erhebliche Disziplinprobleme in der D-Jugend

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  • Hallo,


    ich bin jetzt seit 1 1/2 Jahren als Trainer dabei und das erstemal ziemlich ratlos. Nach den E-Jugend Jahren bin ich mit der Mannschaft im ersten D-Jugend Jahr angekommen. Meine Mannschaft (Mädchenmannschaft) bildet als jüngerer Jahrgang die 2.D-Jugend. Einmal in der Woche wird mit der 1. D-Jugend zusammen trainiert, einmal zusätzlich trainieren die 1. und 2. D-jugend alleine. Die 1. D-Jugend wird von einer engagierten jungen Spielerin der 1. Damenmannschaft trainiert, die den C-Schein gemacht hat und mit vielen Ideen an das Training heran geht.
    Allerdings zeigt sich, dass der ältere Jahrgang mit einigen Mädchen bestückt ist, die offenbar ihre Grenzen ausprobieren wollen und testen, wie weit sie gehen können. Jede Entscheidung im Training wird diskutiert, alles ist offenbar ungerecht (von der Einteilung der Teams bei simplen Gruppenübungen bis zur Mithilfe beim Aufbau etc.pp.), oft gehen große Teile der Trainingszeit für diese nutzlosen Diskussionen drauf, zu Lasten der anderen Spieler.
    Es finden regelrechte 'Sitzstreiks' von 3-4 Spielerinnen statt. Der Ablauf ist immer gleich: Eine der jungen Damen findet irgend etwas ungerecht, immer die gleichen Freundinnen solidarisieren sich und beteiligen sich an der Diskussion. Wir trainieren jetzt seit drei Wochen, der Ablauf ist immer gleich und hat nichts mit tatsächlichen Ungerechtigkeiten zu tun. Ich glaube die wollen wirklich einfach testen wie weit sie gehen können. Das teilweise gemeinsame Training habe ich für eine gute Idee gehalten und angeregt, wobei der Jugendobmann schon vorab zu mir gesagt hat, dass wir das besser lassen sollten mit den Worten: Die hat die Mädchen nicht im Griff, die ziehen euch mit runter.


    Eine Lösungsmöglichkeit (für unsere Mannschaft die Einfachste) wäre, das gemeinsame Training einfach zu lassen. Aber ich habe eigentlich keine Lust, gegenüber den jungen Damen 'klein bei zu geben', so würde ich mich jedenfalls fühlen. Außerdem glaube ich, dass man eher die Trainerin der 1. D mit unterstützen sollte. Die ist wirklich engagiert, ist aber auch bald am Ende mit Ihrer Freude am Training, so anstrengend wie diese Auseinandersetzungen sind. Aber meine Mannschaft wäre - nur für sich betrachtet- besser dran ohne das gemeinsame Training.


    Ich hätte nicht übel Lust, den älteren Mädchen als Druckmittel die Auflösung der 1. D anzudrohen bzw. ein entsprechendes Schreiben an die Eltern abzufassen, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Einfach mal als Provokation, um zu gucken was passiert. Wenn ich alleiniger Trainer wäre, hätte ich vermutlich schon Trainingsausschlüsse für den Rest des Trainings ausgesprochen und einfach ohne die 'Rebellen' nur mit den anderen weiter trainiert. Überzogen ? Die Diskussionen im Training bringen bislang nichts. Ich kenne die auch alle gut, die wohnen hier in der Nachbarschaft und ich hätte nie gedacht, dass die solche Probleme machen. Die haben offenbar ja auch Bock auf Fußball, sonst würden sie ja nicht kommen und sie sind auch nicht die schlechtesten Spieler der Mannschaft, sondern irritierender Weise eher Leistungsträger. Was kann man tun ?? Versuchen, das Problem intern zu lösen oder die Eltern mit ins Boot holen ? Was würdet Ihr machen ?? Eine Absprache mit der Trainerin der 1. D gibt es noch nicht, aber wir sind beide echt ratlos, für Anregungen wäre ich dankbar.

