Das ist ja schon fast philosophische, auf jedenfall ne interessante Frage.
Ich glaube, dass man intuitiv also unbewusst/schnell Entscheidungen trifft, die auf einer Vielzahl von Wiederholungen und Erfahrungen basieren und von einer soliden Technik getragen sind.
Nehmen wir Skifahren. Ein Anfänger kämpft mit den Ski. Ein Fortgeschrittener hat mit dem steileren Hang zu tun. Ein Könner cruist locker durch den Schnee, egal was da kommt. Der Könner denkt nicht mehr darüber nach, was er tun muss, er kann es ja.
Oder Fahrradfahren. Versuche das mal einem Anfänger mit Worten zu erklären. Niemand würde sagen: "dann musst du den Lenker mit 60g Gewichtskraft nach rechts drehen, um um die Kurve zu fahren". Das geht nicht, das muss man "erfahren" im Wortsinn und das lernen Kinder heutzutage über den Zwischenschritt Laufrad binnen Stunden.
Kinder wissen schon nach ein paar Wiederholungen beim Fangenspiel welche Haken sie schlagen müssen, um nicht gehascht zu werden. Das dürfte auch nicht durchdacht sein, sondern intuitiv ablaufen.
Im schnellen Mannschaftsspiel kommen so viele Facetten zu einem Bild zusammen, dass das Gehirn viel zu langsam wäre, eine durchdachte Entscheidung zu treffen.
Kurz mal google befragt: Man geht davon aus, dass das Unbewusste ca 11 Mio. Eindrücke pro Sekunde (alle Sinneseindrücke wie hören, fühlen, sehen usw) verarbeiten kann, das Denken nur etwa 60. Blöd nur, dass das Bewusste immer die Hohheit hat.
Wenn du also von außen einen Spielzug instruierst, hat der Spieler keine Chance mehr aus seinem reichlichen Repertoire von unbewusst abgespeicherten Spielzügen den Besten geschehen zu lassen.
Manchmal sieht man einem Spieler, der frei auf einen TW zuläuft, an, dass er anfangen hat zu denken... Fatal, das geht selten gut aus. Mein Rat an solche Spieler, die den Kopf nicht ausbekommen ist dann immer: nimm dir 2-3 Varianten vor und aus denen suchst du dann aus. Das ist überschaubar. Das Auswählen aus allen Optionen hingegen ist schon wieder zu langsam.
Die Vollebyballer unterscheiden zwischen der Technikerwerbsphase, der Anwendungsphase und dem freien Spiel.
Nehmen wir mal die Technik "nach hinten über Kopf pritschen" für den Zuspieler als Beispiel.
In der Erwerbsphase wird der Ball ausschließlich nach hinten gespielt,
In der Anwendungsphase gibt man dem Zuspieler vor, immer abwechselnd nach vorne und hinten zu spielen, nach einigen Durchgängen darf er dann zwischen diesen beiden Optionen selber wählen.
Im Abschlussspiel entscheidet dann ausschließlich der Spieler, welchen Spielzug er durchführt.
Als ich angefangen habe über die Frage nachzudenken, fand ich es schwierig meine Meinung in Worte zu fassen, bis ich die Fragestellung durch andere Filter (Sportarten) geschoben habe. Dann war es eigentlich recht einfach.
Daher komme ich zu dem Schluss, dass man Intuition durch den Verzicht von Instruktion trainieren und fördern kann.