Beiträge von Charles De Goal

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    Ich habe das auch so gemacht: eine Woche vor den Ferien die Bitte, die Urlaubszeiten in SpielerPlus einzutragen oder mir zu schreiben. Manche haben das dann jetzt in der zweiten Ferienwoche erst gemacht, wodurch ich für ein Vorbereitungsspiel nur 12 Spieler habe. Absolut nervig und schade, aber wir werden es in die Woche danach auf einen Wochentag verlegen.


    Ich kann auch deinen Ärger verstehen und wäre dabei auch vor 2-3 Jahren an die Decke gegangen. Aber was ist im Endeffekt das Problem? Ich muss doch nur dem anderen Trainer schreiben und absagen/verlegen. Der Aufwand ist wahrscheinlich deutlich geringer, als im Corona-Jahr als Familie Urlaub zu buchen und zu machen. Gönn den Jungs und Familien ihren Urlaub, der sich vielleicht auch spontan ergeben hat und freu dich auf die Zeit nach den Ferien, wo das dann nicht mehr vorkommt! :)

    Ein Ausschluß vom Training steht für mich nicht zur Debatte. Es geht mir bei einem Kader von annähernd 20 Kindern nur darum, am Wochenende die Spieler einzusetzen, die auch unter der Woche beim Training waren und auf die ich zählen kann. Auf einen Spieler, der eineinhalb Wochen Probetraining (3 Trainingseinheiten) bei einem anderen Verein absolviert, um dort aufgenommen zu werden, kann ich mich wohl kaum noch verlassen.

    Das sehe ich auch so. Dazu sollte die Trainingsbeteiligung auch maßgeblich für die Spielzeit sein (zumindest in den Ferien und in Freundschaftsspielen). Kommt einer jedes Training, dann hat er sich mehr Spielzeit verdient. Kommt einer gar nicht, hat er sich das eben nicht verdient.


    Macht einer bei einem anderen Verein Probetraining und kommt nicht zum eigentlichen Training, hat er weniger trainiert als die anderen und kann sich dann dort einreihen, wo er in der Beteiligung steht.


    Mehr Aufruhe muss man da nicht machen, das fällt nur negativ auf dich zurück und wird eher zum Push-Faktor. Behandle es nicht anders, als wenn er wegen Familienfeiern oder Lernen abgesagt hat. Aber sprich ruhig vor dem Spiel an, dass die Trainingsbeteiligung Ausschlag für die Spielzeit gegeben hat.

    Weshalb und wozu?

    Jedenfalls ist das Argument "fehlender Versicherungsschutz" ein vorgeschobenes.

    Dieser Endgültigkeit möchte ich aber auch widersprechen. Denn wie im oberen Beitrag geschrieben gibt es Versicherungen, die Nicht-Mitglieder nicht beinhalten.


    Fakt ist jedenfalls dieser Auszug aus der Jugendspielordnung meines Verbandes (FLVW bzw. WDFV):


    § 21 Teilnahme am Training und an Spielen


    (1) Allen Verbandsvereinen ist es untersagt, Junioren aus einem anderen Verein
    am Training teilnehmen zu lassen.


    (2) Eine Ausnahme ist nur dann zulässig, wenn der Verein, für den der Junior
    eine Spielberechtigung besitzt, schriftlich seine Zustimmung gibt.


    (3) Ein Verein darf Junioren anderer Vereine bei Spielen und Turnieren in seinen
    Mannschaften nicht mitwirken lassen, mit Ausnahme der Spieler, für die ein
    Gastspielrecht (§ 6 (4) JSpO/WDFV) erteilt wurde.



    Für mich ist also klar, dass ich eine Genehmigung einholen muss. Wenn das in anderen Verbänden anders ist, dann muss man das natürlich auch nicht tun. Gehört aber dennoch zum guten Ton!

    Heißt für mich, dass es überall anders ist und auf Verein und Verband ankommt. Vermutlich gibt es da auch keine grundsätzliche Regelung, sondern wir haben beide Recht.


    Bei mir ist es vielleicht so im Verein/Verband, bei dir anders. Ich gebe nur das weiter, was ich von unserem Gesamtvorstand gesagt bekomme und interpretiere es. Vermutlich ist es bei dir eine andere Versicherung und es gilt etwas ganz anderes.

