Brechstange
Die wollen alle nur euer Bestes: erst wollen sie eure Kinder und dann auch noch Euch als Werbeträger, denn nur bei uns "wird das Kind am besten ausgebildet"! Denn fragt man nach einem Profi, der schon mit 12 ein überragendes Talent war, dann kann man zwar ein paar Namen nennen, aber nicht erklären, warum es die anderen Zehntausend nicht soweit gebracht haben.
Die Talentsichtung und Förderung beim DFB gleicht noch dem Suchen einer "Stecknadel im Heuhaufen", bei dem man lediglich hofft, dass die richtigen Talente darunter sein mögen. In den Nachbarländern, wo es nicht so viel Auswahl für die Auswahl gibt, ist man längst andere Wege gegangen.
Was wir brauchen, läßt sich als ganzheitliche Ausbildung beschreiben, in der Training und Coaching in einem partnerschaftlichen Rahmen gesichert werden kann.
Danke für die ausführliche Antwort. Anektdotische Kenntnis über den einen oder anderen Fall hat ja jeder (von "das hat man schon früh gesehen, dass das mal ein Weltstar wird" über "hat die gesamte Jugend dominiert, im Seniorenbereich aber nie reüssiert" bis hin zum "Spätzünder, von dem es kaum jemand je gedacht hätte"). Die von Don Quichote angesprochene Tatsache, dass kaum eine Chance hat, wer mit 13-14 Jahren nicht "entdeckt" wurde, zweifele ich nicht an, wohl aber die implizite Kausalität - nicht WEIL man nicht entdeckt wurde, hat man keine Chance, sondern WEIL danach auf dieser Ebene nicht mehr gesichtet (und sehr selten im notwendigen Umfang gefördert) wird, hat man kaum eine Chance. Das ist auch nicht als Kritik an den Talentsichtern oder am System zu verstehen. Es ist vielleicht eher die Kehrseite der heute recht frühen, engmaschigen Talentsichtung. Aus Sicht eines Verbandes wie des DFB wohl zu verschmerzen, wie TW-Trainer schreibt aber für kleinere Länder und Sportarten nicht unbedingt akzeptabel.
Schön wäre es, wenn es eines Tages neutrale Beratungsstellen gäbe, in denen die Jugendlichen und ihre Eltern Informationen über die jeweilige Altersgruppe einholen könnten und auch über die Vor- und Nachteile eines Vereinswechsels umfassend beraten würden. Weil aber daran die größeren Vereine vermutlich weniger Interesse haben dürften, wäre es eine weitere Initiative, die "von unten" kommen müsste. Vielleicht gibts ja eines Tages Elternvertreter im gesamten Hirachiestrang des organisierten Fussballs? Vielleicht ergreift ja auch schon jemand anderes (ala Ralf Klohr) die Initiative? Wenn ich mal auf Rente bin und es dann noch keine gibt, dann gründe ich sie (vielleicht)
!
Mein Wunsch würde noch weiter gehen und vor allem auf die untere Ebene abzielen. Es gibt eine sportwissenschaftlich und -pädagogisch fundierte, polysportive Frühförderung für alle Kinder, die Neigung und Fähigkeit zu sportlicher Aktivität verspüren, etwa ab Schuleintritt (ideal: 20-30% eines Jahrgangs). Hierfür schliessen sich der lokale Fussball-, Tennis-, Handball-, usw. Verein zusammen und organisiert dies mit den Schulen und weiteren Institutionen (LSBs, Fachverbände, Hochschulen ...). Im Rahmen eines solchen vielseitigen Sportangebots lernen die Kinder verschiedene Sportarten kennen und können nach ca. zwei Jahren eine gute Entscheidung darüber treffen, welchen Sport sie ausüben möchten. Dafür haben sie in dieser Zeit in altersgerechter Art vielseitige, v.a. koordinative Grundlagen mit auf den Weg bekommen.
Tatsächlich gibt es Entwicklungen, die in diese Richtung gehen, z.B. führt Brandenburg einen "Emotikon"-Test durch und verteilt auf dieser Grundlage auch "Talentpässe". In der Schweiz gibt es mit "Talent Eye" in manchen Kantonen ein Programm, in dem sich tatsächlich einmal die unterschiedlichen Sportarten und Vereine sich zusammengeschlossen haben. Allerdings werden bei diesen Programmen eben nur die etwa 2% "Besten" eines Jahrgangs aufgenommen. Idealerweise würde man hier etwa einen weitaus grösseren Teil der bewegungswilligen Kinder erfassen. Ich finde das immerhin mal einen guten Start, weil man hier wirklich einmal die sportartspezifische Ausbildung zugunsten von allgemeiner koordinativer Entwicklung nach hinten verschiebt. Ob man da nun die "Richtigen" auswählt kann sicher erst die Zukunft zeigen... und vermutlich "überlässt" man die vermeintlichen Talente danach dann wieder den Vereinen ... mal sehen, was die dann daraus machen.
Die gewünschten Beratungsstellen im höheren Alter wären im Idealfall sogar sportartunabhängig und beraten nicht nur über Vereinswechsel, sondern auch andere Aspekte, die mit Leistungssport zu tun haben, wie Finanzierung, Stipendien, Sportschulen usw. Schöne Welt, oder ![]()
