Beiträge von let1612

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    Goodie : können trotz dieser Einstellung "Finde ich wenig erstrebenswert und auch eher uninteressant." und vielleicht dann auch Erziehung deiner Kinder (oder dir anvertraute Kinder) bzw. Vorleben dieser Einstellung später für so ein Leben brennen? Und da geht es mir nicht nur um Profisportler. Erfolgreiche Wissenschaftler und Unternehmer machen das auch.

    Wir sprechen oft von einer Leidenschaft wecken, für Fußball begeistern, sich selbst mit dem Ball beschäftigen, das Kinder für den Sport brennen usw. - und was machen wir selbst mit unseren Leidenschaften? Sind wir da gute Vorbilder für die Kinder? Können wir als Erwachsene/Eltern Erfolg und Mißerfolg aushalten? Da machen die Kinder ein Wettrennen und streiten sich, wer 1. und 2. wurde - der eine würde jubeln und der andere weinen. Was machen wir meistens? Schlichten, relativieren usw.

    Oder das ganze von einer anderen Seite betrachtet: wenn ich will, dass mein Kind diese Einstellung der Profisportler positiv vorgelebt bekommt, muss ich sie dann zu Ex-Profis ins Training schicken, weil das Gros der Bevölkerung das nicht vorlebt/vorleben kann? Oder ist die Forderung "Erziehung zum Erfolg" nicht erstrebenswert und man braucht sie auch in einer Nationalmannschaft nicht?

    Seit gestern beschäftigt mich die Scholl Aussage: "Es fehlt die Erziehung zum Erfolg." Er bezieht das auf die Spieler der Nationalmannschaft - aus meiner Sicht ist das eine gesellschaftliche Herausforderung. Was machen wir in den Sportvereinen? Wie wirken wir auf unsere Kinder in Schule und Privatleben ein? Ist Erfolg in unserer Gesellschaft anerkannt und erstrebenswert?

    Otto Addo (Danke Coach1976 für den Link) sagt zu Moukoko: "Youssoufa macht mehr als andere. Viel mehr." Wird das anerkannt oder wird hier nach anderen Faktoren gesucht? Würde man in der Schule einen solchen Jungen als Streber bezeichnen?

    Andererseits lese ich bei der MFS: "wer Kinder ganzheitlich ausbilden möchte, muss in den ersten Fußballjahren aufs Gewinnen verzichten müssen". Ab wann darf/soll/muss ich dann auch aufs Gewinnen schauen?

    Wie viele Prozent unserer Bevölkerung sind Gewinner Typen? Zähle ich da selbst dazu oder nicht? Was sind die Faktoren/Variablen und Situationen, die ich hernehme um jemand als Erfolgsmensch oder Gewinnertyp zu bezeichnen?

    Ich verliere übrigens sehr ungern und trotzdem bin ich nicht der Typ, der um jeden Preis gewinnen will (egal ob Training oder Spiel) - auch wenn mir gewinnen sehr viel Freude macht. Ist diese Einstellung auf dem Weg zur "Erziehung zum Erfolg" förderlich oder hinderlich? Gerade auch in Bezug auf den Kinderfußball werde ich immer wieder gefragt, wie ich zum Gewinnen stehe, weil ich von Wettbewerben über einen längeren Zeitraum (z.B. Tabelle) nichts halte. Ich will allerdings Spiele gewinnen. Bei Festivals haben die Kinder aber öfters die Chance zu gewinnen und das Gefühl zu genießen - will man es dann nicht immer öfters? Oder tritt da ein Sättigungsgrad ein? Kann man dann mit Niederlagen nicht mehr gut umgehen?

    Ich finde die Auseinandersetzung mit der Erziehung zum Erfolg gesellschaftlich interessant. Seht ihr das auch so?

    beobachter_1000 : Danke, den sportbild Artikel habe ich gefunden. Und ich lese da vor allem heraus, dass Scholl folgendes kritisiert: "Es fehlt die Erziehung zum Erfolg" und "Die neue Generation sind noch keine Gewinner.“

    Dafür war wie schon in #23 hier geschrieben aus meiner Sicht von 2006-2012 Matthias Sammer beim DFB der Mann, der genau das forciert hatte. Und den sehe ich heute nicht mehr.


