Beiträge von tobn

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    guenter: Ja, stimmt, wäre die Wunschvorstellung Realität, bräuchte man die FPL-Regeln nur noch wegen der Eltern. Aber so ganz gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass es hin zu kriegen sein könnte, kindgerechtes Fußballtraining und einen entsprechenden Spielbetrieb zu etablieren, wenn denn nur die Verantwortlichen sich wirklich darum bemühten. Und im Sinne des Erlernens der Eigenverantwortung und der Fairness, gemäß dem uralten Leitspruch, dass man Andere so behandeln möge, wie man es sich umgekehrt wünscht, würden da die FPL-Regeln inklusive fehlendem Schiri gut hinein passen.


    Deiner These, dass Bolzplatzfußball und Vereinsfußball unterschiedlich sind, stimme ich auch zu. Tatsächlich halte ich auch den Bolzplatzfußball nicht für vollständig segensreich. Das heißt aber nicht, dass man im Vereinsfußball nicht Elemente des Bolzplatzfußballs übernehmen kann, wenn sie sich positiv auswirken.

    für mich sind Vereinsfussball und Bolzplatzfussball nicht miteinander vergleichbar.wer also die Rückführung zum Bolzplatzfussball einfordert muss Trainer und Elternschaft vom Spielbetrieb entfernen.


    Naja, ich denke, die Wunschvorstellung hat Schimanski ja auch beschrieben: zwei Trainer, die in puncto Fairness eine ähnliche Einstellung haben und jeweils bei unterbrechungswürdigen Regelverletzungen ihrer eigenen Spieler einschreiten. Das wäre mir das liebste, die Kinder regeln das Allermeiste gemeinsam, ab und an gibt es einen Hinweis des einen oder anderen Trainers, damit das Geschehen innerhalb der richtigen Grenzen bleibt. Natürlich ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass es funktioniert, dass keiner der beiden Trainer gewinndenkend ist.


    Für mich hat beides seine Wertigkeit, aber beides sind unterschiedliche Dinge. für mich brauch der Fussball, oder viel besser das fussballerbegeisterte Kind beides.


    Hmm.. Ich sehe es eher wie TW-Trainer, dadurch, dass von Beginn an ein Schiri das Spiel leitet, wird vielen Kindern schon im F-Alter suggeriert, teilweise sogar beigebracht, dass eine Aktion nur dann unfair ist, wenn der Schiri pfeift. Solange er das nicht tut, können also Grenzen ausgetestet werden. Und in der E-Jugend gibt es dann schon eine ganze Menge Kinder, die sich so benehmen, wie wir es uns eben nicht wünschen: bei jedem Ausball geht die Hand hoch, es wird geschauspielert, Grenzen werden bewusst strapaziert, Gegenspieler werden angemacht. Usw.


    Ich denke schon, dass das frühe Spiel ohne Schiri da helfen kann. Man müsste es aber konsequent mit Information der Beteiligten begleiten und nicht einfach nur vorschreiben.


    Ja, aber ganz wichtig ist auch das Selbstvertrauen, der Spieler muss daran glauben, dass er den Zweikampf wird gewinnen können. Und er darf keine Angst vor ihm haben, darf nicht davor zurück schrecken, auch getroffen zu werden, wenn er Pech hat. Du hast vollkommen Recht, Andre, die besten Abwehrspieler sind gleichzeitig die spritzigsten und reaktionsschnellsten, die ihren Gegner gut lesen können, den richtigen Moment erkennen, und dann den Ball scheinbar mühelos erobern. Der Thread-Ersteller hat aber viele Spieler, wie sie vermutlich viele Kindertrainer auch schon hatten: sie trauen sich einfach nicht an den Gegner ran, das Abwehrverhalten sieht alibihaft aus. Da mag die Kondition noch da sein, der feste Willen wird aber vom unterentwickelten Selbstbewusstsein torpediert, und die ausgeprägte Individualtaktik ist wahrscheinlich auch nicht so richtig da.



    Da bin ich völlig bei dir. In der Vergangenheit habe ich mich hier im Forum auch schon mehrfach darüber beklagt, dass einige Vereine und auch Schiedsrichter dazu beitragen, dass grenzwertige Aktionen oder solche, die aus meiner Sicht schon die Grenzen, wenn auch knapp, überschreiten, sanktioniert (im Sinne von "billigen, gutheißen") werden. Als einer der zwei Schiris, die zu unserem Kurs zum Trainer C-Breitenfußball kamen, sagte, er sei Anhänger des körperbetonten Spiels, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken...


