Hast du denn das buch gelesen oder dich eingehend mit h.wein und Matthias lochmanns arbeit beschäftigt oder nicht????
Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich daneben, mich über diese Schiene als Diskutant disqualifizieren zu wollen. Was ist denn, wenn ich jetzt "nein" antworte? Sind dann meine Argumente weniger wert?
Allerdings besitze ich das Buch "Spielintelligenz im Fußball" und haben es auch gelesen. Es wird hier oft empfohlen und das ist eine gute Empfehlung.
Schauen wir auf Spanien. Stephan Kohfahl leitet die Fußballschule von Real Madrid bzw. dessen dt. Abteilung. Er schätzt die fußballerische Ausbildung in Spanien besser als die in Deutschland ein und begründet dies folgendermaßen: " Es findet mehr individuelles Training statt als in Deutschland. In Spanien wird mehr an den Schwächen gearbeitet. […] Spanische Spieler sind [daher] körperlich meist schwächer, finden aber mehr spielerische Lösungen."
Wenn man sich spanische G- und F-Mannschaften anschaut, ist stets das Bemühen erkennbar, spielerische Lösungen zu finden. "Hoch und weit" sieht man nicht. Warum? Es sind ganz normale Tore, wie bei uns in D. Wieso geht das in Spanien und bei uns nicht?
Hierfür sind viele Ballkontakte einfach unverzichtbar. Eine Traube von Kindern, wo am Ende 2-3 den Ball bekommen und der Rest kichernd und mit viel Spaß neben her läuft, macht den Kleinen Spaß weil sie es nicht besser kennen. Und was lernen sie dabei am Ball? Nix, weil sie ihn nie bekommen.
Bin ich 100%ig bei dir. Auch mit den "Ball-Staubsaugern" hat Lochmann ja recht. Ich seh da aber jetzt auch nicht so den Widerspruch zu meinen Ausführungen
"Disziplinierte Kinder", das ist doch eine contradictio in adiectu Kinder sind wild, unbändig, verspielt. Manchmal sind Kinder auch brav, aber das sollen sie beim Fußball doch gerade nicht sein.
Wieviele Mamas und Papas drehen denn durch? So in %? Würde mich wirklich interessieren.
Natürlich habe ich da keine exakten Statistiken, das erwartest du vermutlich auch nicht
Das Problem wird auch vom DFB als so schwerwiegend eingestuft, dass in diesem Jahr etwa die Aktion "Eltern als Vorbild" initiiert wurde.
Subjektiv kann ich über meine persönlichen Eindrücke sagen: Aggressive Eltern, die sich daneben benehmen, erlebe ich ständig. Eine Schlägerei habe ich selber noch nicht erlebt, aber schon mehrere brenzlige Situationen mit heftigen Kraftausdrücken bis hin zu Gewaltdrohung (einmal wurde sogar mit dem Baseballschläger gedroht).
Es ist schon schade das ein Horst Wein das alles vor vielen Jahren erdacht hat und wir es heute noch immer nicht flächendeckend hinbekommen.
In Spanien wird auch 6+1 gespielt. Es gibt übrigens auch Tabellen, sogar schon bei den Kleinsten; Tabellen und Spielergebnisse sind öffentlich für jeden einsehbar, ist kein Problem. Man muss allerdings auch sagen, Ergebnisse wie unser 36:0 sucht man da vergebens.
Ich glaube, dass man da sehr viel Fußball-speziischer schauen muss, als Lochmann das tut. Lochmann schaut auf die Zahl der Ballkontakte im Spiel oder die Zeit, die wie viele Kindern zum Spielen zur Verfügung steht. Sein Argument ist ja auch nicht (jedenfalls nicht in erster Linie), dass die Ausbildungsqualität besser wird, sondern dass die Selektionsbasis (sic!) größer wird.
Bei der Ausbildungsqualität ist sein Argument lediglich, dass der Spielbetrieb sich auf das Training rückkoppelt. Da ist natürlich an sich nichts gegen zu sagen, aber inwieweit das die Qualität des Trainings wirklich verbessert, da finde ich seinen Vortrag eher dünn.
Allein Orga-Fragen (wie ist das Spielsystem organisiert?) ist mir darum zu wenig.
Mir fehlt das Thema, wie die fußballspezifische Ausbildung verbessert werden kann. Anfang der 2000er waren m.E. die bahnbrechenden Neuerungen nicht die NLZs, sondern die technischen und taktischen Neuerungen, die Abkehr vom deutschen Rumpelfußball, Libero, Manndecker und Vorstopper.
Ich erinnere an Mehmet Scholl: "Die Kinder müssen abspielen, dürfen sich nicht mehr im Dribbeln ausprobieren. Sie kriegen nicht die richtigen Hinweise, warum ein Pass nicht gelingt, warum ein Dribbling nicht gelingt, warum der Zweikampf verloren wurde. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen."
Ich habe mal ein Training beobachtet. Da standen sich die Kinder gegenüber, sollten sich die Bälle zupassen. Der Trainer schrie herum, wenn es nicht klappte. Gezeigt hat er nichts. Warum sind denn die Trainersöhne oft so gut? Weil sie zuhause einen Individualtrainer haben, der ihnen die Technik vernünftig zeigt.