    In dem Artikel steht auch nichts über Probetraining. Es ist eine Erläuterung, wer wie versichert und worüber versichert ist. Daraus lässt sich für mich jedenfalls ableiten, dass Sportler über den Verein, in dem sie angemeldet sind, versichert sind. Wenn sie nun also außerhalb des Vereins unterwegs sind, sind sie nicht versichert. Und auch auf der Anlage eines anderen Vereins sind sie nicht versichert. Es sei denn, ihr Verein erlaubt dies explizit (denn dieser ist ja auch verantwortlich für die Gruppen-Versicherung). Man erlaubt dem Sportler damit quasi, dass er außerhalb einer seiner Trainingseinheiten trotzdem versichert ist.


    Macht doch Sinn, oder?

    Es muss allein versicherungstechnisch eine Erlaubnis ausgestellt werden.

    Dazu hätte ich gerne mal eine Quelle. Man hört das immer wieder, aber oft eben auch gegenteiliges, da alle Spieler ja als Mitglied des Dachverbandes DFB automatisch versichert sind. Niemand ist ja bei seinem Verein versichert, alle über den Verein "beim" DFB.

    (Mal davon ab, dass man ja auch eine normale Krankenversicherung hat, es also "nur" um eventuelle langfristige Folgeschäden, nicht um eine Behandlung geht).

    Hier habe ich einen Text einer Versicherung gefunden. Der besagt, dass der Verein eine Gruppen-Versicherung für seine Mitglieder abschließt. Mitglied ist ein Probespieler im neuen Verein aber nicht, sodass der abgebende Verein ihm die Erlaubnis erteilen muss. Durch diese Erlaubnis ist der Spieler dann wiederum für das angesetzte Training versichert, weil der alte Verein in Kenntnis gesetzt ist und das Training quasi als "angesetztes Training" gilt.

    Denn das wäre dann gleichbedeutend mit "freies Kicken ohne angesetztes Training" und da zahlt keine Versicherung.


    So wurde es mir auch von unserem Gesamtvorstand erklärt.


    Wäre ja noch schöner, wenn ich machen kann, was ich will und der Verein zahlt es. 8o Natürlich zahlt der Verein nur bei Verletzungen oder Unfällen im Vereinstraining (oder mit der offiziellen Erlaubnis bei einem anderen Verein).

    Bei uns im FLVW sind Ausbildungsentschädigungen festgeschrieben und wir bestehen völlig zu Recht auch darauf: wenn ein Spieler z.B. 6 Jahre im Verein gespielt hat, hat man Zeit, Energie und Geld investiert. Wenn er dann für andere Vereine, die das in ihre Spieler nicht investiert haben, interessant wird, sollte das kompensiert werden. Zahlt ein Verein das nicht, ist der Spieler entsprechend gesperrt. Setzt ein Verein den Spieler trotzdem in einem Pflichtspiel ein, erfährt der Verband davon.


    In deinem Fall scheint es aber reine Kränkung zu sein und der abgebende Verein fühlt sich "verarscht". Kann ich aber auch verstehen. Ich kenne die Vorzeichen nicht, aber sagt mir am 30.6. ein Spieler aus heiterem Himmel, dass er woanders spielen will, nehme ich ihm das auch persönlich übel. Jeder kann da spielen, wo er will und wo er Spaß hat. Dennoch sollten gewisse Umgangsformen da sein und dazu gehört im Mannschaftssport, dass man nicht einfach abhaut. Und bei uns gehört es dazu, ein Probetraining anzukündigen. Es muss allein versicherungstechnisch eine Erlaubnis ausgestellt werden. Dazu gehört es zum guten Ton, darüber ins Gespräch mit dem Trainer zu kommen.


    Wie gesagt: Ich kann den abgebenden Verein total verstehen. Der wurde kurz vor Fristende ohne Ankündigung vor vollendete Tatsachen gestellt, das ist absolut nicht die feine Art von euch!


    Verständlich hin oder her, drehen wir das mal um: Stell dir vor, dein Verein wirft deinen Spieler kurz nach Fristende ohne Grund raus, ihr könnt euch einen neuen Verein suchen und weil die Frist abgelaufen ist, darf dein Sohn nicht vor dem 1.11. spielen. Fändest du das fair?

