C-Junioren und Kondition

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  • Hallo liebe Trainergemeinde


    mittlerweile bin ich als Trainer in der C-Jugend angekommen und ich habe zusammen mit dem Trainer der bisherigen C begonnen, den neuen Kader der C zu trainieren. Nun gibt es einen Punkt, in dem wir beide eine etwas unterschiedliche Ansicht haben. Es geht um die Frage der Kondition, speziell Ausdauer. Meine Meinung zu dem Thema ist, dass ich als Gewichtung für die Konditionsabschnitte Wert auf
    - Schnellkraft
    - Kurzsprints
    - Kondition am Ball
    lege und diese Themen mit ca 20 Minuten Dauer nach der Warmmachphase bearbeite. Das Warmmachen ist häufig ein lockeres Spiel, Handball oder Ähnliches, manchmal auch ein Pass-Parcour. Dehnen und Kräftigen durch klassische Gymnastik habe ich bisher nicht gemacht. Dann ein ausgedehnter Technikteil (ca. 20-30 Minuten) und am Ende eine Spielform.


    Mein Trainerkollege hat im Laufe der letzten Saison allerdings die Erfahrung gemacht, dass die Gegner oft eine höhere Ausdauer zum Ende des Spiels an den Tag legen und würde hier mehr Gewicht rein legen wollen, also regelmäßig einen Laufparcour zum Ausbau der Ausdauer. Nun bin ich durchaus allem aufgeschlossen und ja auch neu auf dem Großfeld und wollte mal Eure Meinung einholen, wie in einer C-Jugend das Thema Kondition Ausdauer zu bearbeiten ist.


    Viele Grüße,


    Callahan

  • Hallo Callahan,


    ich trainiere auch eine C-Jugend. Während unserer Vorbereitung haben wir alles was die Grundlagenausdauer betrifft in Spielfomen gemacht und einmal hatten wir einen Technik Parcour. Ich kenne einige Trainer die gehen mit ihrer C-Jugend in den Wald laufen wobei ich mir aber denke das ich dafür keine wertvolle Trainingszeit verschwenden will. Ich selbst trainiere generell wenn möglich viel in Spielformen wo immer alle in Bewegung sind und entsprechend müsste auch der Puls bei den meisten überwiegend im 120-140er Bereich sein (also im Ausdauertraining) lege aber hier definitiv den Schwerpunkt auf den Technisch/Taktischen Teil nehme den Nebeneffekt aber gerne mit.


    Schnelligkeit ist eine Sache die kurz vor Rundenbeginn gemacht werden sollte da diese schnell wieder weg ist und nimmt entsprechend eine Einheit in der Woche vor dem Saisonstart ein. Aber auch bei den Schnelligkeitssachen wird der Ball wieder das wichtigste Hilfsmittel sein wenn auch hier wohl eher nicht in Spielfomen gearbeitet werden kann.


    Ich meine das müsst ihr entscheiden ob ihr es für richtig haltet wertvolle Trainingszeit anstelle für Fußball zu investieren.

  • Meine Meinung zu dem Thema ist, dass ich als Gewichtung für die Konditionsabschnitte Wert auf
    - Schnellkraft
    - Kurzsprints
    - Kondition am Ball
    lege und diese Themen mit ca 20 Minuten Dauer nach der Warmmachphase bearbeite. [...] Dann ein ausgedehnter Technikteil (ca. 20-30 Minuten) und am Ende eine Spielform.


