Nur haben von denen auch nach und nach fast alle aufgehört. Weil trotz aller Spielzeit die echte Fußballbegeiterung halt nicht da war und nur verlieren nun noch weniger Spaß machte...
Ich glaube der entscheidende Punkt ist, ob die Kinder für Fußball brennen oder einfach nur dabei sind, weil ihre Freunde kicken oder sie von ihren Eltern hingeschickt wurden.
Beides habe ich erlebt. Bei denen, die aufgrund eigenem Willem kommen, hat sich meistens eine Entwicklung eingestellt. Bei denjenigen, die wegen anderen Gründen kamen, tat sich reinweg gar nichts. Trotz gleicher Spielzeit und teilweise sehr intensiver Betreuung. Zu Beginn meiner Trainerzeit habe ich mich schlimm über ältere Trainer geärgert, die zu bestimmten Kindern meinten, das wir eh kein Fußballer. Ich war der Meinung, mit Gleichbehandlung können sich alle Kinder entwickeln.
Inzwischen sehe ich das differenzierter. Und verteile auch die Spielzeiten nicht mehr genau gleich. Mittlerweile maße ich mir auch an, einigermaßen einschätzen zu können, ob es Sinn macht, viel Zeit in ein Kind zu investieren oder nicht.
Ich behandele deswegen kein Kind schlecht, sondern ermutige es am Ball zu bleiben, allerdings stecke ich meine Energie lieber in Kinder, die für den Fußball brennen und dabei ist es egal, welchen Stand sie aktuell haben.
Zum Thema Gewinnen: Natürlich gewinnen Kinder gern. Spaß können sie aber auch ohne Gewinnen haben. Es ist die Frage der Erwartungshaltung. Kinder wollen ihren Eltern gefallen und deren Erwartungen erfüllen. Beim Fußball kommt die Erwartungshaltung des Trainers hinzu. Wird von den Erwachsenen tatsächlich eine Haltung gelebt, bei der es eben nicht auf das Gewinnen ankommt, so spiegelt sich das auch auf das Verhalten der Kinder wider.
Auch hier eine Einschränkung: wird die Niederlage zu deutlich, dann ist es natürlich auch mit dem Spaß vorbei. Das kann dann auch niemand mehr schön reden. Bei engen Spielen habe ich es aber auch schon erlebt, dass die Kids bis zum einem Alter von 7/8 Jahren am Ende gar nicht wussten, wie das Spiel ausgegangen ist. Wenn man dann gesagt hat, toll, ihr habt 5 Tore geschossen und sie gelobt hat und in der Halbzeit den Keeper gewechselt hat, so dass jeder der beiden nur 4 Gegentore bekommen hat, dann war die 5:8 Niederlage überhaupt kein Thema.
Andererseits habe ich es auch schon mehrfach erlebt, dass Kinder trotz eines hohen Sieges keinen Spass hatten. Der Trainer forderte und forderte und war am Ende immer noch unzufrieden, weil noch mehr Tore hätten fallen müssen.
Die Sensibilisierung der Eltern hängt natürlich sehr stark von den einzelnen Charakteren ab. Gute Erfahrungen habe ich damit gemacht, wenn die Eltern auch als Einheit aufgetreten sind. So etwas lässt sich natürlich nicht erzwingen, aber durch einige Maßnahmen kann man diese Zusammengehörigkeit natürlich fördern. Gerade in Zeiten vieler Einzelkinder hilft eine Gruppendynamik eben auch die Spielzeit von schwächeren Kindern zu akzeptieren. Dann ist es nämlich nicht mehr der dicke Paule, der den Sieg kostet, sondern dann ist es Paul, der Freund, der auch gern mitspielen soll.
Zum Thema Druck: Druck in Maßen kann durchaus leistungsfördernd sein. Fehlender Druck führt mitunter zur Beliebkeit, zu fehlender Einstellung. Kinder lernen für eine Arbeit ganz anders, wenn es Noten gibt. Ich bin kein Freund der Wattebausch-Pädagogik. Das Ergebnis sehe ich jedes Jahr wenn die neuen Azubis anfangen und einige ganz schnell wieder aufhören.
Bezogen auf den Fußball heißt das für mich, wer am Training teilnimmt, Hauptsache er ist da, bekommt am Spieltag die Konsequenz durch weniger Spielzeit. Mitunter ist das den Kids egal, nämlich denjenigen, die eh nur wegen ihren Freunden dabei sind, dann ist es nicht einmal eine "Bestrafung" für sie.
Training bei Ex-Profis: Es ist nun einmal so, dass große Namen Strahlwirkung haben, bei Kindern und bei Eltern. Der Name überstrahlt dabei manchmal sogar die eher mäßige Qualität des Trainings. Hier ist im Vorfeld zu klären, was will ich? Fußballcamps sind für mich Ferienbeschäftigungen. Die Kinder werden abgegeben, damit die Eltern arbeiten gehen können. Die Kids sollen sportlich beschäftigt werden und dabei Spaß haben. Letztlich ist es fast egal, was dort gemacht wird. Bezahle ich hingegen Geld für Training/Zusatztraining, weil das Kind möglicherweise so einen Leistungssprung machen kann, dann muss auf die Qualität geachtet werden.
Spieler von mir die zu Camps fahren, berichten hinterher auch von den tollen Übungen und wenn ich Ihnen dann sage, die Übung haben wir an dem und dem Tag schon mal im Training gemacht, sind sie erstaunt.
Lizenz: Wir sind uns einig, dass eine Lizenz allein niemand zu einem guten Trainer macht. Ich habe von Fußballlehrern auch schon richtig schlechte Einheiten erlebt. Es sind auch nur Menschen. In der Tat ist aber so, dass (ähnlich den Ex-Profis) eine Lizenz vieles überstrahlt.
Ich habe allerdings auch schon das Gegenteil erlebt. Ungefragt wollte ich einem Trainerkollegen Hinweise für ein kindgerechtes Training geben. Der Kollege hat noch ein paar Jahre mehr Erfahrung als ich auf dem Buckel, allerdings ganz andere Ansichten. Auf Grund des fehlenden Konzepts wurschtelt halt jeder Trainer vor sich hin. Ergebnis meiner gut gemeinten Hilfe war, dass der Kollege mit unterstellte, nur weil ich über eine Lizenz verfügte und er nicht, dass ich sein Training schlecht machen wollte, dabei verfügte er über mehr Erfahrung. Mein Satz, 20 Jahre etwas zu machen, heißt nicht, etwas 20 Jahre richtig zu machen, führte dann schließlich fast zur Eskalation...