Der vormachende Trainer sollte im Rahmen ganzheitlicher Trainingsmethodiken und in Zeiten des differenziellen sowie impliziten Lernansatzes der Vergangenheit angehören. Technikkorrekturen - vor allem bei Kindern - richten mehr Schaden an, als sie nützen. Die Verbesserung einer Technik erfolgt schneller, effizienter und nachhaltiger, wenn sie spielnah und ohne Korrekturen trainiert wird. Der Straßenfußball gibt es vor. Darüber hinaus schränken Korrekturen die Wahrnehmung ein. In aller Regel ist auch nicht die Technik das Problem, denn sie steht erst ganz am Ende einer sehr komplexen Handlungskette. Stattdessen sind es oft unzählige Kleinigkeiten im Bereich der Vororientierung und Wahrnehmung, die den Ausschlag über Erfolg und Misserfolg einer Technik geben (Stichwort Ganzheitlichkeit).
Diese Diskussion führe ich seit Jahren (siehe hier). Dass es anscheinend noch immer als unumstößliche Wahrheit gilt, dass man die Technik von Kindern und Jugendlichen instruieren/korrigieren muss, ist nur eines von vielen Versäumnissen der DFB-Trainerausbildung. Insofern halte ich auch die Aussage, dass Lizenzen Trainer besser machen, für sehr gewagt.
So sehr ich deinen Ansatz und deine Argumente schätze: Hilfestellungen bei Techniken sind und bleiben meiner Meinung nach in einigen Bereichen notwendig!!! Ich spreche hier für den Bereich ab D-Jugend:
Ich erlebe in Seniorenmannschaften 20-Jährige, denen nie erklärt wurde, wie man mit dem Vollspann schießt und das werden sie in ihrem Leben nicht mehr lernen, obwohl sie 12 Jahre lang Fußball im Verein gespielt haben.
Es ist sehr wohl notwendig, Grundtechniken zu besprechen und zu erklären. Da wollen mir Erwachsene eine Bananenflanke als Flugball verkaufen und wundern sich, warum der Ball nicht geradeaus fliegt (und natürlich nicht ankommt). Das passiert, weil sie vermutlich nie die Unterschiede der Techniken erklärt bekommen haben und einfach nur an den Ball dreschen. Ich habe eine Seniorenmannschaft gesehen, in der die Spieler sich hohe Bälle zuspielen sollten und sie haben diese jedes mal direkt geschossen, weil sie sonst nicht über 30m Entfernung kamen - alles mangels Technikschulung in der höheren Jugend. Wo die Bälle gelandet sind, will ich euch ersparen.
Man kann diese Techniken auch spielerisch und sogar in Spielformen erlernen, nachdem man sie kurz erklärt hat. Dann ist der technische Lernerfolg zumindest in die richtige Bahn gelenkt und die Jugendlichen sind nicht darauf angewiesen, sich selbst komplizierte Techniken beizubringen.
Ich habe deinen Ansatz bisher so nicht verfolgt und kann ihn deshalb nicht bewerten - es ist sicherlich auch gut und effektiv, wie du es machst. Meinen Ansatz kann ich aber bewerten und vergleichen mit Spielern, die das in ihrem Leben nicht erklärt bekommen haben. Der Unterschied (seit vielen Jahren technische Aspekte und Hilfestellungen bei meinen Spielern gegen keine Hilfestellungen und Erklärungen bei anderen Spielern) ist gravierend deutlich.
