Tödlicher Verkehrsunfall eines Spielers

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  • Hallo zusammen!


    Folgendes hat sich gestern Nacht ereignet:


    http://www.augsburger-allgemei…ei-Unfall-id28189822.html



    Die beiden betroffenen Jungs sind Spieler in der JFG von welcher ich 2. Vorstand bin....


    Folglich steh ich immer noch etwas unter Schock...


    War von euch schon jemand in so einer Situation?


    Was ist jetzt zu tun?


    Wie können wir (ich) unseren Spielern, Trainern etc. helfen das Geschehen zu verarbeiten und zu bewältigen?


    ...............

  • Puh das muss für den Trainer und die Mitspieler sehr hart sein....


    Ich würde, wenn du im Vorstand bist, schauen das einer vom Vorstand mit dem Trainer und der Mannschaft Redet und ihnen zur Seite steht, ich würde berlegen ob ich es Anspreche wie man als Team drauf Reagieren soll (eine Aktion Starte, Trauerfeierbeiwohnen, ein Gedenkplatz am Platz einrichten usw.).
    Für mich als Trainer wäre es mit das härteste wenn einer meiner Spieler durch einen Unfall oder Krankheit Sterben würde und ich wäre mit sicherheit einige Zeit wie gelähmt.....


    Ich Wünsche eurem Verein, den Freunden und der Familie viel Kraft.....

    Fußball ist zwar "nur" die "schönste nebensache der Welt" doch es Verleiht einem verdammt viel Kraft zu sehen wie die Spieler Spaß haben und mit einem Lächeln nachhause gehen.

  • Hallo Hannes,


    erstmal mein Mitgefühl an die Angehörigen. Wir hatten vor 2 Monaten auch einen tötlichen Verkehrsunfall bei dem ein Spieler unserer nachbarmannschaft, der D3, tragisch ums Leben kam. Deshalb wurden bei uns die Spiele an jenem Wochenende im Kleinfeldbereich abgesagt. Dazu habe ich in meiner Mannschaft die Situation ausgewertet und vor dem nächsten Spiel eine Schweigeminute eingelegt, wo wir den Gegner auch über den Unfall in Kenntnis gesetzt haben. Von der JL wurde für die betroffene Mannschaft ein Psychologe angeboten, der aber noch nicht genutzt wurde. Außerdem ist es für mich auch Thema als Verein für die Familie da zu sein. Manchmal hilft schon nen offenes Ohr oder eine starke Schulter.


    gruß flyer

  • Puh. Es kommt jetzt darauf an, wie nah die Truppe den beiden war. Wenn sehr nah, dann würde ich folgendes tun:


    - Truppe um Trainer morgen zusammen rufen
    - 16 Jahre? Flasche Bier hinstellen und gemeinsam überlegen, was man tun kann
    - Nachruf auf Homepage, Kranz zur Beerdigung, evtl. Rede Beerdigungsmesse


    Wichtig: keine Show, sondern nur etwas was die Jungs (ab jetzt Männer) wollen


    2 Tipps aus eigener Erfahrung:
    1. Sarg tragen bei Beerdigung. Heftig, aber gut.
    2. Erinnerungsspiel veranstalten. Wir spielen mittlerweile im 14. Jahr, jetzt mit Kind und Kegel.


    Ich wünsche Euch viel Kraft.

  • hannes
    Wir hatten vor Jahren einen ähnlichen Fall. Zwei A-Jugendliche auf dem Rückweg von einem Spiel bei einem Unfall gestorben. Die Schockstarre hat das Leben in unserem Dorf lange Zeit still stehen lassen. Durch Deine Nachricht ist mir diese Zeit wieder bewusst geworden. Unbedingt Treffen vereinbaren. Und wenn ihr dort nur sitzt und euch anschweigt. Für die Jugendlichen sehr wichtig ! Und für Euch ebenso.

  • Ich würde den Trainer ansprechen und fragen, ob er eine Idee hat. Z.B. eine kleine Spende für eine Aktion ....Namen auf eine Schleppe etc....und vom Verein einen Nachruf in die Zeitung bringen. Sargtragende 16jährige würde ich nicht anbieten, die kippen möglicherweise reihenweise um!
    Spiele würde ich in der akuten Trauerphase absagen, logisch. Man könnte auch nachhören, wie die Familie sich die Beerdigung vorstellt und entsprechend hieran eine Anteilnahme gestalten. Zudem könnte einen Blog im Internet setzen, wo sich jeder Trauernde äussern könnte.


