Beiträge von Mentala

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    Günter, seinen Geist zu aktivieren, ist für jeden Bereich eine sinnvolle Lösung. Gerade wenn man nicht weiß, was man vom Leben erwarten soll. Herauszufinden, was einem wirklich wichtig ist; was man anstrebt, um zufrieden zu sein; um sich selbst bewusst(er) zu werden; um die Wahrnehmung seines Körpers und Geistes zu steigern; um Kreativität anzuregen; Ziele zu setzen; auf den Punkt konzentriert zu sein; die Kommunikation zu schärfen; das Gedächtnis zu trainieren; ... Das kann Mentaltraining hervorholen. Und das ist sicherlich nicht nur bei Führungskräften oder im Spitzensport sinnvoll. Das Schöne ist aber, dass der Sport oft das Vehikel ist, um die Plattform dafür zu geben, auch das weitere Leben abseits des Hobbys zu meistern und dabei glücklich zu sein. Burn-out-Opfer gibt es nicht nur bei Leistungsträgern, sondern auch bei der Kassiererin im Supermarkt....
    Im Sport wird noch mehr auf den Erfolg fokussiert, insofern wird Mentaltraining hier sicherlich um einige Themen erweitert.
    Sicherlich ist eine Begleitung auf mentaler Ebene bei Kindern angebracht, die sich vielleicht von der Masse unterscheiden. AD(H)S, familiäre Probleme, Gewichtsprobleme, Kontaktschwierigkeiten, Kompensationsschwierigkeiten, Symptome, die nicht auf physische Krankheiten zurückzuführen sind usw. Viele werden schon zum Psychotherapeuten geschickt in der Hoffnung, dass sich etwas ändert. Solange das die Krankenkassen bezahlen. Sind jedoch die Eltern dann gefordert, selbst in die Zukunft ihrer Kinder zu investieren, werden sie oft in Vereine gesteckt, damit sich diese dann verantwortlich um sie kümmern. (Hier beginnt oft das Dilemma für die Trainer, ein Teufelskreis...)
    Man kann als Trainer, gleichgültig ob mental oder physisch nur mit Menschen arbeiten, die etwas erreichen wollen. Wenn es ihnen egal ist, kann man ihnen Bilder nahe bringen, die ihrem Alter gerecht aufgearbeitet werden. Dann ist es leicht, sie dafür zu begeistern mitzumachen. Ich höre immer wieder von Eltern, deren 8-jährige Sprösslinge Motorsport betreiben, für wie wichtig sie mentales Training halten. Das soll alles der Verein stemmen, was der dann natürlich nicht macht. Aber die Forderungen liegen offen auf dem Tisch.
    Das Hauptproblem bei allen Parteien liegt im Erfolg des mentalen Trainings. Man kann ihn erst messen, wenn die Klienten mitmachen, sie 5 Minuten täglich an Zeit für sich selbst investieren und diese Übungen damit in "Fleisch und Blut" übergehen. Dass sich das Training auch auf das weitere Leben auswirkt, habe ich oben bereits beschrieben. Das wird oft nicht als Aufgabe des Sportvereins gesehen.
    In Baden-Württemberg gibt es das Schulfach "Glück". Hier wird Mentaltraining pur eingesetzt. Die Schüler sind hellauf begeistert und bemerken die Veränderungen täglich an sich selbst. Sie sprechen darüber genauso wie die Eltern, die zum Beispiel die Pubertät auch nicht mehr als "Horror" empfinden.
    Wie gesagt, jeder Verein der 1. und 2. Bundesliga nutzt die Dienste eines Mentaltrainers, auch Hannover96. Und die nehmen sogar jedes Jahr einen Profiler wie mich mit ins Wintertraining.
    Ich weiß allerdings nicht, wie das in den unteren Ligen gehandhabt wird. Es könnte einen Versuch wert sein, sich mal um finanzielle Unterstützung durch den DFB zu bemühen.
    Im übrigen ist es doch egal, ob Einzel- oder Teamsport, jeder intensiv betrieben Sport erzeugt Wünsche und Vorstellungen nach Erfolg, nach Wettbewerb, nach Zielen.