  • oft gehen große Teile der Trainingszeit für diese nutzlosen Diskussionen drauf, zu Lasten der anderen Spieler


    Geht mit ähnlich, haben auch eine etwas dubiose Lage: alle 25 2001er seien ein Team, zugleich sind 2 Mannschaften gemeldet. Will ich als neuer Trainer der D4 was, wird es lang diskutiert, dann zT eine Mail versendet, wo das Gegenteil des Gewollten drin steht. Ich habe angeboten, dass der Trainer mit älteren Rechten der "Chef" für alle wird, ich nurmehr Co, damit die Reibungsverluste sich minimieren, ist aber auch nicht gewollt: wir seien 1 Team, aber die D4 und ich haben eben letztlich eher das Nachsehen. Im Training, das ich oft allein mache, sind viele Jungs aufsässig, vor allem aus der D3, vermute, die kriegen einiges mit. Ordentliches Training unmöglich, also lass ich nur spielen, wenn ich allein bin, aber auch da: viele Diskussionen, warum der dies und das. Ich würde ja einfach - auch mein Rat an euch - die Störenfriede für 1 Woche von Training und Spiel aussperren bzw. das wenigstens androhen, weiß aber schon jetzt, dass der Trainer der Ersten, im Grunde der 1.Trainer, opponiert.


    Wie Grenzen austestende 11-jährige disziplinieren, etwa rumschreien, wie es der Kollege dann tut? Ich meine, man muss eine klare Linie haben u. die muss einer vorgeben, dem alle auch abnehmen, dass er das dann durchzieht, notfalls lieber ein Punktspiel verliert, als sie wieder zu verraten. Wie aber das erreichen, wenn man zu zweit u. uneinig ist, die eigene Linie an älteren Rechten scheitern muss? Ihr seid euch hoffentlich einig, dann dürfte das Problem einfach lösbar sein: wer das Training stört, darf nach 2 Vorwarnungen 1mal nicht mehr kommen u. spielt auch weniger mit, da nicht trainiert. Die Mädels werden zetern, aber es dann begreifen, dass an etwas Disziplin kein Weg vorbei führt, will man zum Team gehören... Was mich auch immer am meisten ärgert: die Gutwilligen leiden mit, der Fokus legt sich auf die, die stören statt zu trainieren. Daher muss man durchgreifen, um jene zu schützen, die im Training was lernen und leisten wollen: ist nicht alles immer nur spaßig...

    Jeder Erwachsene kann nur so gut spielen, wie er als Kind trainiert wurde....

  • Eine Situation, die wir in unserem Verein mit den beiden D-Jugenden ebenfalls haben. Wir trainieren zwar nicht zusammen, aber die D2 (die mein Trainerkollege aus dem letzten Jahr jetzt trainiert) unterscheidet sich in der Zusammensetzung erheblich von unserer D1, die ich weiter trainiere. Der Trainerkollege erzählte letztens, dass die D2 überhaupt kein Vergleich sei zu den "Spezialisten" in der D1, die D2 sei so brav, dass es schon ein echter Kulturschock sei.


    Leider mit einem wesentlichen Unterschied: bei mir reden wir von Jungs - ich bin mir nicht ganz sicher, ob man in dem Alter mit bestimmten Maßnahmen mit Jungs und Mädels gleichermaßen Erfolg haben kann, deshalb gebe ich keine Tipps zum Umgang mit den Mädels.


    Aber hier meine Einschätzung der Lage :
    1. Die Trainerin der D1 braucht dringend Unterstützung. Mein aktueller Co ist auch noch jung, der kommt alleine mit meiner Truppe nicht klar - erste Versuche mit eigenständigen Übungen zeigen das bereits. So eine Truppe hat im Verein schnell einen Ruf weg - und manchmal auch über Vereinsgrenzen hinaus (zumindest in unserer engeren dörflichen Umgebung). Insofern sollte der Verein ein dringendes Interesse haben, in Absprache mit der Trainerin der D1 ihr einen erfahrenen Trainer an die Seite zu stellen - wenn der Verein einen zur Verfügung hat.


