Ich finde es sehr gut, dass du dir im Vorfeld Gedanken machst und dass euer JL auch frühzeitig seinen Abgang kommuniziert hat. Deine Gedanken sollte sich grundsätzlich der Vorstand machen. Allerdings ist dies häufig nicht der Fall. Erster Hinweis von mir: frage doch mal bei deinem Vorstand nach, inwieweit das Thema dort auf der Agenda steht.
Von den geschilderten Rahmenbedingungen liest die Ausgangssituation ganz gut. Ich selbst trainiere auch auf dem Land. Viele Sorgen von städtischen Vereinen kennen wir nicht, dafür haben wir allerdings andere. Bei 3500 Einwohnern und weiteren Dörfern in der Umgebung sollten genug Kinder für einen geordneten Spielbetrieb akquiriert werden können.
Ich beginne mal mit dem organisatorischen Aufbau. Aus meiner Sicht sollte der JL keine Mannschaft trainieren. Es hängt einfach zu viel dran, um "nebenbei" auch noch ein Team zu trainieren. Außerdem halte ich eine gewisse Distanz für erforderlich. Der JL soll die Trainer natürlich unterstützen, bei Fehlentwicklungen aber auch eingreifen. Das gelingt besser, wenn es nicht auch ein Trainerkollege ist, sondern eher ein Vorgesetzter, wobei das in einem Dorfverein natürlich trotzdem in der Regel ein Bekannter sein wird.
Sehr wichtig finde ich, dass der JL Rückendeckung vom Vorstand hat. Natürlich wird der Vorstand einem neuen JL erstmal alle Unterstützung zusagen, wie es dann in der Realität aussieht, ist eine andere Geschichte. Da du konkrete Vorstellungen bzgl. den Konzeptes hast, würde ich den Vorstand gleich damit konfrontieren. D.h. wenn du dem Vorstand signalisierst die Aufgabe zu übernehmen, dann mit der Maßgabe das Konzept auch umsetzen zu wollen. Am besten gleich noch einen Vorstandsbeschluss dazu fassen lassen.
Zur Frage wer das Konzept überwacht: natürlich der JL! Bei Sanktionen muss aber der Vorstand mitziehen. Für die Fortentwicklung des Konzeptes würde ich alle Trainer mit ins Boot holen.
Lizenz würde ich an deiner Stelle schnellstmöglich machen. Sie macht keinen besseren Trainer aus dir, aber in Diskussionen lassen sich häufig Gesprächspartner mit einer Lizenz überzeugen, ist in Deutschland halt so...
Kooperationen würde ich versuchen mit der Kita und Grundschule einzugehen. In diesem Alter muss man die Kinder in den Verein bekommen, später wird es enorm schwierig.
Trainer zu gewinnen sehe ich ähnlich wie du, im Dorf vielleicht noch einfacher als in der Stadt. Wenn ihr einen erfahrenen Bambinitrainer habt ist dies eine feine Sache. Er legt die Basis. Elterntrainer sehe ich nicht grundsätzlich als Problem. Bei einer guten Begleitung durch den JL kann sich vieles entwickeln. Sofern noch nicht gemacht, würde ich beim Vorstand für eine Übernahme der Gebühren für die Lizenzen werben. Engagierten Trainern wird damit zugleich ein Stück Wertschätzung zu Teil.
Das bringt mich zum nächsten Punkt. Wertschätzung. Ich finde es ganz wichtig, den Trainer regelmäßig danke zu sagen. Das kann man z.B. beim letzten Saisonspiel der Herrenmannschaft machen. Hier sind zugleich ein paar Zuschauer vor Ort und vielleicht bekommt man so auch einen neuen Trainer oder Co. interessiert. Je nach finanziellen Möglichkeiten des Vereins würde ich den Trainern ein kleines Präsent zu kommen lassen (Gutschein örtliches Restaurant, Tankgutschein o.ä.). Für kleines Geld liese sich auch ein gemeinsamer Grillabend oder ein Ausflug mit Ehepartnern organisieren. Schön wäre es, wenn der Vorstand dabei vertreten wäre. Als JL würde ich eine Jahresplanung machen und dort ein-zwei dieser Termine gleich an den Vorstand durchstellen.
Zu den Aufgaben des JL gehört für mich auch die Trainerweiterbildung. Das musst du nicht selbst übernehmen (mit Lizenz wäre das natürlich auch leichter möglich), DFB-Mobil ran holen oder mal einen Stützpunkttrainer ansprechen, geht immer. Bei den älteren Jahrgängen könnte der Herrentrainer mal eine Fortbildung machen: Thema Spielphilosophie und wie erleichtere ich den Nachwuchsspielern den Einstieg in den Herrenbereich.
Grundsätzlich muss man sich aber im Klaren sein, dass vieles gut gemeinte sehr lange dauern kann. Funino, kein stures Rundenlaufen, jedes Kind spielt, etc. sind Dinge, bei denen sich viele Beteiligte schwer tun. Deshalb mein Rat: nicht zu viele Baustellen auf einmal angehen. Schritt für Schritt. Und hol dir Gleichgesinnte ins Boot, übertrage Aufgaben. Der JL muss nicht bei den F-Junioren den Platz abkreiden und in der Halbzeit Kaffee verkaufen.
Ich hoffe das war jetzt nicht zu unstrukturiert, aber ich bin grad aufgestanden. 