    Ich versuche jetzt mal die einzelnen Dinge aufzugreifen.
    Dass Trainer heute immer mehr mit Fachleuten aus dem mentalen Training arbeiten, liegt natürlich an den Erfahrungen, die die physischen Trainer damit gemacht haben. Jürgen Klopp und Bayern München waren sicherlich Vorreiter des zusätzlichen Trainings auf psychischem Gebiet. Zusätzlich sind diejenigen Sportler (z.B. Sebastian Deisler), die offensiv mit dem Druck umgegangen sind als Beispiele zu nennen. In einem Gespräch mit dem DFB-Vorstand fand ich heraus, dass alle Vereine aus der ersten und zweiten Bundesliga bereits mit mentalem Training arbeiten. Was ist der Sinn dieser Maßnahme? Die Erkenntnis, dass oft die Ansprüche an sich selbst vielen Spielern nicht nur die Freude sondern auch die Erfolge vermissen lassen. Sie haben durch ihre Vorgeschichte in den Vereinen oft ein realistisches Bild von sich selbst verloren. Das wird mit mentalem Training wieder zurecht gerückt. Zudem wird den physischen Trainern auch viel über ihre Spieler mitgeteilt, dass sie dann in der Praxis umsetzen können (Einsatz in bestimmten Situationen, Einstellung, Motive...). Nun kann man sich also überlegen, ob man nicht in den unteren Spielklassen bereits mentale Techniken einsetzt, um böse Folgen zu verhindern.
    Empathie heißt nichts anderes als Fürsorge. Wer keine Fürsorge empfinden kann, ist sicherlich als Trainer für Kinder nicht geeignet. Empathie ist nicht zu verwechseln mit Mitleid. Empathie richtet sich auf die Zukunft, Mitleid bezieht sich auf Vergangenes.
    Wenn man einen Unterschied zwischen Mentalcoach und Mentaltrainer nennen will, so könnte man ihn etwa so treffen: Der Trainer bringt jemand anderem etwas bei, das er üben soll. Ein Coach begleitet ihn darüber hinaus und bleibt ihm über längere Zeit erhalten. Wer jedoch erkannt hat, was das geistige Training ihm persönlich an Vorteilen bringt, benötigt einen Begleiter nicht mehr. Höchstens dann, wenn er die Übungen einstellt...
    Zum Thema Glauben noch eins. Wer nicht an sich selbst glaubt, hat sicherlich mehrere Probleme (Selbstbewusstsein, Einschätzung, Einstellung). Wer an anderes (was auch immer) glaubt, überschreibt ihm die Verantwortung für eine fehlerhafte Einschätzung und damit auch Einstellung zu sich selbst. Also würde ich eher das Wort Glauben durch Spiritualität ersetzen, und davon kann sich kein Mensch lossagen. Wir benutzen das Wort glauben immer dann, wenn wir nicht selbst und kontrolliert (bewusst) ein Wissen teilen. (Nicht mit Wissenschaftsgläubigkeit zu verwechseln)
    Und noch einmal das Thema Fehler aufgreifen: Wenn unsere Vorfahren Fehler nicht gemacht hätten, wäre unsere Menschheitsgeschichte nicht so verlaufen. Wesentlich ist doch, dass jeder aus den eigenen Fehlern lernt und sie in Zukunft verhindert. Beim Umgang mit Menschen kann dies jedoch zu weiteren Fehlern führen. Wenn mein eigenes Handeln oder auch Verhalten bei einem Menschen positiv ankommt, kann dies bei einem anderen Menschen zu unerwarteten Folgen führen. Deswegen ist es ja so wichtig, jeden anderen Menschen als nicht vergleichbar anzusehen. Dies trifft natürlich auch im Bereich einer Teamentwicklung zu. Aus 20 unterschiedlichen Menschen kann ich kein Team schmieden, wenn es mir nicht gelingt, eine gemeinsame Basis zu erkennen und sie ihre unterschiedlichen Ausprägungen ihrer Persönlichkeit leben zu lassen. Eine der wichtigsten Aufgaben eines Trainers ist es, dies zu kommunizieren, damit jeder den anderen auch "emotional versteht", also Empathie empfindet.
    Ihr seht, auch hier hängt alles mit allem zusammen.