    2. Die "Unterstützung" kann nicht durch das gemeinsame Training erfolgen, das würde ich nicht weiter durchführen mit zwei "ratlosen" Trainern (kein Vorwurf - ich selber habe auch noch meine ratlosen Momente mit meiner Truppe - und das nach einem Jahr). Die Probleme wird ein mäßig erfahrener Trainer nur mittelfristig (1- 2 Jahre) in den Griff bekommen, bis dahin sind aber vielleicht D2-Spielerinnen schon frustriert, außerdem leidet jetzt schon die Trainingsqualität für die D2.

    Wenn ich alleiniger Trainer wäre, hätte ich vermutlich schon Trainingsausschlüsse für den Rest des Trainings ausgesprochen und einfach ohne die 'Rebellen' nur mit den anderen weiter trainiert.

    Ihr werdet als zwei eher unerfahrene Trainer regelmäßig Schwierigkeiten haben, Euch auf eine gemeinsame Linie zu einigen und dann auch noch konsequent und ununterbrochen durchzuziehen - vor allem, wenn der eine Trainer (Du) nur bei der Hälfte der Trainings dabei ist. Deshalb: Kein gemeinsames Training mehr, ich sehe das nicht als "Klein beigeben" sondern eher als "mit so einer Truppe nicht möglich", also allenfalls eine Fehleinschätzung vorher.

  • Kenn ich, das Problem :rolleyes: sind so Phasen, einer fängt an zu spinnen und die anderen machen einfach mal mit!


    Würdest Du jetzt das Training deiner D2 abspalten, wärst Du zwar fein raus und könntest in Ruhe trainieren, kann aber passieren daß die D1-Trainerin völlig die Lust verliert und hinschmeisst, dann wirst Du die "Nerv-Zwerge" in deine Gruppe bekommen und dann???


    Versucht zusammen eine Linie zu finden und die dann gemeinsam durchzuziehen.


    Ich würde mir die Hauptstörerin mal zur Seite nehmen und ihr ganz ruhig und sachlich erklären, daß sie niemand zwingt ins Training zu kommen, wenn sie keine Lust hätte solle sie zuhause bleiben. Nur dieses Rumgenerve geht nicht, da habt ihr keine Lust drauf. Wenn sie das nächste Mal nervt, das Training unterbrechen und sie bitten nach Hause zu gehen.


    Bevor sie das nächste Mal beim Training wieder mitmachen darf, soll sie sich überlegen ob sie wirklich noch Bock hat auf Fussball und genau daß soll sie euch auch vermitteln, soll heißen 2. Vier-Augen-Gespräch.


    Damit zeigst Du ihr deutlich wo Schluß ist, andererseits signalisierst Du, durch die Einzelgespräche, auch Interesse an ihrer Person als Spielerin.


    Störenfriede sind oft Leistungsträger, wohl weil sie meinen sie könnten es sich erlauben, weil sie ja so gut sind. Glaube das ist ein Phänomen, unabhängig von Alter und Geschlecht :)

  • Vielen Dank für die Tips. Wir haben heute 'unser' Training mit der D 2 gehabt, 10 Mädchen die einfach Spaß haben wollten und über nichts genörgelt haben. War ne schöne Abwechslung zum Montag beim gemeinsamen Training. Klar ist, das was passieren muss, angefangen mit einer gemeinsamen Zielsetzung und Absprache der Trainer. Einfach abkoppeln werden wir uns nicht, vielleicht kann man den Mädchen mit konsequenten Ausschlüssen von Training und Spiel beikommen, um den Ernst der Lage zu verdeutlichen. Aber dazu muss auch die Trainerin der 1. D bereit sein, da bin ich mir nicht ganz so sicher, da die Spielerdecke nicht allzu groß ist und wie gesagt durchaus Leistungsträger dabei sind. Wenn es nicht besser wird kann man sich dann immer noch trennen. Ich werde demnächst mal mitteilen, wie es gelaufen ist.