    Klär das mit den Jungs, wenn sie eventuell der Auslöser sind und sich bei den Eltern "ausheulen". Wenn die keinen Grund zum ausheulen haben, dann werden die Eltern gar nicht erst in die Richtung gelenkt.


    Ich hatte den Härtefall, dass ich in einem Testspiel (wir B-Jugend gegen eine A-Jugend) einen Spieler nicht eingesetzt habe, obwohl er im Kader war. Der ist Neuanfänger und das Spiel hat es nicht hergegeben (hätte auch niemandem was gebracht). Ich habe es ihm vorher angedeutet und ihm dann beim Spiel nochmal erklärt, war alles in Ordnung für ihn. Klar erklären und aktiv auf die Spieler zugehen.


    Mit Eltern braucht man darüber aber ab C-Jugend nicht mehr zu diskutieren.

    Noch etwas zu den kurzen Pässen und der höheren Wahrscheinlichkeit, dass sie ankommen. Für den einzelnen Pass stimmt das 100%ig. Wenn ich allerdings 10 kurze Pässe benötige um einen Raumgewinn zu bekommen wie bei einem langen Pass, könnte die Wahrscheinlichkeitsrechnung auch umschlagen (1 von 10 langen Pässen -> 10%; Kurzpassquote von 80% führt bei 10 Pässen auch zu knapp 11% (hoffentlich habe ich gerade richtig gerechnet ;) )).

    Außerdem dauern 10 kurze Pässe länger als ein langer Pass. Und die Fehlerquote bei Annahme und Pass multipliziert sich mit jeder Station.


    ABER: Der Gegner muss auch bei jedem Pass reagieren und kann Lücken öffnen oder Fehler machen, auf die man dann spontan reagieren kann.


    10 kurze Pässe sind also sowohl bei Flexibilität, als auch bei Fehlerwahrscheinlichkeit höher!

    Es sind mehr so Ableitungen der Leitlinien des DFB (Offensiv und Defensiv, es gibt auch noch ein Allgemeines Schaubild, welches ich gerade nicht finde). Man kann vieles verteufeln und als Weltfremd ansehen, was der DFB macht. Aber ich stimme grundsätzlich vielen dieser Leitlinien zu und habe mich anfangs nach der B-Lizenz sehr daran orientiert. Ich habe eine Saison lang für jedes Spiel drei Punkte herausgesucht, auf das die Spieler ein besonderes Augenmerk legen sollten.


    Daraus habe ich dann aber für mich eine eigene Philosophie mit "Signalwörtern" abgeleitet, die kurz und knapp meine Prinzipien festlegen.

    Beispielsweise sind das:

    - versetzt anbieten (niemals auf einer Höhe oder einer Breite mit dem Mitspieler anbieten)

    - diagonal andribbeln (um den Gegner zu zwingen, in zwei Richtungen zu verschieben)

    - gegenseitig absichern (ob im Pressing oder in der Viererkette, gilt auch für Abwehrdreieck und Sichel)

    - Angebote schaffen (immer helfen wollen, egal ob direkt anbieten oder indirekt Räume schaffen)

    - Reihen überspielen (sowohl im Spielaufbau, als auch im letzten Drittel vertikale/diagonale Pässe suchen)


    Für uns und unser System sind diese fünf beispielhaften Prinzipien überall auf dem Feld gültig. Natürlich kann man darüber diskutieren und andere Trainer sehen vielleicht auch etwas davon anders. Für uns ist aber alles klar, jeder Spieler weiß es und es weiß auch jeder, was der andere tut, weil er auch danach handelt.


    Ich nehme mir eins dieser Themen für ein Training vor und baue Aufwärmen, Übungs- und Spielformen nach dem Schema auf. Darin wird ständig gefordert, nach diesem Prinzip zu handeln. Am Ende gibt es dann eine große Spielform, in der man Vorteile hat, wenn man das Prinzip anwendet und leider nicht so gut klarkommt, wenn man es nicht anwendet (z.B. langes enges Spielfeld mit 2-2-2-2-System für vertikale Pässe zum Reihen überspielen). Da kann es dann jeder machen, wie er will, aber wird gezwungenermaßen merken, dass das Prinzip keine schlechte Idee ist.


