Führungsstil

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  • Zodiak


    Wieso "Na ja" ich seh das doch im Prinzip nicht anders.


    ich seh es sogar, dass wenn bei einem Leistungsverein, NZL, oder Stützpunkt das Sie angesagt ist, das auch schon bei Eintritt
    dort der Fall sein sollte. Natürlich wäre es ein Unding wenn der 12 jähriger kommt, mit dem Du anfängt, und soll dann mit 14 plötzlich Sie sagen.


    bin wohl auch etwas falsch rübergekommen. Das Du oder Sie sagt ja wenig über den erforderlichen Umgang mit Kids aus.


    Im Gegensatz dazu finde ich das Sie jedoch bei einem Dorfverein, wo man sich auch sonstwie irgendwie kennt, fehl am Platze.


    Autorität, die da der ein oder andere glaubt dardurch zu erreichen, hat wenig mit einem Du oder Sie zu tun.

  • Ja da hast du Recht, Autorität hat etwas mit Fairness, Sturktur und klaren Regeln zu tun.
    Wie Hans Meyer ja schon in Aljoscha Pauses "Trainer" sagt - mit Autorität hat man, oder nicht - mit Hilfsmitteln erreicht man Sie nicht.


    Grüße
    Zodiak

    „Erfolg ist ein Geschenk – eingepackt in harte Arbeit." (Ernst Ferstl)

  • Ich denke auch der Führungsstil sollte ein wenig den jeweiligen Gegebenheiten angepasst sein.
    Als Trainer einer Dorfmannschaft (E-Jugend) wo sich Eltern und auch Kinder eh kennen, würde mir ein "Sie" sehr komisch vorkommen.
    Aus meiner Erfahrung würde ich sagen, dass untere Mannschaften G- bis E-Jugend keinen besonders autoritären Führungsstil benötigen.
    Im C- und B-Bereich sieht es vielleicht wieder anders aus. Da sind dann trotz "Du" auch im Dorfverein glasklare Regeln und Verhaltensregeln erforderlich. Ich selbst bin bei einer C-Jugend mit einem recht antiautoritären Führungsstil ziemlich gescheitert. Dies würde ich so nicht mehr machen.


    Im Herrenbereich wiederum würde ich fast sagen, dass bei relativ kleinen Vereinen der Führungsstil wieder nicht zu autoritär sein darf. Hier muss der Trainer auch in der Lage sein nach Spiel/ Training ein-zwei Bierchen mit seinen Männern zu verhaften ;)

  • Interessantes Thema, das aktuell auch wieder für Gesprächsstoff bei uns im Verein sorgt.


    Alter und Spielklasse spielen sicher eine große Rolle. Ich beziehe mich auf U11/U12 im NLZ.


    Führung der Spieler:
    Die wichtigsten Punkte sind die bereits genannte Authentizität und die Empathie. Ob ein Trainer streng ist oder nicht, spielt aus meiner Sicht die kleinere Rolle. Hauptsache ist, dass die Regeln klar sind und dass die Jungs sich ernst genommen fühlen. Und man darf nicht vergessen, dass die Jungs sehr unterschiedlich reagieren.


    Verhältnis zu den Eltern:
    Ich denke auch, dass die Trainer nicht zuviel mit den Eltern diskutieren sollten. Gerade erlebe ich bei einer benachbarten Mannschaft, wie dadurch ein Team komplett zerfällt. Aber von den Trainern erwarte ich schon, dass sie sich erklären. D.h. so wie ich mein Kind nicht einfach am Stadioneingang abgebe, so erwarte ich als Eltern auch, dass der Trainer erklärt, warum er was macht. Das müssen keine langen Ausführungen sein, aber die Spieler und die Eltern müssen wissen, woran sie sind (wer wird warum eingesetzt oder eben nicht, wieso Rotation oder eben keine Rotation). Ein Trainer kann durch wenige Erklärungen viele Diskussionen direkt erden und so das Mannschaftsklima maßgeblich verbessern. Mit zunehmendem Alter sollten diese Erklärungen zunehmend direkt an die Jungs erfolgen.


    Grüße
    Oliver

  • Zodiak
    Ich mußte über deine Beschreibung schmunzeln. Bis auf wenige Ausnahmen geht es allen Trainern im Leistungsfussball so, dass sie es zunächst allen recht machen wollen, jedoch erkennen, dass das Ziel, hierbei eine klar definierte Position einzunehmen, immer weiter in die Ferne rückt. Nun ist es normal, dass man sich am anderen Rand ausprobiert, in dem man die Grenzen sehr eng setzt. Du hast erkannt, dass etwas geändert werden soll und probierst es gleich aus!


