Beiträge von Charles De Goal

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    Ich habe das Gefühl, dass du mir nicht ganz folgen kannst, also nochmal ganz langsam:


    Wenn man überdurchschnittlich groß sein muss, um Fußballprofi zu werden, ist die Wahrscheinlichkeit, Profi zu werden, geringer, wenn man unterdurchschnittlich klein ist. Wenn es egal wäre, wie groß man ist, wäre der Größendurchschnitt ja nicht abweichend vom Durchschnitt der Bevölkerung.


    Ich habe bereits gesagt, dass es immer wieder Ausnahmen gibt und die wird es auf bestimmten Positionen immer geben. Aber jeder 1,70 große Spieler braucht einen 1,98 großen Spieler zum Ausgleich, um den Durchschnitt zu erhalten, ist dir das klar?

    Dazu kommt eben noch, dass bei mehr kleinen Spielern zur Auswahl der Konkurrenzkampf bestimmter Positionen viel größer ist, somit ist es auch noch schwieriger, ins Geschäft zu kommen.


    Ich orientiere mich nur an den Zahlen und den Statistiken und nicht an Einzelfällen. Solange es nämlich auf die ganze Gruppe der Profis Einzelfälle sind, bestätigen sie die Regel.

    Fußball ist für Kinder/Eltern/Spieler der billigste Amateursport, den man finden kann. Gleichzeitig der für Trainer der am wenigsten lukrativste.


    Fußball ist aber für Fans und Zuschauer der Profis aber auch der teuerste Sport.


    Wenn NLZs und Verbände im Profibereich von der Arbeit der Amateurvereine profitieren wollen, sollten sie das auch entsprechend finanziell würdigen. Ausbildungsentschädigungen (dazu gibt es einige andere Threads), Trainervergütungen und so weiter. Wenn ich überlege, was für blödsinnige Investitionen es im Profifußball oder in den Verbänden gibt und mit welchem Bruchteil davon dem kleinen Dorfverein geholfen wäre, der den nächsten Spieler ins NLZ bringen könnte... Nicht sonderlich langfristig gedacht und das wird dem Fußball als Gesamtkonstrukt auch irgendwann auf die Füße fallen.

    Das kann man denke ich aber schon noch ein wenig differenzieren. Dass z.B. Torwart, Innenverteidiger oder (teilweise) zentrale Stürmer eine gewisse Körergröße mitbringen müssen ist sicher unstrittig. Die Frage ist, ob es diese Differenz zur Durchschnittsbevölkerung immernoch gibt, wenn man diese Positionen aussen vor lässt.

    Denn es gibt hier sicher niemanden, der sagt, dass aus den körperlich schwachen Jungs unbedingt der nächste Jerome Boateng wird, sondern vielleicht eher der 1,76m große zentrale Mittelfeldspieler.

    Ich verstehe leider den Sinn nicht, warum man das nun differenzieren muss. Muss jetzt jeder kleinere Spieler zentraler Mittelfeldspieler werden? Warum nimmt man bestimmte Positionen raus, um den Durchschnitt zu verfälschen? Damit es in eine bestimmte Argumentation passt?


    Fakt ist: es sind mehr Profis 1,84 als 1,76. Klar sind mehr zentrale Mittelfeldspieler kleiner als 1,84 als größer. Aber die machen theoretisch auch nur ein Elftel der Profis aus. Das tut sich dann in keine Richtung etwas.


    Wenn ein Spieler klein ist, fallen für ihn ja offenbar schonmal einige Positionen raus. Dann ist doch gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit geringer, dass man Profi wird oder höherklassig spielt.

    Es gibt natürlich auch die 1,65 großen Supertechniker, die später Weltfußballer wurden ;)

    Davon gibt es in der "Neuzeit" einen und der bestätigt ziemlich klar die Ausnahme. Im Durchschnitt ist der Bundesligaspieler 1,84m groß, somit 4cm (!) über dem Bundesdurchschnitt der Männer. Zeigt: man muss eher überdurchschnittlich groß sein, um Profi zu werden. Wenn die Prognose ist, dass jemand deutlich kleiner ist und bleibt, dann wird es schwierig, Profi zu werden.