Unser Sohn spielt Geige. Da musste er am Anfang ganz stur die Bewegungen einüben. Saite für Saite mit dem Bogen bespielen. Immer den ganzen Bogen durchziehen. Pelé hat in Bezug auf seine Fähigkeiten mit dem Ball gesagt "Es ist alles nur Übung."
Außerdem fehlt mir bei Lochmann das Thema "Kreativität". Aber das sei nur nochmal beiläufig erwähnt, dazu habe ich jetzt ja schon viel geschrieben.
Ich denke, meine Beispiele machen deutlich, dass es beim Fußball etwas komplizierter als beispielsweise beim Weitsprung ist festzustellen, wie "leistungsstark" ein Kind ist bzw. welches Leistungspotenzial es besitzt.
Ich würde jetzt von meiner Erfahrung her behaupten, dass bei Selektionsprozessen im Kifu etwa dem Parameter "Athletik" übermäßig starkes Gewicht zukommt, während etwa der Parameter "Spielintelligenz" nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Selektiert werden doch die Kinder, die athletisch und koordinativ am weitesten entwickelt sind, die größten, kräftigsten und schnellsten Kinder. Selbst dem Aspekt "Technik" wird meiner Erfahrung nach da verhältnismäßig wenig Gewicht beigemessen. Die "Spielintelligenz" übernimmt dann in solchen Star-Ensembles halt einfach der Trainer, der von außen hereinbrüllt, was die Kinder zu tun haben
[Das war – nebenbei bemerkt – so ähnlich auch schon hier im TT implizit Thema, wenn von NLZ-Trainern konzediert wurde, dass der Schnelligkeit außergewöhnliche Bedeutung bei der Selektion zukommt.]
Ich bin überzeugt, selbst für sehr erfahrene und gut ausgebildete NLZ-Trainer ist der Selektionsprozess ein ausgesprochen schwieriges Geschäft, bei dem es einen großen Graubereich und viel Raum für Geschmacklichkeiten gibt.
Aber Trainer, die "lediglich" (bitte das an dieser Stelle nicht falsch verstehen!) die C-Lizenz oder sogar gar keinen Trainerschein haben, sollen im G- und F-Bereich, wo die Leistungsschere noch sehr klein ist, in der Lage sein, mit sicherem Blick die Spreu vom Weizen zu trennen?
Naja, es ist beim Fußball auch etwas komplizierter, die "Leistung" bzw. das "Leistungspotenzial" eines Kindes angemessen zu beurteilen, als etwa beim Weitsprung.
Allgemein sind die Kinder leistungsmäßig in diesem untersten Bereich noch sehr dicht beieinander. Man muss da verschiedene Parameter unterscheiden: Koordination, Technik, Athletik.
Hinzu kommen Handlungsschnelligkeit, Antizipationsfähigkeit, Stellungsspiel. Natürlich ist das nichts, was im F-Bereich trainiert wird, aber es gibt Kinder, die intuitiv sich sehr gut auf dem Platz bewegen und das wirkt sich auf ihr Leistungspotenzial aus.
Wenn man dann rein ergebnismäßig schaut, kann man Überraschungen erleben. Bei uns spielen alle Kinder in durchaus sehr unterschiedlichen Konstellationen. Da sind bei uns zwei Kinder, die regelmäßig über-performen. Also es sind Kinder, die wir beim Trainingstag in der untersten Leistungsgruppe eingeordnet haben, deren Präsenz auf dem Platz sich aber, wenn man sich die Ergebnisse anschaut, überraschend positiv auswirkt. Es handelt sich um zwei ausgesprochen intelligente Kinder, die vielleicht nicht ganz so athletisch, nicht ganz so koordinativ und technisch stark sind, aber das mit ihrem Spielverständnis offensichtlich mehr als aufwiegen.
Zwei andere Kinder unseres Teams, die für mich sogar athletisch, technisch und koordinativ zu den stärksten Kindern in unserem Kreis gehören, sehen ergebnismäßig dagegen überraschend schwach aus. Da muss ich zugeben, dass ich selbst noch nicht genau weiß, woran es liegt.
Mir geht es aber hier auch erstmal nur darum zu zeigen, dass eine "Leistungsschau" im Kifu nicht so einfach ist, weil Fußball einerseits etwas komplexer als z. B. Weitsprung ist und andererseits Leistungsschere in den untersten Jahrgängen auch noch relativ gering ist.
Ich sehe einen Unterschied zwischen "Entscheidung" und "Kreativität". "Entscheidung" heißt für mich "A oder B". Kreativität heißt für mich "C entdecken".
Für mich gehört das zum Thema Freiheit (als Bedingung für Kreativität), dass man sagt, der Fußball gehört den Kindern und die Kinder sollen das Spielfeld als Möglichkeits- und Erprobungsraum entdecken.