    Wir fahren ganz gut damit und wenn ein Spieler auf dem Feld es mal vergisst oder nicht gut macht, reicht es, ihm "Versuch die erste Reihe zu überspielen" zuzurufen.


    Aber viel wichtiger - unabhängig davon, ob die einzelnen Prinzipien gut oder schlecht sind - ist noch, überhaupt sowas im Mannschaftssport zu haben. Denn das schafft Teamgeist und ein Rad greift ins andere.


    EDIT: Die übergeordneten Leitlinien findet ihr hier!

    Um Gruppentaktisch arbeiten zu können, muss man individualtaktisch geschult sein, Gruppentaktik ist die Grundlage derMannschaftstaktik.

    Ja, eine gewisse Grundlage muss jeder mitbringen. Aber alle bringen zum Stützpunkt unterschiedliche Grundlagen mit und ich hab noch nicht erlebt, dass im Stützpunkt irgendwann von Individualtaktik zur Gruppentaktik gewechselt wird. Wenn es diesen Plan gäbe, müsste doch irgendwann der Schalter umgelegt werden - stattdessen immer weiter 1 gegen 1.


    Andererseits: wie hat Ralf Rangnick es nochmal gesagt? "Holt mir 4 Leute von der Straße, die noch nie Fußball gespielt haben, aus denen mache ich eine Viererkette". Warum nicht solche Aspekte reinbringen und wertfrei die Prinzipien im Stützpunkt lehren?


    Theoretisch gibt es Spieler, die bis zur U15 ihr ganzes Leben im Stützpunkt gespielt haben, aber noch nie gelernt haben, was eine Viererkette ist oder wie man mit zwei Stürmern presst. Und diese sollen zur Elite gehören und den Sprung ins NLZ schaffen? Schwierig.

    Prinzipien müssen immer an erster Stellen stehen.

    Da bin ich komplett bei dir.


    Prinzipien, die so gut wie überall auf dem Feld gelten und an denen sich jeder Spieler orientieren kann, sorgen gleich für mehr Stabilität und Ordnung. Seien es der Grundsatz einer Freilaufbewegung aus dem Deckungsschatten (für IV, AV, 6er, 10er, Flügel, Stürmer), diagonal versetztes Anbieten der 6er/Stürmer (vor allem das warum?!) oder das gegenseitige Absichern/Absinken im Zweikampf (Stürmerverhalten, 6er, Abwehrdreieck, Sichelform). Es gilt tausende Möglichkeiten, solche allgemeingültigen Dinge (natürlich je nach dem, was der Trainer erwartet und möchte) im Training zu schulen und immer wieder zu fordern. Selbst im 4 gegen 4 kann man in einem 2-2-System die vordere Reihe das Stürmerverhalten und Absinken spielen lassen. Und das täte auch Verteidigern gut, weil sie genau diese Bewegung auch in der Kette machen.


    Wenn beispielsweise das einer verstanden hat, kann er defensiv sowohl in der Viererkette verteidigen, als auch im Sturm vernünftig anlaufen, weil er dieses Prinzip kennt. Kennt er das nicht, wird er überall auf dem Feld seine Probleme bekommen.


    Im Fußball gilt ab einem gewissen Grad immer der Zufall und es wird immer neue Situationen für Spieler geben, die der Trainer nicht planen kann. Aber hat der Spieler Prinzipien an der Hand, aus denen er eine Hilfestellung adaptieren kann, wird er diese Situationen viel besser lösen, als wenn er starre Pässe gespielt hat und nur in eine Richtung denkt. Prinzipien einführen, Freiheitsgrade im Training lassen und die Spieler immer wieder Lösungen anhand der Prinzipien finden lassen!

    Vorab: ich stimme dir vollkommen zu! Aber ich habe noch ein paar Ergänzungen dazu, die vermutlich auch deine Sichtweise abdecken.

    Kroos ist/wurde bspw. bei Real von Leuten wie Casemiro und Varane+Ramos abgedeckt. Der kann/konnte sich ruhigen Gewissens auf das Spiel nach vorne konzentrieren, ohne großartig nach hinten arbeiten zu müssen.