    Einigen wir uns doch mal darauf: es ist verdammt schwer die richtige Prognose zu treffen. Sowohl im NLZ als auch am Stützpunkt und auch in vielen Vereinen, werden Momentbetrachtungen nach bestem Wissen und Gewissen bewertet und Entscheidungen getroffen. Man bewertet, was jemand aktuell körperlich, technisch und kognitiv kann und versucht Phantasie zu entwickeln was noch dazu kommen oder verloren gehen könnte und fällt dann eine Entscheidung, die man in dem Moment für richtig hält.

    Es gilt dabei aber immer: hinterher sind alle schlauer - ganz besonders die, die vorher keine Meinung hatten und keine Entscheidungen getroffen haben, glänzen hinterher mit den schlauesten Sprüchen...

    Genau. Und da wird das oft erwähnte "Gesamtpaket" bewertet und nicht nur die Technik. Klar wird man sich immer wieder irren. Aber die Behauptung, dass nur auf kräftige Große gesetzt wird und nur aussortiert wird, weil jemand zu klein ist, ist eine ziemlich krasse Unterstellung. Denn diese Dinge gehören absolut in die Bewertung, wenn ich einen Fußballer bewerte.

    Und wer prognostiziert, dass der Körper dann mit 15, 16 oder 17 kein Vorteil mehr ist?


    Weder ist eindeutig vorherzusagen, dass die einen aufholen, noch, dass die anderen den Vorsprung behalten.


    In dem Moment, in dem sich ein Verein oder Stützpunkt für einen bestimmten Spieler entscheidet, muss alles mit einbezogen werden, was den einen Spieler zum besseren Fußballer macht. Und das kann jawohl nicht ausschließlich die Technik sein.

    Genauso wie technisch schwache große Spieler, die irgendwann eingeholt wurden gibt es auch super Techniker, die mit 19 noch 1,65 groß sind und sich nicht in der Kreisliga B durchsetzen können.


    Da man das pauschal nicht festlegen kann, ist es meiner Meinung nach legitim, die Momentaufnahme des Gesamtpakets als Indikator zu nehmen, anstatt auf gut Glück jemanden auszubilden, der irgendwann vielleicht mal was könnte, was jetzt nicht absehbar ist. Und gutgeheißen habe ich das nicht, das ist völlig wertfrei.

    Spielen denn diese 10kg schwereren und einen Kopf größeren Spieler besser Fußball? Und damit meine ich das Gesamtpaket, wozu auch das körperliche zählt. Wenn in diesem Moment der körperlich weitere Spieler das bessere Gesamtpaket ist, dann ist es nicht verwerflich, sich für diesen zu entscheiden.


    Es wird ständig so getan, als ob es bei der Eliteförderung nur um Technik geht. Der Stützpunkt, NLZs oder größere Vereine scouten aber nicht nach Spielern, die am meisten den Ball jonglieren können. Die beste Technik bringt nichts, wenn der Spieler keine 30 Meter am Stück sprinten kann oder sich nicht im Zweikampf behaupten kann, weil er zu klein ist.


    Natürlich hat es auch mit dem Körper und der Pubertät zu tun, die bei jedem anders verläuft. Da kann man nun wirklich Pech oder Glück haben. Aber bitte denk mal darüber nach, wen würdest du ganz objektiv für ein Förderprogramm wählen: den Spieler, der beste körperliche Voraussetzungen hat, gut in dem ist, was er macht und im Gesamtpaket gut mithalten kann oder den Spieler, der vermutlich erst in 2 Jahren das körperliche Niveau erreicht und momentan nicht hinterherkommt. Du kannst nur einen von beiden nehmen! Denn für jeden, den du reinnimmst, musst du einen anderen rausnehmen. Ich habe wie gesagt Verständnis dafür, eher den zu nehmen, der die besten Voraussetzungen mitbringt als den, bei dem man erst warten muss, bis er die körperlichen Voraussetzungen hat.


    Klar gibt es immer wieder Ausnahmen, sowohl im ganz großen (z.B. Messi), als auch in den oberen Amateur-Ligen und den unteren Amateurligen. Aber es braucht objektiv einfach eine ganze Menge, um körperliche Unterlegenheit auszugleichen. Nichts anderes gilt beim Basketball, wo die Größe so wichtig ist, dass manchen sogar von vornherein die Chance genommen wird, sich überhaupt zu entwickeln.

