Wobei ich Löw's Argumentationen sowieso bisweilen zu philosophisch finde
Sorry, philosophisch finde ich daran gar nichts. Das wirkte schlicht planlos auf mich. Im Interview nach dem Spiel kam gefühlte 20x das Wort "irgendwie". Und mit "irgendwie" würde sich der Matchplan von gestern ganz gut beschreiben lassen.
Doch das Ergebnis gestern stellt für mich nur den Tiefpunkt einer langen Abwärtsspirale dar. Spätestens nach dem WM-Debakel von 2018 hätte die Beziehung DFB-Löw enden müssen. Monatelange Analysen folgten und was kam als Reaktion? Das über viele Jahre bewährte hohe Anlaufen im 4-2-3-1 sowie das Ballbesitzspielt wurde geopfert, weil es Löw nicht gelang, die Konteranfälligkeit bzw. die langen Bälle in die eigene Hälfte zu unterbinden. Die Mannschaft sollte fortan tiefer stehen, weniger Ballbesitz haben, dafür selbst mehr auf das Umschaltspiel setzen. Es folgten die Experimente mit der 3er- bzw. 5er-Kette. Statt die Öffentlichkeit hier einmal den Finger in die Wunde legte, bspw. mal fragte, warum er mit Spielern, die im Verein überwiegend 4er-Kette spielen, krampfhaft an der 3er-Kette festhält, warum er gegen Mittelklassemannschaften mit 3 IV spielen lässt oder warum er mit Spielern, die in ihren Vereinen Ballbesitzfußball spielen, in der Nationalmannschaft auf Konter setzt, beschäftigen sich Presse, Funk und Fernsehen lieber mit der Personaldebatte (Müller, Boateng, Hummels). Unabhängig von der Frage, ob die 3 nun besser sind, als das eingesetzte Personal, sind doch vielmehr enorme taktische Defizite anzusprechen. Gegen die B-Elf der Ukraine gewinnt man 3:1, wobei die Ukraine noch 3 Pfostentreffer hat und spricht anschließend von einer guten Entwicklung. Lächerlich. Es zeigen sich erstaunliche Parallelen zum FC Bayern unter Kovac. Auch der lies nicht mehr so konsequent Anlaufen, wollte vom 4-2-3-1 weg, bemängelte die Einstellung und Qualität der Spieler. Die Entwicklung nach ihm ist bekannt, die Spieler, die er für zu schlecht befand, waren maßgeblich am CL-Sieg beteiligt. Der für mich entscheidene Unterschied ist aber, dass beim FC Bayern Spieler und Funktionäre durchgegriffen haben.
Ist so etwas beim DFB zu erwarten? Wohl kaum. Die Protagonisten stützen sich doch alle gegenseitig. Löw sitzt 90 Min. völlig lethargisch auf der Bank, nimmt keinen Einfluss auf´s Spiel und was macht sein Chef nach dem Spiel? Zieht gut gelaunt Vergleiche von 2008 und 2014. Hier hätte es knallen müssen. Wie hätte wohl Uli Hoeness nach einem 0:6 reagiert? Oder Susi Zorc? Stattdessen lädt Bierhoff fröhlich den Schweinstiger ein, mal vorbei zu kommen.
Bald lesen wir bestimmt wieder davon, dass sich Bierhoff fragt, warum das Interesse weiter zurück geht an der Mannschaft. Vielleicht merkt er wirklich nicht warum. Ich befürchte, es wird wieder kräftig analysiert und im März sitzt das gleiche Personal auf den Stühlen. Allein, es interessiert mittlerweile kaum noch jemanden.
