Ballorientiertes Spiel

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  • Ich trainere eine Hereenmannschaft, die noch nie ballorientiert gespielt hat! Wie kann ich es ihen am einfachsten beibringen? Ich habe auch eine Taktiktafel!
    Bitte um schnelle Antwort,
    Danke

    • Offizieller Beitrag

    Wie gut ist denn die Auffassungsgabe Deiner Spieler? In welcher Klasse spielt ihr?

    Möchtest Du sofort in allen Mannschaftsteilen auf ballorientiertes Spiel umstellen, oder zunächst die ballorientierte Abwehrarbeit vermitteln, sprich Viererkette?

    Einmal editiert, zuletzt von Uwe ()

  • Naja, sie spielen in der Kreisklasse B, sind aber auf den besten Weg zum Aufstieg.
    Ich hab eigentlich gedacht, dass ich in allen Manschaftsteilen wenigstens die Grundlagen vermittel!

  • Die Grundlagen der ballorientierten Raumdeckung beginnen mit der Schulung der Individualtaktik.
    Diese Schulung bringt eine Mannschaft, die mit Manndeckung und Libero spielt auch ein großes Stück nach vorne.
    Erst wenn die defensive Individualtaktik von Deinen Spielern beherrscht wird. Schulungsaufwand ca. 10-18 TE´s, solltest Du mit der Umstellung beginnen.

    Die Doppel-DVD "Modernes Verteidigen" vom DFB ist der perfekte Ratgeber.

    Wie man es auch machen kann zeigen diese Links:
    http://www.trainer-stammtisch.…6de1640ce&0=7&1=540&2=964


    http://www.trainer-stammtisch.…de1640ce&0=7&1=680&2=1190

    Ein Kind trainieren heißt nicht, eine Vase zu füllen, das heißt, ein Feuer anzuzünden

  • Hey....


    welche Spielklasse trainiert du denn?


    1. Eine Taktiktafel ist schon mal sehr wichtig - denn dort kannst du es ihnen theoretisch beibringen.
    2. Nach der Theoriestunde solltest du auf dem Platz gezielt Übungen zum Ballorientiertem Spiel durchführen.


    Hast du paar gute Übungen dazu? Oder benötigst du welche?

  • Wenn jemand 15 Jahre lang nichts anderes kennengelernt hat als "das ist dein Mann! Den verfolgst du überall hin", dann ist ein Umdenken für ihn schwierig!


    Aber kein Mensch verlernt das Lernen. Allenfalls wird es schwieriger, dauert länger, kostet mehr Geduld! Unabdingbar ist jedoch die Bereitschaft, etwas Neues lernen zu wollen. Denn im Seniorenbereich gibt es fast immer auch einen Teil, der lediglich zwecks Fitness zum Training kommt und gar nichts mehr dazu lernen möchte. Auch diese Leute müssen bereits sein, denn im ballorientierten Spiel verändert sich das gesamte Mannschaftsspiel, nur nur das von den 4 Leuten in der "4-Kette"


    Wenn der Trainer jedoch zu einer Kreisklassen-Mannschaft sagt: "Ab morgen spielen wir mit Kette", dann wird vermutlich nicht sehr viel mehr dabei herauskommen, als das da 4 Leute hinten auf einer Reihe stehen. Weil sie nicht so recht wissen, was sie da sollen, wird der Gegner mit klassischer Taktik mit ihnen sportlich kurzen Prozess machen und das ganze endet im Desaster. Als Fazit wird gesagt: "man muß die richtigen Spieler dafür haben." Manchmal hört man auch: "wir haben dafür nicht die richtigen Schiedsrichter."


    Der Grund ist jedoch ein anderer: Der Trainer hat zu wenig Wissen! So erkennt er vielleicht nicht, dass individuelle, technische Defizite (z.B. geht nicht auf den gepaßten Ball zu, hat Probleme bei der Ballan- und mitnahme, kann keinen technisch sauberen Paß schlagen) die Ursache für einen schlechten Spielaufbau sind.