    Die Kinder werden immer mehr zum Geschäftsmodell. Gute Trainer gibt es kaum, sondern sehen die Kinder nur noch als Sprungbrett oder zur Selbstverwrklichung.

    Ich würde einen Schritt weitergehen: Auch viele Spieler wollen Vereine als Sprungbrett benutzen und die Eltern leben das vor. Vereine nutzen Trainer und Spieler für ihre Zwecke.


    Fußball ist in vielen Bereichen von einem Mannschaftssport für jedermann zur Sammlung vieler Ich-AGs geworden. Eltern schleppen Kinder von Verein zu Verein, um irgendwo dann groß rauszukommen. Kinder wollen weg, wenn ihnen die Mannschaft nicht "gut genug" ist und manche Trainer wechseln jedes Jahr ihren Verein, obwohl sie nur in der Jugend trainieren und da Konstanz etwas ziemlich positives ist.

    Vereine sammeln sich Trainer und Spieler zusammen, die für sie "arbeiten" und in einer Spielklasse spielen, die der Verein sich wünscht. Höherklassige Mannschaften zeichnen sich nicht mehr durch eine gute Jugendarbeit aus, sondern durch das beste Scouting und die beste "Mannschaftszusammenstellung".


    Aber solange es Vereine, Trainer, Eltern und Spieler gibt, die das alles mitmachen und vielleicht sogar so wollen, wird sich das nicht ändern.

    Ich werde das mal ausprobieren. Nach ein paar Monaten Erfahrungen auf dem Gebiet werde ich das sicherlich noch besser durch die Trainingsplanung steuern können. Allerdings bestimmen ja meist die Spieler selbst die Intensität im Training und das ist für den Trainer kaum planbar.

    Ich habe jetzt wie angekündigt damit begonnen, nach dem Training die Intensität/Ermüdung und den Spaß abzufragen. Die Jungs zeigen mir nach dem Training jeweils 1-5 Finger (1 = gering bis 5 = sehr hoch) und dann nehme ich den Durchschnitt von allen. Am Ende der Woche will ich dann in der Vorbereitung im Schnitt eine Intensität von 4 Fingern pro Training haben, beim Spaß sollten es natürlich immer 4-5 Finger sein. Bislang lag auch bei allen alles ziemlich gut zusammen, Abweichung war maximal 1 Finger.

    Am Montag haben wir einen Shuttle-Run gemacht, da war der Schnitt zwischen 4 und 5 - für mich das Signal, heute mal auf geschätzte Intensität 2 runterzufahren mit Fußballtennis und 4 gegen 2. So kam es dann auch in der abschließenden Bewertung von den Jungs zurück.


    Ich denke, das wäre die einfachste und unterste Ebene für eine Belastungssteuerung und die kann auch jeder ohne viel Arbeit umsetzen. Ich mache das bei einer B-Jugend, aber das kann selbst eine F-Jugend bewerten. Vielleicht führe ich es auch für meine Herrenmannschaft ein, weil ein bisschen Selbstreflexion und nochmal ins Gedächtnis rufen, was man so gemacht hat und ob es anstrengend war, schadet keinem. Noch dazu bekomme ich ein Feedback, was den Spielern gefallen hat. Und wenn da mal jemand in der Bewertung komplett abweicht, kann ich im persönlichen Gespräch erfragen, was der Grund ist.


    Ein ziemlich gutes Instrument, danke für die Inspiration im Thread hier!

    Einen Verein attraktiv gestalten. Da gehts los - 95% der Vereine wollen das nicht bzw. die Zeit braucht Veränderungen in den Strukturen. Es geht schon mit der Vorstandschaft los. Völliger Schwachsinn, denn keine Sau will sich das mehr aufbürden für nix und wieder nix. Es müsste eine andere Lösung her. Dann diese unsäglichen Vereinskriege. Ich glaube das es nicht Zielführend ist und zerstört auch die Vereine. Ein Miteinander wäre besser !

