Freistöße aus dem Halbfeld im Raum verteidigen

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  • Moin moin,


    ich hab da jetzt mal was Taktisches rausgehauen. Und zwar geht es darum, wie man evt. Freistöße aus dem Halbfeld verteidigen könnte. Bei den meisten gibt es ja das magische "16er Schluss!" und dann wird in den Strafraum reingelaufen, wenn der Ball dorthin kommt. Soweit, sogut, kennen wohl die meisten. Was mich stört, ist aber, dass ich als Verteidiger zum Tor hin Laufe und den Ball aber eigentlich vom Tor wegköpfen will.Und bei uns läuft zudem auch kaum jemand mit.


    Nun hab ich ja ein paar mal gelesen, dass es Mannschaften gibt, die solche Situationen im Raum verteidigen, sich also beispielsweise schon am 5er positionieren, sodass sie "in den Ball reinlaufen" können.


    Hat jemand damit mal praktische Erfahrung oder kann berichten?


    raicoon

  • Hallo raicoon,


    wir versuchen das so zu verteidigen.
    der Vorteil ist zum einen, dass die Spieler mit Tempo und Blick in den Ball gehen können und so auch in die "richtige Richtung" köpfen.


    Problematisch wird es wenn das Timing nicht stimmt, dann stehen die Angreifer nämlich freier als bei einer Manndeckung.
    Insgesamt muss ich aber sagen, dass wir sehr zufrieden damit sind.


    Ich hatte auch mal eine andere Variante probiert:
    und zwar hab ich die Mauer (2Mann im Halbfeld) aufgelöst und meine Abwehrlinie fast auf Ballhöhe schieben lassen, daher musste der Gegner ebenfalls nach hinten schieben und es stand ein großer Freiraum zwischen Tor und Spieler dieser wurde meinem Torspieler besetzt....3 mal hat das bisher sehr gut geklappt (Torspieler konnte den Ball locker fangen, weil aufgrund der hohen Abseitslinie der Ball zu nah in den 16 er gespielt wurde; gegen bessere Teams ist es 2mal in die Hose gegangen weil die nach dem 2. Mal die Schwachstell dieser Vriation erkannt haben)


    P.S. ich bin sowieso ein Freund von Standardvarianten, sowohl offensiv als auch defensiv.

    Erfolg hat 3 Buchstaben - T U N

  • wir verteidigen im raum, eben weil es beim "16er ist schluss, jeder hat einen" viel zu viele faktoren gibt, die schief gehen können:


    falsche zuordnung, loslaufen verpennen, gleichzeitig gegner, ball und laufrichtung im blick halten,
    nicht zur ecke klären trotz entsprechender laufrichtung, und und und....


    deshalb stelle ich mir eine gebogene 4er kette und eine drei kette mit der längeren spitze zum freistoss hin.
    zwei mann mauer, eine lose absicherung am 16er. die verteidiger müssen berücksichtigen, dass sie kompakt zum ball verschieben,
    bestenfalls drei schnelle schritte zum ball um dann hoch zum kopfball gehen können. deshalb stehen sie recht tief, damit noch luft nach vorn ist.
    klappt recht gut.

  • raicoon
    Schönes Thema. Habe mich sehr oft gefragt, warum diese "16er ist Schluß" Taktik bis heute und bis in den Profibereich hinein Bestand hat.


    Ich kann Dir nur hier aus den Erfahrungen aus der Praxis mit meiner damaligen D berichten. Grundsätzlich halte ich für diese Altersklasse von mannschaftstaktischen Vorgaben nicht viel bis gar nichts. Sieht bei Gruppentaktik schon etwas anders aus, wobei man auch hier oft im Bereich der Mannschaftstaktik agiert bzw. diesen Bereich mind. tangiert. Aber anderes Thema.


    Gerade aber bei den von Dir beschriebenen Standards aus dem Halbfeld habe ich da bei meiner Truppe eine Ausnahme gemacht. Und ich betone nur für diese Spielsituation. Ganz einfach weil ich es auch als meine Aufgabe gesehen habe, ihnen mit einer einfachen taktischen Spielweise in genau diesen Situationen zu helfen und die Praxis hat dann auch gezeigt, dass sie damit richtig gut klar kamen. Es war aber keine "reine" Raumdeckung sondern eher eine Kombi aus Mann- und Raumdeckung. Ich glaub Andre würd mir an dieser Stelle schon den Kopf abreißen -). Es ist aber nicht so statisch ( mir fällt jetzt kein besserer Ausdruck ein ) wie es sich anhört.