  • thomasg


    du beschreibst dein tolles Training vom letzten Montag, das deinen Mädesl richtig Spass gemacht hat-
    im Umkehrschluss bedeutet das doch wohl, dass du denen dann 1 mal die Woche eine Training zumutest, das genau den Gegenteil bewirkt,
    nur um einen an sich sehr postiven Gedanken (gemeinsames Training) mit aller Gewalt durchzusetzen.


    der Gedankengang mal einen Störenfried zu entfernen, kannst du durchaus im Training, das du allein leitest, nachkommen,
    aber wohl nicht wenn der D1 Trainer dabei ist, noch weniger für ein Spiel.
    da greifts du in den Kompetenzbereich des D1 Trainers ein.


    das Problem liegt zum grossen Teil bei euch beiden Trainer.
    offensichtlich liegt ihr in eurem Vorgehen und Vorstellungen nicht auf einer Wellenlänge.
    klar bringen da Gespräche was. aber kann der D1 Trainer das auch umsetzen, wenn er allein trainiert oder beim Spiel verantwortlich ist?


    gerade die älteren Mädels merken das, und nutzen das aus. wie lange wird es dauern, bis sie auch Einfluss auf deine Mannschaftsspieler
    bekommen.


    die Mädels, egal ob D1 oder D2 werden doch ständig mit anderen Vorgehensweisen konfrontriert, und das von Training zu Training.


    das kann auf Dauer nicht gutgehen.


    Nicht dein Interesse, die gute Überlegung des gemeinsamen Trainings umzusetzen, sondern das Wohlbefinden deiner Mannschaftsmädels
    sollte im Vordergrund stehen. Nach deiner Beschreibung ist das aber in jedem 2. Training offensichtlich nicht.


    In deren Interesse würde ich das umgehend ändern.


    gg

  • Günter hat verdeutlicht, das eine klare Kommunikationsebene (wer ist wofür verantwortlich) zwischen Trainer und Spielerinnen wichtig ist. Vermutlich rührt eure Idee zu einem gemeinsamen Training daraus, immer eine genügend große Trainingsgruppe zu haben? Oder gibt es andere Gründe?
    Ein weiterer Aspekt ist die Zugehörigkeit zu einer Gruppe (Mannschaft)! Diese wird während der Zeit des gemeinsamen Trainings aufgebrochen und von einigen Spielerinnen als ungerecht empfunden. Oder verhalten sich diese Mädchen auch so, wenn sie unter sich in der D 1 trainieren?
    Wenn in dieser Altersgruppe der Spaß im Mittelpunkt stehen sollte, dann gilt dies absolut für die Mädchen, die noch mehr Fingerspitzengefühl und ein noch größeres Harmoniebedürfnis haben. Wenn jetzt eine gute Spielerin, aber noch im Umgang mit Kindern dieses Alters unerfahrene Trainerin glaubt, allein durch das Präsentieren ihrer Ideen zu überzeugen, statt durch interaktives Training, bei dem die Kinder gefragt werden und Fragen stellen können, um Fussball spielen und verstehen zu lernen, dann dürften die gegenseitigen Erwartungen eher übereinstimmen!


    Diese Erwartungen sollten rasch ergründet werden, ansonsten läuft die Sache auf einen Konflikt zu, den euer Jugendobmann wohl schon erkannt hat! Mit ihm solltet ihr ein weiteres Gespräch suchen, bevor ihr mit allerlei Sanktionsmaßnahmen auf die Kinder losrennt!


    Autorität und Anerkennung hat man auch als Trainer nicht a priori, man muß sie sich erst mal und dann immer wieder erarbeiten!

