Zu hohe Belastung?

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  • Ich glaube das viele Trainer über das Ziel hinausschießen und mehr erreichen wollen, als die Kinder aus meiner Sicht einbringen sollten.

    Ich erkenne das an unseren Auswahlspielerinnen, von denen erwartet wird das sie zeitweise dreimal die Woche im Verein trainieren, einmal die Woche mit der Verbandsauswahl und einmal die Woche im Jungenstützpunkt. Zusätzlich das Meisterschaftsspiel und ggf. noch ein Freundschaftsspiel. Fakt ist das dies von dem Trainergespann der Verbandsauswahl eingefordert wird, weil sie sonst keine Chance haben es mal weiter zu bringen. ?( Die Kinder haben absolut keine Zeit mehr für sich selbst und ihr privates Umfeld.

    Sorry, für mich ist das verheizen in Reinkultur.

    Denn eines dürfte den meisten doch wohl klar sein. Es wird nur ganz, ganz wenigen gelingen wirklich oben anzukommen. Berechtigt die kleine Menge die es schaffen, das Unmengen an Kinder diesem Druck ausgesetzt werden?



    Wer kämpft kann verlieren - wer nicht kämpft hat bereits verloren

  • Moin,

    zum Thema Stützpunkt: es ist ganz klar, das Stützpunktraining zusätzlich zum normalen Training stattfindet, um die sogenannten Talente zu fördern. Auswahl- oder Stützpunkttraining statt Vereinstraining, nicht zusätzlich.

    Generell stimme ich Dir mit dem Thema verheizen zu. Aber es gilt zu bedenken: es ist kein Muss, sondern als Angebot aufzufassen. Man kann es machen und als B-Jugendliche sollte man schon einen eigenen Willen haben oder man lässt es. Druck sehe ich da nicht gross... Nur wenn man sich dazu entschieden hat, dann sollte man es auch konsequent durchziehen.

    Von oben ankommen spreche ich hier nicht, da spielen ganz andere Faktoren als Auswahlen eine Rolle.

    Wenn Du allerdings so argumentierst, dann kannst Du den kompletten deutschen Spitzenfussball dicht machen. Bundesligisten trainieren in der D-Jugend hier schon 4x die Woche, plus Spiele/Turniere am WE. Wann willst Du denn beginnen?

    Frag mal eine Steffi Graf, wann die angefangen hat zu spielen. Je früher, desto besser. Leistungssport ist immer Entbehrung pur und wer oben ankommt hat Luxus pur. Nur von nichts kommt: nichts. Und manche wollen sich sowat antun. Denen muss man eben auch ein Plattform geben, denn sie sind die Vorbilder von übermorgen.

    Zweischneidiges Schwert...

    ciao
    BB

    ---- Sinnvoller Einsatz der Shifttaste sowie der Interpunktion erhöht die Lesbarkeit aller Postings signifikant. ---

  • So sehe ich es auch. Das ist eine zweischneidige Geschichte. Wenn man noch oben will, muss man zwangsläufig so viel trainieren. In anderen Sportarten wird noch viel mehr trainiert.

    Das ist per se auch nicht unbedingt schädlich. Es darf nur niemand dazu gezwungen werden, sondern man muss sich bewusst dafür entscheiden. Es gibt doch wirklich keinen Druck, der einen zwingt, diese Angebote wahrzunehmen. Wenn man halt nicht Auswahl spielen will und die Belastungen auf sich nehmen, dann lässt man es halt. Wo ist das Problem?

  • Zitat:


    Big Bopper schrieb am 12.10.2008 19:43
    zum Thema Stützpunkt: es ist ganz klar, das Stützpunktraining zusätzlich zum normalen Training stattfindet, um die sogenannten Talente zu fördern. Auswahl- oder Stützpunkttraining statt Vereinstraining, nicht zusätzlich.




    Da ist jetzt ein kleiner Widerspruch drin, aber ich denke, Du meinst Auswahl- oder Stützpunkttraining UND Vereinstraining.

