Ich bin durch einen Zufall an Lokalzeitungen aus der Vergangenheit gekommen, ein Leserbrief zur Nationalmannschaft und Löw erweckte mein Aufsehen:
Es wurde exakt das kritisiert, was hier auch geschrieben wird. Führungen werden aus der Hand gegeben, man hat das vorherige Spiel mit Glück nicht verloren, weil der Gegner seine Chancen nicht genutzt hat. Der gespielte Fußball passt nicht zur Mannschaft und man solle sich ein neues Spielsystem ausdenken. Die Defensive gerät bei jedem langen Ball ins Schwimmen. Mittelfeldspieler bauen im "letzten Drittel" stark ab. Das Umschaltspiel von der Offensive in die Defensive wäre die "Achillesferse" des deutschen Fußballs.
Das Fazit ist: Löw sollte sich taktisch nicht an den Spaniern (die natürlich mal das Non-plus-ultra waren) orientieren. Er sollte keine Stammplatzgarantien an erfahrene Spieler verteilen und den goldenen Nachwuchs einbauen. Für die nächste WM muss der DFB ein Erfolgsrezept von Löw verlangen.
Und was ist daran jetzt so interessant? Der Artikel ist aus dem November 2012, also etwa 1,5 Jahre vor dem Weltmeistertitel 2014. Ich möchte bezügliches des Ausgangs keine Parallelen ziehen, aber vor genau 8 Jahren war die Stimmung in Deutschland offenbar genau die gleiche wie jetzt - erzeugt durch ein paar spielerisch schwache Spiele und dem Höhepunkt, einem 4:4 (nach 4:0-Führung) gegen Schweden. Damals brannte der Baum und es gab die gleichen Diskussionen (nur natürlich nicht über Hummels, Boateng und Müller) wie heute. Die damalige Krise hat die Nationalmannschaft gemeistert und ist mit einem Weltmeistertitel herausgekommen. Es wäre utopisch, das gleiche wieder zu erwarten, aber die damalige Mannschaft zeigte bei den folgenden Turnieren nicht das, was in diesem "Katastrophen-Spielen" vorher gezeigt wurde. Ein bisschen Vertrauen muss man vielleicht doch haben für ein Trainerteam bzw. einen Trainer, der vor 8 Jahren aus der gleichen Situation mit einem Weltmeistertitel herausgekommen ist.
