Training im jüngeren Jahrgang

  • Ich lehne ein Basisgruppensystem ab - die Spieler sollen gleich in ihrem Jahrgang mit trainieren. Zu dem Thema "alte Hasen" oder "altgediente" - wie sieht das bei euch im Berufsleben aus? Seid ihr da auch der Meinung, dass der Neue gleich alles machen darf und sämtliche Privilegien gleich bekommen soll, für die ihr lange gekämpft habt? Integration von 0 auf 100 funktioniert aus meiner Sicht nicht - auch weil Etablierte sich oft erst bei 80 sehen und es dann für sie eine Bevorzugung ist. Deshalb schlage ich eine Schritt für Schritt Integration vor. Und Sorry, da ist der Mitgliedsbeitrag für mich auch kein Kriterium - sonst könnte ich ja auch sagen, das Kind vom Sponsor soll immer spielen (Privileg), weil der zahlt ja mehr.

  • let1612 schrieb:

    sämtliche Privilegien


    Was heißt das in einer Fußballmannschaft? Dürfen die "altgedienten" öfter Trinkpause machen? Dürfen sie im Training sich selbst Übungen zusammenstellen oder sich im Spiel ihre Position selbst aussuchen?


    Integration läuft normalerweise Schritt für Schritt, beim einen schneller, beim andern dauert's länger. Und wenn's von 0 auf 100 klappt, ist das doch für alle okay. Da hat auch kein Arbeitgeber ein Problem mit, wenn ein neuer Mitarbeiter seinen Job beherrscht, ganz im Gegenteil.


    In einer U8 sollte es einem Kind noch ohne Weiteres möglich sein, in einen Fußballverein einzusteigen. Im großen Stadtverein oder im JFV geht es dann erstmal in die F3, das geht aber nunmal in einem normalen Dorfverein mit nur einer F nicht.


    Dann das Thema "Spiel", also den Neuling aufstellen oder nicht. Da sehe ich drei Punkte, die dagegen sprechen könnten.


    1. Den "altegdienten" würde Spielzeit "weggenommen". Aber da reden wir über wenige Minuten, das ist doch nicht der Rede wert.


    2. Der Neuling könnte "überfordert" werden. Klar wird es Situationen geben, in denen der Neue überfordert ist. Solche Situationen gibt es aber für alle oder wenigstens die allermeisten Kinder in einem Fußballspiel. Andererseits kann es nur so auch Erfolgserlebnisse geben, die man als Trainer positiv verstärkt. Ganz am Anfang ist ja schon allein die Tatsache, spielen zu dürfen, ein Erfolgserlebnis; ein Kind erlebt: "Mir wird etwas zugetraut", "ich darf dazugehören".


    3. Wg. des Neuen könnte man ein "Spiel verlieren". Klar kann das passieren. Na und?


    … sage ich. Andere sehen das anders und an dieser Stelle liegt m.E. das Hauptproblem bei diesem Thema.

  • 3. Wg. des Neuen könnte man ein "Spiel verlieren". Klar kann das passieren. Na und?


    … sage ich. Andere sehen das anders und an dieser Stelle liegt m.E. das Hauptproblem bei diesem Thema.

    Darum geht es mir überhaupt nicht. Und das ist auch nicht das Hauptproblem.
    Meine Beobachtung ist, wenn ein deutlich schwächeres Kind auf stärkere Kinder trifft nimmt es nahezu überhaupt nicht am Spiel teil.
    Dann wird mit dem Finger in Mund und Nase auf dem Platz rumgestanden.
    Klar durfte es das Trikot anziehen und auflaufen. Aber gefühlt 3 Ballkontakte in 30 Minuten bringen dem Kind garnichts.
    Ich kann mich dann hinstellen und sagen, dass alle die gleiche Spielzeit bekommen haben... Aber so wirklich sinnvoll im Sinne der Ausbildung ist das dann eben nicht.


    Dann muss ich mir die Mühe machen, und passende Gegner für diese schwächeren Kinder finden.
    Wir spielen oft zwei Spiele hintereinander. Erst unsere stärkeren gegen die stärkeren vom Gegner und das gleiche nochmal mit den Schwächeren.


    Da steht dann keiner abwesend auf dem Platz rum. Alle sind gefordert und geben auch Gas. Als positiver Nebeneffekt feuern die einen die anderen an. Ist für den Teamgeist prima.


    Oder halt Funino... Wir fahren da teilweise mit 24 Kindern hin. Alle eingeteilt nach stärken. Jeder bekommt extrem viel Spielzeit. Und zwar genau gegen Kinder mit den Sie sich auch messen können.