    Ich sehe das auch so. Talente sollen gefördert und gefordert werden, zusätzlich zu ihrem Vereinstraining. Es geht in erster Linie darum, die Talente für die nächsthöhere Sichtungsebene vorzubereiten, d.h. nicht, dass man sie aus ihrem normalen Umfeld herauszieht. Natürlich ist die Belastung dann höher, aber ich denke immer noch machbar. So ein Umfang, wie Du, bcefferen, beschreibst, sehe ich wiederum nicht, da Auswahlmaßnahmen in der Regel aufeinander abgestimmt sind und jede/r Auswahltrainer/in bei gesundem Augenmaß keine Spielerin einer wie von Dir beschriebenen Belastung aussetzt. Der Stützpunkt z.B. steht am "Anfang" der Auswahlkarriere und begleitet ein Kind ja nicht durch die ganze Jugend. Und in den einzelnen Sichtungsstufen der Verbände braucht man nicht immer in allen Sichtungsstufen auflaufen, sondern da fällt dann schon mal die untere Sichtungsstufe "aus". In der höheren Altersklasse in einer Verbands- oder sogar Nationalauswahl zu spielen heißt auch, dass man sich schon sehr weit in der Spitze befindet, und da muss man schon bereit sein, auf ein wenig mehr an Freizeit zu verzichten.

    "Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen."
    Lao-Tse (chinesischer Philosoph)

  • Moin,

    nein, ich meine ganz klar Stützpunkttraining ist ein Zusatztraining, mehr nicht. Das sagts übrigens auch der Veranstalter: "Einmal wöchentlich zusätzlich zum Vereinstraining lädt der DFB dann die größten Talente der Kreise zur Teilnahme an einer Sonderschicht in den Talentzentren ein."

    Nachzulesen in: http://www.dfb.de/index.php?id=11153 und steht ja auch so in der Konzeption, warum das so ist/sein soll...

    Wenn die Vereinsverantwortlichen (Trainer) ihre Trainings so legen, daß das Training im Verein nicht an einem Stützpunkttrainingstag liegt, dann fühlt sich das Kind/der Jugendliche natürlich bald überfordert. Zu viel Training ist auch nicht gesund.

    Wenn man an die Spitze will, dann helfen nur Entbehrungen. Andere Sportarten lachen nur über den wenigen Einsatz/weniges Training der hochbezahlten Fussballer....

    ciao
    BB

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  • Es ist sicher unstrittig, dass die Spieler, die hoch hinaus wollen, auch mehr trainieren müssen als andere, die es eher als Breitensport betreiben.

    Es hängt auch sehr stark von den Kids ab, ob sie sich überlastet fühlen. Meine Auswahlspieler sind selbst an den Tagen, wo sowohl Vereins- als auch Auswahltraining stattfanden, nach dem Auswahltraining noch zum Vereinstraining gekommen, obwohl ich empfohlen hatte, an diesem Tag nur bei der Auswahl zu trainieren, weil ich eine Überlastung befürchtete, die sich dann aus meiner Sicht zum Teil auch bemerkbar gemacht hat. Obwohl ich es auch angesprochen habe, wurde der Turnus so beibehalten und wegschicken wollte ich sie auch nicht. Seit wir unser Training um einen Tag verschoben haben und die Kids an getrennten Tagen trainieren, ist es deutlich besser geworden.

    Man muss auch berücksichtigen, dass Kinder und Jugendliche ja auch relativ schnell regenerieren können. Gestern war meinen Auswahlspielern im Pokalspiel nichts davon anzumerken, dass sie am Vortag ein ganztägiges Kreisauswahlturnier betritten hatten.

