Es ist nicht nur ein Vertrauensvorsprung.
Der Ex Profi weiß genau was es braucht um sein Hobby zum Beruf zu machen.
Denk mal an all die Skills wie Mentalität, Ernährung bzw Einstellung zum Leben. Faktoren wie Vereinswechsel, Berater und so vieles mehr. Davon hat der Laptop Trainer null Ahnung. Und die sind MINDESTENS so wichtig wie Taktik etc. Der Profi bleibt Vorbild für die Jungs (sage ich aus eigener Erfahrung).
Puh die Pauschalisierung knallt ja mal wieder komplett rein hier.
Nicht jeder Ex-Profi "weiß genau" was es gebraucht hat, um sein Hobby zum Beruf machen zu können. Oder zumindest hat es nicht jeder auch so gelebt. Nicht jeder Ex-Profi = hochdisziplinierte Vollmaschine. Glaubst du Ousmane Dembele und Neymar würden gute Fußballtrainer abgeben? Leroy Sané? Mario Basler und Ansgar Brinkmann? Pierre Michele Lasogga vielleicht? Kevin Großkreutz?
Und nicht jeder "Laptop Trainer" hat "null Ahnung" von Mentalität, Ernährung, Beratern usw. Viele (nicht alle) Laptop-Trainer haben neben ihrer Verbands-/Oberliga-"Karriere" Sportwissenschaften oder ähnliches studiert, während viele (nicht alle) Profis einfach nur Fußball gespielt und bestenfalls mit einem Ohr beim Vortrag der Fitnesstrainer zugehört haben (sage ich aus eigener Erfahrung).
Ich glaube, dass ein Großteil der Ex-Profis - wie sie jetzt auch viel beim DFB eingesetzt werden (Westermann, Wagner, Balitsch und Co.) - gute und wertvolle Co- bzw. "Spezialtrainer" sein können. Westermann z.B. hat auf dem ITK in Bremen eine Demo-Einheit zur Strafraumverteidigung gezeigt. Die Tipps für die Verteidiger waren super! Sie waren präzise, sie waren "frisch". Einfach was wirklich prägnantes außer: "Denk an die seitliche Stellung den tiefen Körperschwerpunkt." Er ist auf den Knotenpunkt Schulter im Zweikampf eingegangen und hat die Wichtigkeit der Arme hervorgehoben. Einen Unterschied zwischen Ballgewinn und gewonnenem Zweikampf gemacht. Er hat die Positionierung zum Tor thematisiert und den Torwart mit einbezogen. Wirklich hilfreiche Tipps für Defensivspieler, die ein Sandro Wagner als Stürmer vielleicht nicht gegeben hätte (Spekulation!).
Aber er hatte kein gutes Gefühl für Steuerungsmaßnahmen wie Feldgröße, Startpunkte, wann ein Durchgang "tot" ist usw. Auch seine Ansprache war nicht optimal in meinen Augen. Er ist nunmal ein Spezialist für seine Position mit einer Menge wertvoller Erfahrungswerte. Aber er braucht einen "Chef" an seiner Seite, der Training und Trainer sein zu 100% verstanden hat. Das kann, muss aber kein Ex-Profi sein. Und wer weiß - vielleicht ist Heiko Westermann dann in 5-6 Jahren auch selber so weit, ein echter Cheftrainer sein zu können.
Aber reine Spieler-Erfahrung reicht aus meiner Sicht in den meisten Fällen nicht aus. Trainer-Erfahrung gehört genauso dazu. Wenn du Trainer bist, kannst du mit deiner Mannschaft nicht mehr so sprechen, wie du es als "Führungs"-Spieler getan hast. Du musst einen ganz anderen Umgang lernen. Du darfst nicht davon ausgehen, dass alle Spieler das können und verstehen, was du als Profi konntest, obwohl du wahrscheinlich selber nicht mal weißt, warum du es eigentlich konntest. Genau das habe ich nämlich nun schon einige Male erlebt. Statt zu helfen, wie Westermann es getan hat, verzweifeln andere Ex-Profis an ihren Mannschaften: "Warum kannst du das nicht?!" "Lass dich doch nicht verarschen Mensch!" und "Das ist zu einfach!" sind keine hilfreichen Kommandos. Auch nicht von einem Dietmar Schacht.
Lange Rede, kurzer Sinn: Beides funktioniert und beides kann scheitern.