Ich trainiere inzwischen den sechsten Jahrgang bei den Bambinis im G2-Alter. Über die Zeit haben sich für diese Altersklasse (zur Zeit 2017 und jünger) für mich ein paar Dinge herauskristallisiert:
keine Wettkampfspiele gegeneinander - natürlich gibts Kinder die das schon mögen aber viele in dem Alter können überhaupt noch nicht verlieren. Wenn ich also etwas Wettkampf haben möchte, dann spielen die Kinder gegen die Trainer. Etwa wenn sie an uns als Gegenspieler vorbei sollen. Ausnahme ist hier nur Fußball spielen, hier funktioniert das interessanterweise.
Die Einführung von Staffeln ist häufig eine wilde Sache. Dass jede Gruppe seine eigene Wendemarke hat, wird meist ignoriert oder ist noch zu kompliziert. Hier nehme ich gerne das Raumschiff-Thema, die Raumschiffe fliegen und den Mond und kommen zurück, jedes Team hat seinen Raumstationskapitän (Erwachsener), der versucht, das ganze zu steuern. Wenn das leidlich klappt, wäre ja der nächste Schritt, dass die zwei Gruppen gegeneinander antreten. Das verstehen die Kurzen mit 4-5 einfach noch gar nicht. Ein Jahr später sieht das ganz anders aus.
Fangenspiele erspare ich mir auch noch. Hier steigen nach kürzester Zeit die meisten Kinder gedanklich aus. Und ich hatte auch schon tränen, weil die Kinder nicht wollten, dass man ihnen was in die Hose steckt oder wegnimmt. (Schwänzchenfangen)
Ein Jahr später sind diese Phänomene weg. Die Kinder machen im letzten Kindergartenjahr oder in der ersten Klasse einen riesigen Entwicklungsschub. In allem! Es ist ein sehr großer Unterschied, zwischen 4-5 Jährigen und Sechsjährigen. Wenn ich bei unserer aktuellen G1 aushelfe, dann fällt mir immer als erstes auf, wie "frech" im positiven Sinne die Kinder geworden sind.
Dass Kinder einen Ball nicht fangen können hat erstmal mit dem Tempo des Balles zu tun. Versuche mal, dass das Kind mit ausgestreckten Armen (Handflächen nach oben) vor dir steht und du wirfst ihm den Ball von unten in die Arme, so langsam, dass der Ball schon fast in die Arme rollt. Das Kind muss also nur zugreifen. Die Lernkurve hier ist meist sehr steil, schon nach 2-3 erfolgreichen Versuchen kannst du den Wurf schwieriger gestalten oder das Kind soll selber hochwerfen (auch hier erst nur ganz bißchen).
Trainings starten bei mir immer mal wieder mit jeder hat einen Ball, wirft ihn hoch und fängt ihn wieder. Dann mit Auftippen lassen, dann rollen um die Füße, führen um den Bauch und so was.
Zum Thema Ball verfolgen (Sichtfeld etc) habe ich ein Lieblingsspiel in der Hallenzeit. Ich stelle mich mit einem Ballreservoir unter den Basketballkorb, die Kinder stehen in einer Schlange neben mir. Ich werfe dann für das erste Kind den Ball im Schockwurf in den freien Raum, der Ball soll einmal auftippen und dann aufgefangen werden. Die Kinder laufen also los, müssen den Ball beobachten und auffangen. Dann zurück kommen, Ball ins Reservoir und wieder anstellen.
Ich kann somit die Intensität perfekt steuern. Für die, die schon weiter sind, werfe ich den Ball weit nach vorne, so dass der Spieler sprinten muss. Ein Anfänger bekommt den Ball kurz geworfen, der hat schon mit dem Gucken / Fangen genug zu tun.
Ist die Übung eingeführt, dann kommen Zusatzaufgaben, etwa unterwegs hinter dem Rücken klatschen oder eine Drehung, mal liegt noch ne Weichbodenmatte im Weg etc. (ältere können den Ball auch mit dem Knie annehmen oder per Fuß verarbeiten)
Zweiter Part: Aufbau bleibt, ich rolle den Ball und die Kinder müssen hinter her laufen und den Ball mit dem Fuß stoppen (öfter auch mal mit Torabschluss).
Dritter Part: ich stelle mich hinter das Kind und variiere Werfen und Rollen. Die Kinder dürfen vorher nicht gucken sondern müssen darauf reagieren ob der Ball von oben oder unten kommt. (hier kommen die Vierjährigen noch nicht mit, die Fünfjährigen schon, die ganz kleinen frage ich dann immer was sie haben wollen)
Rolle vorwärts / rückwärts können meine alle. Wenn du Hilfestellung geben willst: Mit einer Hand drückst du den Kindern vorsichtig den Kopf nach vorne (Kinn auf die Brust, runder Rücken), mit andere Hand drehst du sie um...
Mit dem Abwerfen will ich den Kindern das Gefühl geben, dass ein Ball "nicht weh tut" und ihnen die Angst vor dem Ball nehmen.
Hier gehe ich immer davon aus, dass die Kinder beim Fußball sowieso Ballaffin sind und keine Angst davor haben, BIS sie Völkerball spielen müssen und andere Erfahrungen machen.
na ja, ich hasse Abwurfspiele... schon immer.