    Das bedeutet: man muß zunächst die Grundelemente des ballorientierten Spiels mit Schwerpunktverlagerung vom Dribbling, bzw. Manndeckung hin zum Paßspiel sowie Paß- und Laufwegdeckung trainieren. Dazu gehört ferner das Trainieren von Angriffs- und Abwehrdreiecken, denn nur wenn die ballnahen Spieler wissen, das und wohin sie laufen sollen, gibt es permanente Anspielmöglichkeiten.


    Wenn diese Vorarbeit zur Verbesserung der individuellen Fähigkeiten geleistet wurde, kann man mit den gruppentaktischen Elementen des ballorientierten Spiels beginnen. Zweckmäßigerweise beginnt man in der Defensive.


    Manche Trainer nehmen Absperrband, um das seitliche Verlagern zu trainieren. (Man könnte auch jedem dieser Hornochsen einen Ring durch die Nase ziehen!) Ich verzichte auch nicht ganz auf Hilfsmittel. So positioniere ich 4 gleichfarbige Hütchen auf der einen Spielfeldseite im gleichen Abstand untereinander. An jeder Aussenseite positioniere ich ein andersfarbiges Hütchen. Am Mittelkreis steht dann ein Spiel mit Ball. Der soll den Gegner spielen und mal seitlich nach links bzw. rechts dribbeln. Die Aufgabe der 4 Spieler besteht erst einmal darin, den Gegner mit Ball zu beobachten und dabei im gleichen Tempo seitlich zum nächsten Hütchen zu laufen.
    An der anderen Spielfeldhälfte sind ebenfalls 4 Spieler. Ihre Aufgabe ist es, ohne Markierungen (Hütchen) die Bewegungen der anderen Gruppe nachzumachen. (Während andere Trainer noch ihr Absperrband ausrollen, es an Spieler befestigen, sie wieder losbinden und andere daran festbinden, in ihrer Verzweiflung das Band schließlich immer wieder flicken, ist man mit der "Hütchenmethode" schon fertig.


    Im zweiten Laufwegprozess wird das Verengen und Erweitern der Kette trainiert. Dazu werden ca. 6 - 8 m vor dem Strafraum 4 Hütchen im gleichen Abstand untereinander so positioniert, dass die beiden äußeren Hütchen in Höhe der Strafraumecken stehen. Desweiteren werden an der Mittellinie 4 Hütchen im gleichen Abstand untereinander so positioniert, dass je nach Spielfeldbreite zwischen den äußeren Hütchen noch ca. 10 m Platz bis zur Außenlinie ist.


    In diesem Laufwegprozeß wird zunächst das "Verdichten" in der Rückwärtsbewegung trainiert. Hierbei soll die Laufrichtung zum hinteren Hütchen, jedoch der Blick weiterhin auf den Ball gerichtet bleiben. Nur kurze Schulterblicke sowie die Beobachtung der Mitspieler steuern die gleichmäßige Rückwärtsbewegung. Die Initierung dieser Bewegung erfolgt durch einen Gegenspieler, der mit dem Ball aus der eigenen Hälfte nach vorne startet und das eigene Team sich zunächst fallen läßt!


    Bei der Spieleröffnung vergrößern sich die Abstände untereinander. Dazu wird ein Ball zwischen den 4 Abwehrspielern zirkuliert, bis die vorderen Hütchen an der Mittellinie erreicht sind!



    Die hier beschriebenen Übungen sind jedoch nur der allererste Anfang! Wer Apetit auf mehr bekommen hat, dem sei die Fachliteratur, die Videos oder noch besser die C-Leistungslizenz ans Herz gelegt! Dann was man selbst nicht versteht, kann man auch nicht weitergeben! Ferner gehört schon etwas Erfahrung hinzu, um nicht nur Fehler zu erkennen, sondern Maßnahmen für Korrekturen zu kennen.


    Im Seniorenbereich kann mein ein ordentliches Spiel ab der Regionalliga sehen, im Jugendbereich sind dank guter Ausbildung in den letzten Jahren schon gute Umsetzungen ab der Landesliga zu finden.


    Für den Anfang bietet sich ein 4 : 2 : 3 : 1 Spielsystem an, weil es gegenüber dem 4 : 3 : 3 nicht so offensiv und gegenüber dem 4 : 4 : 2 nicht so defensiv ausgerichtet ist. Ferner läßt sich die Spielfeldgröße gut beim 4 : 2 : 3 : 1 ausnutzen. Aber das ist lediglich eine Empfehlung, denn man kann durchaus auch mit anderen Konstellationen gute Erfahrungen sammeln.