    Zuerst einmal bin ich der Überzeugung, dass wenn du die konditionellen Sachen einfach ans Ende des Trainings stellst (in Wettkampfform) du deutlich mehr für die Kondition machen würdest (bei gleichem Umfang des Konditionsteils). Die Spieler sind dann meist schon ermüdet (gerade durch eigenständiges Aufreiben in den Spielformen) und müssen dann nochmal Gas geben (um z.b. eher gehen zu dürfen, nicht abbauen zu müssen, etc.). Außerdem macht es zusätzlich Sinn den Technikteil ohne Vorbelastung auszuführen. Somit sind Konzentration, Kraft, usw. noch auf dem maximalen Niveau und die Spieler besitzen damit die bestmögliche Aufnahmefähigkeit.


    auch der Puls bei den meisten überwiegend im 120-140er Bereich sein (also im Ausdauertraining)


    Hier wäre ich vorsichtig. Kinder und Jugendliche haben einen von grundauf höheren Pulsschlag (je jünger desto höher).


    Schnelligkeit ist eine Sache die kurz vor Rundenbeginn gemacht werden sollte da diese schnell wieder weg ist und nimmt entsprechend eine Einheit in der Woche vor dem Saisonstart ein.


    Um eine maximale Leistungsentwicklung zu erreichen, ist es ideal zu jedem Zeitpunkt in mehreren Belastungsbereichen zu trainieren. Eine klassische Periodisierung in Grundlagenausdauer, Wettkamfpausdauer, Schnelligkeitstraining, etc. hat (gerade im Kindertraining) sich selbst schon lange überlebt.


    Reines Training in einer Belastungszone führt rasch dazu, dass die gesetzten Reize unterschwellig werden und somit keine entscheidenen Fortschritte mehr erzielt werden. Dies kann durch die Kombination mit anders gearteten Reizen (z.B. aerobes Ausdauertraining mit alaktazidem (Ultrakurz-)Sprinttraining) verhindert werden. Natürlich kann hier eine Wichtung nach bestimmten Bereichen (je nach Saisonphase) erfolgen.


    Dehnen und Kräftigen durch klassische Gymnastik habe ich bisher nicht gemacht.


    So etwas gehört auch nicht direkt ins Training und sollte keine kostbare Trainignszeit in Anspruch nehmen, sondern vor- oder nachgelagert ausgeführt werden. Viel Platz wird dafür ja nicht benötigt.


    Mein Trainerkollege hat im Laufe der letzten Saison allerdings die Erfahrung gemacht, dass die Gegner oft eine höhere Ausdauer zum Ende des Spiels an den Tag legen und würde hier mehr Gewicht rein legen wollen, also regelmäßig einen Laufparcour zum Ausbau der Ausdauer.


    Ich glaube mit dem zeitlichen nach Hintenverschieben des Konditionsteils könntet ihr schon gute Erfolge erzielen. Ansonsten kann man auch in den Spielformen noch mehr Ausdauer provozieren (z.b. Kein Anstoß nach dem Tor, sondern direktes Weiterspielen mit Abstoß). Die Möglichkeiten sind vielfältig und der Weg hin zu gesondertem Konditionstraining sollte so entfallen.

  • @Callahan


    Wenn ich dich richtig verstehe, dann glauben dein Trainerkollege und du, dass eure Gegner aufgrund einer besseren Kondition jeweils zum Ende eines Spiels erfolgreicher spielen als eure Jungs? Zunächst einmal sollte man klären, wie die Altersgewichtung in eurem und den meisten gegnerischen Teams ist. Denn gibt es bei euch sehr viele Spieler des jüngeren Jahrgangs, während die Gegner in der Hauptsache mit Spielern des älteren Jahrgangs antreten, so können die von euch wahrgenommenen konditionellen Unterschiede auch in der altersspezifisch unterschiedlichen Physis zu suchen sein!


    Kondition ist zwar eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz von Technik und Taktik, aber man kann sie fussballspezifisch (d.h. mit Ball am Fuss) trainieren. Denn der Fussball schreibt hierfür auch die besten Übungen.


