Das Thema erscheint mir sehr komplex und bei komplexen Themen gibt es sehr selten einfache Antworten.
Ohne Reihenfolge und Wertigkeit der Aufzählung möchte ich folgende Gedanken in die Runde werfen:
1. Dorfmannschaft
Da auch ich bislang ausschließlich im ländlichen Raum unterwegs war, ist mir die geschilderte Situation bekannt. Als Trainer ist man froh, genug Kinder für eine Mannschaft zusammen zu bekommen. Natürlich sind immer ein paar dabei, die bei einem Großverein nicht in der ersten Jahrgangsmannschaft spielen würden (vielleicht würden sie auch gar nicht spielen?). Im Zusammenspiel mit den besseren Kindern fällt die Passivität vielleicht noch deutlicher auf. Ich glaube es wird immer einen gewissen Anteil von Kindern geben, da können wir Trainer uns so viel Mühe geben, wie wir wollen, wir werden die Kinder nicht "ändern". Persönlich bin ich mittlerweile so weit, dies zu akzeptieren. Meine Erwartungshaltung habe ich dementsprechend angepasst. Ich freue mich eben einfach darüber, wenn solche Kinder mit Spaß bei der Sache, auch ohne dass die nennenswert zum Spielgesehen beitragen.
2. Gewinnen wollen
Ich bin bei @guenter, dass man das Ziel "Gewinnen wollen" den Kinder schon mit an die Hand gibt. Aber es kommt darauf an, wie man es vermittelt. Meine Erfahrungen sind damit, dass es ein Großteil der Trainer als einziges und absolutes Ziel ausgibt und dann auch mit allen, hier im Forum schon oft beschriebenen, negativen Folgen verfolgt. Wird nämlich dann, trotz vielleicht guter Leistung, nicht gewonnen, ist die "Katerstimmung" noch viel größer. Allerdings führt aus meiner Sicht eine "das Ergebnis ist egal Einstellung" des Trainers dazu, dass die Ehrgeizigen irgendwann unzufrieden sind. Ähnlich wie in der Schule, in der es keine Noten gibt. Das ist bis zu einem bestimmten Punkt sicher ganz nett (vor allem für die Lehrer), wenn keine Differenzierung in gut und weniger gut erfolgen muss, doch die Lernstarken wollen irgendwann auch einmal den Lohn in Form von guten Noten bekommen.
3. Ansagen von außen
Ich sehe es auch so, dass die Ansagen von außen auf ein Minimum begrenzt sein sollten. Dies betrifft Kritik, aber genauso auch das Loben. Immer wieder beobachte ich, wie das überschwängliche Loben der "Stars" dazu führt, dass andere Kinder sich zurück nehmen und denken, sollen doch die anderen mal machen. Das geschieht vielleicht gar nicht bewusst, aber wenn ein Mitspieler ständig für seine tollen Aktionen gelobt wird, dann wird der Ball halt gern diesem Spieler überlassen, schließlich will man doch gewinnen. Ich versuche mein Lob gleichmäßig auf alle Spieler zu verteilen. Es findet sich im Laufe des Spiels immer eine Aktion, die gut klappt. Diese Erfolgserlebnisse ermutigen die Kinder, mehr zu versuchen und so nehmen sie aktiver am Spiel teil.
4. Positionsspiel
Am vergangenen Wochenende hatte ich wieder die Situation, dass die gegnerische Mannschaft 3 Spieler in der Abwehr stehen ließ. Wirklich, die meiste Zeit standen die Kinder. Die einzige Aufgabe bestand darin, unsere (zugegeben sehr wenigen) Angriffe abzufangen und den Ball nach vorne zu spielen. Trotz deutlicher Überlegenheit und eig. schon früh entschiedenen Partie durften die 3 nicht mal bei Ecken mit nach vorn. Wenn sich das so über Monate und Jahre verfestigt, dann muss ich mich als Trainer nicht wundern, wenn die Kinder später von sich aus auch nicht mehr machen, als eben dieses Verhalten zeigen. Worin lag das Problem, mit 5 Toren Vorsprung im Rücken, die "Verteidiger" mal nach vorne rotieren zu lassen.
5. Trainingsspiele in kleinen Teams
Wie schon von anderen beschrieben, halte ich 2vs2 oder 3vs3 Spielformen für ideale Möglichkeiten fast alle Kinder mit einzubinden. Die unter 1. beschriebenen Kinder halten sich da zwar auch gern raus, aber in einem gewissen Umfang "müssen" sie einfach mitmachen.
Es gibt da sicher noch viele weitere Punkte und trotz deren Beachtung wird es wohl immer Kinder geben, die eben etwas zurückhaltender Sinn.