Selektion sehe ich in den untersten Jahrgängen als total fehl am Platz. Sie bringt gar nichts, weil die Kinder erstmal individuell gefördert und entwickelt werden müssen. Sie bringt nichts und in vielen Fällen schadet sie. Etwa wenn ein sehr entwickelter F-Junge schon in der E-Jugend spielen soll. Oder wenn ein selektiertes Star-Ensemble eines großen Vereins die kleinen Nachbarvereine zu ausbildungsfeindlichen Entscheidungen provoziert, weil sie nur so mithalten können. Deshalb ist meine Meinung zum Thema Selektion ganz klar.
die besten Spieler ergeben nicht die beste Mannschaft.
Naja, es ist beim Fußball auch etwas komplizierter, die "Leistung" bzw. das "Leistungspotenzial" eines Kindes angemessen zu beurteilen, als etwa beim Weitsprung. Das ist ja ein Thema für sich.
"Survival of the fittest" fällt mir zu Lochmanns Forderungen ein. Die Starken sollen zusammen spielen. Ein leistungsstarker Spieler, so sagt Lochmann ziemlich wörtlich, soll mit Spielern zusammenspielen, die er akzeptiert und denen er auch mal den Ball gibt; dass ein leistungsstarker Spieler auch einen schwächeren akzeptieren und ihm den Ball geben könnte, kommt ihm nicht in den Sinn.
Es soll eine leistungsbezogene Einteilung geben: die stärksten Spieler auf Feld A, dann Feld B etwas schwächere, noch schwächere auf Feld C usw. Es gibt leistungsbezogene Aufstiegsmöglichkeiten. Das ist totale Leistungsselektion. Jeder Außenstehende, selbst wenn er keine Ahnung von Fußball hat, sieht sofort, wer die stärksten Spieler sind. Eltern und Trainer werden den Druck auf ihre Kinder noch verschärfen.
Schon jetzt bestimmen Selektionsprozesse massiv unseren Kifu-Alltag. Am letzten WE gab es bei uns im Kreis als ein Ergebnis (F-Jugend!) ein 36:0. So ein Ergebnis kommt zustande, weil da eine Mannschaft ist, wo die stärksten Kinder verschiedener Jahrgänge eines großen Vereins zusammenselektiert wurden, von denen dann die stärksten Spieler 40 Minuten durchspielen dürfen. Es ist die Leistungsselektion, die zu solchen Extremen führt. Bei normalen Kinder-Mannschaften eines Alters (G- und F-Bereich) gibt es solche Ergebnisse nicht.
Ich erzähle gerne auch aus der Praxis unseres Vereins, weil dann deutlicher wird, worum es mir geht: Wir sind auch ein Stadtverein mit vielen Kindern. Aber es gibt bei uns keine Selektion, weil wir die einzelnen Kinder erstmal individuell fördern wollen. Die Mannschaftseinteilung erfolgt darum strikt jahrgangsbezogen. Alle Kinder spielen zu gleichen Anteilen. Wir generieren so bewusst Situationen der Unter- und der Überforderung. Wir bieten ihnen damit sowohl Räume, in denen sie sich ausprobieren können, als auch Räume, in denen sie sich besonders anstrengen müssen, um nicht unterzugehen.
Wir werden jetzt in der Hallensaison zwei Teams melden und darauf achten, dass beide Teams etwa gleich stark sind. Außerdem werden weiterhin alle gleiche Spielzeit bekommen. Wir machen das, weil es unsere Überzeugung ist, dass es das Beste für unsere Kids ist, obwohl wir dadurch unsere Chance, an der Hallen-Endrunde (=ein ergebnisbezogenes Belohnungssystem!) teilnehmen zu können, erheblich mindern. Wenn wir nur unsere Besten spielen lassen, gehören wir locker zu den Top-3-Mannschaften unseres Kreises. Aber darauf pfeifen wir Meiner Meinung nach gibt die erkennbar positive Entwicklung all unserer Kinder uns recht. Es ist dabei unsere Devise, dass gerade die Entwicklung der schwächsten Kinder Ausweis für die Qualität des Trainings ist.
Wir brauchen nicht darüber diskutieren, ob 4+1 für Bambini besser ist oder ob Funino sinnvoll ist. Aber viel wichtiger ist doch erstmal, den massiven Selektionsprozessen, die schon jetzt den Kifu kaputtmachen, Einhalt zu gebieten. Lochmanns Vorschläge treiben für mich die Leistungsselektion auf die Spitze. Das ist totale Leistungsselektion. So werden meiner Meinung nach keine Freiräume geschaffen, in denen sich Kreativität entfalten kann. Das ist eine weitere Verschärfung des derzeitigen Kreativitätsverhinderungssystems, in dem wir uns durch die extremen Selektionsprozesse bewegen, deren Motor überehrgeizige Eltern und Trainer sowie v.a. ein Geschäft, das durch die vielen Millionen Euro, die da bewegt werden, außer Rand und Band ist, sind.
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Ich denke, als Kinder-Trainer sollte man das zur Kenntnis nehmen.
Als TE bin ich dann wohl auch in der Pflicht, wenigstens kurz die Gedanken aus dem Vid zusammenzufassen.