    Ich persönlich bin auch nicht davon überzeugt, dass die größten Talente zwingend über Stützpunkttrainings gefunden werden. Aus meinem Team trainieren 4 von 14 Spielern zusätzlich zum Vereinstraining im Stützpunkt.
    Interessanterweise ist es aber so, dass bei den parallel in der Landesliga durchgeführten Talentsichtungen mittels Angabe der besten Spieler durch die gegnerischen Trainer auf dem Spielformular nicht zwingend die Auswahlspieler erscheinen. Mein meistgenannter Kicker hat zu den Sichtungen erklärt, dass er keine Lust habe auf dem Stützpunkt zu trainieren, da es ihm dort nicht gefalle (gemeint waren die wenig kindgerechte Atmosphäre und der Kasernenhofton), was ich als sein Vater auch akzeptiert habe. Weitere Spieler, die mindestens so talentiert wie die Auswahlspieler sind, wollten aus ähnlichen Gründen auch nicht zum Stützpunkt. Ich halte es auch für sinnvoll, dass die Kids neben dem Training auch ausreichend Zeit für ihre Freunde haben.

    Zumindest in unserem Fußbalkreis so, dass der Verein, auf dessen Gelände das Stützpunkttraining stattfindet, sich dadurch "auszeichnet", die Talente unverhohlen abzuwerben, weshalb viele Vereine ihre talentierten Kids dort gar nicht mehr hinschicken.

    Schöne Grüße

    Coach99

  • Moin,

    Coach99: das sind die Probleme, die dieses Stützpunktsystem mit sich bringt. Hier gibt es ähnliche Probleme. Aber dafür sollten wir einen eigenen Fred aufmachen.

    Zur Belastung: bei uns hier im Stützpunkt wurde so ein läppisches Training gemacht, da brauchte man normalerweise nicht mal duschen danach... Von daher war es eher Zeit- und Geldverschwendung als körperliche Belastung...

    ciao
    BB

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    Einmal editiert, zuletzt von Big Bopper ()

  • Das ist Kontraproduktiv! Man will nach oben, reibt den Spieler auf und er kommt "oben" nicht an, weil er keine Bock mehr hatte oder gar krank wurde (Knieprobleme etc.) oder schulisch in die Talfahrt gefahren wurde.

    Wenn ich -bezogen auf unseren Fußballkreis- schaue, wieviele Kinder hier Fußballspielen (geschätzt: 5000 Spieler von der F bis zur A auf ca. 20 Vereine und pro Jahrgang im Schnitt zwei Mannschaften gerechnet) und setze diese Zahlen in Relation zu der Zahl, die "oben" angekommen ist, dann zieht sich mir das peinliche Grinsen -verursacht durch das Ergebnis auf 10 Jahre- ins Gesicht, also:

    ca. 5000 Spieler fürs Jahr 2008 und in den letzten 10 Jahren waren es ZWEI mir bekannte Spieler die "oben" angekommen sind (Simon Rolfes und Peter Niemeier).

    Und dafür der von Bcefferen aufgeführten Aufwand? Wo ist da die Relation?

    Ich finde die Stützpunktarbeit etc. im Ansatz gut und hier im Kreis läuft das auch gut. Nur unter den oben aufgeführten Gesichtspunkten komme ich auf den Nenner, dass die gesichteten Talente nicht in ihrer Mannschaft spielen sollten, sondern zu 100 Prozent beim Stützpunkt. So würden sie in ihrer Leistungsgruppe spielen und zwei Trainings im Verein sparen, wo wäre da der Nachteil. Es gibt ihn nicht! Dinge wie, ...aber seine Freunde....oder....unsere Vereinsmannschaft wird geschwächt....zählen da für mich nicht, denn es ist zum Wohle des Jungen und des deutschen Fußballs und da sollte man den persönlichen Ehrgeiz und Egoismus nach hinten stellen!

    Aus diesem Denken heraus kam ich damals u.a. auch dazu, über eine Spielgemeinschaft nachzudenken. Nicht -wie es oftmals der Fall ist- aus Spielermangel, sondern um den Talenten der Vereine, welche nicht in die Kreisauswahl.- oder Stützpunktmannschaft gekommen oder geblieben sind eine sportliche leistungsangemessene Perspektive bieten zu können. In einer solchen Spielgemeinschaft wären sie ja dann auch zu 100 Prozent (als Vertreter ihres alten Vereines). Leider leider und das wißt ihr auch, kommt so etwas aufgrund der Vereinsmeierei nicht zum Tragen. Erkennt hier jemand für den Jugendfußball Nachteile, ....ich jedenfalls nicht.