    In extremsten Fällen gibts ausgebildete Notfallseelsorger. Das sind besonders ausgebildete Geistliche. Falls ihr da Bedarf seht, kannste die Rufnummer nach hiesigen Standards bei der Feuerwehr erfragen und Kontakt aufnehmen. Vielleicht ist es ja gut, sich von so einer Person einen Rat einzuholen.


    Ich denke -aus eigener Erfahrung mit diesen Leuten- dass sie dir raten würden, einfach präsent zu sein...eine Hand zu reichen...und keine Ratschläge zu geben...sondern eher einfach zuzuhören was vom Gegenüber kommt. Allein das Zuhören sorgt für Verarbeitung. Ein gemeinsames Schweigen und wenn ihr Euch traut...auch ein Gebet im Glauben kann Trost spenden. Dabei muß man -unter dem Strich- ...meiner Erfahrung gemäß...mit unterschiedlichsten Reaktionen und Stimmungen rechnen, vor allem bei denen, die besonders nahe standen. Das kann Wut bis Ohnmacht sein und dann gilt...zuhören und da sein...mehr nicht!!! Rechne damit, dass auch du selber reden mußt, falls du derjenige bist, der hier aktiv wird. Laß deinen Gefühlen freien Lauf wenn ihr zusammen seid.


    Ich habe geschätzt mehrere dutzend solcher Unfälle life vor Ort bearbeitet und einige Todesnachrichten überbringen müssen (dienstlich)...es ist die Hölle und so mit das schwierigste was man in meinem Job tun kann. Mein eigenes Problem ist, dass ich sehr schnell eine Beziehung aufbaue. Wenn z.B. -wie ich es erlebt habe- Eltern ihren toten Sohn sehen wollen und du stehst dort -selber als Vater- zwischen den Unfallspuren und den Angehörigen und einem Pfarrer...dann geht dir igendwann der Arsch auf Grundeis, ...Profi hin oder her :(

    2 Mal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Hallo!


    Wollte hier noch mal weiter dokumentieren, wie´s weiterging...


    Dies mach ich zum Einen um allen, die in eine ähnliche Situation kommen, gegen falls indirekt helfen zu können und zum Anderen hilft´s mir bei meiner persönlichen Verarbeitung der Dinge.


    Erstmal DANKE an diejenigen die hier mit ihren Beiträgen dafür gesorgt haben mein zum Stillstand gekommenes Uhrwerk wieder in Gang zu bringen!!!


    Dadurch ist mir bewusst geworden, dass es mir persönlich am meisten hilft, wenn ich anderen Stütze sein und Helfen kann...


    Ja wo fang ich an?


    Nach anfänglich unterschiedlichen Info´s konnte ich via Facebook eruieren, wer noch alles im Unfallwagen saß...
    Hier kam allerdings der nächste "harte Brocken"! Das verstorbene Mädchen ist die Tochter eines ehemaligen Co-Trainers von mir. Sie war auch in einer Mädchenfussballmannschaft aktiv und hat immer wieder mal bei uns zu geschaut oder mitgemacht...(ihr Bruder spielte bei mir im Team...) Der Fahrer ist ebenfalls einer unserer Spieler...


    Dann hab ich Kontakt mit dem Trainer und dessen Co (mein Stelli als JL) des verstorbenen Spielers aufgenommen.
    Diese hatten geistesgegenwärtig ihre Jungs zum Rosenkranz/Gedenkgottesdienst geladen und sich anschließend mit ihnen zusammengesetzt!


    Ich habe während meines Nachtdienstes eine Traueranzeige vorbereitet, Kontakt mit dem 1. Vorstand aufgenommen und ein Treffen mit dem Trainerteam der U17 für heute Mittag anberaumt...


    Dort haben wir die weitere Vorgehensweise besprochen. Traueranzeige endgefasst, Schale fürs Grab in Auftrag gegeben etc...
    Aber auch beschlossen uns (also Trainer, Betreuer, Vorstandschaft) als Sargträger an zu bieten. Die Mannschaft für die angesetzten Gedenkfeier und natürlich die Beerdigung einzuladen und dort geschlossen zu erscheinen. Mit Trauerflor das nächste Hallenturnier Mitte Januar zu bestreiten (und nicht abzusagen), um die Jungs wieder als Gruppe zusammen zu bringen und bei der Rückkehr in den Alltag zu helfen.


    Auch stehen das Trainerteam und ich in engem Kontakt um auf eventuell eintretende Ereignisse reagieren zu können.


    Ich hab auf jeden Fall gemerkt, dass dieses "Aktivsein" mir wesentlich mehr hilf, als dazu sitzen und mit dem Schicksal zu hadern...