Kerngedanke ist, dass der Spielbetrieb im Kifu grundsätzlich verändert werden muss. Lochmann ist ja Mediziner und er diagnostiziert beim derzeitigen 7er-Spielbetrieb schwerwiegende Missstände, z.B.:
- Kinder werden ausgeschlossen durch Nichtnominierungseffekte (zu viele oder zu wenige Kinder für 7:7)
- die Mehrzahl der Ballkontakte konzentriert sich auf wenige Kinder
- Ausschluss der Kinder durch Positionsfixierung
- 80% Spieleröffnung durch von außen moderierten Abschlag
- Spiel ist zu komplex für Kinderverhältnisse
- 50% der Spiele im 7:7 gehen mit mehr als 4 Toren Unterschied aus (Motivation wird zerstört, Überheblichkeit und Loser-Mentalität werden "gezüchtet")
- RAE (körperlich schwächere Kinder werden benachteiligt)
Lochmann plädiert angesichts dieser Missstände für kleinere Tore, kleinere Spielfelder, weniger Spieler. Der Fußball wäre so den Kindern angemessener. Es würde eine größere Differenzierung möglich. Mehr Kinder können mehr Ballkontakte haben. Der Dropout verringert sich, die Selektionsbasis vergrößert sich.
Ein veränderter Spielbetrieb würde auch den Trainingsbetrieb verändern. Hohe Schüsse oder weite Abschläge zu trainieren wäre etwa kein Thema mehr.
Lochmann wirbt für Funino. Dies wäre optimal für die Ausbildung von Kindern. Zwei Tore ermöglichen Entscheidungsverhalten, drei Spieler asymmetrische Spielsituationen, die Torschusslinie schließt Distanzschüsse aus und provoziert Dribbeln.
Ich denke, das sind so die wesentlichen Punkte. Im Vortrag wird das natürlich sehr viel ausführlicher dargelegt, mit Zahlen und Fakten untermauert und mit rhetorischem Verve vorgetragen.
Hört sich gut an. Ich muss aber zugeben, dass ich Lochmanns Schlussfolgerungen bei fortschreitendem Nachdenken für immer falscher halte. An dieser Stelle wird es möglicherweise schwierig, nicht missverstanden zu werden. Denn natürlich ist es gut, wenn alle Kinder spielen, wenn sie viele Ballkontakte haben, ich finde auch Funino toll, und kleine Spielformen, ich freue mich, wenn die Kinder dribbeln, wenn sie motiviert sind, sich etwas trauen. Natürlich sehe ich Brüll-Trainer kritisch, möchte dass alle Kinder spielen können, niemand ausgeschlossen wird etc. pp.
Um sozusagen im medizinischen Paradigma zu bleiben, muss man Symptome, Diagnose und Therapie unterscheiden. Symptome gehe ich mit dem Vid voll konform. Diagnose und Therapie nicht oder nur teilweise.
Zur Diagnose:
Lochmann bezieht sich bei einer fußballerischen Handlung auf das 4-Phasen-Modell: 1. Wahrnehmung, 2. Verstehen, 3. Entscheiden, 4. Ausführen. M.W. hat er das von H. Wein, der sich seinerseits wiederum auf Modelle aus dem Bereich der Pädagogik bezieht. Der Fokus in der derzeitigen Ausbildung richte sich zu sehr auf die Phase der Ausführung. Das ist der Bereich der technischen Ausbildung. Da aber die übrigen Phasen in der Trainingsarbeit zu kurz kämen, würden die Spieler zu oft falsche Entscheidungen treffen.
M.E. ist diese Diagnose so nicht richtig. Denn warum sind Spieler wie Messi oder Ronaldo so gut? Nicht weil sie immer die richtigen Entscheidungen treffen, sondern weil sie immer in der Lage sind, ihre Gegenspieler zu überraschen. Ich zitiere mal den Barca-Clubpräsidenten: "Messi gibt uns immer mehr zurück. Seine Leistung ist etwas Spezielles. Er erfindet sein Spiel jeden Tag neu und verändert etwas".
Das Bild ist nicht das des Machers und des Entscheiders, sondern das des kreativen Künstlers und Erfinders.
Die Diagnose ist also nicht, dass schlechte oder falsche Entscheidungen getroffen werden, sondern dass Freiräume nicht genutzt werden und damit die Spieler zu wenig in der Lage sind, Überraschungsmomente zu generieren. Genau solche Überraschungsmomente braucht es im Offensivspiel, damit eine Mannschaft zu Torchancen kommen kann. Wenn eine verteidigende Mannschaft immer in der Lage ist, das Stürmerverhalten zu antizipieren, wird die angreifende Mannschaft höchstens durch den Zufall mal zu Torchancen kommen.
Zur Therapie:
Warum ist der Fußball in Deutschland so unkreativ? Weil zu wenig Funino gespielt wird? Weil zu viele Spieler auf zu großem Feld mit zu großen Toren spielen?
