Charles De Goal Ich weiß nicht, wie es in dem Teil Deutschlands aussieht, wo Du Trainer bist, in Niedersachsen kenne ich keinen Verein vom Niveau - ich sag mal vereinfacht - "eins unter NLZ", der in der C und älter 70 Spieler in einem Jahrgang hat: Absolut typisch ist nur ein Team pro Jahrgang, also eine U14, U15, U16 usw..
Entschuldige, das war falsch formuliert. Nicht 70 Spieler eines Jahrgangs, sondern einer Altersklasse. Der Verein stellt jeweils drei C-, B- und A-Jugenden, darunter sind es 4-5 Teams pro Altersklasse (damit sind es ca. 30-40 Spieler pro Jahrgang). Muss das sein, wenn die umliegenden Vereine schon JSGs sind und es selbst da schon knapp wird? Bei uns spielen in speziell diesem Verein 4 Spieler aus diesem einen Jahrgang.
Auch wenn ich Deine Argumente verstehen kann (sie aber nicht teile, für mich ist ein 13-jähriges Kind beim Übergang zu C immernoch ein Kid und nicht etwas, worüber sich zwei Vereine einigen müssen), aber:
Es geht hier in meinem Fall aber um zwei C-Jugendliche, die innerhalb dieser Saison noch 15 werden. Sobald ein Spieler die Entscheidung trifft "ich möchte es in der Verbandsliga versuchen und meinen alten Verein verlassen", trifft er für mich keine Kinder-Entscheidungen mehr. Und wenn ein Verein sagt, dass er von der Jugendarbeit anderer profitieren möchte, weil er selbst nicht die Spieler dieser Qualität ausgebildet hat, sollte er den Aufwand, den der abgebende Verein dafür investiert hat, finanziell kompensieren. Ein Kind wird nicht als "Ware" bezeichnet, sondern die Ausbildung als Dienstleistung, die der aufnehmende Verein in Anspruch nimmt.
Ich kann mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, seit 8 Jahren (seit der F-Jugend) ehrenamtlich junge Spieler zu formen, drei- bis viermal in der Woche Training anzubieten, mich um wirklich alles zu kümmern (Freundschaftsspiele, Events neben dem Platz) und dann sagt ein größerer Verein "toll, den und den und den nehmen wir jetzt zu uns, viel Spaß weiterhin mit deinen verbliebenen 12 Spielern".
Der immer wieder zu hörende Hinweis "müssen die großen Vereine eben selbst besser ausbilden" ist doch aber auch nicht zielführend. Es ist doch absolut unrealistisch, daß aus beispielsweise zwei oder gar drei Teams pro Jahrgang in der E/F 20 Spieler hervorgehen, die in der älteren C Regionalliga oder eins tiefer spielen können? Da kann die Ausbildung so gut sein, wie sie will. Wie soll das also gehen? Schon gar nicht, wenn man nicht schon ganz früh anfängt, nur die (vermeintich) besseren Spieler zu nehmen. Ich kenne z.B. einen Verein ganz gut, mit dem ich aber nichts zu tun habe, der diese Kriterien erfüllt (Männer spielen hoch, C bis A auch), der in der Nähe einer Großstadt ist und in dem bei den 12-jährigen und jüngeren die Jungs aus der unmittelbaren Umgebung spielen. (Schon allein aus praktischen Gründen, weil nicht so leicht erreichbar.) Von denen spielen dann in der U15 nicht mehr viele. Machen die deshalb schlechte Nachwuchsarbeit? Meines Wissens nicht. Die bilden die weniger talentierten genauso gut aus wie jeder andere Verein (wahrscheinlich sogar besser, weil das Niveau der Trainer im Schnitt höher ist.) Was sollen die also Deiner Meinung nach machen? Die einzige Alternative zum "Bedienen" bei anderen Vereinen ab der C wäre in der Zukunft nur noch Kreiiga oder maximal eins höher zu spielen. Dann kann man die Spieklassen in der ugend auch gleich ganz abschaffen. Aus meiner Sicht trifft Ähnliches auf mehr oder weniger jeden Verein der oben genannten Kategorie zu, nur das viele halt noch deutlich eher mit dem "Scouten" anfangen. Wenn das besser ist?
Da vertrete ich eine andere Meinung. Wenns nicht reicht, muss man sich vielleicht eingestehen, dass man nicht so hoch spielen kann. Warum muss es diese Schere geben? Weil jeder der geilste und beste sein will und am höchsten spielen will. Dafür werden ständig Spieler hin- und hergeschoben und in diesem "Konzept" werden Spieler tatsächlich wie eine Ware behandelt. Ich habe genug Gespräche von Trainern (auch aus diesem Verein) gehört, nach denen ich mich gefragt habe, ob sie noch alle Tassen im Schrank haben.
Nochmal: Es geht hier um einen Kreisliga B-Verein, an dem sich andere Vereine massenhaft bedienen, sodass inzwischen 4 Altersklassen Probleme haben, den Kader zu füllen. Wir leisten gute Arbeit, aber wenn dann die Verbandsliga anruft, sind die Spieler eben weg. Dennoch haben wir Trainer in diese Spieler Zeit und Energie gesteckt, als Anerkennung MUSS das für den Verein kompensiert werden.
Solange es diese Aufwandsentschädigungen gibt, ist es mit Sicherheit nicht verwerflich, sich daran zu orientieren oder sie einzufordern. Sonst kann man bald alle kleinen Vereine zumachen und die großen Vereine unter sich spielen lassen. Damit schafft sich der Jugendfußball nur leider selbst ab.
Und wenn der aufnehmende Verein das nicht zahlen will, müssen sie eben ihren neuen Spielern erklären, warum sie nicht die übliche Entschädigung zahlen wollen und warum sie drei Monate auf die Spieler verzichten wollen. Wenn dann noch die Eltern ins Boot geholt werden und uns als abgebenden Verein der schwarze Peter zugeschoben wird, obwohl wir nach Jugendspielordnung handeln, dann ist der Jugendfußball für mich gestorben.