    Es hat meiner Erfahrung mehr damit zu tun, dass Vereinsarbeit und Vorstandsarbeit eben "Arbeit" enthält und Zeit in Anspruch nimmt. Dazu heißt es "Verantwortung". Es gibt leider in jüngeren Generationen immer weniger Leute, die sowas machen oder haben wollen. Unser Vorstand ist im Schnitt 45 Jahre alt, das empfinge ich schon als relativ jung. Wir möchte in paar Mitt-20er einführen, die fragen zuerst "wieviel muss ich da machen?" und "wofür bin ich da verantwortlich?". Ist mit Sicherheit nicht pauschal überall so, aber es man möchte sich einfach in dem Alter nicht verpflichten und keine Aufgaben annehmen, die Mehraufwand bedeuten.


    Dann noch das schlimmste was derzeit ist. Die starren Strukturen in der Altersbeschränkung. Das ist ein großer Punkt wo Kinder eben nicht mehr Fußball spielen wollen. Des sollte entweder Leistungsorientiert sein oder gar nicht. Diese Kategoriesierung ist ein Vereinskiller und verhindert ein Zusammensein von Fußballspieler und Talenten. Letzten Donnerstag gewann unsere Bambinis 24:0 !!!! Ein Spieler von meinen Training schoss alleine 20 Tore ! Wo ist der Sinn ? Der Spieler trainiert bei mir in der E Jugend und will eigentlich nicht bei den Bambinis spielen. Ich mache das schon seit längerem das ich talentierte Spieler mit älteren Jahrgängen trainiere - was jedoch zu extremen Konflikten führt seitens der Vereinsführung usw. Das Training in den jeweiligen Spielklassen ist aber ungeeignet für diese Spieler und verlieren bald die Lust. Weiter habe ich einen in der E Jugend der einfach nicht mithalten kann. Der Spieler müsste min. in die F2, da er sich kognitiv einfach erst soweit ist.

    Ich denke, dass diese Geschichte ein Einzelfall oder zumindest ein sehr seltener Fall ist. Und wenn sowas vorkommt, kann ich mir kaum Vereine vorstellen, die dafür keine Lösungen finden können. Ich würde nicht behaupten, dass das das schlimmste ist, was im Moment in Vereinen passiert und das ist mit Sicherheit auch nicht dafür verantwortlich, dass Vereine unattraktiver werden. Vielleicht für das eine Kind. Aber nicht für die 10-20 anderen Kinder, die in der Bambini-Mannschaft spielen.

    Genau das ist mein Punkt: Spieler gehen von einem Kreisligisten mit großen Erwartungen zum größeren Verein, in dem sie dann in der B3 geparkt werden und am Ende in der gleichen Liga wie der Heimatverein spielen. Den Aspekt mit den Mitgliedsbeiträgen hatte ich so nicht auf dem Schirm. Natürlich kann eine B3 die Infrastruktur nutzen, die einer B1 oder B2 zur Verfügung gestellt wird: also haben die Spieler sicherlich andere Trainingsmöglichkeiten als im Heimatverein. Aber ist das den Aufwand für die Spieler wert?


    Vielleicht denke ich zu romantisch und altmodisch, aber ich gehe mit meinem Jahrgang jetzt in das neunte Jahr (B-Jugend) und ich blicke auf viele tolle Jahre zurück, die Hälfte der Mannschaft besteht so seit der F-Jugend und alle anderen sind per JSG dazugekommen (ebenfalls seit der F-Jugend im anderen Verein). Immer wieder sind Spieler weggegangen, manche aber auch wiedergekommen und manche andere kommen regelmäßig zum Training und machen mit, wenn in ihrem anderen Verein kein Training ist (ist natürlich abgesprochen). Ich behaupte, dass eine solche Konstante im Leben gut für Kinder ist. Ständig wechselnde Trainer, Mitspieler, Vereine oder Mannschaften bringen sicherlich auch gute Abwechslung, aber seit 8 Jahren Montags, Mittwochs und Donnerstags in das gleiche Umfeld mit den gleichen Leuten und dem gleichen Spaß zu kommen gibt vielen ein gutes Gefühl, sagen mir Spieler und Eltern. Warum müssen andere Vereine in solche funktionierenden Systeme Unruhe reinbringen?

    In welchen Regionen ist das denn so?