  • Als Fazit wird gesagt: "man muß die richtigen Spieler dafür haben."


    Ein AH-Kollege, der selbst wohl mal dritte Liga spielte, behauptet, man bräuche für die Kette schnelle Verteidiger. Warum gerade diese Spieler beim ballorientierten Spiel schneller als bei dem mit Libero sein müssen, hat sich mir noch nicht erschlossen..

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • tobn


    mahlzeit,


    ich denke er sieht das so, weil die aussenverteidiger im ballorientierten spiel sehr viel mehr das angriffsgeschehen vorantreiben, als im spiel mit manndeckung. die aussenverteidiger sind viel mehr gefordert zu hinterlaufen und zu kreuzen als noch vor 20 jahren, wobei noch hinzukommt, das sie sehr schnell nach einem gescheiterten angriff wieder zurück müssen, um die raeume wieder zu verengen.
    ein aussenverteidiger ist heute vielmehr das, was früher zu 'manndeckungs- und liberozeiten' ein 'läufer' war.


    aus eigener erfahrung kann ich dem auch nur beipflichten, mit langsamen spielen auf den aussenpositionen klappt es kaum bis gar nicht.



    gruss

  • Was die Außenverteidiger anbelangt, bin ich ziemlich bei dir, vor allem müssen sie viel laufen können, zumindest, wenn sie auch ihr offensives Potenzial ausschöpfen sollen. Aber er meinte auch bzw. vor allem die Innenverteidiger, und das hat sich mir nicht erschlossen..

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • tobn


    Der Hauptgrund, warum Trainer sich früher gesträubt haben, die "Kette" einzuführen lag in der für sie seinerzeit nachvollziehbaren Sicherheit, dass der Libero das Fehlverhalten von Verteidigern noch korrigieren konnte.


    Jedoch war die "Kette" in den Anfangsjahren auch noch viel zu statisch, d.h. die standen immer nur auf einer Linie und waren durch einen einzigen Pass in die Schnittstellen auszuspielen. Wenn man sich Bundesliga oder auch Nationalmannschaftsspiele aus den Anfangsjahren des ballorientierten Spiels anschauen, dann kann man erkennen, wie die "Kette" noch mit dem Gesicht zum eigenen Tor verteidigen muß, weil sie zu hoch steht und ein rechtzeitiges Fallenlassen bzw. Absetzen noch nicht erfolgte.


    Kommentare sollten auch immer mit dem zeitlichen Aspekten betrachtet werden.


    Auf den aktuellen Fussball betrachtet war ich lange zeit skeptisch, ob sich im Breitensport ein ballorientiertes Spiel realisieren läßt! Heute glaube ich, dass es möglich ist, weil die Jugend besser ausgebildet wird, als noch vor 1 - 2 Jahrzehnten. Das liegt insbesondere an engagierten Trainerkollegen, wie euch!

  • Ja, TW-Trainer, das wäre in der Tat ein Erklärungsansatz. Wenn die Kette hoch steht, auf Abseits spielt und sich nicht antizipierend fallen lässt, dann rennen die Verteidiger natürlich dem Pass in die Tiefe hinterher und müssen dann tatsächlich pfeilschnell sein, um den mutmaßlichen Vorsprung des ungehindert auf das Tor zupreschenden Stürmers noch wett zu machen. Danke für die Vermittlung dieser Einsicht. :)

    "Be yourself; everybody else is already taken." (Oscar Wilde)

  • tobn


    Weil nach Einführung des ballorientierten Spiels noch genügend Trainer (teilweise bis zur A-Lizenz) auf und neben deutschen Fussballplätzen herumlaufen, die das ballorientierte Spiel nur aus dem Fernsehen kennen, gibt`s Wochenende für Wochenende Traineranweisungen, die kaum bis gar nichts mit dem ballorientierten Spiel zu tun haben.


    Der Anfängerfehlder mit einer zu hoch agierenden Kette soll nur stellvertretend dafür sein, was so unter dem Motto: "wir spielen jetzt mit Kette" den Zuschauern präsentiert wird. Aber aus Fehlern lernt man bekanntlich.