    @kicker: Auch Wikipedia hat nicht alle Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung parat. Zudem sind die Beiträge von Vertretern verfasst, die eine bestimmte wissenschaftliche Richtung verfolgen. Freud hat auch nicht an die Wirksamkeit von Hypnose geglaubt (Massenpsychologie und Ich-Analyse), weil diese Form der Bewusstwerdung des Unbewussten noch lange nicht erforscht und nutzbar gemacht worden ist. Im übrigen sind durch Quer- und Längsstudien, also wiederholten Untersuchungen die Erkenntisse, dass sich Motive nicht verändern, verfestigt worden.
    Meine Erfahrungen im Umgang mit der Vorstellung von mentalem Training im Sport war der, dass die Theorie zwar ganz nützlich für das Verständnis vom Sinn ist, praktische Hilfestellungen vorrangig sind.


    Habe ich noch etwas vergessen?

    Vielleicht noch ein paar Erklärungen dazu. Einen Menschen, der zu Zahlen wenig Beziehung hat, kann ich mit Bildern aus seiner Vorstellungswelt helfen, diese Beziehung aufzubauen. Grundsätzlich ist es nur durch ständiges Üben, um das Wort "einbläuen" zu umgehen, ihm einen Zugang zu verschaffen. Sein Langzeitgedächtnis wird sich dann immer an das Trainierte erinnern, eine emotionale Verbindung wird sich nicht herstellen lassen. Das trifft auf alle Bereiche zu. Wer eine schwache Ausprägung im Motiv "Körperliche Aktivität" hat, wird schwerlich zu animieren sein, sich von ganz alleine zu bewegen. Er wird ständig aufgefordert werden müssen, mal dies oder jenes körperlich zu tun. Vielleicht durch Prämien oder Preise oder durch eine bewusste Entscheidung, etwas für seine Figur tun zu müssen. Aus einem passiven Sportler ist ein aktiver nicht zu machen. Weder durch Mentaltraining noch durch andere Versprechungen. Mentales Training unterstützt und fördert, wird jedoch nie aus Stroh Gold spinnen können.

    Günter
    grundsätzlich ist hier zu erfragen, mit welchem Ziel der Spieler Fußballspielen will. Was will er erreichen, und vor allem welchen Weg will er einschlagen? Dann wäre seine Ausprägung im Motiv "körperliche Aktivität" herauszufinden. Bewegt er sich generell gern oder ist er eher der Typ, der anderen dabei zusieht. Wie sieht es mit dem Umfeld aus? (Das wäre der mentale Bereich)
    Ist hier der ideale Nährboden vorhanden, kannst Du mit ihm an seiner Einstellung zum Sport an sich, zum Fußballspiel und seiner Verantwortung im Verein im Besonderen arbeiten. Er wird sich sicherlich äußern und seine Motive schildern. (Vielleicht sind es seine Eltern, die ihn "hingeschickt" haben, vielleicht ist es auch ein anderes Motiv, das ihn in den Verein treibt. Hier fällt mir zum Beispiel "Status" ein, Quatsch machen, verbal im Vordergrund stehen usw.)
    Du kannst ihn sicherlich zu Bewegung immer wieder animieren, Du wirst es jedoch sicherlich nicht schaffen, aus einem bewegungsarmen Menschen einen Stürmer mit Vorbildcharakter zu machen.
    Es müsste also erst einmal die grundsätzlichen Fragen beantwortet werden, bevor Mentaltraining wirksam werden kann.