M.W. ist der Spielbetrieb in Spanien so organisiert wie bei uns, als 6+1. Wenn man sich YT-Vids anschaut, ist die Ähnlichkeit zum Erwachsenenfußball sogar noch größer. In der Ausbildung wird zum einen bemerkt, dass in Spanien mit den Spielern mehr im individuellen Bereich an ihren Schwächen gearbeitet wird; da geht es auch um die Technik (also Ausführung). Außerdem wird bemerkt, dass die Spieler zwar oft körperlich nicht so kräftig wären, dafür aber mehr spielerische Lösungen fänden.
Christoph Metzelder, der ja sowohl den deutschen wie auch den spanischen Fußball sehr gut kennt, hat gefordert, dass es bei uns mehr extrovertierte Egoisten bräuchte und dabei bemerkt, dass wir derzeit dagegen Widerstände hätten. Er hat gesagt, dass uns diese kreativen Spieler fehlen, weil wir sie eigentlich gar nicht wollten.
M.E. trifft es das sehr gut. In Deutschland wird Fußball als "Arbeit" verstanden. Wir wollen "Malocher" sehen, die sich reinhängen. Es ist sogar in D zu lesen, dass Fußball ein "Kampfsport" sei. Beim DFB spricht man von den "deutschen Tugenden 2.0". Auch hier im TT ist immer wieder zu lesen, dass der Fokus v.a. aufs 1gegen1 gelegt werden soll und ich lese da (oft zu Unrecht!!) die physische Komponente hinein, während große Spieler doch aufgrund ihrer überlegenen Technik und Kreativität in der Lage sind, den "Zweikämpfen" gerade aus dem Weg zu gehen. Schon allein dieses Wort "Zweikampf" ist doch sehr missverständlich und unglücklich.
Fußball ist ein Spiel.
Ich habe im Frustabbau-Thread geschrieben, dass mir bei Lochmanns Lösungsansatz das spezifisch Fußballerische fehlt. Wenn man auf Anfang der 2000er zurückblickt, dann waren die Dinge, die damals den Fußball in Deutschland wirklich weitergebracht haben, ja nicht die NLZs und Stützpunkte, sondern die Neuerungen in der technischen und taktischen Ausbildung. Heute spricht niemand mehr (wie damals noch!) vom "deutschen Rumpelfußball".
Auch jetzt kann es doch nicht darum gehen, am Spielbetrieb herumzudoktern. Stattdessen müssen wir uns den Fußball anschauen, der in Deutschland gespielt wird, egal ob dieser Fußball auf große oder kleine Tore, als 4+1 oder 6+1 etc. gespielt wird.
Ein wesentliches Element des Spiels ist es, dass es Regeln gibt, innerhalb derer die Spieler selber kreative Lösungen finden dürfen. Die Regeln sind also die Bedingung für einen Freiraum, in dem die Spieler ihre Spielweise frei entfalten können.
Die Betonklötze im deutschen Fußball, die diesen Freiraum zustellen, sind für mich:
1) Ergebnis- und (damit ja unmittelbar zusammenhängend) Selektionsdruck
2) Fokus auf Arbeit und Kampf statt auf Kunst und Spiel
Beides hängt für mich miteinander zusammen. Es ist ein bisschen wie "die Geister, die ich rief". Die flächendeckenden NLZ haben den Druck unwahrscheinlich erhöht. Mamas und Papas drehen durch. Positionsfixierung, Nichtberücksichtigung der Schwächeren, Fokus auf Hoch- und Weitschüsse hängt doch alles an diesem unwahrscheinlichen Leistungsdruck. Leistungs- und Ergebnisdruck führen unmittelbar zu Selektionsdruck.
Jetzt präsentiert Lochmann als Lösung eine stärkere Differenzierung und noch kleinere Teams, wo noch weniger Kinder mitspielen können? – Nota bene: hier geht es um den Spielbetrieb! Gegen Funino-Festivals und kleine Spielformen als Ergänzung zum regulären Spielbetrieb habe ich überhaupt nichts! –
Aber im Spielbetrieb ist das doch unlogisch. Denn stärkere Differenzierung führt zwangsläufig zu stärkerem Selektionsdruck. Der Leistungsdruck im Spielbetrieb wird so also noch mehr zunehmen, die kreativen Freiräume für die Kinder werden noch mehr eingeengt. Das kann es doch nicht sein.
Meiner Meinung nach wäre genau das Gegenteil angebracht, nämlich statt stärkerer Differenzierung mehr Inklusion. Sprich: Orientierung bei der Mannschaftszusammenstellung an Jahrgängen statt an Leistung, keine Leistungsselektion im G- und F-Bereich, Situationen der Unter- und Überforderung als Lernräume entdecken, noch konsequentere Fairplay-Liga, also Spiele ohne Ergebnis-Relevanz. Also auch keine ergebnisorientierten Belohnungssysteme (wie es sie ja immer noch zuhauf gibt). Usw.
Aus aktuellem Anlass (und weil Trainer E den Namen hat fallen lassen) googelt einfach mal Prof. Dr. Lochmann oder schaut direkt bei youtube nach.