    Kurz erläutert: 5er frei für Keeper. Der Bereich zwei bis drei Meter davor ( nochmal: ist nicht so statisch oder in Beton gegossen wie es sich anhört ) Manndeckung mit Absicherung zum Tor hin, Bereich 16er Raumdeckung. Nun wird die Frage aufkommen: Was machst du bei Gegnern, die erst bei Ausführung in den 16er laufen ? 1. ist spätestens beim zweiten oder dritten Anlauf zu sehen, dass sich der Gegner nun schon im 16er positioniert. Ausnahme sind Truppen, die Standards einstudiert haben. Die findet man aber max. in höheren Spielregionen und dann muss man als Trainer darauf reagieren. Führt hier zu weit. 2. Laufen sie in den abgedeckten Raum des 5ers. Die hier stehenden Verteidiger haben den Blick zum Ball und Gegner, wie von raicoon richtigerweise angesprochen. Halte ich ebenfalls für einen unschätzbaren Vorteil der sich noch dadurch potenziert, dass ich bei Ballabwehr mit großem Verbund Druck auf den Ball ausüben kann.


    Bei "16er ist Schluß" Taktik sehe ich zwei große Nachteile. Zum Einen wie bereits erwähnt die Lauf- und Blickrichtung der Spieler. Zum Anderen aus Sicht des Keepers die Laufrichtung der Spieler und Flugrichtung des Balles. Meinetwegen Ball kommt ( aus Gegnersicht ) von halblinks auf die rechte Ecke. Die Spieler kommen hier von halbrechts auf die linke Ecke zu. Als fast natürliche Bewegung sieht man hier, dass in den meisten Fällen der Torwart diese Laufrichtung mitgeht bzw. sein Körpergewicht entsprechend verlagert. Schwierig wenn dann der Ball ohne weitere Berührung auf die rechte Ecke kommt. Mich nervt es immer, wenn ein Kommentator in diesen Situationen von Torwartfehler spricht. Meiner Ansicht nach gibt es kaum eine andere Spielsituation mit einer solch hohen kognitiven und koordinativen Anforderung an den Keeper. Und das noch bezogen auf einen Jugendspieler in der Ausbildungsphase ! Bei kombinierter Mann- und Raumdeckung hat er die Spielsituation schon vor Ausführung im Blick. Halte ich für einen großen Vorteil.
    Natürlich sehe ich auch die Gefahr bei kopfballstarken bzw. körperlich überlegenden Gegnern. Die Distanz zum Tor ist dabei der entscheidende Faktor. Das gilt aber eben auch für "16er ist Schluß".


    Um den Sturm der Entrüstung ein wenig abzumildern -).
    Ich habe das Ganze in ganz genau einer einzigen Einheit mit den Jungs trainiert. Auch aus dem Anlass heraus, dass sie nach eigener Aussage mal "Bock auf Taktik" hatten. Das findet auch diese Altersklasse geil, insofern sehe ich das auch in entsprechenden Posts hier im Forum mit etwas anderen Augen und sehe das eher gelassener. Es sollte jedoch im Rahmen bleiben.
    Zur eigenen Gewissensberuhigung habe ich das auch als individualtaktisches Training im Mannschaftsverbund deklariert. Asche über mein Haupt.


    Grundsätzlich eher ein Thema für C aufwärts und auch mich würden hier Erfahrungen oder gegenteilige Meinungen interessieren.


    Edit: Sehe gerade, dass schon andere Posts gekommen sind. Ich lass das einfach mal so stehen. Sorry wenn sich was wiederholt, bin aber zu faul das jetzt zu ändern.

  • "16er schluss taktik" muss der torspieler höchst aufmerksam sein, alles steht und fällt mit der aktion des torhüters, wenn dieser pennt oder auf der linie kleben bleibt , ist diese 16er schluss geschichte nonsens.
    denn man will ja mit der "16er schluss" sache dem torspieler genügend raum verschaffen um eingreifen zu können und so die sicherste variante zu wählen. ausserdem ist "16er schluss" bullshit, wenn man auch 20erschluss machen kann weil man so der ganzen mannschaft mehr zeit und damit besser möglichkeiten gibt reagieren zu können. der puffer soll also so gross wie möglich gemacht werden.