Beiträge von Charles De Goal

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    Danke, das bringt mich auf jeden Fall weiter! :) Werde ich machen, wenn er nächste Woche wieder da ist.


    Ich wills nicht aussprechen, aber diese Widersprüche im Verhalten sind einfach nicht intelligent:

    - Er lernt angeblich nichts, aber gleichzeitig missachtet er Hilfestellungen

    - Er will ständig im Mittelpunkt stehen, Lob (und das gibt es zu Hauf) prallt aber ab und bei Kritik wird sofort diskutiert

    - Er tritt andere Kinder, wird bestraft und will die Mannschaft verlassen, weil er für das Treten bestraft wird


    Wie kommt man auf solche Ideen?


    Ich versuche das natürlich auch unter psychologischen Gesichtspunkten zu analysieren und zu verstehen:

    Er war körperlich in der F- und E-Jugend den anderen weit überlegen und hat sich aus Faulheit einfach auf seinen guten Schuss und seinen Körper verlassen. Daraus resultiert natürlich so ein Gefühl wie "Ich bin wichtig" und "ohne mich geht nichts". Nun hat er sich nicht weiterentwickelt, weil Kritik und Hilfestellung eben nicht angenommen wird ("Wozu brauch ich das? Ich schieße doch eh die meisten Tore!"). Jetzt in der D-Jugend, wo das Feld größer ist, auch mehr Laufarbeit und Spielverständnis von Nöten ist, überholt ihn sogar der Junge, der am Ball nichts kann, aber ohne Ende laufen kann. Das muss auf jeden Fall frustrierend sein: Dennoch kein Grund, es an anderen Kindern auszulassen und seine Aggressivität so auf dem Platz auszuleben. Menschen/Kinder wollen sich einfach selbst keine Fehler eingestehen und es ist einfacher, wenn die anderen Schuld sind. Leider fällt man mit der Einstellung nicht nur im Fussball, sondern auch im weiteren Leben, oft auf die Schnauze.

    Ich habe einen "schwierigen" Spieler in der D1-Jugend:

    Seit der F2 trainiere ich die Truppe und er fällt leider immer mal wieder auf durch Quatsch beim Training, diskutieren, überhartes Einsteigen und Egoismus.

    In den 5 Jahren habe ich oft das persönliche Gespräch gesucht und ihm immer wieder positiv zugeredet. Gerne habe ich aber auch mal harte Worte gewählt (auch vor der Mannschaft), wenn das Stören nicht mehr zu ertragen war. Bei (gut gemeinter) Kritik und Hilfestellung wird er aber sofort laut und fängt mit trotzigen Aussagen wie "machs doch besser" (was ich dann übrigens auch immer getan habe) an.

    Sein Verhalten war mal besser, mal schlechter, aber grundsätzlich noch im Rahmen. Mit dem Vater habe ich mehrfach gesprochen (Eltern leben getrennt), er sagte mir, ich solle auch ruhig mal durchgreifen, wenn er sich daneben benimmt. So hatte er auch mal eine Woche Trainingspause, musste das Training vorzeitig verlassen oder ich nominierte ihn bewusst für einen längeren Zeitraum nicht (habe ich ihm natürlich alles erklärt). Ich habe ihn auch öfters im persönlichen Gespräch erklären lassen, wo sein Problem liegt, aber da kam nur sowas wie "du schimpfst immer nur mit mir" oder "die anderen machen es doch auch falsch". Das ist aber falsch, ich achte natürlich genau darauf, wem ich was wie sage und er bekommt sicher nur Kritik ab, wenn er eindeutige Fehler macht. Und diese Kritik formuliere ich positiv und niemals als Vorwurf - alle anderen Kinder verstehen es immer, können es einordnen und verbessern sich dadurch.


    Gestern kam es allerdings zur Explosion: Er versuchte in den Übungsformen ständig zu diskutieren (mehr als normal) und bei Hilfestellungen bekam ich als Antwort "Wieso immer ich?? Bei den anderen sagst du nie was!", obwohl ich ihn nur einmal kritisierte und andere Kinder deutlich öfter. In einer späteren Spielform trat er einem Kind absichtlich auf den Fuß, der andere Junge lag weinend am Boden. Der Treter ging aber weg und als ihn andere Kinder darum baten, sich zu entschuldigen, sagte er "Wofür? Der soll einfach aufhören zu heulen". Zwei Minuten später verlor er einen Zweikampf, lief dem anderen Spieler hinterher und versuchte mit einem Sprung und gestreckten Beinen, den anderen Spieler am Knöchel zu treffen und zu Fall zu bringen. Höchstes Verletzungsrisiko, es haben nur wenige Zentimeter gefehlt.

    Mein Co-Trainer und ich haben ihn zur Seite genommen, ihm deutlich gesagt, dass es so nicht geht und ihn an den Spielfeldrand gesetzt: Daraufhin murmelte er vor sich hin "Scheiß Verein, hier lernt man eh nichts, ich hör auf mit Fussball". Nun hat er für Heute und Samstag das Training abgesagt mit den Begründungen "Kein Bock" und "Bin weg".