  • thomasg


    ich habe mir dein Eingangsposting nun zweimal durchgelesen und gedacht, dass ich nicht erkenne, was DU/IHR konkret genau macht, wenn ihr dieses Verhalten feststellt. Wie ist eure Reaktion darauf :?: . Es liest sich so, als würdet ihr es wahrnehmen und nicht reagieren...ausser Euch nach innen zu ärgern.


    Wenn dem so wäre, wäre es auch erklärlich, warum die Spielerinnen das machen. Sie machen es, weil ihr die ersten Signale der Spielerinnen in diese Richtung überhaupt nicht erkannt und verpennt habt. Sie -also die Spielerinnen/die Spielerin- hat ihre Grenzpfosten ausgepackt und gesetzt. Statt sie aus dem Boden zu ziehen und vor ihre Füße zu schmeissen, geschah nix, richtig? Daraufhin haben die Spielerinnen/die Spielerinn gedacht "Prima" ...setzte ich mal meine Grenzpfosten noch ein bischen näher an den/die Trainer heran....und?....wieder nix....klappt ja gut. War oder ist das so?


    Mit dieser Einschätzung im Gedächtnis dachte ich für mich, wieso mir das wahrscheinlich so nicht passiert wäre und auch noch nie ist.


    Ich sag mal so...es gibt Lehrer, bei denen hört man eine Stecknadel beim Aufschlag im Unterricht -egal bei welcher Klasse- und es gibt die anderen Leherer, die diesen Zustand niemals hinbekommen werden.


    Die Lehrer mit den lauten Stecknadeln....sind in Schüleraugen meist Arschlöcher ODER -ein paar ganz wenige von denen- ....die sind auch noch beliebt.


    Genau bei solchen Lehrern habe ich am liebsten gelernt.


    Ich selber bin kein Pädagoge. Ich glaube, das die Jungs mich mögen und ich höre meistens die Stecknadel beim Aufschlag. Mich zeichnet eine ziemliche Beklopptheit aus...mache Spässe...worüber sie manchmal ziemlich lachen und manchmal schauen sie mich bedauernd an....und umgekehrt werde ich nach einer gelben Karte ziemlich deutlich und manchmal einen kurzen Moment richtig laut und dabei steche ich genau ins Ziel. Ich schicke auch schonmal jemanden nach Hause oder an den Platzrand, weil das Abschlußspiel für ihn an dem Tag nix ist. Warten muß er dennoch, denn das Aufräumen im Team darf er nicht verpassen usw., usw.


    Meine Botschaft: Setzt mal eure Zaunpfähle ...über wenige aber angebrachte Regeln die nicht zu diskutieren sind und von Euch gemacht werden. Wenn die nicht befolgt werden....Ermahnung und wenn das nichts bringt...kommt die Konsequenz. Gr. Andre


    Empfehlung:


    Kinder sind nicht bei der Sache im Training


    Folge mal den Links aus Beitrag 3 dort...vielleicht ist das ja was für Euch.

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Jeder lernt bevorzugt es anders! Andre sagt, für ihn waren die strengen Lehrer die Besten, weil er im Nachhinein am meisten von Ihnen gelernt hat. Andere, zu denen ich mich auch zähle, mögen es eher lebendig im Unterricht, in der der Pädagoge der Partner ist, der nicht alles vorkaut, sondern z.B. in Kleingruppenarbeit Themen (ala Kleingruppentraining) gemeinsam erarbeiten läßt. Der eine zieht sich zum Lernen in den Lesesaal einer Bibliothek zurück, der andere braucht zuhause laute Musik dazu. Der Dritte lernt lieber gemeinsam mit anderen! Der Vierte sagt sich: was ich so nicht kann, das will ich auch gar nicht mühsam erlernen! Wer will ein Qualitätsurteil darüber ziehen?


