Im letzten Stern ist ein Beitrag 'Und übrigens: schwul'. Im Artikel findet sich der Hinweis, das nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen die sexuelle Orientierung schlichweg im Erbgut jedes Menschen verankert ist: Wird die epigenetische Markierung in der befruchteten Eizelle einer heterosexuellen Mutter gelöscht, wird der Sohn heterosexuell. Wird sie nicht gelöscht, wird er homosexuell (was offenbar seltener vorkommt).
Eine medizinische Erklärung klingt mir sehr einleuchtend. Ich jedenfalls habe mir sicherlich nie bewußt ausgesucht, auf Frauen zu stehen. Es war einfach so. Das wird bei einem homosexuellen Mann nicht anders sein. Man kann hier nicht wertend argumentieren, es ist nicht moralisch richtig oder falsch, auf ein bestimmtes Geschlecht zu stehen, kann es gar nicht sein.
Ausuferungen wie auf dem CSD haben meiner Meinung nach wenig mit dem Schwulsein zu tun. Grund dürfte eher sein, dass Männer ihre Sexualität generell lauter und agressiver leben, auch hererosexuelle Männer können in Gruppen sehr unangenehm werden (schon mal auf Mannschaftsfahrt gewesen und eine hübsche Frau geht durchs Zugabteil ? Fremdschämen pur, wenn die richtigen Strategen dabei sind. Oder auf auf einer Jungesellenverabschiedung und als Höhepunkt tritt eine Stripperin auf ? Erstaunlich, wie geil und peinlich plötzlich auch heterosexuelle Männer werden können)
Was gar nicht geht, ist die einfache Gleichung Schwul = dauergeil und aufdringlich = pädophil aufzumachen. Ich stehe auf Frauen und kriege es trotzdem fertig, den Arbeitstag zu überstehen, ohne meine weiblichen Kolleginnen anzuspringen. Und auf kleine Mädchen stehe ich auch nicht. Warum also den Homosexuellen anderes unterstellen ? Gut, Keller-Kicker, meine Kolleginnen müssen nicht mit mir Duschen. Aber das sich ein homosexueller Fußballer aus Selbstschutz nicht outet, halte ich trotz allem für mehr als verständlich. Hitzlsperger jedenfalls würde ich nicht unterstellen wollen, sein unerkanntes Schwulsein freudestrahlend dafür genutzt zu haben, sich unter der Dusche nackte Männer anzusehen. Ich denke es wäre ihm lieber gewesen, sich angstfrei outen zu können.
Ganz schwierig finde ich das Thema Religion. Ein Leben lang gegen die Homosexualität ankämpfen und damit als homosexueller Mann quasi ständig im Kampf mit sich selbst zu stehen, um ohne Sünde zu sein ? Kann ich mich nicht mit anfreunden, jeder hat das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Ich lebe meine Sexualität gerne aus, warum soll ich das nicht auch den gleichgeschlechtlich orientierten Männern gönnen.
ballgewinnski,
um nochmal auf den Sport zurück zu kommen, das Beispiel mit der Torhüterin im Eishockey war mir bekannt. Aber ich halte das nicht für übertragbar auf den Fußball. Im Eishockey ist der Torwart viel mehr ein reiner Linien-/Reaktionstorwart als beim Fußball und damit sind die körperlichen Unterschiede nicht so gravierend. Ich bin davon überzeugt, wenn sich ein Fußballprofiverein eine Verbesserung der Mannschaftsqualität davon versprechen würde, dann würde längst die erste Frau in einer Bundesligamannschaft spielen. Aber selbst eine Fußballnationalspielerin könnte vermutlich nicht einmal unterklassig in der sagen wir mal Regionalliga bei den Männern mithalten. Das Experiment Frauen einzusetzen lohnt sich einfach nicht. Und ich bin kein Chauvi, ich bin mit großer Freude Mädchentrainer.