    Was Du meinst ist Beeinflussung und da gebe ich Dir Recht. Jeder ist offen für Neues und Anderes und entscheidet dann für sich selbst, ob er dieser anderen Meinung folgt, ob er es ausprobiert oder ob er es für sich ablehnt. Was mit "Eingreifen" hier gemeint ist, ist ein Umsturz im Gehirn, und das ist nicht möglich, wenn der Klient das nicht will. Und selbst da kann niemand die eingeübten unbewussten steinigen Wege so einfach in asphaltierte Straßen umwandeln. Man sehe sich nur die Kriminalstatistiken an. Diese Menschen werden auch mental durch Psychologen beeinflusst, der Erfolg einer Umkehrung von einem Gesetzesbrecher zu einem wertvollen Mitglied der Rechtsgesellschaft ist jedoch gering. Aus einem guten Menschen einen Gesetzesbrecher zu machen, ist meistens der Einfluss der Umwelt. Die Moral wird schon sehr früh eingeübt sowohl durch die Kultur der Gesellschaft als auch durch Erziehung. Mal abgesehen von genetischen Mitbringseln.
    Bitte unterscheidet zwischen Beinflussung und "Eingreifen" in ein Gehirn".
    Wenn Ihr als Trainer feststellt, dass ein junger Spieler grundsätzlich seinen rechten Fuß einsetzt, damit aber irgendwie nicht so zielgerichtet schießen kann, er es aber unbedingt will. Ihr fragt Euch natürlich, warum das so ist und bittet ihn einfach mal auf einer anderen Position zu spielen, auf der er den linken Fuß einsetzen muss. Plötzlich bemerkt ihr, dass es viel besser geht und er Erfolg hat. Was beweist das? Offensichtlich ist der Spieler sehr früh anders gepolt worden. Um seinen Eltern zu gefallen oder zu gehorchen, setzt er bewusst den rechten Fuß ein. In seinem Gehirn streiten sich die willkürliche Handlung und das unwillkürliche Verhalten. Ist Eure Aktion jetzt ein Eingriff ins Gehirn?

    Andre, man muss natürlich offen sein für mögliche Veränderungen. Mentaltraining ist nicht zu vergleichen mit einem chirurgischen Eingriff oder einer Hilfestellung im physischen Handeln. Wenn die Pässe eines Fußballspielers nie ankommen, kann man als Trainer eingreifen. Man bittet ihn zum Optiker zu gehen, seine Haltung beim Schuss zu überprüfen und ähnliches :)

    Andre: Ein Laie kann vieles kaputtmachen. Also die Vorstellung, dass ich Jungs oder Mädels das Fußballspielenn beibringen könnte, würde in Euren Augen sicherlich lächerlich sein. (Ihr habt recht und könnt schmunzeln, ich bin auf diesem Gebiet Laie und würde wahrscheinlich eine Gurkentruppe mit Spaßfaktor auf dem Spielfeld hervorbringen) Ihr habt gelernt, was man den Kindern beibringen kann und vor allem wie. So habe ich gelernt, wie ein Ziel zu visualisieren ist, wie man seine eigenen Bedürfnisse in die rechte Bahn lenkt, herauszufinden, wie man sein Handeln optimieren kann und so weiter... So sollte jeder bei seinem Gelernten bleiben :)
    Und wie oft soll ich es noch sagen: Es ist nicht möglich in eine Psyche einzugreifen, wenn der Besitzer der Psyche es nicht will. Auch ein Trainer kommt nur so weit, wie es der Schutzbefohlene zulässt. Geht ein Kind zum Fußball, weil es meint, es mache ihm Spaß, so ist es sicherlich eine der Aufgaben des Trainers ein Talent zu erkennen und zu fördern. Ist das Kind jedoch nicht bereit dazu, sich körperlich zu schinden oder schließt sich das Umfeld des Kindes dem Ehrgeiz des Trainers nicht an, so wird sich das Kind früher oder später vom Fußball zurückziehen. Hier nutzt es recht wenig, mit Engelszungen zu sprechen, ihr werdet es nicht verhindern können. Ist das Kind jedoch ein per se ein Teamplayer, ist es bereit und in der Lage körperlich alles für seinen Sport zu tun, ist der Ehrgeiz und sein Ziel eindeutig, so werdet Ihr einen engagierte Spieler haben, der Euch Freude macht. Aus einem solchen Spieler könnt Ihr zum Beispiel viel machen durch Unterstützung seiner Motive. Nichts anderes macht das mentale Training. Es fördert die eigene Einstellung, es fordert die eigene Wahrnehmung...
    Natürlich ist auch die Einstellung des Trainers zu dem Kind/Jugendlichen ein wichtiger Faktor. Kann er das Kind nicht leiden, wird er es nicht unterstützen. Ist der Trainer in seinem Job frustriert (weil die Erfolge fehlen), wird er sein Engagement zurückfahren. Deswegen ist es genauso wichtig für die Trainer, sich selbst ständig zu überprüfen und die Einstellung zu überprüfen. Verhalten und Handlung sind eminent wichtig für einen Trainer, der sich mit Kindern/Jugendlichen auseinandersetzt, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Ein Trainer kann Einfluss nehmen, aber das Verhalten eines Menschen nicht beeinflussen. (Verhalten=Unwillkürlich, aus dem Bauch heraus, Handeln=bewusst, willkürlich) Das Verhalten eines Menschen liegt in seinen Motiven und im Unterbewussten verankert. Es lässt sich nicht verändern.

