Damit du mich etwas besser verstehst möchte ich dir meine Sicht zum KiFu und dem allgemeinen/Profi Fußball sagen.
Ich selbst habe in meinem Leben nicht einmal ein Jahr Vereinsfußball gespielt. Mein Interesse zum Profi-Fußball ist gleich 0,0. Das letzt Profi-Spiel zu dem ich mich gezwungen habe zu schauen ist das von Bayern vs. Madrid. Hier bin ich in der Pause eingeschlafen. Gezwungen habe ich mich, weil ich gedacht habe, dadurch vllt. etwas mehr Begeisterung zum Fußball zu finden.
Zum KiFu bin ich durch meinen Sohn gekommen. Hier bin ich inzwischen auch Co-Trainer der Mannschaft in der auch mein Sohn spielt. Mein Sohn ist leidenschaftlicher Fußballer. Wie es zur dieser Entwicklung gekommen ist, möchte ich dir gerne Stichpunktartig schildern.
- Das liebste Spielzeug für meinen Sohn war ein Ball, schon von ganz klein an - mit den ersten Gehversuchen wurde ein Luftballon geschossen -. In meinen Augen war der Ball das beste Spielzeug/Hilfsmittel bei der Entwicklung der Motorik für meinen Sohn. Es wurde mit viel Spaß geworfen/gefangen und geschossen. Durch die Beobachtung des Spielspaßes und gleichzeitigen Entwicklung durfte er immer in seinem Zimmer mit den Bällen spielen. Selbstverständlich wurden entsprechende Bälle benutzt/gekauft wie z.B. die Softbälle.
- Mein Sohn war erst gerade 4 Jahre geworden als wir aus beruflichen Gründen umgezogen sind und er wurde quasi "über Nacht" in ein ganz neues Umfeld gebracht - Kindergarten... -. Eines Tages - noch nicht mal einem Monat nach dem Einzug -ist er begeistert mit einem Zettel vom Kindergarten "gekommen".
- Auf diesem Zettel hat der Verein Kinder zum Fußballtraining im Rahmen der Sportwoche eingeladen. Er wollte unbedingt hin, da einige neugewonnen Freunde dort spielten. Aus meiner Sicht war es eine unterstützende Maßnahme um soziale Kontakte zu knüpfen bzw. die neuen zu festigen. Des Weiteren würde es eine zusätzlich Vorbereitungsmöglichkeit auf die Schule sein. (Bis hier hat er auch durchgehend mit großer Begeisterung in seinem Zimmer oder im Garten mit "dem Ball" gespielt".)
- Immer bin ich zum Training und den Spielen mitgekommen - um ihm Sicherheit in der neuen Umgebung zu geben -. Auch wir, Eltern, habe dadurch Kontakte knüpfen können.
- Nach ca. 2 Jahren wurde ich vom Trainer angesprochen ob ich nicht die Kinder mit trainieren möchte. Ich habe diese Anfrage ganz klar verneint - mit der Begründung der Fachlichen-Inkompetenz -. Allein sein Argument, dass es sonst in Zukunft sporadisch zu nachvollziehbaren Trainingsausfällen führen würde/könnte haben meine Endscheidung umgestimmt. Ich habe dem Trainer klar mein Unwissen und fehlende Praxis dann noch einmal geschildert und erklärt, dass ich dann aber seine Hilfe brauche um die Notwendige und ganz spezifische Fachkompetenz brauche. Kurz gesagt welche Übungen, halt das was, wie...
- Seit dem habe wir beide Seiten der Medaille gesehen. Sprich, hatten wir auch eine Saison, am Anfang meines Co-Trainer da seins, die Spiele zweistellig verloren und seit dem gewinnen wir alle "Punktspiele" auch meist 2stellig.
Nun hat man ja auch Pflichten auch als Co-Trainer:
Meine Aufgabe ist es den Trainer bei seinen Aufgaben zu unterstützen.
Ganz klar ist für ihn das wichtigste, dass die Kinder in erster Linie Spaß haben. Des Weiteren ist es auch wichtig, dass die Kinder sich auch entwickeln -in allen Bereich (fachspezifisch, sozial...)-
Aber trum herum fallen weit mehr Aufgaben an! Diese werden auch erledigt.
Sicher macht verlieren keinen Spaß, aber vor allem, wenn man ausschließlich auf das Ergebniss fokussiert ist. Hier ist besonders wichtig, in meinen Augen, die Kinder "aufzufangen/bei zu stehen" und beizubringen die "Leistung" der anderen Mannschaft zu anerkennen und dabei gleichzeitig auch die eigene Entwicklung berücksichtigen.