    Das gleiche gilt auch beim FC Bayern: Natürlich ist der 41-Tore-Mann Lewandowski dort das Maß aller Dinge. Jeder Spieler trägt seinen Teil in dem Konstrukt zum Erfolg bei, aber am Ende steht dort Lewandowski und macht seine Tore. Der Spieler fehlt in der Nationalmannschaft.

    Auch beim FC Bayern: Alaba, Davies und Hernandez beackern dort abwechselnd in den letzten Jahren die linke Seite. Deutschland hat nicht die Möglichkeiten, einen solchen Spieler aus dem Hut zu zaubern oder auf dem Transfermarkt zu kaufen.


    Im Verein kann mit dem entsprechenden Geld ein Spieler geholt werden, der genau passt und der auch die nötige Qualität hat. Müller und Lewandowski sind klasse und harmonieren super. Müller und Werner sind auch beide klasse, aber harmonieren sie auch? Als Manager würde ich vermutlich nicht beide in meine Mannschaft holen. Aber diese Auswahlmöglichkeit hat der DFB nicht.

    Ein weiteres ganz wesentliches Problem bei den deutschen Angriffen war, dass oft 4-5 Spieler auf einer Linie und dabei auf Höhe der gegnerischen Abwehrlinie standen. So lässt sich nur schwer in den Strafraum kombinieren und nach Ballverlusten sind diese Spieler dann auch nur noch bedingt fähig, rechtzeitig wieder nach hinten zu kommen. Diese Staffelungsprobleme sind ebenso schädlich für das Kombinations- und Angriffsspiel wie für die Konterabsicherung. Mit so vielen Spielern auf einer Linie bleiben letztlich fast nur noch Flanken. Wenn es der Gegner dann schafft, dass diese von Ginter reingebracht werden, wie es die Ungarn gemacht haben, ist das wenig aussichtsreich.

    Das ist ein Muster, welches ich in der Kreisliga und im Amateurfußball immer wieder sehe, wenn Mannschaften nicht allzu viel Plan vom Erspielen von Torchancen haben. Am besten heben noch drei den Arm und wollen den Ball in den Raum haben. Angekommen ist da noch nie ein Pass.

    Es ist eigentlich auch relativ intelligent, sich gegen Deutschland hinten reinzustellen, die Verteidiger (vorzugsweise Ginter und Rüdiger) mit ins Offensivspiel zu zwingen und dann bei Ballgewinn gnadenlos umzuschalten und den Gegner zu überfallen. Die meisten deutschen Gegentore sind nun mal kurze Zeit nach (dummen) Ballverlusten gegen eine ungeordnete Defensive gefallen.

    Gestern hieß es auch wieder von Experten (bspw. Ballack und Bobic bei Magenta TV), man müsse die Ausbildung stärker individualisieren und Persönlichkeiten ausbilden; was auch immer letzteres heißen soll... Das Problem dabei ist: das höre ich schon seit über 15 Jahren. Und seit mindestens genauso langer Zeit macht man eigentlich nichts anderes.

    Auch hier frage ich mich, was das überhaupt bedeuten soll. Thomas Müller ist wahrscheinlich für viele Experten eine Persönlichkeit, weil er auf und neben dem Platz durch seine Art hervorsticht. Auch Robin Gosens wird von vielen durch seine Sprüche und seine Einstellung als tolle Persönlichkeit beschrien. Gosens übrigens ohne U-Länderspiel, Müller komplett unter dem Radar und mit 15 U-Länderspielen in 6 Jahren (nicht mal beim 2009er EM-Titel dabei gewesen). Da frage ich mich: Persönlichkeiten ausbilden, aber die Persönlichkeiten haben beim DFB in der Jugend nie eine wirkliche Chance gehabt?

    Es geht da teilweise nicht mehr um einen Mannschaftssport. Wir bilden Spieler in erster Linie anhand des 1-gegen-1 aus und wundern uns dann, wenn diese nicht wissen, wie sie sich in Räumen verhalten sollen, in denen mehr als ein Gegenspieler steht. Und wie gesagt: ein mannschaftlich geschlossenes Kombinationsspiel kann so natürlich auch nicht adäquat vermittelt werden. Stattdessen macht man sich abhängig von Einzelaktionen.

