Ich kenne natürlich auch die ganzen Untersuchungen von Prof. Güllich, habe hieran jedoch erhlicherweise einiges auszusetzen.
Meiner Meinung nach interpretiert er die erhobenen Daten nicht im Sinne der Praxis.
Zum einen vermischt er Talentsichtung mit Talentförderung und zum anderen zieht er Schlüsse aus seinen Erhebungen, die so einfach nicht belegt sind.
Insbesondere dieser Satz stört mich enorm: "Es ist umso wahrscheinlicher Profi zu werden, je später man in ein NLZ eintritt".
Das ist meiner Meinung nach einfach eine falsche Schlussfolgerung.
Die Aussage suggeriert nämlich, dass für den Einzelfall Spieler (nennen wir ihn Max Mustermann) die Chance zum Profi steigt, je später er in ein NLZ kommt.
Jedoch kann natürlich kein Mensch vorhersagen, ob sich Max Mustermann besser entwickelt wenn er bereits zur U10 kommt oder erst zur U16 kommt, da es sich hier natürlich um einen Einzelfall handelt.
Man bräuchte hierzu quasi zwei komplett identische Spieler mit exakt gleichem Background etc. etc. von denen man den einen in der U10 ins NLZ schickt und den anderen zur U16.
Was Prof. Güllich eigentlich meint bzw. was die Daten eigentlich ausdrücken ist allerdings eine Thematik der Talentselektion.
Natürlich ist es wahrscheinlicher das Spieler die als U16 Spieler zu den Top-Spielern zählen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben Profi zu werden, als Spieler die in der U10 zu den Top-Spielern zählen, da hier die Talentprognose hier um ein vielfaches einfacher ist, da der einzuschätzende Zeithorizont viel geringer ist.
Das hat allerdings keinerlei Relevanz für den Einzelfall, also für die Frage ob ich genau mein Kind in der U10 oder in der U16 ins NLZ schicke und wie seine Entwicklung dann jeweils aussehen wird.
Was Güllich auch geschickterweise scheut, ist die Betrachtung der Biografien der Nationalspieler.
Habe mal kurz drübergeschaut und festgestellt, dass der Großteil spätestens zur U12 in ein NLZ gekommen ist, die meisten tatsächlich noch früher, zum Teil im Alter von 8 oder 9 Jahren.
Wie ist dies mit der genannten Studie zu erklären?
Meine Schlussfolgerung hieraus ist, dass es für die absoluten Top-Talente mit gesundem Background und angemessenen Fahrtzeiten durchaus förderlich ist möglichst früh in ein NLZ zu kommen und gefördert zu werden. Dies entspricht wie gesagt den meisten Biografien der Nationalspieler.
Für mittelmäßige Spieler ist es hingegen durchaus sinnvoll erst später ins NLZ zu wechseln, falls Sie dann hierfür noch interessant sind, da ein frühes aussortieren bei Ihnen recht wahrscheinlich ist.