Der Thread ist inhaltlich inzwischen recht weit gestreut, ich möchte aber auf Günters Gedankenansatz und damit der Umsetzung der KiFu-Philosophie in meinem Verein eingehen.
Mein Verein wurde vor gut 1 Jahr neu strukturiert, was mit personellen Veränderung in der Abteilung Fußball einherging. Unter anderem wurde ein neuer Päsident gewählt, der mich, wohlwissend um mein für den Nachwuchs schlagendes Herz, vorübergehend als JL bestimmte. Im Herbst des letzten Jahres erfolgte dann auch die Wahl, d.h. ich wurde in meinem Amt durch die Vereinsmitglieder bestätigt.
Seit 1 Jahr weht hier ein frischer, besserer Wind, was auch die sich verdoppelte Kinderzahl belegt. Ich erstellte ein Jugendkonzept, in dem der Rahmen beschrieben ist. Ich habe mich da weitgehend an den DFB-Richtlinie orientiert und zudem die "Rosinen" aus diesem Forum hier gepickt. Das Konzept ist sicherlich nicht das Nonplusultra, es gibt aber Ziele, Aufgaben und eine Philosophie vor. Da wir das im letzten Frühjahr mit allen Trainern besprochen und abgesegnet haben, ist meine Philosophie seither die des Nachwuchses. Mir war aufgrund der damals kaum eingebrachten Gegenargumente klar, dass man sich irgendwann in entsprechenden Diskussionen/Sitzungen diesbezüglich wiedersieht...mir war von Anfang an klar, dass die UMSETZUNG ein langer Weg werden wird. Somit also erst einmal "nur" geschriebenes Papier.
Damit ging ich im Sommer aber u.a. auf "Mitgliederfang" im Kindergarten. Ich stellte dort im Rahmen eines stattfindenen Fußball-Fun-Spiels unsere Philosophie vor, dass Ergebnisse im KiFu eine nachrangige Rolle spielen, dass wir alle Kinder möglichst gleich lang spielen lassen, dass kein mir kein anderer Verein im näheren Umfeld bekannt ist, derartig handeln zu wollen. Ich denke, ich habe dort überzeugt, logisch: weil ich vom Konzept überzeugt bin. Folge: Wir meldeten erstmalig eine G zur neuen Saison und ich meine, einen großen Anteil geleistet zu haben!
Wie siehts in der Praxis aus? Was tue ich als JL, damit dieses Konzept umgesetzt wird?
Wie gesagt: Mir war klar, dass es Probleme geben wird, auch weil ich unsere Pappenheimer kenne...und die Probleme kamen. Voran sollte ich klarstellen, dass ich schon zu Beginn der letztjährigen Saison mein bis dahin ausgeübtes Gewinnstreben eindämmte, letztlich davon (nach außen) abrückte. Dazu musste ich natürlich auch meinen Mitstreiter ("Co") überzeugen. Trotz dessen anfänglicher Irritationen (er wurde durch mich ja quasi vom kalten ins warme Wasser geworfen) freundete auch er sich schnell mit dieser Philosophie an und ich meine, er ist heute vollends davon überzeugt. Ich warf Andres "Schneeball" (eigentlich den des DFB
) innerhalb meines Teams, später - mit dem Konzept - in meinem Verein.
Wie gesagt: Alle nickten das Konzept ab, nach dem Motto: "Jaja..." (...heißt leck mich am A****). Es gab in der Umsetzung Probleme in mehreren Altersklassen, außer in der C (ist ja schließlich mein Team). Ich erinnerte z.B. den D-Trainer freundlich, aber bestimmt per Mail bzw. Telefonat daran, was unsere Philosophie ist - er hatte für drei stärkere Jungs meiner 98er seine eigenen Leute (länger) draußen gelassen. Anderes Beispiel, letztes WE: Eigenes Hallenturnier. Ich erinnerte zusammen mit meinem Präsidenten die drei G-Trainer daran, alle Kinder möglichst gleich lang zu spielen - eine Mutter hatte sich beklagt, dass dem nicht so ist. F-Jugend: Es erreichten mich just beim selben Turnier Beschwerden von Eltern, deren Kinder kaum spielen dürfen und die somit ihren Spaß verlieren. Kommenden Dienstag gibts dazu eine kurzfristig einberaumte "Krisen"Sitzung mit allen Trainern der G und F (der D-Trainer hat's mittlerweile kapiert!). Wir werden das Ganze sachlich diskutieren, aber am beschriebenen Weg nicht rütteln.
Wenn ich sage "Wir", dann meine ich mich und meinen Präsi. Es ist ein Glücksfall, ihn zu haben, er steht voll hinter dem, was ich konzipiert habe! Auch er war anfangs skeptisch...er kannte das so nicht, ich konnte ihn aber schnell überzeugen, auch weils ein anderer, besserer Weg ist, derartig zu Handeln. Ich muss ihn in seiner überaus direkten Art mitunter sogar bremsen, nicht über das Ziel hinauszustoßen...er duldet kein Abweichen von unserem Konzept. Ich gebe Günter absolut Recht, wenn er sagt, dass man dabei Rückhalt braucht! Ich hatte Glück, ich habe diesen UND ich bin in der Ebene, entsprechend handeln zu können. Ich kann dies aber weitgehend nur mit Überzeugungsarbeit leisten, weil wir auf jeden Trainer angewiesen sind. Das tue ich mit Fingerspitzengefühl und Negativbeispielen aus meinem eigenen Trainerdasein...dazu der unschätzbare Wert dieses Forums!
Ich glaube, dass dies so in nur wenigen Vereinen gehen kann - ich hatte Glück. Aber ich meine auch, dass jeder bei sich, zumindest in seinem Team die KiFu-Philosophie tragen und anwenden sollte/kann. Steter Tropfen höhlt den Stein!
Kurz zur "schwarz-weiß"Sichtweise, die hier irgendwo kritisiert wurde. Ich musste kurz überlegen, weil ich dachte mich gelegentlich mit meiner C im "Graubereich" zu befinden, d.h. auch nach Leistung aufzustellen und spielen zu lassen. Ich meine aber, dass es hinsichtlich der Philosophie nur "schwarz" oder "weiss" gibt - man handelt als Trainer eben nach bestimmten Prinzipien, die sich entweder an den Ergebnissen orientieren oder halt nicht. Es ist eine Frage, WIE man das umsetzt und da gibt es m.E. mehrere Wege. Einige hier sagten, sie würden die Kinder nach der Stärke der Gegner spielen lassen, also die Besseren spielen gegen die guten Gegner länger und die Schlechteren DAFÜR bei anderen Spielen. Ich könnte als JL mit dieser Maßnahme leben, solange man die Gesamtsaison dabei nicht aus den Augen lässt - nicht dass am Ende alle Gegner "stark" waren. 