    Ich denke man müsste zunächst mal klären, ob alle das gleiche meinen wenn sie von Körpereinsatz oder, wie ich, körperbetontem Spiel sprechen. [...] Unter körperbetontem Spiel verstehe ich den Einsatz desselbigen in fairer Weise. Nur darum geht es.


    Völlig richtig. Darüber hinaus ärgert es mich nicht, wenn meine Spieler in riskanten Situation auf das erlaubte Tackling zugunsten der Gesundheit des Gegenspielers verzichten. Oder wenn sie sich darum bemühen, durch geschickteres Verhalten eben keine Gefahr für den Gegenspieler herauf zu beschwören, z.B. indem sie sich dorthin bewegen, wo ein hoher Ball aufkommen wird und ihn nicht noch aufdotzen lassen, so dass es nicht zum von mir stets gefürchteten "Duell der hohen Beine" kommt.


    Und das gehört für mich zu den elementaren Dingen des Fußballs und ist Bestandteil vieler 1 vs. 1 Situation. Wenn z.B. ein Abwehrspieler den Ball abläuft muss er in der Lage sein, seinen Körper dazwischenzustellen, ohne das der Stürmer eine Chancen hat, doch noch an Ball zu kommen. Oder im Laufduell, wenn zwei nebeneinander hinter dem Ball herlaufen ist es aus meiner Sicht wichtig, standzuhalten und sich nicht wegschieben zu lassen. Wenn dann die Finte das ganze zum Vorteil beendet, um so besser, dann hat der Spieler vieles richtig gemacht.


    Stimmt, aber dazu gehört halt auch, dass der Spieler keine Angst davor hat, sich rein zu schieben oder mit seiner Schulter dagegen zu halten. Wenn sich Spieler das nicht trauen, laufen sie nur nebenher und attackieren im besten Fall irgendwann ziemlich plump mit einem langen Schritt, der dann oft noch ins Leere geht, weil sie einfach zu weit weg sind.


    Fußball ist kein körperloses Spiel und im Rahmen dessen, was Andre oben schreibt ("-soziale Kompetenz, Fachwissen, Einfühlungsvermögen und den angebrachten Ton mitbringt, etc.") kann und soll ein Trainer frühzeitig mit 1 vs. 1, oder 2 vs. 2 Situationen, oder auch Spielen auf kleinen Feldern auf 4 Tore, wo es viel Kontakt gibt etc. anfangen und zwar ohne die Kinder aufeinander losgehen zu lassen.


    Ihr habt völlig Recht, viele 1:1-Situationen sind anzustreben, keine Frage. Falls der Thread-Ersteller da noch Anregungen braucht: bei Coerver gibt es da auch viele entsprechende Übungen, die meinen Spielern viel Spaß gemacht haben.
    Im letzten Satz klingt aber noch so ein bisschen deine Kritik am oben von mir erwähnten Spiel heraus. Es geht natürlich nicht darum, "Kinder aufeinander losgehen zu lassen", Gott bewahre. Es geht vielmehr darum, ihnen auch solche Erfahrungen im Umgang mit ihrem Körper zu geben, die den Kontakt mit anderen Spielern beinhalten und die sie heute, im Gegensatz zu früher, zumeist nicht mehr machen. Und zwar unter kontrollierten Bedingungen. Eben damit sie merken, dass man sich beim Körperkontakt nicht immer weh tut, dass nicht jede sensorische Empfindung gleich Schmerz ist, dass man jemanden auch feste packen kann, ohne ihm weh zu tun. Sicher, ganz vermeiden lassen sich stumpfe Verletzungen dabei nicht, aber ich habe es bisher nie eine Verletzung erlebt, die länger als ein paar Minuten akut weh tat. Ganz selten gibt es mal einen blauen Fleck, allerdings eher seltener als beim Fußballspiel, wo der (unabsichtliche) Tritt in die Wade oder das Knie am Oberschenkel, wie ich meine, häufiger vorkommt.

    Ich denke auch, dass das Gespräch mit dem Trainer noch mit möglichst großer Unbefangenheit geführt werden sollte, und zwar ohne vorher mit dem Jugendleiter gesprochen zu haben. Das Hauptargument für einen gleichmäßigen Einsatz aller Spieler ist, dass man alle gleichermaßen fördern möchten sollte. Und wie Andre, meine ich, schon sagte, es gibt ja nicht nur schwere Gegner. Wenn man gegen schwächere Teams spielt, kann man mehr schwächere Spieler einsetzen, gegen stärkere nimmt man weniger von ihnen mit. Solange die Einsätze dabei ausgewogen bleiben, ist, wie ich meine, alles OK.


