag für den Verein geleistet durch den Spieler ausgebildet und an den Verein gebunden wurden und damit ja auch die Mitgliedsbeiträge erhalten. In erster Linie bin ich aber nun mal der Vater meines Sohnes, für den Fußball (im Moment) eben mehr ist als für seine Altersgenossen im Heimatverein und deswegen steht für mich jetzt zunächst ganz oben ihn auf seinem neuen Weg zu unterstützen.
    Sportlich versuche ich mich zukünftig bis auf den ein oder anderen Tipp bzw. Hilfestellungen wenn er aktiv danach fragt weitestgehend zurückzuhalten. Wichtiger wird jetzt vermutlich die Aufgabe dafür zu sorgen, dass er den Spagat zwischen Mehraufwand im Sport und den Anforderungen der Schule schafft und was genauso wichtig ist, dass er trotz der zeitlichen Beanspruchung in Sport und Schule sich auch im Heimatort einen Freundeskreis erhalten kann in dem er sich aufgehoben fühlt.

    In seiner neuen Mannschaft hat er sich zwar super integriert und schnell Freunde gefunden, mir ist aber wichtig, dass er ein "zweites soziales Standbein" zu Hause behält. Uns ist bewusst, dass der Weg im Leistungsbezogenen Fußball irgendwann zu Ende sein kann. Es ist schön zu sehen, dass er bereits jetzt durch die neuen Kontakten die er knüpft wächst, und das wird ihn sicher auch in Zukunft bereichern, trotzdem ist es uns sehr wichtig, dass er hier immer ein gewisse "Home-Base" hat, die nicht nur aus seiner Familie besteht.

    Es ist jetzt doch mehr Text geworden, als ich ursprünglich geplant hatte.

    Dafür werde ich vermutlich in Zukunft mangels aktivem Trainerjob weniger beitragen können.

    Die Sperre ist ja nur ein Werkzeug, das nicht immer zur Anwendung kommen muss, sofern sich beide Vereine einig sind. Beim WFV wird eben unterbunden, dass ein finanzstarker Verein einfach die Ablöse zahlen kann und die Sperre damit aufgehoben ist.

    Die Regelung finde ich nicht besonders glücklich.
    Wer weg will will weg. Wird die festgelegte Ausbildungsentschädigung gezahlt, erhält der abgebende Verein für seine Ausbildung eine entsprechende Kompensation und gut.
    Zahlt der neue Verein nicht, kann sich der Spieler nochmal genau überlegen, ob er tatsächlich dorthin wechseln will und dann notfalls die Sperre bewusst akzeptieren.
    In dem geschilderten System in BW kann ein Verein quasi aus Trotz eine Sperre verhängen und letztendlich leidet der Spieler darunter und der abgebende Verein hat nur sein Ego befriedigt.

    Ich verstehe den Sinn dahinter nicht.

    Trotzdem sehe ich im Ausgangsfall das Problem auch beim wechselwilligen Spieler + neuem Verein, da nicht rechtzeitig offen kommuniziert wurde.

    Im Idealfall läuft es doch so:
    Probetraining im März/April mit vorheriger Information des aktuellen Vereins.

    Rechtzeitige Information über den Wechselwunsch und Abmeldung (April / Mai).

    Entscheidung, ob Freigabe erteilt oder Ablöse fällig ist.

    Erteilung der Freigabe ohne Ablöse kann folgende Gründe haben:
    - Spieler war nur sehr kurz im Verein

    - Eltern haben sich während der Zeit, die das Kind im Verein war überdurchschnittlich engagiert (Trainer, Betreuer, Helfer, Sponsor etc.)
    In allen anderen Fällen sollte die Ausbildungsentschädigung gemäß Tabelle gezahlt werden und alle sind glücklich.

    Der Vergleich zwischen früher und heute hinkt etwas.

    Unabhängig davon, wie die Nationalmannschaft oder junge deutsche Spieler im Moment in der Liga abschneiden muss man bei aller Folklore attestieren, dass Spieler wie Sané, Kimmich, Gnabry, Rüdiger ... (die Liste lässt sich weiterführen) athletisch, technisch und taktisch ganz sicher ihren "Vorfahren" z.B. Buchwald, Bobic, Klinsmann etc. überlegen sind. Wo diese drei und die anderen Stars ihrer Zeit mit der heutigen Ausbildung im internationalen Vergleich stehen würden wäre natürlich eine extrem spannende Frage.
    Das Problem ist, dass die o.g. Spieler von heute (und diejenigen, die 5 Jahre jünger sind) im internationalen Vergleich aktuell abfallen. (wobei die Generation Bobic von der Spielweise her ja alles andere als internationale Spitze war).
    Nochmal bezogen auf diese EM:
    wenn ich mir die vier Halbfinalisten anschaue und aus Ihren Gesichtern und der Körpersprache auf die Lust und den Willen gemeinsam etwas zu erreichen und Widerstände zu überwinden, dann sehe ich bei allen vieren bei 26 Spielern inkl. Betreuerstab etwas, dass ich bei Deutschland maximal bei einer Handvoll aus Team und Staff erkennen konnte.

    Deshalb zu 100%:

    Der deutsche Fußball hat genügend Talente - Talent allein reicht allerdings nicht (Wille, Leidenschaft, Demut, Disziplin u.a. gehören auch dazu)

    Kritik an der Ausbildung ist sicher gerechtfertigt, aber nicht dahingehend, dass den Spielern falsche Technik, Taktik, Athletik oder kognitive Fähigkeiten vermittelt werden.
    Der Leistungswille und Kampf gegen Widerstände ist ab dem richtigen Alter (!) einfach alternativlos.
    Das heißt nicht, dass wir in der F-Jugend wieder Brülltrainer benötigen, die einen "Diver" aufführen, wenn ihre Stars das 9:0 erzielt haben.
    In jeder Altersklasse geht es schlicht darum Bock auf Fußball zu haben, und irgendwann im Leistungsbereich muss es einfach Standard sein immer an die Grenzen zu gehen, nie zufrieden zu sein und gemeinsam Erfolg haben zu wollen.
    Diese Eigenschaften müssen die Spieler sicher von Anfang an lernen, sie können aber von jedem neuen Trainer, der dementsprechend ausgebildet ist auch wieder herausgekitzelt werden.
    Siehe Kuntz, der eine Truppe aus Underdogs, großteils Ersatz- oder Zweitligaspielern zusammengeschweißt hat.