Eine Entlassung kommt nicht aus dem Nichts. Nur manchmal wird vorher einfach nicht über die Probleme gesprochen - jedenfalls mit dem Trainer. Man schmeißt die Trainer - gerade auch die Vätertrainer ohne Ausbildung - ins kalte Wasser, zeigt nichts, erklärt nichts und wundert sich, dass es Probleme gibt. Anstatt zu unterstützen gibt es dann ganz schnell den Rausschmiss. Meist bei einem Vorstand, der sich sonst um nichts kümmert.
Ein Problem sehe ich in der Gerüchteküche hinter dem Rücken des Trainers. Man redet über ihn, nicht mit ihm. Ich fiel zum Beispiel mal aus allen Wolken, als man mir vorwarf, ich würde Spieler "mit dem Tode bedrohen". Ich hatte nicht die geringste Ahnung, worum es ging. Erst später fiel mir mal eine Situation ein, wo ich Monate vorher einem Spieler, der zum 33. mal seine Schuhe zuband, spaßeshalber gesagt habe: "Wenn Du die Schuhe jetzt nicht richtig zubindest, hack ich Dir den Kopf ab." Ich habe gelacht, er hat gelacht - und die Schuhe waren richtig zu. Irgendjemand muss das mit angehört haben und dann ging das irgendwo über irgendwelche Eltern weiter, wurde verstärkt und skandalisiert, und zum Schluss kam eben raus, dass ich ständig Kinder ermorden will. Seitdem bin ich bei solchen Äußerungen extrem vorsichtig geworden und habe die Kommunikation mit den Eltern noch verstärkt.
Von solchen Geschichten kann ich ein Lied singen:
Ein Spieler wird im DFB-Stützpunkt als letzter für die nächste Runde nominiert. Ich sage zu ihm "Puh, das war aber knapp.. Gerade so als Allerletzter aufgerufen" - erleichterndes Lachen auf beiden Seiten. Der Vater drehte mir dann ein halbes Jahr später vor versammelter Eltern- und Trainerschaft einen Strick daraus "Was soll das für eine Motivation für ein Kind sein, wenn der eigene Trainer zu ihm sagt, dass er der schlechteste ist, der weitergekommen ist?". Hab ich so nicht gesagt, aber wenn es in die Argumentation passt, werden die Wörter ja gerne mal so gedreht.
Ist natürlich auch oft nur das Weitergegebene, was die Kids zu Hause erzählen. 9-Jährige Ohren verstehen eben nicht immer alles richtig und 9-Jährige Worte geben auch nicht immer exakt das wieder, was passiert ist. Und Elternohren verstehen dann auch nicht immer das, was vom Kind gemeint ist und Elternworte geben dem ganzen dann gerne eine Würzung mit, je nachdem ob sie gerade positiv oder negativ gestimmt sind.
Das Kernproblem ist auf jeden Fall - das haben beide Geschichten gemeinsam - dass sowas gern gesammelt wird und dann bei Gelegenheit rausgehauen wird, wenn man Argumente braucht.
