Puh, also jenseits von 16 Kinder werden Kindergruppen echt anstrengend.
In jeder handelsüblichen Truppe hast du die von dir beobachtete Drittel. Das geht einher mit 1/3 Kinder die für Fußball brennen, 1/3 sollen von den Eltern aus kommen und das letzte Drittel ist die Hölle: weder haben die Kinder Lust noch stehen die Eltern dahinter. Meist werden sie von irgendwem mitgeschleppt. Ganz ehrlich? Das sind häufig die, die die Aufmerksamkeit aller Trainer auf sich ziehen aber so gar nicht verdient haben.
Daher mein Rat: ignoriere das Gehabe so gut es geht. Ärgere dich nicht, wenn diese Strategen unregelmäßig kommen. Erfreue dich an den anderen, die da sind. Notiere unbedingt die Trainingsbeteiligung, so hast du Zahlen/Daten/Fakten bei Theater mit den Eltern.
Ich würde außerdem ein paar Regeln für die Kinder einführen.
1. Wer nicht mitmachen möchte, darf das aber das macht er am Rand!
2. Das Stören der Übungen ist verboten und wird mit gelb und rot (aussetzen am Rand für den Rest dieser Übung) geahndet.
3. Wenn jemand mit rot aussetzen musste, werden die Eltern gebeten, das nächste Training zu bleiben und das Geschehen zu beobachten.
Ihr selber könntet das Training so gestalten, dass es keine oder so gut wie keine Wartepositionen gibt. Wenn es denn unbedingt mal was mit Warteposition ist, dann lass dir was für den Rückweg einfallen... ein Hütchendribbelparcour, ne Leiter oder so was. Damit werden die Wartezeiten kürzer. In jeder Warteschlange bricht irgendwann das Chaos aus und der vorderste weiß selten dass er dran ist oder was er machen soll. AUßER: du steht mitten drin in der Warteschlage und bist Quasi der Starter. Dann funktioniert das besser.
Wenn ihr zu zweit seid, könnt ihr das Team dennoch dritteln: Idealerweise hat man ja einen Schwerpunkt und dazu zwei Hauptübungen. Dann machen Gruppe 1 die Übung 1, Gruppe 2 die Übung 2 und Gruppe 3 spielt ohne Aufsicht auf Minitore. Eine F kann sich hier schon selber organisieren und wenn sie die Zeit nutzen über aus/nicht aus zu streiten, dann sollen sie das machen... Nach einer gewissen Zeit wechseln dann die Gruppen durch.
Wenn ihr in sechs verschiedenfarbige Leibchen investiert, könnt ihr allen immer am Anfang ein Leibchen geben und so die Kinder in die Gruppen aufrufen und dabei immer neu mischen:
1. Durchgang Gelb und rot spielen, blau und grün Übung 1, schwarz und weiß zur Übung 2.
2. Durchgang blau und schwarz spielen, gelb und weiß Übung 1, rot und blau zur Übung 2.
3. Durchgang grün und weiß spielen, schwarz und rot Übung 1, blau und gelb Übung 2
Hehe, wenn man das machen möchte muss man sich das anfangs aufschreiben, damit man nicht komplett durcheinander kommt.
Woran sich viele Trainer auch die Zähne ausbeißen, was aber irgendwie auch nicht tot zu bekommen ist ist folgendes: die Kinder sollen sich ordentlich(!) warm machen, auf einer Höhe und gerade aus eine Strecke laufen und wieder zurück. In meinem Verein versucht sich daran wieder ein Trainer in der F2 und ich stehe kopfschüttelnd daneben. Wann kommt das im Spiel vor? Nie! Warum dürfen die Kinder nicht im Chaos laufen und so direkt noch ausweichen (Vorstufe fintieren) trainieren. Wenn ich z.B. ne Laufschule mache, dann laufen die Kinder im Gegenverkehr, bei vielen sogar von vier Seiten auf die Gegenüberliegede.
Ein paar lose Gedanken noch:
Wenn du das Training an den 4 Besten ausrichtest, dann verlierst du die hintere Hälfte. Such dir ein Kind aus, dass das Mittelfeld perfekt repräsentiert: zuverlässig, nett, mittelprächtig gut. Und dann richtest du an diesem Kind das Training aus. Den besten gibst du dann Zusatzaufgaben (leise), etwa dass sie nur mit dem schwachen Fuß, oder noch eine Finte, keine Ahnung, denk dir was aus... Und die Schwächeren wirst du so besser erreichen.
Startet das Training mit einer Tummelphase: die ersten 5-10 Min gehören den Kindern. Aufbauten können schon genutzt werden, Bälle liegen bereit. Aber angeleitet wird noch nichts. Auch die Kinder müssen erstmal ankommen und wenn man das so macht, ist das mit nichten vertane Zeit. Ganz im Gegenteil. Es ist Zeit für Gespräche und wenn Kinder zu spät kommen, stresst das niemand. Dann Kinder zusammenrufen, Schlachtruf, starten.
Denk dran, Kinder in der F die zu spät kommen, werden nicht eher geschickt/gebracht.
Wenn du deine Strategen motivieren möchtest, dann lobe sie. Irgendwas gibts immer zu bemerken und Kinder in dem Alter wollen gefallen. Mache das leise und so zu etwas besonderem zwischen dir und dem Kind. "Das war ein prima Pass, weiter so". "du stehst auf Ronaldo, den finde ich auch super". "klasse Torschuss, kannste das auch mit links? Versuchs mal" Idealerweise hat so im Laufe des Trainings jeder min. einmal ein solches Feedback bekommen.
Wenn du Spaß an Statistik hast, schreibe dir ein Ranking auf. Vom besten bis zum schlechtesten. Und das überarbeitest du so alle 3-4 Wochen. Du wirst erstaunt sein, wie häufig du die Kinder umstecken musst/kannst.
Geh deinem Jugendleiter auf den Keks, dass du eine Lösung für die zu große Gruppe benötigst. (Aufteilen) und setze eine Deadline. Ohne Druck geht so was leider meist nicht.
Such dir weitere Helfer! Das kann auch ein C-Jugendlicher sein... Wenn der dann noch ein Taschengeld bekommen könnte, wäre das sicher eine gute Motivation. Man könnte das zum Beispiel bei 22 Spielern aus der Mannschaftskasse generieren: einfach die Einlage um 1,50€ pro Monat erhöhen und dem Jugendlichen 33€ zahlen.
Denkbar wäre auch, eine dritte Einheit machen und nur jeweils 2/3 der Kinder zu trainieren.
Kurse zum Teamleiter Kinder werden durchaus auch dezentral und abends gemacht. Musste mal schauen. Lohnt sich und macht durchaus auch Spaß
Wenn du das Buch Spielintelligenz im Fußball - kindgemäß trainieren von Horst Wein noch nicht kennst, dann besorg dir das. Das ist wirklich hilfreich.
soooo, ist lang geworden und eher wie eine Gemüsetheke zu verstehen: pick dir raus was dir gefällt und was dich anspricht und lass den Rest einfach liegen. 