    Das funktioniert allerdings nur, wenn man sich vom regulären Spielbetrieb löst! Macht deutlich mehr Arbeit für die Organisation, aber bringt den Kids auch erheblich mehr!

  • @Powerzwergenpapa: Trinkpause machen alle gleich - der Erfahrene nimmt seine Flasche bei den Stationen mit ; Übungen gebe ich vor - und ja, wenn ich es die Kinder entscheiden lasse, dürfte da ein Erfahrener eher was sagen als ein Unerfahrener - da gehe ich davon aus, dass er die größere Akzeptanz in der Gruppe hat (gruppendynamische Prozesse). Wobei ich davon ausgehe, dass du die Beispiele nicht ganz ernst gemeint hast.
    Beispiel: Nummer des Trikots (bei fester Einteilung bekommt er das Trikot, das übrig ist und keine Wunschnummer), ich nehme nicht gleich 4 Neue mit und lasse 4 Alte zu Hause, sondern eher 2:2 usw.


    Punkt 1: gebe ich dir Recht.
    Punkt 2: stimme ich dir zu
    Punkt 3: Ergebnisse sind mir "fast" egal (am fast arbeite ich noch)


    Philosophisch: aus meiner Sicht ist es nicht gerecht alle gleich zu behandeln - man sollte auf das Individuum eingehen


    Aus Arbeitgebersicht spricht nichts dagegen - ganz im Gegenteil. Aus Arbeitnehmersicht evtl. schon (z.B. ich durfte das erst nach 3 Wochen und der/die sofort - bin ich weniger wert?)

  • Moin,


    Wir haben es bei uns auch immer so gemacht, dass die neuen Kinder nach einer Eingewöhnungsphase (zwei bis drei Wochen) am Spielbetrieb teilnehmen "durften".
    Hier machen wir z.B. oft eine Einheit mit 2 vs 2, wo wir die Neuen mit den Erfahrenen leistungsstärksten mischen, was auch Allen Spaß macht.
    Dieses System hätte sich bei uns bewährt.


    Mir war/ist Integration neuer Spieler extrem wichtig, auch wenn wir deswegen Spiele verlieren.
    Da läuft es so bei uns so wie bei @soccerbook
    Unser Dropout ist bisher überschaubar.
    In der G-Jugend sind wir mal mit ca. 15 Kids gestartet, jetzt sind wir über 20 und können in der E-Jugend zwei Teams stellen.


    Nun haben wir aber einen Experten in die Mannschaft aufgenommen, der sich komplett verweigert.
    Wir haben auch hier unser bis dahin bewährtes System durchgezogen, sind aber zu dem Ergebnis gekommen, dass das hier nicht umzusetzen ist.
    Denn im Spiel (wie im Training im Übrigen auch) spielen wir dann 7 vs. 6, weil er wirklich nur rumsteht und nicht den Hauch von Interesse versprüht.
    O-Ton: Ich kann das nicht und ich will es nicht und mache bald was anderes


    Nach jetzigem Stand werden wir das Gespräch mit den Eltern suchen und ihn nicht mehr mitspielen lassen.
    Das ist den anderen Kindern gegenüber auch einfach unfair.
    Training ja (wenn er denn will), Spiel nein (so leid wie es mir tut).

  • Also warum die ganze Aufregung um 2 neue Kicker. Als Trainer sollte es eine Herzensangelegenheit sein die Neuen auf das Niveau der Truppe zu bringen.
    Kinder in der E-Jugend zu selektieren geht gar nicht. Die Kids/Eltern sind sehr sensibel, wenn Sie merken, daß der Trainer nicht allen die gleiche Aufmerksamkeit schenkt.


    Off Topic: Ich habe auf verschiedenen Turnieren erlebt, daß die Trainer völlig ausflippen, wenn die Truppe nicht gewinnt. Kinder weinen gesehen, da ihr Trainer sie nicht mehr lieb hat. Einige Trainer haben sogar ihre Ersatzspieler im Halbfinale und Finale nicht mal eingewechselt, weil es ging ja um den Bananenpokal und die leistungsschwächeren Kids könnten ja den Sieg gefährden. Die Eltern waren natürlich dann stinksauer und Probleme sind vorprogrammiert bei den nächsten Spielen und im Training.
    Ein Trainer meinte nur, daß er schaut wie sich das Turnier entwickelt. Verlieren Sie die ersten beiden Spiele, kommen die Ersatzspieler im letzten Spiel zum Einsatz. Gewinnt die Stammelf, bekommen die Ersatzkicker 5-10 Minuten "pseudo" Einsatzzeit pro Turnier.