    Ich meine, bei uns gibt es auch Vereine, die sich aktiv um die besten Spieler eines Jahrgangs bemühen.

    Das hat meines Wissens nach aber noch nicht dazu geführt, dass in Gänze der Spielbetrieb eingestellt werden musste.

    :/:/:/:/

    Bei uns im Kreis sind inzwischen knapp 60% der Mannschaften JSGs. Würde es die Möglichkeit zur Spielgemeinschaft nicht geben, könnten diese Vereine allein keinen Spielbetrieb aufrecht erhalten.

    Wir haben im Umkreis von 30 Kilometern einen Erstligisten, einen Zweitligisten und einen Drittligisten, dazu im Einzugsgebiet zwei Regionalligisten, vier Oberligisten und drei Verbandsligisten. Das ist keine ungewöhnliche Zahl, aber diese machen uns schon das Leben schwer mit den ständigen Spieleransprachen. Allein aus unserem B-Jugend-Jahrgang (05/06) fehlen uns 12 (!) Spieler, die irgendwann mal zu diesen Teams gewechselt sind. Mit unseren verbliebenen Spielern hätten wir eine zweite B-Jugend oder müssten keine JSG bilden, so stellen wir als JSG sogar nur eine Mannschaft. Dagegen melden die meisten der obengenannten Vereine drei (!!!) B-Jugenden.


    Was soll das?

    Es bilden sich von selbst Cluster, das ist ganz interessant. Gestern war es bei 15 Kategorien nur einmal so, dass alle zusammenstanden.


    Normalerweise gibt es immer zwei bis drei große Lager, und dann wird erstmal geguckt, wer um wen steht und was die anderen so denken. Manchmal läuft auch noch einer rüber, weil er seine Meinung ändert. Also es macht unheimlich viel Spaß und danach haben alle gute Laune. Es alle drei Monate zu machen reicht auch, möglichst wenn mal alle da sind!


    Habe ich übrigens von SoccerCoachTV, sehr empfehlenswerter Kanal!!

    Bin gerade drüben bei facebook über einen Link gestolpert. Sollte das Live Scouting zur Normalität werden (wie es heute schon Fußballcamps und Förder-/Einzeltraining sind), dann wird es zukünftig wahrscheinlich noch mehr Wechsel geben - und ich gehe davon aus, dass Vereine daran nicht mit beteiligt/entschädigt werden (vielleicht höchstens, wenn man ihre Sportplätze benötigt). Und ob das "alles für das Kind/Jugendlicher" noch das Motto sein kann, bezweifel ich auch sehr stark.

    Und irgendwann spielen dann alle Vereine überkreislich oder sind "Profi-Vereine", weil es nichts unterklassiges mehr gibt.


    Düstere Aussichten für den Breitensport.

    War gestern auf jeden Fall lustig. Manche wissen ganz genau, dass viele zu ihnen laufen, andere sind ganz überrascht. Aber am Ende waren ein paar Leute ziemlich gerührt, als sie plötzlich die mit dem meisten Einsatz, die Zuverlässigsten, die lustigsten oder die intelligentesten waren - die Sachen kann man nämlich AUF dem Platz nicht messen!

    Im Breitensport wird es immer so sein, dass es bessere und schwächere Spieler gibt. Finde Dinge auf und neben dem Platz, bei dem die vermeintlich schwächeren Fußballer mal diejenigen sind, die jeder im Team haben möchte. Fifa-Turniere, andere Sportarten, Events.


    Ich habe in der E-Jugend einen Ausflug in einen Freizeitpark gemacht, bei dem jedes Kind einen Zettel mit Fragen zum Thema Dinosaurier bekommen hat. Alle haben bei einem abgeschrieben, der nicht der beste Fußballer war, aber eben ziemlich viel darüber wusste. Anschließend war er viel akzeptierter in der Mannschaft.

    Machst du mal ein Fifa-Turnier mit den Jungs, teilst du die Paare so ein, dass die vermeintlich besseren Fußballer mit den schwächeren zusammen spielen. Dann bilden sie ohne Ball am Fuß mal ein Team und sind aufeinander angewiesen.


