Wie seht ihr das und wie würdet ihr damit umgehen? Irgendwie tue ich mir
schwer damit auf meinen Kollegen zuzugehen und ihm zu sagen, daß er die Kinder nicht dauernd loben soll, damit mache ich mich ja total zum Buhmann und ändern wird er sein Verhalten dadurch wahrscheinlich auch nicht.
Das ist mMn keine gesunde Einstellung, gerade in einem Trainerteam. Du hast ja Argumente (die Du oben vorgetragen hast), die Deine Sichtweise begründen. Wenn Du ihm diese aufzeigst, hat er die Möglichkeit sein Vorgehen anzupassen, wenn er es denn genauso sieht wie Du. Es ist halt schon essenziell, dass Du das Gespräch auf Augenhöhe führst und auch die Argumente Deines Gegenüber anhörst. Am Ende müsst Ihr kollegial einen gemeinsamen Weg finden, wie Ihr mit den Kindern umgehen wollt.
Ich bin von der Art her eher das was man früher einen "harten Hund" genannt hätte und nehme das ganze sehr ernst. Bei Spielen/Festivals coache ich sehr viel, v.a. in der F finde ich das sehr einfach, weil die Kids da halt noch viel falsch machen und man sie mit sehr einfachen Tipps schnell weiterentwickeln kann. Auch im Training lege ich viel Wert auf Disziplin und Einsatz. Die Kinder sind schließlich freiwillig da und wollen lernen wie man Fußball spielt.
Ich bin aber kein Kolleriker der die Kinder anschreit. Während eines Spiels spreche ich grundsätzlich keine Dinge an, die schon passiert sind, sondern gebe Tipps dazu welche Optionen in der aktuellen Situation zur Verfügung stehen. Und im Training bitte ich die Kinder, die nicht mitmachen, das nächste mal zu Hause zu bleiben oder nur wieder zu kommen, wenn sie wirklich Lust auf Fußball haben. Soweit mal zu mir.
Wenn Du nicht im ersten Satz geschrieben hättest, das es sich um eine F-Jugend handelt, hätte ich nach diesen zwei Absätzen ehrlich gesagt gedacht, Du trainierst eine B- oder A-Jugend. Ich weiß natürlich nicht, wie Du im Training tatsächlich drauf bist, aber mein Bier dazu:
Trainer die "das Ganze sehr Ernst nehmen" tragen einen großen Anteil daran, dass viele Jugendliche (auch die talentierteren) im höheren Alter aufhören mit dem Sport. Gerade, wenn Du mit etwas erfolgreicheren Fußballern zu tun hast, ist die Grundlage immer eine intrinsische Liebe zum Spiel. Wenn Fußball aber bereits bei den Kleinsten zum Leistungssport gemacht wird, dann lernen die Kinder das mMn nicht. Aber das kann ich aus der Entfernung natürlich nicht beurteilen...vielleicht ist Dein Vorgehen auch völlig in Ordnung und das kommt hier nur anders rüber.
Unterm Strich scheint Dein Co-Trainer eine gute Ergänzung zu Deiner Philosophie zu sein. Ich zumindest habe in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass es immer dann am Besten läuft, wenn sich unterschiedliche Trainerpersönlichkeiten im Team ergänzen und einbringen können. Ich halte in diesem Kontext auch die von dir vorgetragenen Sorgen für unbegründet.