Ich habe beim letzten Training mit dem besagten Jungen gesprochen und es ihm so gesagt, wie angekündigt.
Er hat es sehr gut aufgenommen und war beim weiteren Training richtig gut drauf.
Ja, das ist auch meine Erfahrung bei ähnlichen Situationen gewesen. Kinder in dem Alter wechseln ja auch recht schnell und häufig ihre Freunde und Spielkameraden. Mal ist der angesagt, dann mal wieder der. Wir hatten Freunde meines Sohnes, die haben wochenlang praktisch bei uns gewohnt und dann sah man sie plötzlich nicht mehr und es kamen andere. Irgendwann waren dann die ersten wieder da usw. All das geht bei den Kindern im schulischen und häuslichen Umfeld ohne große Emotionen ab. Warum soll das nicht auch in einer Fußballmannschaft gehen? Man kann schließlich gerade bei den Kleinen nicht wissen, ob der beste Kumpel von heute auch nächste Woche noch der ist dicke Freund ist ober ob es dann einer aus einer anderen Mannschaft ist. Schon allein aus dem Grund wird es schwierig Mannschaften nach persönlichen Beziehungen einzuteilen.
tom: Wir sind übrigens auch ein Dorfverein, insofern ähneln sich unsere Voraussetzungen schon mal. Natürlich wird niemand, der klaren Verstandes ist, so wie in Deinem Beispiel agieren.
Es geht primär um den Spaß der Kinder, da sind wir uns wohl einig und dazu gehört auch, dass sie in Mannschaften spielen, wo sie mithalten können und nicht nur hinterher laufen. Ich beschreibe einfach mal einen Fall aus der jüngsten Vergangenheit.
Wir hatten eine Mannschaft von 10 Kindern, die seit den Bambini zusammen waren und im Sommer in die F1 sollten. Das Leistungsgefälle in dieser Truppe war von der 1 zur 10 sehr groß. Ein Kind war in dieser Mannschaft u.a. weil übergewichtig und langsam deutlich überfordert, ein zweites lauffaul und mit motorischen Defiziten. Im letzten Frühjahr bekamen wir zwei Spieler von anderen Vereinen dazu. Einer eine echte Granate und der andere ebenfalls recht gut. So spielten wir die Saison zunächst mit 12 Kindern zu Ende. Danach stellte sich die Frage nach der Einteilung für die derzeit laufende Saison. Wir hatten exakt 30 Kinder in der F-Jugend, konnten also 3 Teams a 10 Kinder bilden, was ich für eine idealle Mannschaftsgröße halte. Also mussten wir zwei Kinder an die F2 abgeben. Nach Deiner Theorie hätte ich die beiden Neuen abgeben müssen, da die ja nicht schon so lange mit den anderen befreundet sind. Die hatten sich aber gerade in die Mannschaft integriert und standen leistungsmäßig auf Position 2 und 4 in der Mannschaft. Was hätten wir da anders tun sollen, als die beiden schwächeren Jungs in die F2 zu nehmen und die Neuen in der F1 zu lassen? Hätte ich die zwei starken Spieler in die F2 gesteckt, wäre einer davon gleich wieder gegangen und das zu recht, da er dort völlig unterfordert gewesen wäre. Natürlich waren die zwei "aussortierten" Jungs erstmal nicht glücklich. Das hat sich aber schon nach kurzer Zeit gelegt, als sie nämlich festgestellt haben, dass sie in der F2 zu den stärkeren gehören und da auch Tore schießen können. Wir haben ihnen genau das vorher prophezeit. Sie haben begriffen, dass wir sie nicht zurücksetzen, sondern ihnen nur etwas Gutes tun wollten und sie das auch bekommen haben. Wenn wir das nächste mal sagen, "Du spielst in dieser oder dieser Mannschaft, weil das gut für dich ist", werden sie es in dem Vertrauen vermutlich direkt annehmen, weil sie eine positive Erfahrung gemacht haben. Heute fühlen die zwei sich in der Mannschaft sauwohl und dort hat beide auch der Ehrgeiz gepackt, weil sie merken, dass da was geht, was vorher nicht ging. Der eine hat kräftig abgenommen und der andere ist viel fleißiger geworden. Hätten wir nicht nach Leistung unterteilt, hätten wir nun 2 frustrierte F1-Spieler, einen gelangweilten, weil unterforderten F2-Spieler und ein echtes Talent weniger im Verein. Das kann nicht Sinn der Sache sein.
Ich bin davon überzeugt, dass der Spaß der Kinder beim Fußball spielen nicht allein daraus resultiert, dass sie mit ihren Freunden zusammen sind. Ebenso wichtig ist, dass sie in einer Mannschaft spielen, in der sie persönliche Erfolgserlebnisse erzielen können und in der sie von ihren Mitspielern akzeptiert werden. Ist das Leistungsgefälle zu groß, geht das aber nicht mehr, u.a. auch weil die gegnerischen Spieler i.d.R. ebenfalls im gleichen Maße stärker sind wie es die eigenen Mitspieler sind. Daher bin ich für eine leistungsbezogene Einteilung, aber natürlich gibt es immer auch Grenz- und Ausnahmefälle. Auch wir teilen unsere Mannschaften nicht mit dem Holzhammer ein. 
Im übrigen führt das Einteilen nach Leistung auch dazu, dass man sich mit jedem einzelnen Spieler mehr beschäftigt, da man sich ständig ein Bild von der Entwicklung der Kinder machen muss. Auch fördert es eindeutig den Austausch zwischen den Trainern und das jahrgangsübergreifend. Wir haben noch nie so viel über die Kinder und deren Entwicklung miteinander gesprochen, seit wir auf die Einteilung nach Spielstärke umgestiegen sind. Vorher gab es kaum Kommunikation zwischen den einzelnen Mannschaften. Es gehört allerdings auch eine gewisse Konfliktbereitschaft gegenüber den Eltern und den Kollegen dazu.
Und noch einen weiteren Punkt möchte ich anführen. Der beste Freund meines Sohnes ist ein Jahr älter als er, geht aber in die gleiche Klasse. Die zwei spielen ein Jahr zusammen, dann wieder nicht, weil der Bursche einfach ein Jahr früher in die höhere Mannschaft wechselt. Wenn Kinder das akzeptieren können, warum dann keine andere Begründung? Klar ist, bei uns teilen die Trainer die Mannschaften jede Saison gemeinschaftlich ein und die Kinder spielen dann da, wo sie eingeteilt werden. Niemand spielt in einer Mannschaft, in der er völlig fremd ist. Nach spätestens zwei Jahren kennt dann sowieso jeder jeden und keiner hat mehr ein Problem, weder die Kinder noch die Eltern. Das ist zumindest unsere Erfahrung.
Ich möchte das auch nicht zum Dogma erheben, im Einzelfall kann sicher auch eine andere Vorgehensweise angebracht sein. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass eine Einteilung nach Spielstärke für alle Beteiligten, Kinder, Eltern und Trainer nachvollziehbarer ist und auf Dauer sowohl was den Spielspaß als auch was die Ausbildung angeht wesentlich mehr bringt.