Relativ aktueller Beitrag.
ITK 2018 vom Bund Deutscher Fußballlehrer.
Habe mir das Video angeschaut. Ich möchte da mal doch etwas kritisch sein. Es wird sehr nach Zahlen und vermeintlichen Fakten geschaut. Das ist ja so die Richtung im deutschen Fußball, dass die statistischen Daten eine hohe Bedeutung haben. Ist okay. Aber man muss da ja dachmal in die Tiefe schauen. Also wenn etwa zum Funino sich die Zahl der Ballkontakte anschaut, dann ist ja das eine die reine Zahl; aber viel wichtiger und statistisch nicht so einfach zu erfassen ist ja die Qualität der Ballkontakte. Viel wichtiger als die reine Zahl, ist ja die Bedeutung eines Ballkontaktes für die Lernentwicklung.
Ich meine mittlerweile, dass alleine Fragen der Organisation (also etwa ob Funino oder kleinere Tore) nicht die Lösung darstellen. Mir fehlt der spezifisch fußballerische Ansatz.
Kreativität braucht Freiheit. Was hemmt die Freiheit der Spieler im deutschen Fußball derzeit?
Meiner Meinung nach hat sich die Fairplay-Liga großenteils bewährt.
Problematisch ist für mich nur die dritte Regel "Die Kinder entscheiden selbst". Hört sich gut an, aber funktioniert nach meiner Erfahrung nur so, dass die Trainer der beiden Teams gemeinsam diesen Prozess der Entscheidungsfindung gut leiten.
Bei uns läuft das nach der Linie, dass, wenn nicht gerade ein wirklich grobes Foul passiert ist, im Zweifelsfall das Spiel weiterläuft. Jeder Standard nimmt den Kindern ja auch Spielzeit, aber die Kinder sollen möglichst viel Fußball spielen. Die Kinder akzeptieren meiner Erfahrung nach diesen Grundsatz und es gibt bei uns so gut wie nie Diskussionen.
Am WE habe ich aber erlebt, wie es auch laufen kann. Auf einem E-Jugend-Turnier, das ich als entspannter Zuschauer beobachtet habe, wurde die dritte Regel ganz anders gehandhabt. Das heißt, dass, wenn ein Kind einen Freistoß fordert, es diesen in der Regel auch bekommen hat. Die Folge waren ständige Spielunterbrechungen, ständige Diskussionen zwischen den Kindern und einmal sogar fast handfester Streit zwischen einem Trainer und einem Vater. Das war eigentlich ein Turnier mit guten Spielen, aber die Handhabung der dritten Fairplay-Regel hat den Spaß beim Zuschauen doch erheblich gedämpft.
Meiner Meinung nach kann die dritte Regel prinzipiell gut funktionieren. Aber nur wenn es durch die Trainer eine gemeinsame klare und möglichst großzügige Linie, die möglichst viel laufen lässt, gibt.
Bei uns spielen alle Kinder. Natürlich macht sich das auch schonmal bei den Ergebnissen bemerkbar. Trotzdem wird das von allen akzeptiert und wir haben regen Zulauf. Es ist also offenbar kein Automatismus, dass die Eltern mit ihren starken Kids wechseln, wenn alle spielen.
Ich meine daher, wenn die Eltern sehen, dass das Training gut ist und ihre Kinder sich sichtbar verbessern, ist Wechseln kein Thema.
Wie ich schon in dem Coaching-Thread geschrieben habe, beobachten wir auch aktiv mit den Wechselspielern das Spiel. Das ist also für sie keine lern-freie, "vergeudete" Zeit, sondern die Kinder werden auch dadurch entwickelt, dass sie mit uns gemeinsam aktiv als Beobachter am Spielgeschehen teilnehmen.
Außerdem ist ist das auch eine Frage der Kommunikation. Ich behaupte: wenn du den Eltern Vertrauen in deine Trainer-Kompetenz vermittelst, sie sehen, dass du ein gutes Training gestaltest, und bei den Kindern eine Entwicklung erkennbar ist, werden sie auch weniger Spielzeit für ihre Kids und weniger gute Ergebnisse hinnehmen.
Wir sind ja m.W. praktisch Nachbarn (können wir gerne mal per PN drüber sprechen), da wundere ich mich schon, denn so etwas habe ich hier noch nicht gesehen. Aber okay.
Meine Wahrnehmung ist: Ich sehe oft schlechten Fußball. Ich sehe Rumgebolze, Schauspieleinlagen der Spieler, Schreierei von Trainern und Eltern (und Kindern); ich sehe Kinder, die Körpereinsatz zeigen, als wäre es ein WM-Finale. Ich sehe F-Spieler, die in E-Mannschaften verschlissen statt altersgemäß gefördert zu werden. Ich sehe Trainer, die sich ihr Star-Ensemble zusammenselektiveren und damit ihre verantwortungsvoll arbeitenden Kollegen zu unangemessenen Maßnahmen provozieren, um unter solchen Bedingungen noch mithalten zu können. Usw.