    Wenns nach mir geht, kann der Junge bis Februar zu Hause bleiben und dann beweisen, dass er sich doch besser benehmen kann (falls er überhaupt nochmal wiederkommen will). Oder wie soll ich nun reagieren? Mit den Eltern sprechen? Durchgehen lassen kann ich es definitiv nicht, die Verletzung anderer Spieler billigend in Kauf zu nehmen geht überhaupt nicht.


    Technisch ist er gut, aber mit dem Verhalten neben dem Fussball bremst er die Mannschaft und bringt einfach nur Unruhe rein. Ich möchte keine Kinder aus der Mannschaft werfen oder verlieren (trotz 23er Kader), nur irgendwas muss hier passieren.


    Hat jemand einen Rat?

    Ich hatte eine ähnliche Situation im Verein als D2-Trainer. Der Umstieg von 7er auf 9er Feld klappte nicht so gut, wir hatten uns leider (aufgrund einer sehr erfolgreichen E1-Saison) in eine ziemlich starke Staffel gemeldet und waren Jungjahrgang mit einigen Spielern aus dem Altjahrgang E-Jugend. In 10 Spielen der Herbstrunde gab es nur 3 Unendschieden und 7 Niederlagen. Die Niederlagen hielten sich alle in Grenzen (maximal 3 Tore), nur am letzten Spieltag gab es ein 0:7 gegen den bereits feststehenden Meister.


    Mitten in der Hinrunde rief mich ein Vater an, dass sein Sohn (Führungsspieler, Kreisauswahl) nicht mehr bei uns spielen möchte (er rief nach einer knappen und unglücklichen Niederlage an). Stattdessen möchte er nun in der D1 spielen, er hätte das auch schon mit dem Trainer besprochen.


    Das war eine komische Situation und gab mir echt zu denken. Vor allem, da sich der andere Trainer hinter meinem Rücken an Spieler meiner Mannschaft "rangemacht" hat. Der Vater kam dann noch einmal zum Training und erzählte mir, woran es liegt: Er erzählte mir ziemlich cholerisch, dass es bei uns einfach nicht läuft und er keine Weiterentwicklung sieht. Es würden ganz sicher viele andere Kinder auch noch aufhören, weil sie beim Training nichts lernen. Und die Hälfte der Mannschaft wäre sowieso zu schlecht um Fussball zu spielen. Ich habe ihn dann verabschiedet ohne großartig etwas dazu zu sagen, war mir leider etwas zu blöd. Sicherlich mache ich nicht alles richtig, aber mit einer C-Lizenz (beginne im Februar meine B-Lizenz) und dreimal Training in der Woche signalisiere ich schon, dass ich die Kinder weiterbringen möchte. Fortschritte waren auch im D2-Jahr deutlich zu erkennen, die Ergebnisse lasen sich nur schlecht.

    Es gab dann noch ein Gespräch mit dem Vorstand, bei dem dann klargemacht wurde, dass ein D1-Trainer nicht einfach hinter dem Rücken des D2-Trainers Spieler aus der Mannschaft holen kann, aber man keinem Kind den Spaß am Fussball nehmen möchte. Somit durfte der Junge dann D1 spielen. Der Vater wurde in dem Gespräch noch ziemlich persönlich und warf mir vor, ich hätte seinen Sohn mehrfach beleidigt (was nicht stimmt!!).


    Einen Monat später trat der D1-Trainer zurück, weil er mit irgendwelchen anderen Vorstandsentscheidungen unzufrieden war, der Junge spielte bis zum Sommer noch weiter im Verein und ging dann zu einer D-Jugend-Bezirksliga-Mannschaft, wo er nun kurz vor der Aussortierung steht. Wir dagegen wurden in der Rückrunde ohne Punktverlust Meister und sind im D1-Jahr mit der größtenteils gleichen Truppe vorzeitig Kreismeister geworden und sind nun Favorit auf den Bezirksliga-Aufstieg.


    So leid es mir für den Jungen tut (er kam auch öfters zu meinem Training und wollte wieder mittrainieren), aber manche Trainer/Eltern sehen im Jugendfussball auf Kreisebene eben die Bundesliga. Trainerentlassungen, Vereinswechsel und Punktequote haben in der Jugend-Kreisliga nur bedingt etwas zu suchen.


    Meiner Meinung nach sollte es keine Toleranz geben, wenn ein Spieler seine Mannschaft mitten in der laufenden Saison im Stich lässt. Ob das nun im Jugend- oder Seniorenbereich ist: Fussball ist ein Mannschaftssport und die soziale Komponente spielt eine große Rolle: Der Junge spielte 5 Jahre mit seinen Freunden zusammen und verlässt sie, weil es (das erste mal in diesen 5 Jahren) sportlich nicht läuft? Charakterlich sehr schwach. Wobei ich vermute, dass der Vater da die treibende Kraft war. Und was ist es für ein Signal für ein Kind, wenn man sagt "Die sind zu schlecht, du bist aber besser. Versuch es woanders, da ist es einfacher"?


    Sollte sowas nochmal vorkommen (und in einem halben Jahr steht die Umstellung von 9er- auf 11er-Feld an), weiß ich schon genau, wie der Verein bzw. die Trainer in einer solchen Situation reagieren sollten: Briefmarke drauf, Porto zahlen wir gerne. Sowas hat mit Mannschaftssport und Vereinsarbeit nichts zu tun! Solchen Vätern keine Lobby bieten.