    Genauso facettenreich sind die Wahrnehmungen unserer Kinder während des Trainings. Man kann nach dem einen Weg suchen. Man kann aber auch nach einer in der konkreten Situation "goldenen Brücke", in der die Erwartungen aller Beteiligten bestmöglich aufeinander treffen, suchen. Diesen zu ergründen, heißt sich zunächst in die Rolle des/der Anderen zu versetzen und sich diese Erwartungen in den häufig vorkommenden Situationen (hier Training getrennt, gemeinsam) zu verdeutlichen. Statt den Kindern ihr Fehlverhalten in konkreten Sitatuationen in einem 4-Augen-Gespräch (ala: ich lege richtig und du liegt falsch) vorzuwerfen, gilt es durch geschickte Fragen, deshalb zunächst deren Motive (Erwartungshandlung) zu ergründen. Von Jemanden, der in die Ecke gedrängt wird, darf man eher keine ehrliche Antwort erwarten, weil er gar nicht mehr nach hinten weg kann und ihm deshalb keine Wahl bleibt. Die Entscheidung, entweder (macht du das, was ich will) oder (du kannst gehen) hat ihm sein Trainer schon abgenommen. Wer mehr darüber wissen will, schaue sich im bereits angegebenen Link den detailiert ausgearbeiteten Strafenkatalog an!


    Unterstellt man lediglich Böswilligkeit beim "Hineinrammen eines Pfostens" der besagten D-Jugend-Mädchen, so wird man unmittelbar nach dem "vor die Füsse werfen dieses Pfostens" Ruhe in der Gruppe haben, dann man besitzt als Erwachsener die Macht des Stärkeren! Ob man allerdings durch Einschüchterung und aus Folge die Erzeugung von Angst den Trainingserfolg verbessert, damit habe ich keine Erfahrung. Für mich wirkt es eher als eine Form der Hilflosigkeit vor der Bewältigung dieser Situation. Denn, wer weiß schon wirklich, wie das eigene Verhalten auf andere wirkt? Wenn man sich schon selbst manchmal nicht kennt, wie darf man annehmen, in die Köpfe der Anderen blicken zu können?


    Ich weiß, es ist nicht unbedingt eine Hilfe, eigentlich klare Dinge, die Andre beschreibt, infrage zu stellen und selbst doch keine pauschalen Lösungen zu haben. Warum auch zweifeln, wenn doch Andre`s Methoden immer schon gewirkt haben?


    Wenn sich der eine oder andere dennoch dazu animiert fühlt, sich einmal als neutraler Beobachter ohne Rolleninteresse (hier Trainer) zurück zu nehmen, dann wird rasch klar, warum es kaum einfache Situationen und dementsprechende (gutgemeinte) Ratschläge gibt! Deshalb ist die genannte "goldene Brücke" ein Kompromiß der Erwartungen, der sich stets aufs Neue bewähren muß. "Offene Augen" und eine "Offenes Ohr" kann man weder in die Erde rammen, noch vor die Füße werfen. Absichten und Handeln stets in Einklang zu bringen, wird wohl niemanden gelingen. Wie sind eben keine Heiligen, sondern normale Menschen mit Fehlern, Schwächen, aber auch Stärken. Deshalb wirkt unser Handeln immer nur begrenzt!

  • TW-Trainer...als Ergänzung für meinen Stecknadellehrer....


    ....der ist mit uns ausserhalb der Klassenfahrt....zum


    -Kanufahren mit Wasserschlacht gefahren
    -Klettern am Seil
    -Wasserskifahren
    -Erkundungen im Wald usw., usw.,


    -Gruppenarbeiten....ja genau...haben wir auch gemacht.


    ABER


    -wenn er sprach, wenn er mal erklärte, wenn er vorgelesen hat, ein Film lief....dann waren wir still.


    Genauso...wer eine Minute zu spät kam...saß Freitags nach der letzten Stunde pro Minute zu spät kommen fünf Minuten länger im Klassenraum und konnte schonmal -bei 10 Minuten zu spät sein- die Hausaufgaben machen. Diese Zeit war die Freizeit des Lehrers.