    Ich halte es für richtig, Spieler individuell zu fördern und sich auf ihre Eigenarten einzustellen. Aber das muss immer in einem mannschaftlichen Kontext stattfinden. Wie kann ich Spieler ausbilden und einbinden, sodass ihre Stärken der Mannschaft dienen und ihre Schwächen von der Mannschaft kompensiert werden?

    Das ist mir bei meiner Hospitation im Stützpunkt auch aufgefallen. Nur Individualtaktik, 1 gegen 1, Dribbling und Passspiel. Einerseits verständlich: die Spieler spielen in Vereinen, in deren tägliche Arbeit der Stützpunkt nicht reinfuschen sollte. Taktische Konzepte vermitteln macht der Verein und nicht der Stützpunkttrainer. Der Vereinstrainer hat andere Vorstellungen als der STP-Trainer, sodass man den Jungs auch nichts "falsches" beibringen möchte. Gleichzeitig ist das 1 gegen 1 gegen vermeintlich bessere Gegenspieler im Stützpunkt mit Sicherheit effektiver als gegen die Kumpels im Verein, die vermeintlich schwächer sind. Und man schreibt sich ja auch auf die Fahne, dass man die Spieler individuell verbessern möchte.


    Dennoch ist das für mich nicht der Weg, eine Elite-Förderung durchzuführen. Slalom durch Hütchen dribbeln und Passpiel im Viereck können die Jungs auch im Garten oder im Techniktraining in jedem Verein machen. Dafür muss man nicht zum Stützpunkt. Vielmehr fände ich es interessant, wenn der Stützpunkt auch taktische Grundlagen vermittelt, ohne die Deutungshoheit zu beanspruchen. Ich würde von einer Elite-Förderung erwarten, dass Spieler dort unterschiedliche Spielsysteme (damit meine ich zum Beispiel Dreier- oder Viererkette) ohne Wertung lernen. Dass sie auch in der Gruppentaktik lernen, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollten. Natürlich kommt da wieder das Problem, dass im Verein dann die drei anderen Spieler der Viererkette dieses Wissen nicht haben und man wieder bei 0 anfängt.


    Aber wie gesagt: Für Slalom-Parcours und Passspiel muss man nicht zum Stützpunkt.

    Widmer, Zuber (Ersatzspieler in Frankfurt), Gavranovic, Mbabu, Fassnacht, Vargas, Mehmedi...

    Ich verstehe jetzt deine Aufzählung nicht. Mein Argument war, dass in der heutigen Schweizer Mannschaft Spieler spielen, die in den Top-Ligen unterwegs sind - ganz im Gegensatz zu der Schweizer Mannschaft von vor 20 Jahren. Bis auf Fassnacht (der inzwischen mit den Young Boys auch schon fast 40 CL- und EL-Spiele gesammelt hat) zählst du ausschließlich Spieler auf, die entweder aktuell in einer der Top-Ligen spielen oder dies lange Zeit getan haben. Sie haben also die Qualität für diese Ligen (auch, wenn sie zeitweise Ergänzungsspieler sind) und sind das gleiche Tempo, die gleiche Spielweise und den gleichen Wettbewerb gewohnt wie die Franzosen, die in den gleichen Ligen spielen. Und das gab es in der damaligen Schweizer Mannschaft nicht. Deshalb komme ich zu dem Schluss, dass die Mannschaften enger zusammenrücken. Dass diese Spieler die besten ihrer Mannschaft oder Liga sind, behaupte ich nicht. Aber sie spielen eben wöchentlich im Training und am Wochenende auf einem anderen Niveau als Spieler, die in der eigenen heimischen Liga unterwegs sind.


    Zu den Spielern deiner Aufzählung gesellen sich Sommer, Akanji, Elvedi, Rodriguez, Schär, Freuler, Shaquiri, Xhaka, Zakaria, Embolo und Seferovic - allesamt Bundesliga- und Premier League-erfahren.