    Man erkennt dann auch ziemlich schnell, ob jemand bereit ist, diesen Aufwand zu betreiben, denn es gibt viele Spieler und Eltern, die sich auf dem Bauch gepinselt fühlen, wenn der Sohnemann oder die Tochter dort spielen dürfen. Hier den Dreh zu bekommen, NEIN zu sagen, ...ich mache das nicht mit.... ist bei dem vorhandenen falschen Ehrgeiz wohl eher schwierig und bedeutet für manch einen einen leidvollen Weg in Bezug auf den Aufwand.

    Hinzu kommt die Doppelbelastung, nämlich das Turboabitur, d.h. der Gymnasiast hat doch einiges mehr zu tun, als seine Vorgänger ohne Turboabitur, leider.

    Abschließend möchte ich sagen, dass ich froh bin, dass mein Mittlerster aus der Kreisauswahl ausgeschieden ist. Mir würde es nämlich keinen Spass machen, quer durch das Land zu fahren um mein Geld und meine Zeit für teueren Sprit auszugeben, wofür, wenn man den Spass doch auch zu Hause haben kann? Gruß Andre



  • Zitat:


    Andre schrieb am 13.10.2008 09:55
    Nur unter den oben aufgeführten Gesichtspunkten komme ich auf den Nenner, dass die gesichteten Talente nicht in ihrer Mannschaft spielen sollten, sondern zu 100 Prozent beim Stützpunkt. So würden sie in ihrer Leistungsgruppe spielen und zwei Trainings im Verein sparen, wo wäre da der Nachteil. Es gibt ihn nicht! Dinge wie, ...aber seine Freunde....oder....unsere Vereinsmannschaft wird geschwächt....zählen da für mich nicht, denn es ist zum Wohle des Jungen und des deutschen Fußballs und da sollte man den persönlichen Ehrgeiz und Egoismus nach hinten stellen!




    Da würde ich jetzt nicht unbedingt zustimmen wollen. Du schreibst ja selber, dass die Zahl derer, die oben ankommen, nicht so groß ist. jetzt holt man die vermeintlichen Talente aus ihren Teams heraus, und am Ende entwickelt er sich nicht so wie evt. zu erwarten war, und was dann? Dann kommt er als gescheiterter Spieler wieder zurück?
    Nicht umsonst heißt es doch (von verantwortungsbewussten Trainern), dass ein Talent, sollte er nicht gerade in einer total schwach trainierten Mannschaft spielen, erst in der C- oder sogar B-Jugend wechseln müsste, um weiterzukommen. Es geht ja nicht nur darum, aus den Spielern Talente zu machen, sondern man holt Spieler, die schon talentiert sind (oder von denen man es wenigstens glaubt, Stützpunkttrainer liegen ja auch mal daneben), zusammen, um sie auf den Weg nach oben zu bringen. Dafür reicht bei einem D-Jugend-Spieler jungen Jahrgangs meiner Meinung nach der Stützpunkt aus. Den von bcefferen angesprochenen Ehrgeiz haben eben oft auch die Eltern, die für ihr Kind möglichst schon ab der F-Jugend den Weg gezeichnet sehen wollen, wie es zur Bundesliga geht. Man darf aber nicht verwechseln: Die Förderung eines Talentes beginnt optimalerweise dadurch, es möglichst früh zu finden und bereits in jungen Jahren (beginnend mit 11 Jahren im Stützpunkt) zu fördern. Das Tempo der Förderung ist der andere Aspekt, und der wird dann gerne übertrieben (früher Vereinswechsel etc.), da wäre es dann schön, wenn man dem Kind (denn es sind ja noch kleine Kinder!) die Zeit gibt, schließlich ist es ja noch ein langer Weg bis ins Herrenalter. Wenn das Talent ein Talent ist, dann geht es seinen Weg durch die Auswahlstufen, da braucht man nicht auf das Tempo zu drücken.

