Beiträge von Ranwie

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    das ist die weiche eines breitensportvereins: leistungsorientierter fussball oder spiel und spass vereine!

    Ich denke nicht, dass da ein Widerspruch ist oder zumindest nicht sein muss. Leistungsorientierung funktioniert ja auch nicht mit der Brechstange. Wenn der Spaß verloren geht, bricht i.d.R. auch die Leistung zusammen. Manche Kinder beziehen ihre Spaß aus dem "großen Wettkampf" andere einfach nur aus dem Gruppenerlebnis. Man muss nur zusehen, dass Kinder mit dem gleichen Ansatz auch in den gleichen Mannschaften spielen, da es ansonsten schnell zu Konflikten kommt. Meine Erfahrung ist aber, dass sich diese Ansätze in den meisten Fällen auch in der Spielstärke wieder spiegeln, was wiederum eine entsprechende Einteilung sinnvoll macht.


    Unsere leistungsorientierte Einteilung im Rahmen der D-Jugend hat Mannschaften heraus gebildet, die zum einen erfolgreicher sind und zum anderen einen besseren Zusammenhalt zeigen. Dass dabei der Spaß auf der Strecke geblieben sein soll, kann ich nicht erkennen - ganz im Gegenteil!

    Je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt mir der Ansatz. Wir haben gestern mannschaftsintern beschlossen, die Sache mit unserer F-Jugend auf jeden Fall anzugehen. Wenn man es konsequent aber behutsam macht, sehe ich auch den temporären Erfolg nicht in Gefahr. Wir haben eine starke und recht homogen besetzte Truppe. Da sollte es überhaupt kein Problem sein, halbwegs gleichstarke 3er-Reihen zu bilden und rotieren zu lassen. Wir werden zwar zu Anfang sicher ein paar Spiele mehr verlieren, aber die Jungs werden sich schnell daran gewöhnen und auch Spaß daran haben (besonders die jetzigen Verteidiger :) ). Ich bin sicher, dass wir Vorstand und Jugendobmann davon überzeugen können, freue mich aber auch schon auf die "mitleidigen" Gesichter meiner Trainer-Kollegen, wenn wir das verkünden. ;)


    Danke nochmal für Eure Hinweise und Erfahrungen!

    Vielen Dank erstmal für Eure Ausführungen. Ich finde dieses Forum generell sehr erhellend.


    Andre: Du hast sicher recht, dass viele versuchen Erwachsenenfussball auf Kinder zu projizieren und auch zu Ergebnis orientiert arbeiten. Wahrscheinlich muss ich mich zumindest der ersten "Sünde" ebenfalls für schuldig bekennen. Soweit ich weiß, ist das bei uns im Verein im gesamten Jugendbereich nicht anders. Ich fürchte, es wird nicht leicht sein, bei den älteren Kollegen Interesse oder auch nur Verständnis für diese Philosophie zu wecken. Du sprichst von der DFB-Philosphie. Gibt es dazu Ausführungen von offiziellen Stelle, die empfiehlt so zu arbeiten? Das sollte den ein oder anderen eher überzeugen, als wenn ich mich hinstelle und sage, ich habe da was in einem Forum gelesen... ;)

    Hier meine letzte Frage (für heute). Wir haben in diesem Jahr mit 10 Kindern in der F2 recht erfolgreich gespielt. Alle Kinder hatten Spaß, haben sich gut weiter entwickelt, die Stimmung in der Mannschaft ist großartig und nebenbei konnten sich auch die Ergebnisse sehen lassen. Nun bekommen wir 2 starke Spieler dazu. Macht also erst mal 12 Kinder in der F1. Für meinen Geschmack etwas viel bei einer 7er Mannschaft, da alle zuverlässig und immer dabei sind. Bei so vielen Kindern finde ich das Wechseln und dabei darauf zu achten, dass jeder annähernd die gleiche Spielzeit erhält, ziemlich stressig. Hinzu kommt, dass das Leistungsgefälle recht hoch ist, sprich ein oder zwei Spieler fallen deutlich ab.


    Die kommende F2 ist mit 14 Spieler ebenfalls schon mehr als ausreichend besetzt, 5 Kinder kommen aus den Bambini hoch. Macht insgesamt ca. 30 Kinder. Was also tun? Zwei Mannschaften mit 15 Kindern bilden, kann es wohl nicht sein, oder? Also eher drei Mannschaften mit je 10 Kindern. Dann müssten aber 2 Jungs aus der F1 raus. :S Sollten das dann die jüngsten sein oder die schwächsten oder die als letzte dazu gekommen sind. Oder sollte man die Kinder befragen, wer lieber in der F2 spielen möchte? Die Antwort kenn ich allerdings schon...


    Habt Ihr eine Idee, wie man da "sozialverträglich" und sportlich sinnvoll vorgeht?

    Ich lese immer, dass man alle Kinder auf allen Positionen spielen lassen soll. Den Ansatz verstehe ich schon, allerdings frage ich mich, ob das in der Umsetzung wirklich immer und mit allen Spielern machbar ist. Ich habe in meinem F-Jugend-Team z.B. die drei folgenden Fälle:


    1. Unser Torwart: der Junge ist eigentlich kein Fußballer, hat sich aber auf der Position wirklich recht gut entwickelt. Im Feld ist er aber eine einzige Katastrophe. Langsam, wenig engagiert, konditionsschwach und trifft kaum einen Ball. Was soll ich also mit ihm machen? Die anderen Kinder würden es nicht verstehen, wenn er plötzlich im Feld eingesetzt würde und er will das auch gar nicht, wohingegen er im Tor zunehmend Einsatz und Ehrgeiz zeigt.


