Ein Blick über den Tellerrand hinaus:
- beim Tennis spielen Kinder und Jugendliche (und teilweise sogar) Erwachsene ohne Schiedsrichter
- beim Turnen gibt es Kampfrichter
- beim Schwimmen leiten Erwachsene den Wettkampf (Starter, Zeitnehmer)
Bei anderen Sportarten habe ich leider keinen Einblick.
Im Fußball gibt es die Regel Nr. 5: Der Schiedsrichter
"Jedes Spiel wird von einem Schiedsrichter geleitet, der die unbeschränkte Befugnis hat, den Fußballregeln in dem Spiel, für das er aufgeboten wurde, Geltung zu verschaffen."
Im Volleyball gibt es die Regel 21.2. Fair play
21.2.1. "Die Teilnehmer haben sich im Geiste des FAIR PLAY respektvoll und höflich nicht nur gegenüber den Schiedsrichtern, sondern auch gegenüber anderen Offiziellen, Gegnern, Mitspielern und Zuschauern zu verhalten."
Ich bin großer Befürworter von Fair Play - nicht weil ich harmoniesüchtig oder pädagogisch/sozial wertvoll sein möchte, sondern aus reinem Egoismus. Verhalte ich mich fair und an die Regeln, bekommt der Gegner keinen Freistoß und somit Ballbesitz. Deshalb versuche ich meinen Kindern auch ein körperloses Spiel anzutrainieren (vor dem anderen am Ball zu sein, schneller als der andere zu sein, beweglicher als der andere zu sein usw.). Gibt es dennoch mal Körperkontakt gebe ich das Verhalten weiter, dass man sich die Kraft des Gegners auch zu nutze machen kann (z.B. legt sich ein Gegenspieler beim Einwurf in mich rein, erzeuge ich keinen Gegendruck, sondern gehe einen Schritt zur Seite oder nach hinten. Damit bin ich viel besser vor ihm am Ball, als wenn ich Gegendruck erzeuge, er seinen Druck erhöht und ich wieder. Und manchmal bringe ich den Gegenspieler so durch das Ausweichen aus der Balance.).
Ob ich allerdings eine Fair Play Liga gut finden soll, da bin ich noch hin- und hergerissen. Mein Argument, dass die Kinder die Regeln noch nicht kennen, wird hier gekontert mit "Bambinis junger Jahrgang: aus, Tor, Anstoß, im Verlauf der Saison kommt Ecke hinzu." wobei mir vor allem das "im Verlauf" ins Auge sticht. Was ist dann am Anfang? Oder mit dem Hinweis, dass Kinder kein Foul spielen (und aus meiner Sicht sich auch keines Foul bewusst sind (z.B. zieht ein Kind in meinem Training ein anderes am Trikot. Ich frage das Kind, ob man das darf und das Kind antwortet: "Ja, habe ich am Samstag in der Sportschau gesehen.")), den ich auch gut nachvollziehen kann. Deshalb hätte ich gerne einen Koordinator oder Helfer mit auf dem Platz, der kommuniziert und die Regeln lehrt - und zwar im Gespräch. Warum war das ein Foul? Seht ihr beide das so? Der letztendlich dann eine Entscheidung trifft und die Partie "großzügig" leitet. Schön fände ich auch, wenn das ein Jugendlicher mit Schiedsrichter-Schein ist - und da hätte er vielen Trainern schon einiges voraus
- kleine Anmerkung: bei mir müssten Trainer zur Verlängerung des Trainerscheines mindestens 5 Spiele pro Jahr als Schiedsrichter nachweisen, um das Verständnis füreinander zu erhöhen.
Wie oben erwähnt wird das beim Tennis bis ins Erwachsenenalter fortgesetzt (auch bei Pokalturnieren). Warum beim Fußball nicht? Wenn, dann für alle. Aber was machen wir dann mit Regel Nr. 5? Auch diese finde ich sehr wichtig: Anerkennung von Entscheidungen von Autoritäten. Richter sind übrigens die 3. Staatsgewalt
(Judikative). Brauche ich dann noch Schiedsrichter? (Die Entscheidungen der Lehrer (durch Eltern), Ärzte (durch Internetportale) und Polizisten (durch Politiker) werden heutzutage schon oftmals nicht mehr akzeptiert/toleriert.)
Wenn ich die Kinder frage, ob sie mit oder ohne Schiedsrichter spielen wollen, dann sagen sie meistens mit (ist ja bei ihren Vorbildern in der Bundesliga auch so). Und wenn sie keinen Schiedsrichter haben, klappt es trotzdem.
Deshalb mein Fazit: Fair Play: JA! FPL: schau mer mal, was ich noch alles erleben darf
- auf dem Platz und hier 