    Die von der Welt aufgeführten Spieler "Neuer, Ginter, Süle, Gündogan, Kroos, Goretzka, Sané, Gnabry oder Werner" sehe ich da allerdings nicht als Gewinner- oder Erfolgstypen (Ausnahme Neuer). Bei den Titeln von Kroos (Ramos, Ronaldo, Schweinsteiger, Lahm) und Gündogan (Dortmund 2011/12) sowie Süle und Gnabry (zuletzt Kimmich, Müller, Alaba) waren es andere Spieler, die die Mannschaft zum Erfolg führten. Und Ginter, Sane und Werner - haben die schon etwas Internationales gewonnen?


    Lucas Hernandez auf die Frage: "Doch wer verkörpert den Siegeswillen am meisten?" „Es gibt viele. Aber wenn ich einen nennen müsste, ist es Kimmich.... Er kann nicht verlieren, selbst in kleinen Trainingsspielen. Wenn er merkt, dass du nicht 100 Prozent gibst, brüllt er dich an“. (Quelle: tz.de) - und der fehlte gegen Spanien. Allerdings mit 11x Kimmich würde man auch nicht gewinnen, da würde die von Coach1976 angesprochene Balance auch nicht stimmen.


    Auch interessant im Zusammenhang Deutschland und Spanien finde ich die Beobachtungen von Marc Roca. In der sportbild steht dazu "In seiner Heimat werde positionsgetreuer und taktischer gespielt, in der Bundesliga gilt dagegen: „Wenn du die Möglichkeit hast, greifst du an.“

    beobachter_1000 : hast du mir evtl. einen Link zu dem was Scholl geschrieben hat? Ich bin mir nämlich nicht sicher was du ansprichst. Ich kenne von Scholl nur Aussagen, die die taktischen Zwänge bemängeln und mehr Individualisten fordern. Und wenn ich jetzt nur ein Beispiel nehme: Gnabry - mit dem hat Bayern die Champions League gewonnen (er war im Halbfinale "Man of the match"). Für Bayern reicht es taktisch, für die Nationalmannschaft nicht?!? Und falls du jetzt sagst, der ist in London (das stimmt für ein paar Jahre) ausgebildet, nehmen wir Goretzka.

    Was ist denn das "schwachsinnigen Konstrukt der Spielerausbildung und des DFB/BfV"?

    Und wenn du das ("Als Jungendspieler wirst du zur Zeit angeschissen wenn du hoch anläufst.") alleine machst, würde ich auch darauf hinweisen, dass es wahrscheinlich nicht erfolgsversprechend ist, wenn sich deine Mitspieler zurückziehen bzw. nicht mitmachen.

    Ganz tatenlos war Jogi Löw bei dem Spiel aus meiner Sicht nicht. In der 1. Halbzeit spielte er bzw. wollte er im 4:3:3 spielen. In der 2.Halbzeit begann er im 3:4:3 - Süle raus, Tah rein und Robin Koch auf die 6. Nach dem 5:0 (72 min.) wurde dann wieder auf 4er Kette umgestellt. Die Tore der Spanier in der 2. Halbzeit fielen alle aus dem Spiel heraus (1. Halbzeit wie schon erwähnt 2 Standards). Mich hätte deshalb interessiert, warum man das gemacht hat. Diese Frage wurde aber leider bisher nicht gestellt oder ist die an mir vorbei gegangen?

    Die Körperhaltungen und Gesten sowie die Einsatzbereitschaft der Spieler aus dem Mittelfeld und Sturm ist aus meiner Sicht unfassbar - fiel mir gerade erst auf als ich mir Sequenzen (v.a. Tore) nochmals angesehen habe.