    Parallel bin ich natürlich mitten in der Vorbereitung auf Weihnachten für meine Familie und es ist immer ein Spagat zwischen der Vorfreude meiner 4 Kids und meiner Denke was sich in den Familie der Betroffenen gerade abspielt......


    Aber wie heißt es so schön: "Das Leben ist da um es zu meistern!" und "Nach Regen kommt auch wieder Sonnenschein!"


    Nun hoffe ich, dass so etwas keinem von euch widerfährt!


    Aber das Leben ist hart und unfair!


    Und dann hoffe ich, dass ich euch mit diesen Zeilen hier genauso eine Hilfestellung geben kann, wie es die Antworter auf meinen Starttread getan haben!!!

  • Dazu könnte, nein müsste viel mehr getan werden. Denn "die Öffentlichkeit" blendet diese traurigen Alltagsfälle doch vor allem aus, berichtet lieber über x anderes, als sei dies viel wichtiger: allein in Bayern starben an jenem Wochenende 6 junge Menschen, wie ich auf deinen Link hin las und allererst erfuhr. Denn bei uns im Norden war all dies keinerlei Nachricht - die immer auch der Warnung, Mahnung oder Bewusstwerdung dient - wert. Ja, es wird viel mehr über Geldflüsse als normale Menschen berichtet: muss dies nicht zu denken geben? Ihr Gechick darf uns offenbar nur in nächster Nähe u. kurzzeitig bewegen (außer mahnende Politiker nutzen es, um etwas in uns zu erreichen, vielleicht). Dafür aber wird man in x Aufgüssen über diverse wohlfeile Weihnachtsansprachen so viel wichtigerer Leute, Börsenfazits o. den Fall Chordokowski, der x Jahre niemand in den Massenmedien tangierte, informiert, darauf als wichtig eingeschworen. Sich für mehr Präsenz im Gedenken an normale Opfer unseres Alltaglebens, die uns nie mehr o. tiefer interessieren sollen, auch um zB andere Jugendliche endlich zu mehr Vorsicht, Verzicht auf Waghalsiges etc. anzuhalten, vielleicht könnte solch Aktivität auch im Trauern helfen? Viele werden es noch aus ihrer Jugend wissen: man fühlt sich eben jung, langlebig und daher fast unverwundbar - doch ist dies eine große Selbsttäuschung. Man kann nur versuchen, dies jungen Menschen wieder u. wieder näher zu bringen, klarer zu machen, vielleicht kann man - ohne es je zu erfahren, ohne je dafür öffentlich großer Ehren zuteil zu werden usw. - auf den Wegen des Schicksal irgendwem so sein Leben retten, ihn vor einem ähnlichen Unfall u. Unglück bewahren.


    Es wäre doch viel mehr Versuche wert, vor allem bei unseren Politikern, die meist nur die Zahlen, kaum jemals die Menschen dahinter registrieren: jeden Einzelnen, auch wenn die nur zu den sog. "kleinen Leuten" (statt VIPs und Prominenz) gehören, die den unser Wahrnehmungsverhalten steuernden Massenmedien eben nur nahe bei und auf kurze Frist Aufmerksamkeit wert sind: und dies ist für mich das wirklich Tragische" daran, was in Artikeln immer zu in Worten, doch so selten in Taten permanenter Aufklärung beschworen wird. Leider können wir nur Zukunft u. nie Vergangenheit ändern, aber jenes sollten wir mehr tun statt schreckliche Vorfälle allzubald zu vergessen, wie es meist als bloße Bewältigung in Form von Verdrängung geschieht (die Zeit heile alle Wunden, stimmt das?): bis es dann wieder passiert, vielleicht andernorts, aber nicht weniger tragisch für alle Betroffenen. Ich lese dies immer intensiv, um mich zu erinnern und zur mehr Tätigsein im Aufklären wie Dank dafür, dass es uns besser geht, zu ermahnen: Lieber einmal lästig mahnen o. erinnern, wenn es doch andere davor bewahren könnte: eine Zehntelsekunde kann über Leben u. Tod entscheiden, nicht theoretisch, ganz real, jeden tag, bei jeder Autofahrt, auch wenn dies selten so schlimm endet! Viele spielen Lotto, obwohl da die Wahrscheinlichkeit größer sein könnte, aber was wär wichtiger im Beachten: das Leben o. das Geld? Ob es dir dann hilft, Hannes, das ist zwar zweitrangig, wäre aber ein verdienter Nebeneffekt. Dir alles Gute, lass den Schmerz zu u. folge seiner Spur, verdränge ihn nicht, denn dies bringt nie wirklich weiter, Hannes! :(:(:(

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....