    Dazu gibt es auch tolle Übungen, bei denen jeder seinen Leistungsstand oder seine Stärken erkennen kann. Ich werde heute mit meiner Herrenmannschaft eine Übung machen, in der alle in einem Viereck Dribbel-ABC machen, wenn ich rufe "wer ist der schnellste?", stoppen alle den Ball und laufen zu dem Spieler, von dem sie es glauben. Der eine bekommt also von seinem Teamkollegen Rückmeldung, wie sie ihn einschätzen. Das kannst du mit vielen anderen Fragen machen (der Motivierteste, der beste Trickser, der intelligenteste, usw.). Und dann auch mal Dinge, wo sie zu einem laufen können, der sonst selten der "beste" ist. Damit erkennt jeder seinen Wert für das Team.


    Und erwähne konsequent in jeder Mannschaftsbesprechung, dass Fußball ein Teamsport ist, in dem jeder jeden unterstützten muss - manche mehr, manche weniger - aber alleine erreicht keiner etwas. Dieses Denken in die Köpfe zu bekommen erfordert Zeit und Geduld, aber eines Tages kommt es an!

    Nur bei dem "wenn es nicht reicht, dann muß man es sich eingestehen und kann eben nicht so hoch spielen" bin ich komplett anderer Meinung. "Auf natürliche Weise" reicht es bei keinem Verein. Also aus der eigenen E/F. Und ich halte es für legitim und sinnvoll, daß es für sehr talentierte Spieler auch außerhalb von NLZs (da ist es übrigens dasselbe, nur eine Stufe höher), die Möglichkeit gibt überregional auf hohem Niveau Fußball zu spielen.

    Das Niveau ist doch durch dieses System selbst geschaffen worden. Warum wollen diese Vereine sich denn auf Biegen und Brechen verstärken, um mitzuhalten? Weil andere Vereine sich auch verstärkt haben, um mitzuhalten.

    Aber auch diese Medaille hat zwei Seiten. Spieler der A-C Jugend sind keine Kinder mehr und wollen ggf. eben selber auch mehr. Es macht doch auch auf Dauer keinen Spaß, mit viel schlechteren Mitspielern zu spielen.

    Das geilste ist doch, mit gleich guten Mitspielern in der Liga zu zocken, die zu einem passt. (nicht zu hoch, nicht zu niedrig). Und dann muss es sich eben sortieren.

    Ja, der Meinung bin ich absolut. Niemandem sollen Steine in den Weg gelegt werden und jeder soll natürlich da spielen, wo es ihm Spaß macht und wo er es "probieren" will. Mit Spielern will ich keinen Streit anfangen und sie auch nicht vergraulen (außer, sie verhalten sich respektlos gegenüber Verein, Trainer und Mannschaft wie im Ausgangspost).


    Andere Vereine, die aus welchen Gründen auch immer höherklassigen Fußball anbieten wollen/können und damit auf die Vereine aus der Umgebung angewiesen sind, sollten allerdings die offenbar gute Ausbildung honorieren. Es geht dabei um Respekt und Anerkennung der Arbeit, die Vereine ehrenamtlich in die Jugendspieler stecken.

    Charles De Goal Ich weiß nicht, wie es in dem Teil Deutschlands aussieht, wo Du Trainer bist, in Niedersachsen kenne ich keinen Verein vom Niveau - ich sag mal vereinfacht - "eins unter NLZ", der in der C und älter 70 Spieler in einem Jahrgang hat: Absolut typisch ist nur ein Team pro Jahrgang, also eine U14, U15, U16 usw..

    Entschuldige, das war falsch formuliert. Nicht 70 Spieler eines Jahrgangs, sondern einer Altersklasse. Der Verein stellt jeweils drei C-, B- und A-Jugenden, darunter sind es 4-5 Teams pro Altersklasse (damit sind es ca. 30-40 Spieler pro Jahrgang). Muss das sein, wenn die umliegenden Vereine schon JSGs sind und es selbst da schon knapp wird? Bei uns spielen in speziell diesem Verein 4 Spieler aus diesem einen Jahrgang.

