Beiträge von Powerzwergenpapa

Du bist noch kein Trainertalker? Registriere dich kostenlos und nehme an unserer Community teil!

Du bist Trainertalker? Zur Anmeldung

    Ich stimme Dir voll zu: Spaß/Ergebnisorientierung und Ausbildungs/Entwicklungsorientierung schließen sich nicht aus, sie konkurrieren aber manchmal miteinander.

    Da widersprichst du dir innerhalb eines Satzes selbst. Richtig müsste es meiner Meinung nach so formuliert werden, dass primär ausbildungsorientiert arbeitende Trainer/Teams, auch wenn sie da um der Ausbildung willen Abstriche machen müssen, trotzdem natürlich ordentliche Ergebnisse erzielen können.


    Umgekehrt würde ich das aber nicht sagen und behaupten wollen, dass bei primärer Ergebnis-Orientierung zwangsläufig die Ausbildung auf der Strecke bleibt.

    Am Spieltag treffen und die Mannschaften mischen?

    Warum nicht?


    Die Vereinsbindung würde über das Training im Verein hergestellt. Die Spieltage würden vereinsübergreifend jahrgangshomogen durchgeführt, wobei die Spieler nach Leistungsstand angemeldet würden. Der Wechsel eines Spielers bei erkennbarer Unter- oder Überforderung von einer in die andere Leistungsklasse wäre völlig unkompliziert.


    Aber okay. Träumen wird ja erlaubt sein.

    Generell schließen sich deine KO Kriterien "Gewinnen wollen und Zukunftsorientierte Ausbildung" doch nicht aus.

    Das würde ich – bezogen auf G- und F-Jugend – doch etwas anders sehen. Zum Beispiel ist es aus Ausbildungssicht sinnvoll, seine starken Spieler gelegentlich aus dem Spiel zu nehmen, damit sich die Schwächeren nicht verstecken können. Wir haben im vergangenen Jahr so einige Niederlagen bewusst in Kauf genommen.


    Das ist ja ein sehr klares, einfaches Beispiel; ich denke, es gibt noch viele weitere Beispiele dafür, dass Gewinnen und Ausbilden sich manchmal gegenseitig ausschließen und ich würde aus der Verantwortung für die Kinder heraus da immer die Ausbildung höher gewichten.

    Bennoah, herzlich willkommen in der Welt des Kifu!


    Leider ist so ein Verhalten ich will nicht sagen die Regel, aber doch verbreitet. Da es nicht deine Eltern waren, hast du nur begrenzte Möglichkeiten, darauf einzuwirken.


    Ich sehe da die Vereine in der Pflicht. Bei uns wurden gewisse Regeln von Anfang an sehr klar kommuniziert. Würde bei uns die Eltern so aus der Rolle fallen, würde es dazu umgehend einen Elternabend geben und ggf. würde es auch Konsequenzen nach sich ziehen, bis dahin dass das Kind, dessen Eltern sich nicht im Griff haben, ausgeschlossen wird.


    Aber Bennoah, es waren ja nicht "deine" Eltern. Insofern frage ich mich, das möchte ich doch mal kritisch nachfragen, wieso du dich auf ihr Niveau herabgelassen hast? Den Impuls "denen zeig ich's" kann ich natürlich nachvollziehen. Aber da muss ein Trainer sich von frei machen. Wenn es in diesem Spiel für darum ging, deinen schwächeren Kindern Erfolgserlebnisse zu ermöglichen, dann würde ich mich davon auch nicht abbringen lassen. Wenn am Ende deswegen die gegnerischen Eltern jubilieren, dann ist das halt so. Es wird ja sicher ein Wiedersehen geben :)

    Es ist, meine ich, ein Gebot der Verantwortung, die Kinder zukunftsorientiert auszubilden. Gerade weil doch keiner von uns weiß, was die Zukunft bringen wird. Gerade deshalb muss doch die Ausbildung darauf ausgerichtet sein, dass die Kinder auch als Jugendliche und Erwachsene noch die Möglichkeit haben, mit Freude auf einem Niveau, das ihnen entspricht, Fußballsport betreiben zu können.


    Im Karate ist doch auch klar, dass mit dem gelben Gürtel noch nicht viel erreicht ist. Das ist doch im Fußball nicht anders und daher eigentlich ganz selbstverständlich, dass die Kinder lernen und sich entwickeln müssen. Natürlich soll das mit Spaß an der Sache geschehen, ist ja auch klar.

    Aber für mich klingt es so, dass ihr ein paar Dribbler habt die das alles schon prima lösen können.

    Die anderen sind schmückendes Beiwerk. Die können drumrum springen und alles ist schön.

    Nein, das möchte ich zurückweisen.