    Es ging doch hierbei um Vorschläge. Wie oder ob man diese umsetzt ist doch jedem selbst überlassen. Ich sehe das Forum hier mehr als eine Einführung in Techniken des mentalen Trainings, ohne "Eingriffe" vorzunehmen. Mit jedem Wort, mit jeder Geste ist ein solcher Eingriff möglich. Jemand kann sich dadurch unterdrückt oder gar gemobbt fühlen, andererseits jedoch auch angespornt. Es kommt also darauf an, dass ein Trainer auf dem Niveau des Kindes agiert, damit dieses die Meinung des Trainers auch versteht. (Offenbar hat Micha verstanden was ich meine und konnte nachvollziehen)
    Viele Menschen, Schule, Peergroups auch Internet oder Fernsehen und andere Plattformen werden dazu benutzt, Menschen in ihrem Sinne zu beeinflussen, direkt oder indirekt. Wenn das auch als Eingriff in die Psyche eines Menschen gesehen wird, sollten wir die Kommunikation im allgemeinen abschaffen. Also genau das, was den Menschen vom Tier unterscheidet.
    Es kommt also darauf an, Kindern beizubringen, das für sie selbst GUTE vom SCHÄDLICHEN zu unterscheiden. Und das lernen Kinder schneller als mancher Erwachsene. In der Pubertät verwischt sich das ein bisschen und es wird vieles versucht. Im Erwachsenenalter setzt sich jedoch das durch, was sie als Kinder erlernt und erfahren haben.
    @kicker: Warum verkaufen sich die CDs zu mentalen Techniken so gut? Weil jeder glaubt, die Geschichten helfen ihnen. Ein mentales Training soll aber unterstützen und nicht verwirren. Eine Geschichte vom Meer hilft niemandem, der Angst vor dem Wasser hat. Insofern ist nützliches Mentaltraining nur auf individueller Basis zu sehen.

    Hallo Micha,
    erst einmal eine große Entschuldigung für die Verzögerung.




    Zum einen hast Du sicherlich die Kommunikation gesucht, mit
    jedem Einzelnen, dann mit allen zusammen.



    Schlag der Dreiergruppe einen Deal vor und sie entscheiden
    sich. Zieht nur einer mit, wird die Gruppe auseinanderbrechen und Du hast
    wieder Ruhe und die Konzentration wird sich wieder einstellen.