    "Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen."
    Lao-Tse (chinesischer Philosoph)

  • Es kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu, der m.E. hier noch nicht beleuchtet wurde.

    Wir reden die ganze Zeit davon, dass der Aufwand zu rechtfertigen ist für Spieler, die ganz nach oben wollen. Das sehe ich auch so. Wer Profi werden will, muss eben in Kindheit und Jugend auf bestimmte Dinge verzichten und Prioritäten setzen. Niemand wird gezwungen (außer von ehrgeizigen Eltern vielleicht) und in anderen Sportarten wird für die nationale Spitze noch weitaus mehr trainiert ab dem 13./14. Lebensjahr oder schon vorher.

    Ich denke aber, dass das Problem im Fußball auch darin besteht, dass man auch im hohen bis mittelhohen Leistungsniveau - also bei Spielern, die sehr gut sind, aber nie in der Bundesliga ankommen werden - schon sehr viel Zeit investieren muss, um sportlich mit der "Konkurrenz" mithalten zu können. Da sind drei Trainings die Woche eigentlich Pflicht, während z.B. die Jugendturner bei uns im Verein mit 1x die Woche noch locker bei Landesturnfesten die Podestplätze abräumen. Mit 1x Training in der Woche würden unsere Jugendmannschaften nicht mal um Kreismeisterschaften mitspielen können. Der Großteil der Stützpunktspieler betreibt aber auf diesem mittleren bis hohen Niveau Leistungssport, ohne jemals ganz oben anzukommen (vielleicht auch, ohne das als Ziel zu haben, sondern einfach nur aus Spaß an der Sache!).

    Die Frage ist, ob das zu rechtfertigen ist. Die Antwort ist meines Erachtens sehr einfach: Die muss sich jeder selber geben!


  • Hallo Holler,

    um eines klar zu stellen: Ein Talent ist man, kein Trainer macht aus einem Spieler ein Talent, entweder er ist eins oder nicht. Dieses zu erkennen und zu fördern ist die Kunst. Über das WIE, sprich wie fördere ich bin ich offen und da schätze ich die Meinung der Leistungscoach sehr. Ich persönlich reagiere hier eher emotional auf der Ebene eines Vaters der zufällig Trainer mit vielen Ideen geworden ist. Hierbei habe ich nicht das Denken, dass alle Ideen gut sind, doch wo bleiben wir, wenn es keine Visionen/Ideen mehr gibt.

    Für mich wäre der Wechsel in ein Leistungsteam nicht das, was ich mir für meinen eigen Sohn vorstellen würde. Mein Mittlerer war kurzfristig beim Stützpunkt und mußte wieder gehen. Er hatte Knieprobleme und konnte zwei Monate nicht mitmachen. Er sagte dem Trainer auch, dass er kein Bundeligaspieler sein wolle, er würde lieber Richter, tztz. Zack, da war er draussen, zusammen mit zwei anderen Spielern aus meiner damaligen Mannschaft. Drei Jungs, drei Typen, dreimal mehrere Wochen völlig geknickt und das mit elf Jahren.

    Der eine schlief zwei Nächte bei Mama und Papa im Bett und war völlig fertig. Der zweite sagte, ...macht nix, die Eltern berichteten mir aber, dass er plötzlich keine Lust mehr auf Fußball hatte und so war es auch mit meinem Sohn, ...."Papa, ich spiele weiter, aber ich habe eigentlich keine Lust mehr!"

    DARAUF HABE ICH AUCH KEINE LUST MEHR.

    Also, die Idee mit einer Spielgemeinschaft wäre für diejenigen gedacht, die die echten Ambitionen aus freien STücken hätten und das Talent dazu mitbringen und eben nicht in der Kreisauswahl oder Stützpunktmannschaft spielen gedacht.
    Diese Spieler und deren Eltern müßten eben bei einem Ausscheiden mit den Konsequenzen leben, also ein deutliches JA.

    Dieses JA gäbe es für meinen Sohn nicht, es sei denn, er würde mir seine echte deutliche Lust dazu signalisieren.

