Gerade gestern hat man wieder gesehen, dass unsere noch lange nicht soweit sind.
Moment, erlaube die Frage: wie weit? Die ganze Jugend ist ein einziger Lernprozess, da gibt es noch lange keinen Abschluss, bei dem man sagen könnte, nun seien die Spieler soweit, im Sinne von fertig. Wichtig ist, dass die Kinder sich entwickeln und dass ihr Trainer ihre Entwicklung fördert. Ich rate dringend davon ab, die eigenen Spieler mit anderen, scheinbar besseren teams zu vergleichen, das führt nur in die Depression. Erstens weiß man nicht, welche Voraussetzungen sie haben. So gibt es einfach talentiertere, ehrgeizigere und früher entwicketle Kinder und solche, die das halt nicht sind. Natürlich ist dann ein Team, das mit vier Spielern der ersten Art gesegnet ist, stärker als ein Team, das nur aus durchschnittlichen Spielern besteht. Zweitens erreichen einige Trainer in G- und F-Jugend Erfolge, indem sie bereits das Passspiel fordern, einen festen Stamm spielen lassen und diesen dann auch auf festen Positionen einsetzen. Dann wird eine normale Truppe tatsächlich auch von den zwei starken Stürmern zerlegt und sieht gegen die resoluten Abwehrspieler, die unerschrocken jeden Ball wegbolzen kein Land. Es dürfte sogar möglich sein, den Abwehrspielern einzutrichtern, dass sie den Ball nach Möglichkeit nicht ins Aus pölen sollen, sondern flach in die Spitze donnern. Da die Stürmer ja schön schnell sind, kriegen sie da dann auch einige dieser Bälle, was dann unbedarfte Zuschauer bereits für planvolles Zusammenspiel, guten Spielaufbau oder gar Spielkultur halten mögen.
Aber solches Verhalten kann sich später leicht rächen. So tut man gerade den Spielern keinen Gefallen, die nur in der Defensive eingesetzt werden. Ihre technischen Fähigkeiten werden nur unzureichend gefördert, so dass sie es später, wenn ihre Gegenspieler eben technisch zugelegt haben, es unheimlich schwer haben, sie vom Ball zu trennen. Und gegen einen Gegner, der den eigenen Spielaufbau offensiv bekämpft, haben sie es auch unheimlich schwer, da ist dann nämlich eine gute und schnelle Ballan- und -mitnahme elementar wichtig. Und auch die Stürmer leiden, sie lernen es nie, richtig mit in die Defensive zu gehen. Das ist aber spätestens ab der D-Jugend wichtig, da sind viele Mannschaften schon in der Lage, so gut zusammen zu spielen, dass man in Unterzahl nur noch schwerlich verteidigen kann. Und schließlich vernachlässigen diese Mannschaften die Breite ihres Kaders, da ja immer nur die selben Spieler zum Einsatz kommen. Die anderen werden dadurch weniger gefördert und verlieren den Anschluss, außerdem werden sie demotiviert und verlassen sicherlich zum Teil auch den Verein oder kehren gar dem Fußball ganz den Rücken.
Daher: Turniersiege sind in G, F und E nicht wichtig. Sicher kann man sowas auch mal mitnehmen, wenn man dabei die Grundsätze des Kinderfußballs nicht verletzt. Und sicher sollte ein Trainer auch versuchen, seinen Spielern auch Siege zu ermöglichen. Allerdings sollten ihm selbst, wie ich finde, die Resultate völlig schnurz sein, die Spiele dienen vielmehr für die Kinder dazu, das, was sie trainiert haben, zu zeigen, und sich gegen fremde Kinder auszuprobieren. Für das Mannschaftsgefühl sind sie auch wichtig. Und der Trainer kann seine Schützlinge beobachten und sie besser kennen lernen. Dadurch, dass er ihnen Siege ermöglicht, hält er ihre Motivation hoch und stärkt ihr Selbstvertrauen. Er lässt sie aber auch verlieren, damit sie daraus lernen, dass:
- sich die Erde auch nach einer Niederlage weiter dreht,
- es andere Mannschaften gibt, die besser sind (was aber nicht dazu führen darf, dass man keinen Spaß mehr hat),
- auch mal die eigentlich schlechtere Mannschaft gewinnt,
- es trotz der Niederlage gute Aktionen im Spiel gab,
- etc.
Sie waren nicht wirklich schlechter als die andere Mannschaft, haben aber wieder verloren.
Wenn sie nicht schlechter waren, dann ist doch alles in Ordnung. Was ist denn das Problem daran, ein Fußballspiel zu verlieren?
Irgendwie steige ich nicht so ganz durch. Einerseits soll der Leistungsgedanke in der Altersklasse völlig außen vor bleiben, andererseits sollen die Kinder etwas leisten.
Nun, in der G müssen die Kinder gar nichts leisten, sie sollen einfach drauf los spielen und ihren Spaß haben. Wenn die Erwachsenen sie in Ruhe lassen, machen sie auch genau das. In der F fängt es dann an, dass von ihnen erwartet wird, sich anzustrengen, ähnlich wie das auch in der Schule der Fall ist. Aber dabei ist es wichtig, dass man ihnen vermittelt, dass sich die Anstrengung lohnt, dass es Spaß macht, sich anzustrengen und dann auch viel mehr zu erreichen, als wenn man nur den anderen zuschaut. Man fördert die Aktivität und 'bekämpft' die Passivität. Man verlangt dabei nichts von den Kindern, sondern feuert sie an und lobt sie, wenn sie Einsatz zeigen.
Gestern sind sie eher rumgelaufen wie Falschgeld.
Das musst du mir erklären.
Der Trainer des Gegners hat die Kleinen richtig angepfiffen, unser zwar nicht, er hat nur Anweisungen gegeben.
Tja, und trotz der Tatsache, dass Euer Team verloren und das Team des Anpfeiftrainers gewonnen hat, macht er es falsch und Eurer es richtig -- wobei das auch noch auf die Anweisungen ankommt. Richtig zumindest, was diesen Punkt anbelangt. Anpfiffe an G- und F-Junioren, das ist der ganz falsche Weg.