    Übrigens ist dieser Lehrer heute der Ehemann meiner Mutter! Er ist B-Linzensinhaber und hat schon vor einigen Jahrzehnten des Westfalenpokal gewonnen.


    Für mich ein Beispiel dafür, dass die Komponente aus allem auch ein positives Gesamtbild abgeben darf. Das eine muß nie das andere ausschließen. Gr.

  • Danke nochmal für die weiteren Beiträge, sind viele interessante Gedanken dabei.


    Das gemeinsame Training war meine Idee. Wir hatten im letzten Halbjahr schon ein paarmal gemeinsam Training (zufällig gleiche Trainingszeit. Wenn Spielerausfälle da waren, wurde das Training meiner damaligen E-Jugend -die jetztige D2- einige Male kurzerhand mit der D-Jugend zusammen gelegt. Die Mädchen kennen sich alle, haben im ersten E-Jugend-Jahr teilweise zusammen gespielt). Das hat immer gut geklappt, da bot sich die Idee eines gemeinsamen Trainings pro Woche an. Insgesamt sind beim gemeinsamen Training um die 20 Mädchen da.


    Das Beispiel mit dem 'Grenzpfähle setzen' finde ich sehr gut, so empfinde ich das auch. Da es sich um Spielerinnen der D1 handelt, habe ich nicht so reagiert, wie ich es bei Spielerinnen der D2 getan hätte (kann ich jetzt einfach laut werden und Sanktionen aussprechen, sind ja nicht 'meine' Spielerinnen, was hält die Trainerin der D1 davon ?). Hier muss natürlich eine klare Absprache her, die fehlt bislang.


    Am Montag ist wieder gemeinsames Training, vorher werde ich das Gespräch suchen. Vielleicht gelingt uns ja eine gemeinsame Linie, um vor den Kindern als Einheit wahrgenommen zu werden und nicht als Duo, das ausgespielt werden kann. Ansonsten werden wir die Idee wohl aufgeben müssen.

  • Andre,
    das hast du vollkommen recht, wenn du sagst, man soll das gute Traditionelle nicht wegwerfen, nur weil es etwas Neues gibt. Dennoch gilt es, sich den Wandlungen der Kinderinteressen anzupassen, um Erwartungen zu erfüllen. Diese Interessen sind, wie im Beispiel von thomasg beschrieben, nicht bei allen deckungsgleich. Wie groß die Quote der Unzufriedenen ist, läßt sich nicht ermittelt, weil auch "Schweigende"


    Wenn die Kinder in den Verein kommen, bewegen sie sich noch in einer kleinen Welt. Sie glauben zwar nicht mehr an den Weihnachtsmann und den Osterhasen, aber ansonsten bewegen sie sich in ihrer Freizeit noch in einem sehr begrenzten Umfeld. Auch sind sie bemüht, in der Schule und im Sport die Erwartungen ihrer Eltern zu erfüllen.


    Ungefähr im Alter der D-Jugend beginnen die Kinder ihr Hobby (hier Fussball) zu hinterfragen und nicht mehr alles ohne Vorbehalt so zu machen, wie es die Eltern oder auch die Trainer von ihnen wollen. Es beginnt mit Fragen, setzt sich in Protest fort und endet mit Austritt, wenn sie das Gefühl haben, hier läuft etwas schief und das möchte ich nicht so! So mancher Jahrgang wurde fast pulverisiert, weil die Kommunikation zwischen Trainer und Spieler nicht mehr funktionierte. Das hatte lt. meinen Erfahrungen mit den sportlichen Leistungen häufig nichts zu tun.


    Ich denke, das hat "thomasg" auch erkannt und möchte jetzt mit seiner Trainerkollegin sprechen, damit sie eine gemeinsame Lösung finden können. Denn weiter so hieße, die Mädchen würden vergrault und sich ein neues Hobby und/oder einen neuen Verein suchen.