    Wie Chris es schon sagte: Die Antwort muss sich jeder selber geben.

    Gruß Andre

    Einmal editiert, zuletzt von Andre ()

  • Zitat:


    Andre schrieb am 13.10.2008 12:12
    Der eine schlief zwei Nächte bei Mama und Papa im Bett und war völlig fertig. Der zweite sagte, ...macht nix, die Eltern berichteten mir aber, dass er plötzlich keine Lust mehr auf Fußball hatte und so war es auch mit meinem Sohn, ...."Papa, ich spiele weiter, aber ich habe eigentlich keine Lust mehr!"

    DARAUF HABE ICH AUCH KEINE LUST MEHR.




    Hi Andre,
    da beleuchtest Du den anderen Aspekt, in dem ich Dir recht geben muss. Wir haben ja die Frage diskutiert, ob wir Kinder mit der angebotenen Förderung verheizen, wie bcefferen es schrieb. Jemand, der im Stützpunkt angekommen ist und dort spielt, wird meist auch Lust an dieser Förderung haben. Was ist aber mit den Kindern, die dort nicht ankommen? Das habe ich in meiner Mannschaft auch durch, ein für uns recht guter Spieler mit einem ein wenig "überehrgeizigem" Vater musste sich plötzlich eingestehen, dass es für den Stützpunkt nicht reicht. Auf einmal fand dieser sich -zuvor noch den Stützpunkt im Blick- in einem Loch wieder. Da war eine Menge Aufbauarbeit gefragt, ihn davon zu überzeugen, dass er trotzdem ein für uns wertvoller Spieler ist. Man könnte jetzt die Frage aufmachen, ob dieser Druck, den die Kinder sich bei der Sichtung für den Stützpunkt oder auch, wenn sie bereits im Stützpunkt sind, machen, sinnvoll ist für die Kleinen. Ich glaube, da könnten wir einen extra-Beitrag aufmachen, in dem wir dann diese Frage diskutieren. Für die, die durchkommen durch das Sieb, ist alles supi, für die, die übrig bleiben, bleibt im schlimmsten Fall die Erkenntnis, dass sie doch nicht so gut sind, wie sie oder ihre Eltern dachten, ganz nach dem Prinzip "ich muss draussen bleiben".
    Wenn Du jetzt aber Teams bildest, in denen sich die Talente sammeln, dann wird man wahrscheinlich das selbe Problem haben, denn wie kommt ein Spieler denn in dieses Team? Nimmt man die, die wollen, dann ist das Team übervoll, denn nicht jeder hat das Talent, was er glaubt zu haben. Also müsstet Du aussieben, womit Du evt. wieder die von mir angesprochenen Probleme der "Aussen-vor-gelassenen" hast.
    Ich glaube nach wie vor nicht an ein Problem des Verheizens von Talenten. Selbst Spieler, die z.B. nach dem Stützpunkt keine weitere Karriere vor sich haben, können eine Menge Erfahrungen mitnehmen aus dem Fördertraining. Das Problem sehe ich eher wie so oft im direkten Umfeld der Kinder, Eltern und Vereinstrainer, die überehrgeizig mit den Kindern umgehen. Da wird viel mehr verheizt, das ist manchmal richtig zum K...

    "Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen."
    Lao-Tse (chinesischer Philosoph)

    Einmal editiert, zuletzt von Holler ()

  • Aus meiner Sicht ist vieles eine Sache der Balance.

    Fakt zumindest für unsere Region ist, das nicht einmal mit den Trainern der jeweils besten Vereine eine Gesprächsebene bzw. Kontaktebene geschaffen wird. Von Abstimmen der Trainingsziele bzw. der Trainingstage zwischen Verein und Verband/Stützpunkt ganz zu schweigen.