Wenn man bei diesen Phänomenen nach Ursachen schaut, ist das Problem doch nicht die Größe der Tore, sondern übertriebener Ehrgeiz, zuviel Druck im Kessel sowie die Priorisierung von Ergebnissen.
Und die Lösung sollen jetzt kleinere Tore und kleinere Teams sein, was im Ergebnis noch mehr Selektion und noch mehr Druck bedeuten wird? Das leuchtet mir nicht ein.
Es gibt Studien, die ganz klar zeigen, welche Bedeutung etwa Spaß und Freude in Lernprozessen haben. Das muss m.E. der Ansatz sein.
Du kannst noch 1000 mal an die Verantwortlichen (Trainer/Eltern) appellieren, das wird nicht so effektiv sein
Appelle alleine reichen nicht, sehe ich auch so.
Ich glaube aber, dass Aufklärung hilft. Mehr Wissen und mehr Verständnis werden das Verhalten beeinflussen.
Außerdem habe ich noch einen konkreten Gegenvorschlag gemacht, nämlich ein Zertifizierungssystem einzuführen, das für die Teilnahme am Spielbetrieb bindend ist.
Funino, kleinere Tore (etwa bei Trainingsspielen) sind für mich gute begleitende bzw. ergänzende Maßnahmen. Der Spielbetrieb aber ist meiner Meinung nach gar nicht das Problem.
Ich sehe als Hauptproblem, dass die Freude am Ergebnis die Freude am Fußball überlagert. Das hat mit 6+1, 4+1, großen oder kleinen Toren nichts zu tun.
Also wir reden ja alle von unserem Erfahrungshorizont her. Die Fußball-begeisterten Kinder, die ich erlebe, die wollen keine stumpfen Bogenlampen-Tore schießen, sondern den Ball in den Winkel zimmern. Die freuen sich auch an Hacke-Spitze, an tollen Tricks und Bewegungen, auch an tollen Kombinationen. Sie haben Freude an gutem Fußball, an tollen Bewegungen, wollen zeigen, was sie mit dem Ball können etc.
Viel wichtiger aber ist mir etwas Anderes, nämlich: kleinere Teams = stärkere Selektionsprozesse
Schon jetzt erlebe ich die ausgeprägte Leistungsselektion schon im G- und F-Bereich als sehr ungut. Große Vereine haben da gute Möglichkeiten, die sie weidlich ausnutzen. Das erhöht nicht nur den Druck auf kleinere Vereine, die angesichts des erhöhten Drucks durch selektierte Star-Ensembles irgendwie sehen müssen, wie sie mit ihren Mitteln noch einigermaßen mithalten können. Das führt auch innerhalb der großen Vereinen zu Antagonismen (Star-Ensembles vs. Reste-Rampen, sowas braucht im Kifu doch niemand).
Gibt es irgendwelche belastbaren Studien zum Ausbildungseffekt solcher Selektionsprozesse? Wohl kaum. Trotzdem wird behauptet, dass eine fein aufgegliederte Differenzierung im Kifu sich positiv auf die Ausbildung auswirkt. Warum?
Das ist für mich nicht mehr als eine Behauptung. Hört sich gut an, ist aber durch nichts belegt. Ich würde dagegen setzen, dass sowohl Phasen der Über- als auch der Unterforderung in Lernprozessen wichtig sind. Unterforderung setzt die Möglichkeit für Neues frei. Kinder können sich im Spiel ausprobieren. Überforderung zeigt Kindern ihre Grenzen und deckt Entwicklungserfordernisse auf. Kinder erleben, wo sie sich verbessern müssen.
Im G- und F-Bereich ist die Leistungsschere in meinen Augen noch nicht so ausgeprägt, dass eine Leistungsselektion Sinn macht. Das beginnt m.E. frühestens in der E-Jugend, wenn individual- und mannschaftstaktische Elemente in der Ausbildung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Vorher ist das in meinen Augen nicht nur völlig sinnlos, sondern sogar schädlich.
Allgemein muss man ja sagen, dass das auch ein Thema des Defensivverhaltens ist. Wenn ein Kind so zum Schuss kommt, dann gibt es ja auch eine verteidigende Mannschaft, die das zugelassen hat.
Jede Veränderung bringt neben Vorteilen auch neue Nachteile. Man muss sich nur mal klarmachen, dass viele der Probleme, mit denen wir heute zu tun haben, von den Veränderungen herrühren, die Anfang der 2000er vom DFB eingeführt wurden.
Ich glaube mittlerweile, dass diese ganzen systemischen Dinge nicht des Pudels Kern sind. Für Kinder, die fußballbegeistert sind, ist es egal, ob 6+1 oder 4+1 oder große oder kleine Tore etc. Es sind der Ehrgeiz von Trainern und Eltern und das druck-aufgeladene Drumherum, die den Spaß am Fußball ersticken. Das Anfang der 2000er eingeführte Ausbildungssystem hat bereits sehr viel Druck in den Kifu gepumpt, der da eigentlich nichts verloren hat. Es wird nur gesehen, welche Kinder es in die Auswahl schaffen oder ins NLZ. Dem wird alles andere untergeordnet. Es hat etwas gedauert und sich dadurch eine Zeitlang positiv ausgewirkt, aber das System "Fußball" hat sich jetzt auf die Anfang der 2000er eingeführten Veränderungen eingestellt und was zunächst noch ein Vorteil war, verkehrt sich mittlerweile ins Gegenteil.