    Deshalb glaubt ich fest an die Verbreitung des ballorientierten Spiels Ich bin mir sicher, dass man es im Breitensportbereich genauso gut hinbekommt, wie das gegnerorientierte Spiel! Denn es kommt hier weniger auf die Perfektion an, sondern auf den Spaß an einem etwas intelligeneren Fussballspiel, bei dem die Knochen auch öfters mal heil bleiben, weil man bewußt auf Zweikämpfe verzichtet und dafür öfters mal zum Mitspieler paßt!

  • TWT


    mahlzeit,


    das viele nachwuchsmannschaften (im seniorenbereich sehe ich das bei uns sowieso erst ab der landesebene, da sind wir den herrenteams eh schon um jahre voraus) zwar versuchen mit 'kette' zu spielen, aber trotzdem sehr hoch stehen (ich nehme meine mannschaften da mal nicht aus), hat auch viel damit zu tun, es oft schwierig ist, den jungs den wechsel vom kleinfeld zum großfeld mit abseits 'beizubringen', wenn man zu den traningseinheiten nur bedingt mannschafts- und gruppentaktisch trainieren kann. sie brauchen ja erstmal eine grundordnung und dazu eignet sich der mittelkreis zur orientierung einfach ziemlich gut.


    im dritten jahr 'großfelderfahrung' gehen wir so langsam dazu über, auch wieder tiefer zu stehen und trotzdem noch offensiv zu spielen.


    auch wenn sich das eigentlich widerspricht, schaffen wir den spagat zwischen ansatzweise ballorientiertem spiel mit viererkette und 'aktiv' mit der abseitsregel zu arbeiten (ja, oft geht das auch in die hose, weil die schiedsrichter ohne assis arbeiten müssen und das so schnell leider gar nicht erfassen können :( .............hat uns schon etliche siege gekostet. aber wenn'S die abseitsregel gibt, will ich sie auch angewand wissen)


    grade im breitensport sind die meisten spielsysteme eh ein "mischmasch" aus den günstigsten (einfachsten) dingen die einem zur verfügung stehen.



    gruss

    Einmal editiert, zuletzt von DSV ()

  • im Jugendbereich sind dank guter Ausbildung in den letzten Jahren schon gute Umsetzungen ab der Landesliga zu finden.

    Autsch, das hat gesessen! Wir trainieren es trotzdem gerade systematisch in einer A-Jugend Normalstaffel.
    Aus Deiner Perspektive mit umfassender Erfahrung im Leistungsbereich ist das bestimmt gruselig, was Trainer und Spieler da so zusammenbringen, aber ....

    ich bin mir sicher, dass man es im Breitensportbereich genauso gut hinbekommt, wie das gegnerorientierte Spiel! Denn es kommt hier weniger auf die Perfektion an, sondern auf den Spaß an einem etwas intelligeneren Fussballspiel, bei dem die Knochen auch öfters mal heil bleiben, weil man bewußt auf Zweikämpfe verzichtet und dafür öfters mal zum Mitspieler paßt!

    . . . danke, hier hast Du mein Wochenende gerettet. Denn genau das bekommen wir von den Jungs in den Trainingseinheiten zum Teil zurück: willige Mitarbeit, neugierige Fragen,ein Lächeln, wenn das defensive 1:1 (jawohl, damit mussten wir anfangen) gegen einen deutlich schnelleren und technisch überlegenen Gegenspieler gelingt oder die Kette mehrere Überzahl-Angriffe in Serie abfängt. Durchaus auch Diskussionen und Hinterfragen, aber so ist es für alle Beteiligten eine interessante Herausforderung. Und selbst für die 3-4 Jungs, die das Normalstaffel-Niveau technisch deutlich überschreiten, immer wieder Aha-Effekte.


    Jetzt müssen wir nur sehen, dass die Jungs sich keine Wunder im Spielbetrieb erhoffen und die Motivation auch nach den zu erwartenden Niederlagen am Anfang der Saison erhalten bleibt. Denn unter dem Strich ist die Truppe schon sehr mäßig. Manche tun sich schon mit Normalstaffel-Niveau schwer.