Ja ist schon klar. Wie viele dieser von dir beschriebenen Jugendtrainer gibt es in etwa?
Man kann sich immer den perfekten Jugendtrainer malen und mit dem ungeeignetesten Ex Profi vergleichen. Das ist doch Käse.
Ich finde, dass Sandro Wagner hier ein ganz gutes Beispiel ist. Er hat als Ex-Profi u.a. bei Bayeern München auf jeden Fall Erfahrungen, die ihm als Fußballtrainer weiterbringen (das kann man ihm zumindest unterstellen, wenn man sich seine letzte Saison bei Unterhaching ansieht).
Gleichzeitig, das machen seine sportlichen Entscheidungen in den letzten paar Jahren deutlich, überschätzt er seine eigene Fähigkeiten offensichtlich nicht. Nach dem diesjährigen Aufstieg hätte er sicher bei einem ambitionierten Dritt- oder Zweitligisten annehmen können. Stattdessen entscheidet er sich für eine Co-Trainer Stelle bei der U20-Nationalmannschaft um sich weiterzuentwickeln.
Das ist aus meiner Sicht genau der richtige Weg, den ein Ex-Profi einschlagen sollte. Und wenn es alle wie Sandro Wagner machen würden, dann wäre das ideal. Es gibt allerdings auch das Modell Effenberg: Ohne relevante Erfahrung bei einem Erstliga Absteiger ("Ja, ich bin es wirklich") anfangen, nach wenigen Monaten entlassen werden und danach nie wieder eine Profimannschaft trainieren. Das ist nicht gut und wird den Anforderungen an einen Trainer sicher nicht gerecht. Diesem Ansatz sollte der DFB auch mMn keinen Vorschub leisten, indem man Ex-Profis bei der Vergabe von Plätzen ungebührlich bevorteilt. Denn realistisch wird jeder Spieler aus o.g. Kategorie irgendwann einen Platz beim Fußball-Lehrer bekommen, auch wenn er erstmal Erfahrung als Trainer sammeln muss. Aber es sollte eben keine Vorteile aufgrund der Spielererfahrung geben. Diese Vorteile gibt es, so ehrlich muss man sein, bereits bei der Vergabe von Trainerposten im NLZ und Herrenbereich.
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Damit ist eigentlich alles gesagt.
Ob der Ex-Profi oder (nur ein Beispiel) der Sport- und Mathe-Lehrer, der nur im gehobenen Amateurbereich gespielt hat der bessere Trainer ist hängt definitiv nicht an der Spielklasse, in der beide Trainer früher unterwegs waren, sondern daran, wie gewissenhaft sie sich jeweils in der Ausbildung für Ihren neuen Beruf reinhängen.
Bei vergleichbarem rhetorischen Geschick, Engagement, Vermittlungsfähigkeit, taktischem Verständnis, taktischer Kreativität etc. wird am Ende vielleicht die Profierfahrung das Zünglein an der Waage sein, warum der Profi am Ende der bessere / erfolgreichere Trainer ist, muss aber nicht sein.
Fazit: Um ein guter bis sehr guter Trainer zu werden muss man nicht zwingend Profi gewesen sein.
Ein Ex-Profi, der die anderen Voraussetzungen nicht erfüllt hat am Ende mit Sicherheit weniger Chancen, als ein Ex-Amateurfußballer, der alle anderen Voraussetzungen mitbringt.
Was ich mir schwer vorstelle ist Trainer im Leistungsbereich ohne je selbst gekickt zu haben.
Ich durfte im gehobenen Amateurbereich zwei Ex-Profis (2. Liga) als Trainer genießen.
Das Training war bei beiden vergleichbar und wenn man berücksichtigt, dass es schon 25 Jahre her ist ok.
Nr. 1 hatte eine gute Mannschaftsführung (um einzelne Spieler hat er sich allerdings weniger gekümmert) und seine Vorstellungen an die Fähigkeiten der Mannschaft angepasst. => War erfolgreich. In der zweiten Saison lief es ok, aber nicht so gut wie im Vorjahr, weil er vergessen hat den ganzen Kader zu entwickeln und die besten Spieler der Vorsaison nach oben abgeworben wurden.
Nr. 2 wollte taktische und inhaltlich mehr als die Mannschaft umsetzen konnte bzw. konnte vielleicht auch nicht vermitteln was er will.
Außerdem ließ er gern den Ex-Profi raushängen. Am Ende hat er sich selbst noch mal auf den Platz gestellt um die Mannschaft zu lenken und damit einigermaßen Erfolg (Klassenerhalt) gehabt.
Beide waren in meinen Augen nicht das was ich unter einem guten Trainer verstehe.
Da Fußball aber ein Ergebnissport ist, ist Nr. 1 im Verein immer noch hoch angesehen und Nr. 2 zumindest nicht als Fehleinkauf abgestempelt.