    Spieler eins könntest Du mit seinem Sinn für Gerechtigkeit einbinden.
    Wie hätte er entschieden? Bitte ihn die Schiedsrichterkommentare im Nachhinein
    zu geben, alleine mit ihm und versuche,
    ihn mal die Position des Schiedsrichters innerlich einnehmen zu lassen. Was
    kann er gesehen haben, welche Perspektive hatte er, warum hat er also diese
    Entscheidung auch unter Einbindung des Zeitproblems so getroffen. Gib ihm das Gefühl,
    dass Du seine Sicht der Dinge für wichtig hältst, dass diese Kommentare nur an
    Dich persönlich abgegeben werden dürfen. Du freust Dich auf das Gespräch. Er
    ist sicherlich ein Typ, der unter dem Zwist zu Hause leidet, vielleicht hatte
    er auch keine Entscheidungsmöglichkeit und wehrt sich auf dem Platz. Bitte ihn,
    seine Sorgen an den Haken in der Kabine zu hängen und seine Wünsche körperlich
    und auf dem Platz zu zeigen.




    Spieler zwei ist sicherlich hin- und hergerissen durch den
    Anspruch der Eltern in schulischer Hinsicht und seiner Sehnsucht Fußball. Hier
    ist sicherlich ein Gespräch mit den Eltern angebracht, um herauszufinden,
    welche Rolle die Eltern dem Sport ihres Sohnes geben. Ist es für sie Freizeitvergnügen
    oder ein ernst zunehmendes Hobby mit Zukunftsperspektive. Hier sind die
    Entscheidungen der Eltern gefragt. In den meisten Fällen enden solche
    Entscheidungen früher oder später mit dem Abschied vom Vereinssport. Steht das
    Umfeld eines Sportlers nicht 100%-ig hinter dem Ziel des Sportlers, werden sich
    die Erfolge auch kaum einstellen. Meine Erfahrungen gehen dahin, dass der Druck
    der Eltern hinsichtlich einer „ordentlichen Berufsausbildung“ die Oberhand
    gewinnt, nicht die Freude oder die emotionale Bindung im und an den Sport.



    Spieler drei hat sicherlich das größte Potenzial, auch wenn
    es anstrengend für den Trainer ist. Jede Gruppe hat eine ausgeprägte Führungskraft,
    dessen Veranlagung so ist. Unternehmen wären froh, wenn sie solche Leute in
    bestimmten Positionen hätten und nicht erst seminarisiert werden müssten. Binde
    den Spieler in Dein Trainingskonzept ein. Das wird sein Motiv in Sachen Führung
    anfeuern und er wird seiner Rolle auch auf dem Platz gerecht. Du wirst ihn
    nicht in seiner Motivation verändern können, sondern eher sein Verhalten
    anpassen wollen. Das kannst Du, indem Du ihn darauf hinweist, dass es wichtig
    ist, gemeinsam zu spielen und er alleine nicht Abwehr und Sturm gleichzeitig
    spielen kann. Im Fußballteam ist auf den anderen angewiesen und weiß um seine
    Stärken und Schwächen. Bitte ihn, sich einzubringen und strategisch und
    taktisch mit Dir zusammen zu arbeiten. Dies aber nicht auf dem Platz oder vor
    dem Spiel, sondern nach einer Trainingseinheit und alleine mit Dir. Wenn Du
    seine Vorschläge ernst nimmst, wird sein Selbstwertgefühl gestärkt und er
    bekommt die Plattform, die für ihn wichtig ist. Bitte ihn auch darum, mal nur
    mit anderen zu spielen, damit er Dir nachher sagen kann, was er von ihnen hält.
    In der Dreiergruppe hat er Menschen gefunden, die seine Art, Entscheidungen zu
    treffen und Meinung zu äußern begeistern. Wenn es Dir jetzt noch gelingt, dass
    seine Meinung von den anderen nicht nur toleriert sondern auch akzeptiert wird,
    wirst Du eine tolle Truppe schmieden können. Du kannst seine kommunikative Art
    nutzen, um die Spieler zu Höchstleistungen zu bringen wenn es darauf ankommt.