    Auch der Umgang mit komplizierten Charakteren (z.B. Spieler und Eltern, die für sich Sonderrechte verlangen) gehört ebenfalls zum Leistungsfussball, will aber gelernt sein. Man ist nur solange Teamspieler, solange es einem persönlich nützt. Dabei ist fast jedes Mittel recht, den Konkurrenten auszuboten. Höflich ja, jeden ernst nehmen, aber keinen Zweifel an Entscheidungen lassen. Aber du bist weiß Gott nicht der Erste, der über derlei Dinge gestolpert ist. Man kann sich besser einen Spieler aussuchen, der etwas weniger Veranlagung mitbringt, jedoch bereit ist, den gemeinsamen Weg zu gehen, als sich von einem "Genie" am langen Arm verhungern zu lassen!


    Man muß lernen Wichtiges von Nebensächlichkeiten zu unterscheiden, sonst bleibt zu wenig Zeit für die eigentliche Arbeit. Kleinigkeiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie schon am nächsten Tag ihre Bedeutung ganz verlieren. Typisch ist auch, dass jeder alles aus seiner Sicht schildert und man erst dann eine ernste Sache gut einschätzen kann, wenn man die Betroffenen gehört hat. Man muß 1000 Dinge lernen, die einem vorher im Traum nicht eingefallen wären! Deshalb braucht man ca. 2 Jahre, um sich mit typischen Situationen einigermaßen sicher umgehen zu können. Diese Zeit mußt du dir einfach geben!


    Aber es hätte weitaus schlimmer kommen können! Stell dir mal vor, du wärst sportlich überaus erfolgreich gewesen! Dann hätte es im Umfeld keinerlei Widersprüche gegeben. (Naja bis auf die, die über Jemanden, der übers Wasser geht sagen: nicht mal schwimmen kann er!) Denn wer Erfolg hat, der hat ja bekanntlich immer Recht! Nur hättest du die Welt spätestens dann nicht mehr verstanden, wenn in einer Saison der Erfolg ausgeblieben wäre. Eine Reihe von Trainern geben dann auf, weil sie nicht wissen, was sie ändern müssen, um wieder Spaß an der Trainerarbeit zu haben. Präventiv ist es wichtig, seine Arbeit und sich selbst von zeit zu zeit reflektieren. Dazu sind die Fortbildungen sehr gut geeignet. Aber man muß lernen, unmittelbar nicht dem Spiel abschalten zu können und frühestens am nächsten Tag mit der Anaylse zu beginnen. Denn erst, wenn sich die Emotionen über Sieg oder Niederlage gelegt haben, kann man mit klarem Versand die Optimierungsmöglichkeiten erkennen. Darum gehts im Jugendfussball: jede Saison ist auch ein Wettrennen, wer seinem Team die größten Fortschritte erzielt. Dort, wo das Team auf einem Leistungslevel verharrt, wird die Rückrunde schwierig!


    Leider wird nach wie vor während der Lizenzausbildung deshalb so wenig gemacht, weil die DFB-Lehrer im Leistungsbereich selbst sehr wenig eigene und auf die heutige Zeit bezogene Erfahrungen einbringen können.


    Aber es ist auch ein Fehler, sich selbst nicht die Zeit zu gewähren, um diese Fehler zu machen und daraus zu lernen! Denn nur dann geht man gestärkt daraus hervor und weiß ähnliche Situationen zukünftig besser einzuschätzen.


    Irgendwann in nicht allzulanger Ferne wirst du die Position gefunden haben, in der du dich am wohlsten fühlst und in der du autentisch ist. Dann ist der Spaßfaktor eng verknüpft mit dem Leistungsgedanken und du freust dich auf die nächste Herausforderung. Hab also noch ein bißchen Geduld! Das wird schon noch!

  • Danke für dein sehr ausführlicher Feedback.
    Ich bin gerne dazu bereit eben auch Fehler im anderen extrem zu machen - ich habe das große Glück mit meinem besten Freund gemeinsam in der kommenden Saison eine Leistungsmannschaft zu trainieren das schöne ist, dass er dort wo ich schwächen habe, stark ist und dort wo er schwächen hat meine Stärken liegen.


    Gepaart mit einem "Mentor" im Verein sollten wir hoffentlich unsere klare Linie schnell finden.


    Auf der anderen Seite zeigt den Feedback auch, das ich den gleichen Weg durchschreite wie viele andere auch vor mir. Ich denke die Erfahrung die man braucht um hier zu arbeiten, kann man nicht mit Ausbildung kompensieren. Die von dir angesprochene Reflektion führe ich Tag für Tag aufs neue bei mir durch und hinterfrage Methodik, Ansprache, Verhaltensmuster und Aussagen die ich getroffen habe.


    Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden und ich bin guter Dinge, dass ich meinen Weg kontinuierlich weiter verfolgen werde - und geht es nicht mehr weiter hoch oder voran, habe ich immernoch ein geiles Hobby und unzählige Erfahrungen und Eindrücke die mich persönlich, beruflich und mit meiner Familie weiter bringen werden :)


    Grüße
    Zodiak

    „Erfolg ist ein Geschenk – eingepackt in harte Arbeit." (Ernst Ferstl)