Je nachdem von welcher Seite man es betrachtet, passt der Beitrag in den Frustabbau- oder in den Freude-Thread. Warum ich ihn hier hin stelle erkläre ich am Ende.
Am Wochenende Spiel zwischen zwei D-Jugend Bundesliga NLZ .
Beim Gegner postierten sich die beiden Trainer an beiden Seitenlinien, was mich zunächst sehr gewundert hat. Nach einer Weile hat mich dann eher gewundert, warum sie nicht noch einen hinter jedem Tor positioniert haben so wie die drauf waren.
Vom Anpfiff weg spielten die beiden mit ihren Spielern "Playstation" ("Lauf, Komm kurz, Spiel nach rechts, lasse klatschen, langer Ball, Mach Druck, Spiel zu XY, Schieß!!!, Weiter Abschlag, Wenn der durch ist, musst Du halt ein Foul ziehen ...").
Hinzu kamen permanente bewusst falsche Entscheidungen an der Seitenlinie, wenn es um Einwurf ging (Linienrichter haben sie nämlich auch noch gespielt) und andauerndes Beeinflussen des Schiedsrichters durch fordern von Fouls für Ihr Team. Sie selbst haben Ihre Jungs aber pausenlos zu hoher Körperlichkeit v.a. Schieben mit beiden Händen und Trikot festhalten animiert.
Die Spieler der Mannschaft wussten am Ende vermutlich gar nicht wie das Spiel ausgegangen ist, so haben denen die Ohren von dem Gebrülle gedröhnt. Wobei man dazu sagen muss, dass die Jungs diese Beschallung vermutlich gar nicht nötig gehabt hätten, weil sie spielerisch gut genug gewesen wären die Dinge auch selbst zu regeln.
Dass sich unserer Spieler als Auswärtsteam von dem Theater zunächst natürlich irritiert waren und gar nicht richtig ins Spiel kamen versteht sich von selbst. So war ein 0:2 nach ca. 15 Minuten fast schon logisch und auch verdient, auch wenn es kurios zu Stande kam.
Jetzt kommt die Überleitung zum Freude-Teil:
In der ersten Pause gelang es unserem Coach die Jungs neu zu sortieren und sie fanden immer mehr Lösungen sich auf ihr Spiel zu konzentrieren. Die Provokationen der gegnerischen Spieler ließen sie an sich abperlen und an das Gebrülle von draußen hatten sie sich so gewöhnt, dass sie es anscheinend ausblenden konnten. Der Anschlusstreffer fiel noch aus einem glücklichen Konter, aber ab da verlagerte sich das Spiel nur noch in die gegnerische Hälfte. Der Ausgleich war da nur noch eine logische Konsequenz. Am Ende wäre vermutlich sogar noch mehr drin gewesen, man hatte aber auch das ein oder andere Mal Glück, weil in der Euphorie das Spiel gekippt zu haben die Restverteidigung manchmal etwas vernachlässigt wurde und so auch noch Chancen auf der anderen Seite vorhanden waren.
Am Ende hat mich die realistische Einordnung des Ergebnisses durch die Jungs begeistert:
"Schön gespielt haben wir heute nicht, aber cool, dass wir uns gegen den starken Gegner so zurück gekämpft haben und am Ende sogar die überlegen Mannschaft waren. In der Anfangsphase hatten wir wirklich Angst, dass wir heute eine Packung bekommen."
Als Zuschauer war es erschreckend für mich das Coaching der gegnerischen Trainer zu erleben, sowohl das permanente Steuern der Spieler als auch das Gebrülle wenn einer etwas nicht so gemacht hat, wie angewiesen. Sollte ja sowieso nie sein und auf dem Niveau sowieso nicht. Vermutlich hätten unsere Jungs wirklich die befürchtete Packung bekommen, wenn die Trainer sie einfach hätten spielen lassen.
Auf der anderen Seite war ich im nachhinein sehr froh darüber, wie unsere Trainer sich verhalten haben. Zum einen wird sehr reduziert gecoacht und eher mit nachträglichen Hinweisen zur Situation. Nur wenn es hinten mal brennt, wird der Spieler, der gerade pennt auch mal lautstark aufgefordert nachzusetzen. Ansonsten nehme ich einen extrem wertschätzenden Umgang mit den Spielern war, die Spieler bekommen im und nach dem Training ganz viele Tipps und Hinweise und im Spiel kommen die Hinweise motivierend und unterstützend. Eigentlich dacht ich, dass das nichts ist was ich positiv erwähnen muss, weil ich davon ausging, dass das im NLZ-Betrieb (zumindest in der Altersstufe) Standard sein sollte. Seit dem Wochenende weiß ich es noch mehr zu schätzen.