Ich bin im eher ländlichen Raum unterwegs. Auch hier ist es nicht so, dass die "großen" Vereine systematisch den Stützpunkt abgrasen.
Die "frühreifen" Talente sind i.d.R. schon ab U10/U11-Alter bekannt und landen ggf. schon in der U12 von NLZ bzw. ambitionierten Leistungsvereinen. Hier findet (z.B. beim NLZ, für die anderen kann ich nicht sprechen) aber kein aggressives An- oder Abwerben statt.
Es wird Interesse am Spieler geäußert und natürlich auch, dass man ihn für talentiert hält und Potential sieht. Aber nie mit dem "Druck" à la wir wollen das Kind unbedingt bei uns im Verein haben und es muss unbedingt zu uns kommen.
Im Falle einer Absage durch das Kind oder die Eltern wird das akzeptiert mit dem Hinweis, dass man die Entwicklung gerne weiter beobachten und sich wenn möglich gerne zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal unterhalten möchte.
Dementsprechend landen am Stützpunkt natürlich immer noch jede Menge talentierte Kinder, von denen ggf. die Top 5 eines Jahrgangs wiederum für NLZ oder Leistungsvereine in Frage kommen. Diese 5 Kinder kommen dann aber nicht aus einem einzigen Dorfverein sondern eher aus 4-5 verschiedenen. Dementsprechend ist die Angst, dass der Stützpunkt durch ein Wechseldomino ganze Jugendabteilungen zerstört vollkommen unberechtigt.
Die Gefahr, die ich tatsächlich sehe, ist dass die Kinder durch das höhere Trainingsniveau (aufgrund der höheren Leistungsdichte unter den Spielern - nicht unbedingt, will das Training an sich so viel besser ist). Sich im Training zu Hause einfach nicht mehr so wohl fühlen und deshalb Lust auf eine Veränderung bekommen.
Das ist für den ein oder anderen Verein zwar wirklich Schade, aber gehört nun mal dazu. Ich finde es sehr Schade, wenn man Kindern durch eine "Wagenburgmentalität" die Weiterentwicklung verwehrt, nur weil man den eigenen Laden zusammenhalten will.
Ich stelle mir gerade vor Kindern in der 4. Klasse wird aktiv davon abgeraten auf die Realschule oder das Gymnasium zu gehen, weil die Örtliche Mittelschule sonst wegen Schülermangel schließen müsste...
Die oben von Jense angesprochene Situation, dass Spieler nach einem Wechsel in der 3., 4. oder 5. Mannschaft eines großen Vereins landen nachdem sie dorthin gewechselt sind, gibt es bei uns Gott sei Dank nicht und bringt natürlich niemandem etwas, außer dem großen Verein Mitgliedsbeiträge.