    Sport ist mit vielen Emotionen verknüpft. Es ist wichtig für
    die Weiterentwicklung der Menschen, dass die Freude an ihrem Tun ihr eigenes
    Leben bestimmt. Das hilft bei der Bewältigung von Stress und den sich daraus entwickelnden
    Symptomen.



    Mach mit allen Spielern der Mannschaft ein paar
    Spiele, die nichts mit dem Fußball selbst zu tun haben, sondern eher mit
    Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein. Das hilft bei der Findung des Menschentyps
    und bei der Nutzung der geistigen und emotionalen Ressourcen.
    Ich hoffe, ich konnte Dich ein wenig unterstützen.


    Kicker, so ist es. Erst kommt das Individuum, dann das Team. Ein Querschläger kann das ganze Bemühen eines Leaders (Trainers) zunichte machen.
    Ich habe ja auch gesagt, Du sollst Dir ein solches (dynamisches) Puzzle vorstellen :)
    Zu Deiner Äußerung über das Interesse: So ist das in der Regel! Und jeder glaubt, er könne das schon. Er vergisst dabei nur, dass niemand niemanden intrinsisch beeinflussen bzw. verändern kann.

    Hallo Kicker,
    Euch allen erst einmal ein erfolgreiches neues Jahr.
    @Kicker: Du hast doch sicher schon einmal ein Puzzle gemacht?! Stell Dir nun vor, Dein Puzzle bestünde aus 20 Einzelteilen, die Du irgendwie zusammenbringen möchtest, damit ein homogenes Bild entsteht. Einfach, gell? Nun stell Dir vor, es gäbe mehr als 1000 Möglichkeiten, mit diesen Teilen ein Bild zu gestalten. Immer sieht es anders aus und das Ergebnis entspräche Deiner Zielvorstellung. So ist das Ergebnis also immer abhängig von der Lage jedes einzelnen Teilchens, Deiner Sichtweise und Deiner Stimmung, Deines Engagements... Die Teile sind nicht verantwortlich dafür sondern alleine Du selbst. So ist das in einem Team auch. Je nach Lage (Stimmung) der Spieler, sind sie motiviert zusammenzuspielen, sich zu engagieren für ein Ziel. Heute so, morgen so... Wie das Puzzle, sind auch die Spieler zusammengewürfelt und sollten über die Stärke ihrer Persönlichkeit ein Teil des Gesamtbildes sein. Ein Bild entsteht nur über die Motivation des einzelnen Spielers. Die kann man schärfen, man kann sie auch unterdrücken. Im Wesentlichen hängt es doch davon ab, dass der Leader der Mannschaft eine Vorstellung davon hat, was Teamplay überhaupt ist. Heißt das volles Engagement über die Grenzen hinaus, oder Einsatz auch für einen schwächeren Spieler, Ergänzung an bestimmten Positionen, Einbringen indivueller Leidenschaft, Hilfe in der Not, immer für einander da sein, gemeinsam feiern, gemeinsam trauern, wissen, was der Mitspieler bei einem Pass vorhat, Verständnis für sein privates Umfeld, Selbstaufgabe, Sport fühlen u.s.w?
    Wenn der Trainer das weiß, kann er auch zielgerichtet arbeiten und benötigt hier kein mentales Training in der Suchphase der jungen Spieler. Zusammenschweißen auf Gedeih und Verderb kannst Du keine Menschen. Sie müssen es selbst wollen und sie sollten ihre Vorstellungen persönlich einbringen dürfen. Leitet man diese an und negiert sie nicht, ist dies sicherlich ein erster Schritt für einen Trainer, ein erfolgreiches Team zu Höchstleistungen anzuspornen.
    Hat er jedoch ein Talent erkannt, kann er es durch mentale Unterstützung und Motivationsanalyse so integrieren, dass der Spieler (upps, der Rest des Beitrags wurde abgeschnitten) sich wohlfühlt und seine Persönlichkeit in die Gesamtheit des Erfolgs einbringen kann.
    Es ist wichtig, dass diese persönliche Motivation eines jeden Spielers zur Ergänzung des Gedankens (Ziels) beiträgt. Man redet immer vom Team, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass nur Einzelteile die Stärke einbringen, die den Erfolg prägen. Die Aufgabe des Trainers ist es, diese Einzelteile zu schärfen, den anderen Mitgliedern der Gruppe nahezubringen, wie der Erfolg aussieht, wie er sich anfühlt und was jeder Einzelne je nach Individualität dafür einbringt. Ergänzen sich diese Einzelteile, ist es für alle und auch für die Trainer ein erster Schritt in die Erfolgsserie. Bei dieser Vorgehensweise wird keinem geschadet, sondern eher die individuelle Ausprägung der Persönlichkeiten unterstützt. Hier wird Vertrauen in die Motivation der Spieler gelegt und mit Sicherheit ein Puzzleteilchen geformt, das auch für ein Leben parallel zum Sport bzw. nach dem Sport eine sinnvolle Lebenshilfe sein kann.