Auch immer sehr hoch zu gewinnen ist nicht das Gelbe vom Ei. Unser Mannschaftstrainer geht immer in entsprechender Situation zum Kollegen und fragt ihn ob er zusätzlich Spieler auf den Platz stellen möchte und wenn es keine Wirkung zeigt (das Spiel nicht ausbalanciert ist) stellen wir auch Spieler von uns runter [(nur weil diese "gut/besser" spielen als die gegnerische Mannschaft)]. Das Ergebnis ist uns Trainern egal! Die Kinder zählen auch nur ihre eigenen Tore, sodass wir uns mit dem Kollegen meist auf ein etwas reduziertes Ergebnis einigen.
Dadurch, dass die Kinder ihre Tore zählen, habe sie für sich -Mannschafts/Kinderintern - eine neue Herausforderung gefunden: Sie versuchen, dass jeder im Team auch ein Tor schießt. Hierdurch werden einerseits viel Chancen vergeben um dem entsprechenden Mitspieler - der das nächste Tor schießen wird/soll- den Ball zu geben. Eine für uns Trainer unschöne Situation, den die Einigung hierauf passiert ja auf dem Spielfeld und in Gegenwart der anderen Mannschaft. Klar sehen wir die andere Mannschaft, aber auch wollen wir den in der Mannschaft gewachsenen Zusammenhalt, Ehrgeiz und die Leistung belohnen und sich für die Kinder freuen. Dies wiederum kann aber anders aufgenommen werden. Immer wieder müssen wir den Kindern auch die Freude über ihre Leistung unter Rücksichtnahme an die Gegner vorsichtig dämpfen.
Sicherstellen, dass unsere Kinder die kurze Einigung unauffällig durchziehen. (Mit Begründung für unsere Kinder, dass ja sonst die gegnerische Mannschaft den Spiel-Plan sehr leicht durchkreuzen kann und es außerdem auch sehr arrogant wirkt.)
Das Resultat anhand eines Beispiels meines Sohnes:
Einwurf für uns aus dem Halbfeld auf der linken Seite. Mein Sohn löst sich vom Gegner, nimmt den Ball an und leitet dabei gleichzeitig die Wende zum Tor ein. Gleich nach der Wende um dribbelt er 2 Gegenspieler und schießt ein Tor. Danach richtet er sich die Stutzen und geht zur Ausgangsposition. Es war sein 5tes Tor in dem Spiel - zwei mit rechts und drei mit links - (der Spielstand bereits 2stellig). Er war von der Körpergröße der kleinste und er ist immer der jüngste auf dem Platz - teilweise waren die Gegner einen Kopf größer -. Der Ball hat förmlich an seinem Fuß geklebt - trotz Richtungs- und Geschwindigkeitswechsel beim Dribbling -. Die Freude war nicht entsprechend der Leistung. Die ersten Tore wurden hier hingegen gefeiert.
Diese Paradoxe Szene bzw. Spielentwicklung habe ich dank Videoaufnahme erst erkannt.
Ausschnitt eines Gesprächs der Kinder in der Kabine nach einem Turnier - hier wurden wir nicht erster -
Ein Kind sagte: Naja, Hauptsache nicht Letzter.
Mein Sohn widersprach und sagte: Nein, Hauptsache es hat Spaß gemacht.
Fußball spielt er in fast jeder freien Minute. Es macht ihm riesen Spaß und doch kann er gewinnen und verlieren und darauf bin ich als Vater stolz. Auch stolz bin ich, wenn SpielER verletzungsbedingt am Spiel und Training nicht aktiv mit machen können, aber trotz dem kommen WOLLEN - zum Training als auch zum Spiel -! Sie sind und waren eine MANNSCHAFT seit dem Kindergarten!
Nur weil die Kinder "erfolgreich" in ihrer Umgebung spielen, heißt es noch lange nicht, dass die ehrenamtlichen und/oder teilweise fachlich inkompetenten Trainer und/oder Co-Trainer übermenschliche physische Leistung fordern und/oder die Kinder zum Training zwingen.
Wenn ich sonntags um 07:00 Uhr im Bett liege und meinen Sohn in seinem Zimmer Fußball spielen höre, weiß ich einfach was ihm momentan wichtig ist und warum er solch eine Leistung auf dem Platz bringt!