    Und das Boateng (bekommt bei Bayern keinen Vertrag mehr) und Hummels das raus reißen kann ich mir nicht vorstellen - da schon eher ein Kimmich. Mit Gündogan und Kroos gemeinsam auf dem Feld habe ich meine Schwierigkeiten (z.B. Niederlagen gegen Niederlande und Spanien, aber auch bei der WM im Spiel gegen Schweden - auch wenn das gewonnen wurde).

    schroeppke0815 : der Kommentar gefällt mir sehr gut. Die Schlussfolgerung "wenn es nicht von oben vernünftig gesteuert wird" wirft bei mir allerdings die Frage auf, was eine vernünftige Steuerung wäre.


    Ich könnte an das Thema auch anders heran gehen. Warum ist 7 gegen 7 so einfach? Weil es egal ist, ob ich mit 7 oder 12 Kindern anreise. Die Kinder, die zu viel sind, schauen einfach zu. Würde ich hier sagen, alle Kinder müssen gleich viel spielen, wird es schon schwieriger. Wenn ich sage, alle sollen zeitgleich spielen, geht das auch nicht mehr so einfach. Da muss ich mich nämlich auf einmal mit dem Gegner abstimmen und schauen, ob ich ein 2 gegen 2 oder 3 gegen 3 nebenher noch spielen kann oder ob es für 2x 5 gegen 5 reichen würde usw. Das Ziel alle Kinder spielen, erfordert Kommunikation und Abstimmung.


    Und ja, ich kenne keine Organisationsform, bei der die von dir angesprochenen Punkte nicht vorkommen (ob Homepage, Google Listen oder BFV TeamApp). Sie gehören zur Festivals Organisation aus meiner Sicht dazu. Egal wie sehr sich der Verband hier reinhängt oder raus hält - die würden auch vorkommen, wenn es die vorgeschriebene und einzige Spielform wäre.


    Da müssen wir (ich habe auch den Hang zum Perfektionismus, dass immer auf 8 Feldern gespielt werden und alles nach Zeitplan ablaufen soll) aus meiner Sicht etwas loslassen und im Sinne der Kinder handeln. Fallen Teams aus, wird halt auf weniger Feldern gespielt und sind mehr dabei, baut man halt ein Feld mehr auf.


    Bisher steht das Spiel im Mittelpunkt der Überlegungen, bei den Festivals sind es die (spielenden) Kinder. Ersteres ist einfach umzusetzen, zweites leider nicht (zumindest, wenn wir unsere erwachsenen Erwartungshaltung zugrunde legen. Ich glaube die Kinder sehen das nicht ganz so eng).


    Das Betreuen der Teams am Spieltag sehe ich übrigens nicht so dramatisch - das können größere Brüder/Schwestern und Eltern auch. Auch kann ein Trainer alle seine Teams sich ansehen - sind ja 7 Runden und er muss ja nicht immer beim gleichen Team zusehen. Ich kenne da einige Trainer, die das so machen.


    Die Verbände greifen übrigens gerne auf die neu/anders denkenden Personen zurück - die sich meistens aus Positionen und Ämtern nicht viel machen und deshalb hier mehr diskutieren als in den DFB Foren ;)

    Der bekannteste Spieler mit diesem Weg ist wohl Julian Gressel (D.C. United). ran.de schreibt dazu:

    "In Neustadt an der Aisch geboren, tingelte Gressel in seiner Jugend über die Dörfer. 2013 spielte Gressel noch in der Regionalliga für Eintracht Bamberg, ehe er den Sprung über den großen Teich wagte. Über seine Leistungen in seiner College-Mannschaft Providence Friars empfahl sich der Mittelfeldspieler für die MLS. Beim MLS SuperDraft 2017 wurde er von Atlanta United in der ersten Runde als achter Pick ausgewählt. Nach seinem ersten Jahr in der MLS wurde Julian Gressel mit großem Vorsprung zum "Rookie of the year 2017" ausgewählt. Für Atlanta absolvierte Gressel 118 Spiele, erzielte dabei 20 Tore und bereitete 36 weitere vor. Mit dem Klub aus Georgia wurde er 2018 MLS-Cup Sieger und 2019 U.S.-Open-Cup- sowie Campeones-Cup-Sieger (Supercup zwischen dem Sieger der MLS und der mexikanischen Liga). Am 21. Januar 2020 wurde sein Wechsel zu D.C. United bekannt."