    Spieltypisch findet ein Großteil der Bewegung entweder mit 80 % -iger Maximalgeschwindigkeit (bei Ballführung) oder 100 %-iger Geschwindigkeit (beim Laufduell mit dem Gegner) statt. Ferner ist die Distanz von Belang. So gibt es selten Distanzen von mehr als 50 Metern zurück zu legen. Wird auf dem Kleinfeld gespielt, sind die typischen Distanzen noch kürzer. Schließlich ist der häufige Richtungswechsel (situative Anpassung an eigenem oder gegnerischen Ballbesitz) von Bedeutung.


    Wenn dein Kollege und du also das Training so gestaltet, dass in den Übungen und Spielformen diese typischen Laufgeschwindigkeiten und mit den jeweiligen Richtungsänderungen vorkommen, dann sollte dies eurer Mannschaft helfen, konditionell besser zu werden. Wenn du einen Trainerkollegen hast, dann bieten sich auch die Aufteilung der Trainingsgruppe in kleinere Teams an. Obwohl es im Internet mitlerweile genügend Ideen für ein solches Training gibt, erwähne ich es deshalb, weil man immer noch Trainer sieht, deren Trainingsgruppe zu einem Großteil vor irgendwelchen Aufgaben in Reih und Glied aufgestellt warten.

  • petr
    Danke für die fortführenden Hinweise, das mit dem Puls war lediglich geschätzt da bei uns die Spieler nicht viel stehen sondern durch die Spielform immer wieder aktiv werden. Dadurch das wir viele Spielformen machen trainieren wir doch auch die verschienden Reize oder sehe ich das falsch?

  • Mehr verschiedene Reize als durch Spielformen kann man im Training nicht setzen. Kognitiv wie physisch.


    Es geht dabei eher darum, wenn ihr zusätzlich Konditionstraining machen solltet, dass ihr dieses nicht auf besitmmte Bereiche begrenzt (weil jetzt z.B. gerade Vorbereitungsphase ist trainieren wir NUR im Ausdauerbereich) sondern vielfältig (von der Intensität und den Strecken her) gestaltet. Über die Spielformen sind natürlich die einzelnen Belastungszonen von vornherein gut abgedeckt.


    Also gesondertes Schnelligkeitstraining (Antritt, etc.) nicht nur eine Woche vor dem Rundenstart, sondern auch vorher schon einstreuen, dass meine ich damit. Diese Kombination aus den verschiedenen Belastungsbereichen verstärkt den Trainingseffekt und der einzelne Reiz nutzt sich nicht so schnell ab.

  • Wir machen in gesamten Verein keine Läufe mehr. Als Trainer sind wir verpflichtet unsere Trainingseinheiten so zu gestalten, dass der Nachwuchs rein durch die Intensität der - meist plyometrischen Uebungen - mindestens einmal pro Woche auch konditionell gefordert werden. Einzig zu Test-/Messzwecken gibt es IntervallLäufe, aber auch nur aus dem Grund, weil die Messungen so einfach unter einheitlichen Bedingungen durchgeführt werden können.
    Einzelne Spieler machen privat Ausdauertraining. Hier achten wir aber ab der U13 darauf, dass dies unter qualifizierter Anleitung geschieht.
    Viel wichtiger als Joggen ist eine fachkundige, sehr detaillierte und permanente Beobachtung des Bewegungsablaufs mit entsprechenden individuellen Korrekturen, resp. korrigierenden Uebungen.

  • Nicht das einer denkt, mich interessiert das nicht mehr ;) Ich hab alles gelesen und bedanke mich für die Infos.


    Interessant finde ich, wenn ich das richtig verstanden habe, dass einige fast ausschliesslich in "Spielform" trainieren, also gar keine (oder nur selten) Technikparcour verwenden. Diese verwende ich eigentlich ganz gerne, erst ohne Wettkampf, wenn möglich dann mit Wettkampf, zum Beispiel in Staffeln. Spielform bedeutet für mich, dass grundsätzlich ein, sagen wir mal "Mannschaftsspiel" (kann natürlich auch Basketball oder sonst wie sein) durchgeführt wird, in dem durch Anreize die Trainingsschwerpunkte herausgearbeitet werden. Oder ist ein Staffellauf mit Sprints oder Technikparcour, der als Wettkampf ausgeführt wird, ob nun mit der ohne Ball, auch unter dem Begriff "Spielform" zu verstehen?