    Natürlich sind die Kinder nicht alle auf einem Stand. Es sind dabei besonders die schwächeren Spieler, die eher zum Abspiel tendieren. Aber auch sie sind in der Lage, den Ball anzunehmen und den Ball auch unter Raum- und Gegendruck behaupten zu können. Dass der Ball direkt weitergepasst oder gar weggebolzt wird, kommt praktisch nicht vor.


    lustige Vorstellung, bei 5 gleichzeitig rufenden, die ja alle in ballnähe sind

    Ist tatsächlich schon vorgekommen. Ich find's super, weil es zeigt, dass sie alle den Ball haben wollen :)

    Vor allem sollen Kinder auch soetwas wie Spielintelligenz entwickeln. Nämlich freie Räume zu erkennen, und für sich zu nutzen,

    egal ob zum Passspiel, Alleingang, Torschuß, was auch immer...

    Aber das machen die Kinder doch auch. Sie rechnen dabei natürlich nicht mit einem punktgenauen 40m-Chip. Das finde ich eine intelligente, realistische Einschätzung. Deshalb besetzen sie die Räume so, dass sie vom ballführenden Spieler gesehen (auch gehört! Unsere Kinder rufen sich das zu, dass sie angespielt werden möchten) und angespielt werden können. Das ist normalerweise in relativer Nähe zum Ball.

    Nicht unter der Prämisse ein Passspiel zu ermöglichen, sondern um den eigenen ballführenden Spieler die Lauf- und Dribbelwege nicht zusätzlich zuzustellen.

    Da würde ich ja sagen, dass die Kinder lernen sollen, auch unter großem Raum- und Gegnerdruck den Ball zu behaupten.

    Gegen Mannschaften die es schaffen den Ball schnell auf die andere Seite zu bringen

    So sieht es aus. Das meine ich mit "schnellem Umschaltspiel", also Mannschaften mit ausgeprägtem Positions- und Passspiel. Da kommt es dann auch zu "Überzahlsituationen".


    Warum sind sie (alle?) bei eigenem Ballbesitz hinter dem Ball?

    Naja, also jedenfalls sind bei uns normalerweise alle relativ dicht um den Ball herum.


    Wenn der Gegenspieler aber sich nicht mehr zwischen Ballführenden und dem Ziel (das Tor) des Ballführenden befindet, dann wird er nicht mehr in die Situation eingerechnet.

    Ja, dann steht der Ballführende aber entweder frei vorm Tor und muss keinen Pass spielen, weil er selbst abschließen kann; oder es befinden sich noch weitere Gegenspieler zwischen ihm und dem Tor und es kann von einer Überzahlsituation nicht die Rede sein.

    Es reicht doch im Regelfall aus, dass ich den ersten Gegenspieler ausspiele. Dann befinde ich mich in der Überzahl.

    Nein, das ist "im Regelfall" nicht so, jedenfalls bei uns nicht. Der Gegenspieler ist ja normalerweise nicht einfach weg, nur weil ein Kind den Ball gegen ihn behaupten kann. Natürlich kommt es vor, dass ein Spieler mit Tempo unterwegs ist und seinem Gegenspieler sozusagen davonläuft. Dadurch kommt es aber ja nur dann zu einer Überzahlsituation, wenn vorne schon die Angreifer auf den Ball warten. Unsere Kinder sind aber sehr engagiert bei der Sache und deshalb meistens hinter dem Ball. Das heißt, sie müssen selber erstmal nach vorne laufen und normalerweise bleiben ihre Gegenspieler währenddessen nicht stehen.


    WEnn bei euch nicht die -obligatorischen 2 Kinder- hinten stehen bleiben(was ich ja gut finde, wenn das nicht so ist) sollten doch gerade 2-1 Situationen entstehen.

    Ja, das ist natürlich richtig. In Ballnähe haben wir i.d.R. Überzahl. Natürlich spielen unsere Kinder da auch Pässe, das verbietet ihnen ja auch niemand. Nur spielen sie diese Pässe i.d.R. nicht besonders schnell, weil sie alle zum "Fummeln" tendieren. Und es sind fast immer Kurzpässe, die keinen großen Raumgewinn bringen; das geht ja auch gar nicht anders, wenn alle Kinder in Ballnähe sind. D.h., das Spiel kann sich bei so einer Spielweise eigtl. nicht durch Passspiel nach vorne verlagern, sondern dazu müssen die Kinder ins 1gegen1.


    Ich kann ja nur für uns sprechen und die Mannschaften, gegen die wie in der zurückliegenden Saison gespielt haben, spielen meistens anders als wir. Wie gesagt, gibt es da fast immer die zwei Abwehr-Kinder, deren einzige Aufgabe ist vorm Tor zu stehen. Bei unserem letzten Turnier haben wir auch fast alle Gegentore nach dem gleichen Schema bekommen, nämlich dass die gegn. Mannschaft das ausgenutzt hat, dass sich alle unsere Kinder in Ballnähe befanden, und vorne ihre Angreifer einfach nur passiv warten mussten, dass sie den Pass bekommen und völlig frei vorm Tor stehen.

    Macht Ihr im Training Spielformen wie 2 vs 1 etc.?