    Coach1976 : habe die Kommunikation hier angepasst und von FUNino auf Kinderfußball geändert.


    Und zum Thema Straßenfußball - neben dem "letzter Mann macht Hand", haben dort auch unterschiedliche Altersgruppen miteinander gespielt und man konnte sich von den großen etwas abschauen (wird heute meistens nur bei Brüdern sichtbar). Und meistens war das Spiel bei 10 zu Ende und man hat neue Mannschaften gemacht, die oft durch zwei gleich starke Spieler gewählt wurden. D.h. es gab auch mehrere Spiele am Nachmittag. (gab übrigens auch viele schlechte Eigenschaften des Straßenfußballs - wurde hier im Forum auch schon diskutiert)


    MDahlin : die Verbände haben mit den Herstellern teilweise Sonderkonditionen vereinbart (siehe z.B. BFV BAZOOKAGOAL) - da kann man beim Verband nachfragen. Viele verleihen auch Popup-Tore für Festivals - und mit den Einnahmen kann man sich eigene kaufen.

    Und zur "Marketingmaschinerie" muss ich ganz ehrlich sagen, die vermisse ich im Kinderfußball. Ich glaube, da haben die Verbände noch viel Nachholbedarf - die ganzen Vorzeigeprojekte im Bundesgebiet sind ursprünglich nicht durch die Verbände iniziiert worden. Gut finde ich jetzt, dass der DFB mit den (einigen) Landesverbänden hier nun mehr investiert.

    beobachter_1000 : FUNino und der ChampionsLeague-Modus kommen allen Kinder zu Gute - die schlechteren dürfen spielen und die besseren dürfen sich gegen ihresgleichen beweisen. Und das bei mehr Ballkontakten, Pässen, Dribblings und Tore für alle Spieler (unabhängig ihrer Spielstärke).

    Die Resonanz bei den Vereinen bekommt man aus meiner Sicht durch die Teilnahme an einem Festival - darüber reden überzeugt die wenigsten. Sobald sie mal mitgemacht haben, sehen die Verantwortlichen, dass es mehr lachende und freudige Kinder gibt als bei einem 7 gegen 7. Dies führt dazu, dass es mehr zufriedene Eltern gibt und damit auch mehr zufriedene Trainer. Und ich kann euch sagen, dass der Satz "Ich war ja dem ganzen skeptisch gegenüber gestanden, aber ..." meistens positiv für FUNino beendet wird, wenn die "Funktionäre" es live erlebt haben.

    Trainero : dem kann ich zustimmen und von den Verbänden und auf den Spieltagen (Festivals) wird das auch so gelebt.


    siehe z.B. Südbadischer Fußball-Verband: Ausführungsbestimmungen für Pilotspieltage in der G- und F-Jugend - hier wird in der F-Jugend gleichzeitig mit 2 Kleinfeld-Toren und auf einem FUNino-Feld gespielt.

    Auch die 3 gegen 3 Liga Köln spielt auf unterschiedlichen Feldern und mit beiden Torgrößen.

    Beide BFV (Bayern und Berlin) beginnen mit Fußball 3 und steigern dann über (4)5, 7, 9 zu 11.

    Die Präsident*innen der Landesportbünde und DOSB-Präsident Alfons Hörmann haben an die

    Ministerpräsidenten und Regierenden Bürgermeister der Länder appelliert, den Vereinssport schnellstmöglich wieder zuzulassen.

    (siehe dosb.de)