    2. Unser Spielmacher: schnell, spielstark, torgefährlich und konditionell nicht kaputt zu kriegen. Ohne ihn läuft nach vorne wenig. Sein Abwehrverhalten ist allerdings nicht immer überzeugend. Ist es wirklich sinnvoll den Jungen in der Abwehr spielen zu lassen? Klar, könnte man sagen, um diese Defizite zu verbessern, wenn man aber Stärken stärken soll, dann gehört er da nicht hin.


    3. Unsere "Mittelstürmer": die beiden schwächsten Spieler im Team, der eine leicht übergewichtig und sehr langsam, hat aber einen guten Schuss und macht daher vorne ab und an mal ein Tor. Diese Erfolgserlebnisse sind sehr wichtig für ihn, das kann man deutlich sehen. Wenn er hinten spielt, wird er nur überlaufen und ist frustriert. Auch im Mittelfeld kommt er kaum an den Ball. Der andere ist einfach lauffaul und auch nicht der schnellste, hat aber einen Torriecher und traut sich auch mal einen Kopfball zu. Tue ich diesen Jungs wirklich einen Gefallen sie woanders einzusetzen?


    Natürlich wechseln die Kinder schon einmal die Positionen, das ergibt sich schon allein durch die Wechselei bei 10 Kindern in einer 7er Mannschaft. Und auch dem Wunsch "darf ich heute mal im Mittelfeld spielen" versuchen wir nachzukommen. Da geht schon mal einen Mittelfeldspieler in die Angriff oder Abwehr oder umgekehrt. Insgesamt hat sich aber eine gewisse "natürliche" Struktur herausgebildet, die sich nach an den Talenten der Kinder orientiert.


    Ist es wirklich so dramatisch, wenn man mit halbwegs festen Positionen spielt? Die Kinder gewöhnen sich gerade daran und man merkt, dass sich vor allem das Stellungsspiel enorm verbessert hat und die Kinder sich auf ihren Positionen zunehmend wohl fühlen. Sicher gibt es immer mal leicht wechselnde Positionen, aber im Grunde gibt es Jungs, die eindeutig Talent für die Defensive, andere wiederum für die Offensive zeigen. Wieder andere werden da eingesetzt, wo sie am wenigsten "Schaden anrichten" oder die Möglichkeit für persönliche Erfolgserlebnisse haben.


    Wie ist Eure Meinung dazu?

    Ich betreue bei uns im Verein die F2 und versuche nebenbei den Jugendobmann bei organisatorischen und kommunikativen Dingen zu unterstützen. An letzterem hat es in den vergangenen Jahren immer gemangelt, sowohl zwischen den Trainern untereinander als auch zwischen Verein und Eltern.


    Unser Jugend-Mannschaften waren kleine Vereine im Verein, d.h. beginnend mit den Bambini gingen die Teams unverändert von einer Alterklasse zur nächsten. Ein Austausch mit anderen Mannschaften fand praktisch nicht statt, Spieler blieben unabhängig von der Spielstärke immer zusammen. Dies führte dazu, dass, obwohl genügend Potenzial vorhanden war, keine einzige
    unserer Jugendmannschaft in der Leistungsstaffel spielte und gute Spieler spätestens in der C,- B- oder A-Jugend zu Nachbarvereinen abwanderten, um dort höherklassig spielen zu können. Bedenklich für einen Verein, dessen 1. Senioren um den Aufstieg in die Landesliga mitspielt.


    Zu Beginn der aktuellen Saison haben wir das zunächst im Bereich der D-Jugend aufgebrochen und die Mannschaften nach Spielstärke zusammen gestellt. Es wurde seit Jahren auch erst mal wieder eine 11er D1 gebildet, in der die besten Spieler des Jahrgangs spielten. Dies führte vor allem bei einigen Eltern, aber auch bei einzelnen Betreuern zu Irritationen. Letztere fühlten sich ihrer besten Spieler „beraubt“. Das Ergebnis des ganzen war wie folgt: die D1 wird Meister in ihrer Gruppe, die verbliebenen D2-Spieler entwickeln ohne ihre „Stars“ besonderen Ehrgeiz und erreichen Platz 3, lassen damit sogar einige D1-Mannschaften hinter sich. Die D3 wird schließlich 7. in einer 12-Gruppe mit vielen D2-Teams. Kein D-Jugendspieler hat den Verein
    verlassen, alle schienen am Ende glücklich oder zumindest zufrieden zu sein. Für mich der Beweis, dass die Zusammenstellung von leistungshomogenen Mannschaften für den Verein und vor allem aber auch für die Kinder das beste ist und man sich nicht von einzelnen Eltern und Betreuern beirren lassen sollte.


    „Experiment geglückt, weiter so“, könnte man meinen. Aber weit gefehlt. Die Spieler der jetzigen E1, die seit 5 oder 6 Jahren zusammenspielen, sollen nun analog im kommenden Jahr für die D-Jugend leistungsgerecht aufgeteilt werden und wieder gibt es massiven Widerstand aus dem Lager der Eltern. Da wird sogar mit kollektiven Vereinswechsel der gesamten Mannschaft gedroht, was dem Unsinn die Krone aufsetzt. Auch für die kommende E-Jugend sind ähnliche Probleme zu erwarten, da dort aus den Kindern, die jetzt über E1, E2 und F1 verteilt sind 3 Mannschaften gebildet werden müssen. In der F-Jugend gibt es ein ähnliches Bild. Die derzeitige F2 bekommt zwei neue Spieler und hat dann 12 Spieler, die F3 hat 14 Spieler und 5 Spieler kommen aus den Bambinis in die F-Jugend.


    Nun meine Frage: ab welcher Altersklasse sollte man die Teams nach Leistung einteilen und wie stark sollte man auf die Wünsche einzelner Spieler/Eltern bzw. auf den „sozialen Aspekt“ eingehen?