    Ich versuche eigentlich immer, die Gewichtung des DFB (aus http://training-wissen.dfb.de/index.php?id=519711) einzuhalten... Dort spielt der Technikrundlauf ja doch noch eine gewichtige Rolle. Im Stützpunkt, woran ich mich gerne orientiere, besteht das Training aus einem Mix aus Staffelläufen, Aufwärmparcour und Spielen statt. Einen Technikparcour bei C-Junioren habe ich da allerdings bislang nicht gesehen. Bei D-Stützpunkt kam das schon mal vor, aber eher selten. Interessant hier: Bei den Kurzschulungen ist oft ein Technikparcour dabei, praktiziert wird er im Stützpunkt selber dann eigentlich nicht. Eventuell wird hier aber eher der Sinn im Vereinstraining gesehen.


    TW-Trainer:
    Ich selbst glaube nicht, dass ich in diesem Alter Trainingszeit mit dem Thema "Kondition ohne Ball" verwenden sollte, aber ich trainiere auch erstmalig C-Junioren, daher dachte ich, ich frag mal nach. Im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass der Fokus in diesem Alter auf allem, was mit dem Ball zu tun hat, liegen sollte, also z.B. Passgenauigkeit, Passregeln, Ballbehandlung usw.


    @FB: Du bist ja im profesionellen Bereich unterwegs. Meine Jungs trainieren maximal zweimal die Woche, jeweils 90 Minuten. Wenn ich plyometrische Übungen richtig verstanden habe, hat das ja wenig mit Spielform zu tun. Bzw ist die Frage, ob Du Übungen beschreiben kannst, wo dies in altersgerechten Spielformen abgedeckt wird.
    Ist dies bei zwei Trainings pro Woche überhaupt zielführend, bzw sollte man eher in bestimmten Phasen dieses Thema intensiv beackern und in anderen Phasen gar nicht?
    Die Frage lautet ja bei diesen Einheiten immer: Was muss ich wie oft und wie lange wiederholen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen? Wenn ich am Stück 5 englische Wochen habe und deshalb nur noch einen Trainingstermin, ist die Wirkung ja eventuell gar nicht mehr da, also dann wohl eher nicht.



    Gruß


    Callahan

  • Hallo Callahan
    Staffelläufe, ob als Wettkampf oder nicht, sind Übungsformen. Ebenso ein Parcours. Kondition gliedert sich in Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit. Die Bereiche gliedern sich ebenfalls wieder auf. Bei Staffelläufen in Wettkampfform wird ( bei entsprechendem Aufbau der Übung und Anzahl der Durchführung ! ) die Schnelligkeitskraft und -ausdauer trainiert. Einige haben das hier ja schon gut beschrieben und konnten dies mit Fachbegriffen erklären. Kann ich nicht mit dienen. Ich glaube aber, die meinen das gleiche wie ich -).


    Die Trainingsmethodik der Spielformen beschreibt z.B. 3:3, 4:4 oder Unterzahl-/Überzahlspiele. Ich habe im Thread "Trainieren des Seitenwechsels" eine TE beschrieben, in der Du von Anfang bis Ende ausschließlich in der Spielform trainierst. Im Ausdauerbereich werden dabei durch die entstehenden Spielsituationen die von TW-Trainer angesprochenen verschiedenen Belastungsphasen ( Ballbesitz, Freilaufen, Zweikampf usw. ) gefordert und trainiert. Das muss aber wohl dosiert sein. In der Vorbereitungsphase würde ich bei der von Dir avisierten Zielsetzung des Trainings im Ausdauerbereich ausschließlich in der Spielform trainieren.