    Wollte man Präventivmassnahmen zur Vermeidung von psychischen Schäden im
    unteren Jugendbereich treffen, so müßte man das Ziel anders definieren.


    Das Ziel ist entscheidend für den Einsatz von Mentaltraining. Mit mentalem Training wird meistens eine Vergangenheit "bewältigt", sie anders definiert bzw. einen Perspektivwechsel vorgeschlagen.
    Zur Vorbeugung möglicher Schäden wird vor allem in den Bereichen Stress und Burn-out gehandelt.Fühlt sich jemand nicht wohl in seiner Haut, in seinem Umfeld, ob Beruf oder Sport, erzeugt das Stress. Diesen kann man mit geeignetem Stressmanagement (ein furchtbares Wort) in den Griff bekommen.
    In frühen Jahren der Kindheit oder des jungen Heranwachsenden, fehlt oft die Stressbelastung (Hier greift man dann gern zum Mittel des Abmeldens aus dem Sportverein...). Als probates Mittel, um Menschen, ob jung oder alt, hat sich gezeigt, dass das Stärken der Stärken und die Freude am Tun das entscheidende Kriterium für den Erfolg ist. Dies kann man am besten damit erreichen, dass man jedes Bemühen lobt und Ergebnisse positiv hervorhebt. (Egal, ob es den eigenen Erwartungen oder denen anderer entspricht) Dies stärkt in jedem Fall das Selbstbewusstsein und unterstützt die Energieleistung. Dies ist vor allem nötig, wenn die Ergebnisse eines Spiels im Nachhinein kommentiert werden, zum Beispiel gegenüber der Presse. Sucht man nach Formulierungen, die ein verlorenes Spiel als Schlappe oder grauenhaft bezeichnet, so sollte man vielleicht einfach noch ein paar Wörter hinzufügen, wie: das war unsere letzte Schlappe! Ab sofort wird alles gut! Grauenhaft war es vielleicht heute, aber das nächste Spiel wird der Hammer! Die Zeitung wird in jedem Dorf gelesen, besonders am Montag!
    Ehrlichkeit gegenüber den Spielern ist nötig, sie sollte jedoch nicht beleidigend sein. Die Feinheiten der Kommunikation sind entscheidend für die visuellen Vorstellungen der Spieler. Malt ihnen welche! Wie würdet ihr euch fühlen, wenn...
    Falls ein Trainer nicht in der Lage ist, auf solcherart Details zu achten, solltet Ihr jemanden holen, der auch einen Trainer schult. Er hat die entscheidende Position in jeder Mannschaft. Er kann mit vorbildlichem Verhalten Kinder und Jugendliche zu hohen Leistungen animieren. Er kann Vertrauen schaffen, es aber auch verspielen. Er kann motivieren, aber auch demotivieren. Er hat große Verantwortung gegenüber den Kindern, die ihm anvertraut sind. Es geht immer noch um eine Freizeitbeschäftigung und nicht um eine lebensentscheidende Unternehmung.