    Hört sich jetzt etwas böse an, aber z.Zt. habe ich ehr das Gefühl, das einige Verbandstrainer weder Rücksicht auf die Bedürfnisse Kinder nehmen noch auf die jeweiligen Vereinsmannschaften.
    Warum? Weil sie unter Erfolgsdruck stehen und es ihnen nicht nur auf die Förderung der Kinder ankommt, sondern oft um den eigenen Posten, der nicht gefährdet werden soll. Regelmäßig nicht so gute Ergebnisse führen auch für Verbandstrainer zur Grundsatzfrage der übergeordneten Strukturen ?( .

    Aufgrund der Tatsache, das die Kommunikation von Verbandsseite nicht oder nur einseitig gewollt ist, und die Jugendlichen auch Zeit für sich benötigen, stelle ich fest, das immer mehr unserer Spielerinnen sich gegen das Verbandssystem entscheiden. Ist wirklich komisch, erst wurden sie unter Druck gesetzt, und gedroht sie nicht mehr einzusetzen, und wenn sie sich dann gegen dieses System entscheiden, dann telefoniert man ihnen nach um ihnen eine goldene Brücke zu bauen bzw. zurück zu gewinnen. Mich jedenfalls schüttelt es doch etwas, wenn ich so etwas mitbekomme.

    Ich schätze z.B. unser Vereinsteam fast so stark ein wie das aktuelle Verbandsteam. Werde deshalb mal vorschlagen ein Spiel gegeneinander zu vereinbaren. Und wisst ihr was ich vermute, das es nicht zu diesem Spiel kommen wird, da damit eine teilweise verfehlte Vorgehensweise bestätigt würde. Und wer will das schon.

    So nun aber wieder zum Thema. Aus meiner Sicht sind es sehr oft die Eltern, die aus ihren Kindern mehr machen wollen als es Sinn macht. Da überhören und übersehen viele offensichtliche Signale.
    Ja, auch Sie glauben das man erhebliche Entbehrungen in Kauf nehmen muss damit ihr Kind es schafft.
    Sorry, das ist aus meiner Sicht völlig falsch. Es gibt Vereine die sind durchaus in der Lage eine so gute Arbeit abzuliefern, das ein zusätzliches Fördersystem nicht unbedingt erforderlich ist. Dazu zähle ich praktisch alle Bundesligisten und Vereine die mit vergleichbaren Konzepten arbeiten.
    Wir alle wissen, es gibt ewige Talente und Spieler, die ihren Durchbruch "Rakentenmäßig" erst ganz spät schaffen. Niemand kann mit Bestimmheit sagen, wer es wirklich schaffen wird. Es sind nicht nur die Entbehrungen, sondern die Prise "Glück" und "Zufall", die oft wichtiger sind, als die Zugehörigkeit zu einer Auswahlmannschaft.

    Ich allerdings bezweifel, das Kinder und Jugendliche in der Lage sind, selbst die Entscheidung zu treffen, wenn ihre eigenen Eltern und übermotivierte Trainer ihnen Hoffnungen machen, die sich in 99,9% aller Fälle nicht erfüllen werden. Denn sie glauben diesen Menschen, da die meisten es nicht gelernt haben sich selbst richtig einzuschätzen. Außerdem wollen sie diese Mennschen nicht enttäuschen.

    Wer kämpft kann verlieren - wer nicht kämpft hat bereits verloren

  • Holler, ich gebe Dir recht, wahrscheinlich hast Du recht und es wäre nur ein anderer Kriegsschauplatz, soweit man die beschriebene Seite betrachtet, hier die Seite mit den geknickten Kindern und die wären mir wichtiger als der Leistungsgedanke, wobei ich diesen als Sportler auch interessant finde. Da ich aber selber Kinder habe, wäre mir ein Leistungsteam nicht so wichtig, wie die tollen Jungs die ich trainieren durfte. Leider habe ich das damals noch nicht so gesehen, ...aber man lernt ja nicht aus.

    So gesehen wäre ein super modernes und ausgebildetes Trainerteam, die Beste Absprache mit den Dfb-Stützpunkten und die Verfolgung von modernen und ebenfalls zwischen Verein und Stützpunkt kompatibelnen Trainingsthemen ein guter Schritt in die richtige Richtung. Gruß Andre