    Auch wenn ich Deine Argumente verstehen kann (sie aber nicht teile, für mich ist ein 13-jähriges Kind beim Übergang zu C immernoch ein Kid und nicht etwas, worüber sich zwei Vereine einigen müssen), aber:

    Es geht hier in meinem Fall aber um zwei C-Jugendliche, die innerhalb dieser Saison noch 15 werden. Sobald ein Spieler die Entscheidung trifft "ich möchte es in der Verbandsliga versuchen und meinen alten Verein verlassen", trifft er für mich keine Kinder-Entscheidungen mehr. Und wenn ein Verein sagt, dass er von der Jugendarbeit anderer profitieren möchte, weil er selbst nicht die Spieler dieser Qualität ausgebildet hat, sollte er den Aufwand, den der abgebende Verein dafür investiert hat, finanziell kompensieren. Ein Kind wird nicht als "Ware" bezeichnet, sondern die Ausbildung als Dienstleistung, die der aufnehmende Verein in Anspruch nimmt.


    Ich kann mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, seit 8 Jahren (seit der F-Jugend) ehrenamtlich junge Spieler zu formen, drei- bis viermal in der Woche Training anzubieten, mich um wirklich alles zu kümmern (Freundschaftsspiele, Events neben dem Platz) und dann sagt ein größerer Verein "toll, den und den und den nehmen wir jetzt zu uns, viel Spaß weiterhin mit deinen verbliebenen 12 Spielern".

    Der immer wieder zu hörende Hinweis "müssen die großen Vereine eben selbst besser ausbilden" ist doch aber auch nicht zielführend. Es ist doch absolut unrealistisch, daß aus beispielsweise zwei oder gar drei Teams pro Jahrgang in der E/F 20 Spieler hervorgehen, die in der älteren C Regionalliga oder eins tiefer spielen können? Da kann die Ausbildung so gut sein, wie sie will. Wie soll das also gehen? Schon gar nicht, wenn man nicht schon ganz früh anfängt, nur die (vermeintich) besseren Spieler zu nehmen. Ich kenne z.B. einen Verein ganz gut, mit dem ich aber nichts zu tun habe, der diese Kriterien erfüllt (Männer spielen hoch, C bis A auch), der in der Nähe einer Großstadt ist und in dem bei den 12-jährigen und jüngeren die Jungs aus der unmittelbaren Umgebung spielen. (Schon allein aus praktischen Gründen, weil nicht so leicht erreichbar.) Von denen spielen dann in der U15 nicht mehr viele. Machen die deshalb schlechte Nachwuchsarbeit? Meines Wissens nicht. Die bilden die weniger talentierten genauso gut aus wie jeder andere Verein (wahrscheinlich sogar besser, weil das Niveau der Trainer im Schnitt höher ist.) Was sollen die also Deiner Meinung nach machen? Die einzige Alternative zum "Bedienen" bei anderen Vereinen ab der C wäre in der Zukunft nur noch Kreiiga oder maximal eins höher zu spielen. Dann kann man die Spieklassen in der ugend auch gleich ganz abschaffen. Aus meiner Sicht trifft Ähnliches auf mehr oder weniger jeden Verein der oben genannten Kategorie zu, nur das viele halt noch deutlich eher mit dem "Scouten" anfangen. Wenn das besser ist?

    Da vertrete ich eine andere Meinung. Wenns nicht reicht, muss man sich vielleicht eingestehen, dass man nicht so hoch spielen kann. Warum muss es diese Schere geben? Weil jeder der geilste und beste sein will und am höchsten spielen will. Dafür werden ständig Spieler hin- und hergeschoben und in diesem "Konzept" werden Spieler tatsächlich wie eine Ware behandelt. Ich habe genug Gespräche von Trainern (auch aus diesem Verein) gehört, nach denen ich mich gefragt habe, ob sie noch alle Tassen im Schrank haben.


    Nochmal: Es geht hier um einen Kreisliga B-Verein, an dem sich andere Vereine massenhaft bedienen, sodass inzwischen 4 Altersklassen Probleme haben, den Kader zu füllen. Wir leisten gute Arbeit, aber wenn dann die Verbandsliga anruft, sind die Spieler eben weg. Dennoch haben wir Trainer in diese Spieler Zeit und Energie gesteckt, als Anerkennung MUSS das für den Verein kompensiert werden.