    Bitte zähle mir die Schweizer Spieler der 2000er auf, die sich in ähnlichen Teams oder Ligen durchgesetzt haben. Da findest du in zehn Jahren vielleicht fünf, hier sind es 85% des diesjährigen Kaders. Deshalb kann meiner Meinung die heutige Schweizer Mannschaft mit den Top-Nationen mithalten, konnte es aber vor 20 Jahren nicht.

    Ja, ABER:


    Wir müssen trotzdem die beiden Beispiele Island und Schweiz trennen. Die Schweizer Spieler sind nun mal alle in Top-Ligen unterwegs und das ist durchgängig seit einigen Jahren so. Deshalb sind sie keine "Kleinen" mehr und haben Spieler, die Woche für Woche und im Training auf dem höchsten Niveau spielen.

    Das ist bei einer guten Generation der Isländer nicht so, weil eben nicht nachhaltig.


    Auf Dauer gesehen schließen viele kleinere Nationen und vielleicht auch traditionell weniger Fußballaffine Nationen zu den Top-Mannschaften auf und das kommt durch diese Globalisierung und den internationalen Transfermarkt. Auch wenn man es nicht wahrhaben will: Es gibt nicht mehr die 4 Top-Favoriten, die ins Halbfinale fliegen. Vermeintliche Außenseiter werden immer mehr zu Stolpersteinen - eben weil ihre Spieler auch auf dem Top-Niveau spielen und es nicht mehr heißt "Bundesliga gegen Schweizer Liga", sondern inzwischen "Bundesliga, Premier League gegen Bundesliga, Premier League und Ligue 1".

    Das sagt einiges - das Geld nicht Tore schießt sondern auch eine gut hamonierende Mannschaft.

    Ich möchte ja nicht klugscheißen, da der Spruch "Geld schießt keine Tore" auch in dem Zusammenhang passt, aber ursprünglich hatte er eine andere Bedeutung, als Rehhagel ihn sagte. :D


    Damals ging es um einen umworbenen Spieler und Rehhagel wollte den Spieler nicht im Tausch für Geld abgeben, da der Spieler Tore schießt, aber das Geld, dass der Verein für ihn bekäme, nicht. Was soll er mit Geld, wenn er Tore braucht?! Es ging übrigens um Ciriaco Sforza - Schweizer - passt als irgendwie auch gerade zum Thema.


    Und nochmal zu deinem Beitrag: Definitiv richtig, selbst die beste Mannschaft der Welt mit den besten Spielern der Welt ist an manchen Tagen schlagbar.

    Die Diskussion hatten wir an anderer Stelle schonmal und ich kann nur nochmal wiederholen: Die Schweizer Spieler spielen in den gleichen Ligen wie die Franzosen, spielen den gleichen Fußball, das gleiche Tempo und bringen ähnlich gute Leistungen in ihren Vereinen. Warum sollte es mit Spielern auf dem gleichen Trainingsstand nicht möglich sein, so ein Spiel zu gewinnen?! Das war vor 20 Jahren noch nicht so, als die Schweizer noch in ihrer zweitklassigen eigenen Liga gekickt haben. Heute kann jeder Nordmazedonier sich in einer Top-Liga zur Legende mausern oder jeder Argentinier die besten Jugendteams Spaniens durchlaufen, durch die Globalisierung ist die Herkunft kein Qualitätsmerkmal für die Fußballerischen Fähigkeiten.

    Und die Schweizer mit einer riesigen Leistung, das 1:3 noch ausgeglichen und dann so etwas... Respekt!

    Die beiden Spiele waren sich bis zur 90. Minute (sagen wir besser 95. Minute) so ähnlich, aber beide für sich unglaublich spannend. Ich musste das späte Spiel trainingsbedingt zeitversetzt gucken, habe das Handy weggelegt, mich nicht ablenken lassen und es nur genossen. Hat sich gelohnt!


    Aber die letzten Tage haben mal wieder gezeigt: es gibt keine Kleinen mehr. Wenn Deutschland in der Nations League nur knapp gegen die Ukraine gewinnt oder Unentschieden gegen die Schweiz spielt, dann brennt hier gleich der Baum. Frankreich ist gestern gegen diese Schweizer ausgeschieden, die Ukrainer haben ganz gute Chancen auf das Viertelfinale. In 90 Minuten (bzw. 120 Minuten) kann auf dem Niveau jeder jeden schlagen und um zu verlieren muss man nicht schlecht sein oder einen schlechten Trainer haben, sondern kann auch einfach mit Glück, Pech und einem Missmatch auf einer bestimmten Position zusammenhängen.