Ich habe jetzt am WE 4 F-Jugend-Spiele gesehen und ein E-Jugend-Turnier. Ich habe da viel Schönes gesehen. Die Dinge, die mich gestört haben, haben nichts mit diesen systemischen Fragen zu tun, sondern mit zu viel Druck und zu viel Ehrgeiz (natürlich zunächst vonseiten der Trainer und Eltern!).
Mehr Differenzierung (durch kleinere Teams) wird noch mehr Druck und noch mehr Ehrgeiz in das System pumpen. Der Effekt wird sich ins Gegenteil verkehren.
Das ist ja auch genau das Problem mit den Bogenlampen. Die Kinder machen das ja, weil sie dafür von ihren Trainern und Eltern gelobt werden. Weil dies zu Erfolgen i.S. "guter" Ergebnisse führt. Dass im Ergebnis tatsächlich aber schlechter Fußball steht, wird nicht gesehen. Die Freude an "guten" Ergebnissen diktiert diese Spielweise, nicht die Freude an gutem Fußball.
Nehmen wir an: Kleinere Tore, etwas kleinere Spielfelder und 4+1 oder 3+1.
Sehen wir mal von den Bogenlampen und den zu kleinen Torhütern ab, werden m.W. als Vorteile aufgeführt, dass (1) so mehr Kinder spielen können (kleine Dorfmannschaften sind so in der Lage, ein Team zu melden, und große Stadtmannschaften müssen weniger Kinder auf die Bank setzen). Außerdem (2) sei so eine größere Differenzierung möglich, weil die Kinder in zwar durchlässigen, aber möglichst leistungshomogenen Gruppen spielen können.
Aber könnte eine solche Maßnahme (kleinere Tore und Teams) nicht auch Nachteile zeitigen?
(1) Ich finde es etwa gut, dass die jetzige Situation die Vereine zwingt, ihr "Kirchturmdenken" aufzubrechen und liebgewonnenen Rivalitäten zum Trotz JSGs zu bilden. Ich glaube sogar, dass es noch viel mehr Miteinander der Vereine um der Kinder willen braucht. Auch wenn es zwei Teams gibt, sollte es darum gehen, miteinander Fußball zu spielen, Fairplay auf und neben dem Platz und vor allem um ein gemeinsames Interesse am Fußball (zum Beispiel gemeinsame Freude über tolle Ideen, Spielzüge, Tore etc.).
(2) Ich finde es zu früh, schon im G- und F-Bereich leistungsmäßig zu differenzieren. Meiner Meinung nach wird schon jetzt beim 6+1 in diesem Bereich viel zu stark differenziert. Kleinere Teams würden das erheblich verschärfen. Man muss sich klarmachen, dass die Leistungsunterschiede im Kinderbereich noch relativ klein sind. Es bringt den Starken und Schwachen Vorteile, wenn sie zusammen trainieren und spielen. Die Schwachen sehen für sich, wo es hingehen muss; Kinder lernen ja auch voneinander. Und die Starken können gegen die Schwachen sehr viel mehr ausprobieren.
Ich glaube, dass eine sehr gute Ausbildung im 6+1 möglich ist, wenn die Trainer und Vereine verantwortungsvoll, kindgerecht und ausbildungsorientiert arbeiten. Dass diese Voraussetzungen derzeit nicht gegeben sind, hat meiner Meinung nach nichts mit den bestehenden Verhältnissen zu tun. Weder Funino noch 4+1 mit kleineren Toren werden m.E. daran etwas ändern.
Ich würde stattdessen zum Einen für noch mehr Aufklärungsarbeit plädieren. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass man sich ein Belohnungssystem für gute Vereine überlegt. Beispielsweise könnte man ein Zertifikat einführen und die Teilnahme am Spielbetrieb daran koppeln.
Sorry, ich verstehe jetzt nicht den Zusammenhang. Bin schon ein wenig älter.
Wahrscheinlich hast du recht und das geht am Thema vorbei
Aber es gibt ja die Diskussion, ob nicht Funino den Spielbetrieb im Kifu ersetzen sollte. Ich finde Funino auch genial, als Ergänzung und im Training auf jedem Fall. Aber ich frage mich, ob es den Spielbetrieb ersetzen sollte, wie das mancherorts geschieht.
Meine Schwierigkeit ist, dass Funino die hohen Bälle praktisch ausklammert. Ich habe heute ein NLZ-Team eines Bundesligisten beobachtet und eine der immer wiederkehrenden Anweisungen der Coaches war, den Ball runterzuholen und flach zu halten.
Natürlich ist es so einfacher, den Ball unter Kontrolle zu halten. Aber in der Ausbildung kann es doch nicht darum gehen, sich das Leben möglichst einfach zu machen.