    Solange es diese Aufwandsentschädigungen gibt, ist es mit Sicherheit nicht verwerflich, sich daran zu orientieren oder sie einzufordern. Sonst kann man bald alle kleinen Vereine zumachen und die großen Vereine unter sich spielen lassen. Damit schafft sich der Jugendfußball nur leider selbst ab.


    Und wenn der aufnehmende Verein das nicht zahlen will, müssen sie eben ihren neuen Spielern erklären, warum sie nicht die übliche Entschädigung zahlen wollen und warum sie drei Monate auf die Spieler verzichten wollen. Wenn dann noch die Eltern ins Boot geholt werden und uns als abgebenden Verein der schwarze Peter zugeschoben wird, obwohl wir nach Jugendspielordnung handeln, dann ist der Jugendfußball für mich gestorben.

    Ich kann seit gerade auch ein Lied davon singen und sehe leider Parallelen zu der Geschichte:


    Zwei Jungs aus unserer U15 wechseln in diesem Sommer zu einem Drittligisten. Beide ohne vorherige Absprache oder angemeldetes Probetraining kurz vor Fristende mit einer Abmeldung vor der Tür unserer Geschäftsstelle. Das ist jedenfalls schonmal total daneben.

    Wir können jetzt mit Ach und Krach eine mittelmäßige C-Jugend stellen, während der Drittligist nun schon 4 Spieler aus unserem Jahrgang im Kader hat und drei C-Jugenden meldet.


    Heute dann der Anruf von deren Jugendleiter: 300€ insgesamt, mehr können wir nicht machen. Im FLVW stehen uns für beide Spieler jeweils über 1000€ Ausbildungsentschädigung zu. Ich glaube, bei Spielern, die aus der Kreisliga in die Verbandsliga wechseln, haben wir als Verein schon etwas richtig gemacht und sehen das als Anerkennung und Lob für unsere gute Jugendarbeit an.


    Die Spieler werden die Freigabe nur bekommen, wenn der aufnehmende Verein das zahlt. Nicht umsonst sind diese Aufwandsentschädigungen so festgelegt. Der aufnehmende Verein kann dann entscheiden, ob die Spieler ihnen das wert sind oder wie sie ihnen beibringen, dass sie nicht bereit sind, diese Summe zu zahlen und sie drei Monate kein Spiel machen können.


    Jeder kann da spielen, wo er will. Aber wenn sich größere Vereine überall bedienen, um auch den 70. Spieler in dem Jahrgang zu bekommen, während andere gerade mal 15 haben, sollen sie auch dafür gerade stehen. Oder lieber selbst vernünftige Spieler ausbilden. Das ist explizit keine Sache zwischen Spielern und Verein, sondern zwischen zwei Vereinen.

    Das wäre für mich so als würde der Trainer euch am 01.07 sagen "achja...diese Saison wird es wohl nicht reichen. Trainieren kannst du, aber du wirst nicht spielen."

    Wie viele Optionen hättest du?

    Wäre das fair?

    Das Beispiel haben ich und ein anderer User auch schon gebracht und das finde ich immer noch genau passend. Ich vermute ganz stark, dass in beiden Fällen der Verein, Trainer oder Jugendleiter die Blöden sind, während es überall nur heißt "das darf man doch nicht auf dem Rücken des Kindes austragen".


    Die Regeln standen auch schon so in eurer Jugendspielordnung, als ihr euch entschieden habt, einfach so ein Probetraining woanders zu machen und als ihr euch am 30.6. abgemeldet habt. Man hätte durchaus damit rechnen können, dass so eine Aktion sehr schlecht ankommt und Konsequenzen hat - gerade nach Corona, wo fast jeder Verein Probleme hat, seine Mannschaften beisammen zu halten.


    Da ist eine solche Aktion echt daneben und mit ein bisschen Fingerspitzengefühl vermeidet man die aktuelle Situation auch von Spieler-/Elternseite.


    Hätte das ein Spieler aus meiner B-Jugend vor 2 Wochen gebracht, wäre er auch nur gegen Ablöse frei und hätte von mir und den Mitspielern ein paar unfreundliche Worte auf den Weg bekommen. Nicht, weil er geht, sondern weil die Art und Weise nichts mit dem zu Tun hat, worum es eigentlich geht: Nämlich Vereinsdenken und Mannschaftssport.