    Ich habe extra noch einen "Ordnungsdienst" organisiert. Ein Vorstandsmitglied von unserem JSG-Partner kam und hat ihm vorher noch ein paar Takte gesagt, er war danach ganz zutraulich und hat mit uns Trainern ordentlich gesprochen. Hat sich zwar nicht an die Kabinenbegrenzung gehalten, aber wir haben ihm gesagt, dass es seine Verantwortung ist und er die eventuellen Konsequenzen selbst tragen muss. Offenbar hatte er vorgestern einfach nur einen ganz ganz schlechten Tag.


    Wir kamen umgezogen zum Platz, haben unser Quartier draußen aufgeschlagen, Taktikbesprechung im Freien mit Hütchen statt Magneten gemacht und am Ende 6:1 gewonnen (hätte auch deutlich höher ausgehen können). Seine Spieler waren nach 30 Minuten schon genervt, weil er ihnen so hilfreiche Tipps wie "Spielt doch endlich mal Fußball" oder "das haben wir aber anders trainiert" reingerufen hat. Einen Torschuss hatten sie am Ende und sein Fazit war "ihr habt euch halt etwas cleverer angestellt". Seine "Dreierkette" war leider ein System mit Libero, der unzählige male das Abseits aufgehoben hat als letzter Mann. Taktisch unglaublich schlecht eingestellt. Dabei hat er mir ja gesagt, dass sie seit März schon normal ohne Einschränkungen trainieren, "weil es bei ihnen ja niemanden interessiert" - da habe ich mehr erwartet.


    Passt in das Bild, das ich nach dem Telefonat von ihm hatte. =)

    Morgen steht unser erstes Freundschaftsspiel nach Corona an, alle Jungs freuen sich auf das Derby gegen einen Ortsnachbarn.


    Ich habe dem gegnerischen Trainer heute unseren Corona-Infozettel geschickt (beinhaltet Lageplan der Anlage, die wichtigsten Regeln und QR-Codes zur Nachverfolgung). Direkter Rückruf und folgende Beschwerden:

    - Warum dürfen wir nicht mit allen Spielern in die Kabine/Dusche?

    - Wie sollen wir Mannschaftsbesprechungen machen? Etwa draußen?

    - Muss wirklich jeder bei der Nachverfolgung mitmachen?


    Tenor war, dass wir ihn "drangsalieren" (sein Wort) würden und es die Regeln bei seinem Verein ja überhaupt nicht geben würde. Er hätte sowieso seit März keine Regeln beachten müssen, hat mit allen Kids die Kabinen benutzt und normal trainiert (trotz Kleingruppentraining oder Kontaktverbot). Ich habe ihm gesagt, dass ich weder die Regeln gemacht habe, noch ihm was böses will. Aber wir sind nun mal verpflichtet, diese bekanntzugeben und einzuhalten.


    Das nimmt mir verdammt nochmal die Vorfreude auf das Spiel, weil ich weiß, dass ich morgen über Corona diskutieren muss und ständig ein Auge darauf haben muss, ob die sich an die Regeln halten oder das Ordnungsamt vorbeischaut.


    Werde jetzt mit dem Rest des Vorstands sprechen, ob sich einer darum kümmern kann, Ordnungsdienst machen kann und sich um das organisatorische kümmert.


    Abschließend noch zwei schöne Zitate von ihm: "Wenn die Jungs nur zu zweit duschen dürfen, sind wir ja nicht mal zum Länderspiel zu Hause" und "Wenn wir bei uns spielen würden, könnten wir machen was wir wollen. Aber wir haben es jetzt bei euch abgemacht und dann sagen wir es auch nicht ab".


    Wirklich wegen den "eigentlich" überall geltenden Corona-Regeln in Betracht zu ziehen, ein Spiel abzusagen, macht mich fassungslos. Wenn ich aber jetzt absage (was wahrscheinlich verständlich wäre), werde ich 20 unzufriedene Spieler am Platz haben.