    Spielformen, klar. Aber 2gegen1 wüsste ich tatsächlich gerade nicht, dass wir das im letzten Jahr gemacht haben.


    Habe ich hier ja schonmal geschrieben, dass wir m.E. kein besonders schnelles Umschaltspiel haben. Das kommt daher, dass unsere Kids den Ball immer erstmal annehmen sollen. Dadurch haben wir auch praktisch nie Überzahlsituationen.


    Praktisch alle unsere Gegner (kann mich gerade an keine Ausnahme erinnern) hatten außerdem die typischen zwei Kinder, die hinten vor dem eigenen Tor herumstehen. Gibt es das bei euch nicht? (Wir machen das tatsächlich nicht, sind da aber bei uns so ziemlich die einzigen.)


    Damit man zu 2gegen1-Situationen kommen kann, braucht es ein möglichst schnelles Umschaltspiel. Ich würde da aber im Kifu "Gründlichkeit vor Schnelligkeit" sagen. Erstmal sollten sich die Kinder m.E. die Zeit nehmen, die sie brauchen, den Ball unter Kontrolle zu bringen und zu einer überlegten Entscheidung zu kommen, bevor man sie zum schnellen Spiel drängelt.

    Also, dass über ca. 40-50 Jahre betrachtet Deutschland eine andere Art zu spielen entwickelt hat als z.B. Argentinien oder Brasilien

    Ja, das würde ich definitiv anders sehen. Fußball ist Fußball und verbindet kulturübergreifend. Wenn unser Sohn auf seiner alten Schule auf den Schulhof kam, hatte er immer in nullkommanix die ganzen Flüchtlingskinder um sich herum, weil die nämlich alle Fußball spielen konnten (und wollten). Sprachlich unterhalten ging da nur mäßig, hat aber keine Rolle gespielt, weil die Kids sich kickend perfekt verstanden haben.


    In meinen Augen ist die Vorstellung, dass die Art Fußball zu spielen irgendwie kulturell geprägt wäre oder auch etwa von den "deutschen Tugenden", nicht mehr als ein Mythos. Fußball ist Fußball, überall auf der Welt. Deswegen kann auch eine deutsche Nationalmannschaft durchaus in der Vorrunde ausscheiden. Ist halt zufällig in den letzten Jahrzehnten noch nie vorgekommen. Aber es geht :)

    "Bleibt der Torhüter auf der Linie, hast du einen Vorteil, wenn du gleich schießt. Kommt dir der Torhüter entgegen, hast du einen Vorteil, wenn du ihn im 1 gegen 1 aussteigen lässt oder ,falls möglich, nochmal abspielst."

    Ist sicher richtig, ich würde aber immer erstmal die Möglichkeit stark machen, den Ball nicht abzuspielen, sondern die Situation mit dem Ball am Fuß selbst fußballerisch zu lösen. "Keep it simple" wäre da für mich leitend.

    eine Art "deutsche DNA"

    Sorry, aber das hat doch mit "deutscher DNA" nichts zu tun. Fußball ist ein Mannschaftssport, klar. Aber zugleich lebt er vor den Einzelkönnern, das ist doch banal.


    Miro Klose hat das gerade erst vor der WM in einem Interview offenherzig erzählt, dass es einer der Vorteile des Campo Bahia war, dass man sich dort wunderbar aus dem Weg gehen konnte. Ist das der "Teamgeist", den du meinst? Merkwürdiger "Teamgeist".

    „Wir wollen Alle gemeinsam Spaß am Fußball haben“

    Das wird wohl jeder unterschreiben, der irgendwie mit Kifu zu tun hat.


    Aber geredet wird viel, beim Fußball liegt ja bekanntlich die Wahrheit auf dem Platz. Brüllende Trainer, heulende Kinder, Eltern, die sich gegenseitig anschreien, 6jährige, die sich im "Kampf" um den Ball umtreten – das ist ja keine Karikatur, sondern traurige Realität an Kifu-Spieltagen. Ich habe es schon erlebt, dass beim Kifu gedroht wurde, den Baseball-Schläger aus dem Auto zu holen.


    Bei uns sind zwei NLZ in unmittelbarer Nähe und an Spieltagen geht es um nichts anderes als Ergebnisse. Spaß? Ja, wenn man gewinnt oder wenn das eigene Kind auf dem Platz glänzt.


    Meinst du das mit "Spaß am Fußball"?

    Constantin,


    ich glaube, dass Sané viel besser auf links gewesen wäre als Jonas Hector. Aber dann hätte man das ganze System natürlich anders ausbalancieren müssen. So hatte Sané in dieser Mannschaft keinen Platz. Das hat aber nichts mit ihm oder seinen Qualitäten, sondern mit der Spielweise der deutschen Mannschaft zu tun, von der Löw offenbar keinen Deut abzurücken bereit war. Ich würde aber sagen: Nicht die Spieler sind für das System, sondern das System ist für die Spieler da :)