    Mich würde es nicht wundern, wenn der fragliche Trainer sich vom Erfolgsdruck der Eltern der starken Kinder und vielleicht auch des Vereins, wahrscheinlich auch den anderen Mannschaften, hat treiben lassen, und nun in der Erfolgsschiene drin ist. Das kann auch ganz schnell gehen, Siege machen unheimlich schnell süchtig... Wichtig wäre jetzt, dass er erkennt, dass er sich vermutlich in einer Sackgasse befindet, denn die Schere zwischen schwächeren und stärkeren Spielern wird sich weiter öffnen, wenn die Einsatzzeiten weiterhin in einem Missverhältnis stehen. Und dann wird er die schwächeren Spieler irgendwann ganz verlieren, und dann vielleicht keine Mannschaft mehr zusammen bekommen. Der einzige Ausweg daraus ist, so ein starkes Team zu kriegen, dass man (gute) Spieler aus anderen Mannschaften abwerben kann. Ob das sein Ziel oder das des Vereins ist?


    Ich kann übrigens bestätigen, dass die Stoppuhr durchaus nicht unpraktisch ist, eben, wie schon gesagt wurde, damit man als Trainer einen Leitfaden dafür hat, dass jeder Spieler ausreichend lange eingesetzt wird. Ich hatte mir in der letzten Saison, wir spielten 2 x 25 Minuten und ich hatte typischerweise zwei Auswechselspieler, die Strategie zurecht gelegt, dass ich zur Hälfte der Halbzeiten sowie in der Halbzeit gewechselt habe. D.h. nach ca. 12 Minuten kamen die zwei Spieler rein, die zu Spielbeginn draußen waren. Sie blieben auch über die Halbzeit drin. In der Halbzeit habe ich meistens zwei raus genommen, die die erste Halbzeit komplett gespielt hatten. In den letzten zwölf Minuten habe ich dann auf konditionelle Probleme, etc. reagiert. Das lief eigentlich ganz gut. Natürlich habe ich nicht exakt nach zwölf Minuten gewechselt, sondern den genauen Zeitpunkt vom Spiel abhängig gewählt, aber länger als 15 Minuten habe ich nie bis zum ersten Wechsel gewartet.


    Wenn man befürchtet, gegen Ende des Spiels Schwierigkeiten zu bekommen, einen oder mehrere starke Spieler runter nehmen zu müssen, so kann ich wieder nur empfehlen, sie zu Beginn des Spiels oder zumindest noch in der ersten Hälfte auszuwechseln, um sie gegen Ende auf dem Platz lassen zu können.

    Ich bin ja ein Befürworter von körperbetontem Spiel und 1 vs.1 Übungen, aber das was ich in diesem Video sehe hat nichts aber auch gar nichts mit F-lingen zu tun. Auch das von Dir angesprochenene "Festhalten" halte ich für bedenklich. Da würde heftig an Trikots gerissen, schwächere Kinder von hinten zu Boden weggezogen, oder beim losreißen die Arme im Gesicht landen. Ich glaube das würde mehr Tränen als Spaß verursachen, zumindest in der F. Vielleicht ab D-Jugend, wenn die Jungs ihre Kräfte besser einschätzen können und dann auch nur die "Festhalten-Methode".


    Ich habe es in der E erstmalig ausprobiert, glaube aber, dass es auch in der F gehen sollte. Man muss als Trainer halt aktiv dabei sein und gleich zu Beginn klären, was in Ordnung ist und was nicht. Dass z.B. Stoff nicht festgehalten werden darf, sondern nur Arme und Rumpf. Dass keine Checks erlaubt sind. Natürlich wirkt das Video martialisch, das Spiel für unbedarfte Beobachter evtl. auch. Für die Beteiligten ist es das in viel geringerem Umfang, es ist, wenn man die eben erwähnten Regeln hinzu nimmt, meiner Ansicht nach auf jeden Fall nicht härter als Fußball, eher weniger, weil es keine Tritte gibt. Aber man muss den engen Körperkontakt suchen und den anderen im Idealfall schnell umfassen, damit er nicht weiter kommt.


    Ich würde das Spiel auch nur auf weichem Boden spielen, da Stürze häufig vorkommen, allerdings kippen praktisch immer zwei Spieler gleichzeitig mit vergleichsweise wenig Tempo um, so dass man sich da auf Rasen eigentlich nicht verletzt.


    Es gibt unzählige Möglichkeiten, den Kindern im 1 vs.1 ein besseres Zweikampfverhalten zu lehren, wobei man sagen muss, dass bei solch kleinen Kindern das Durcheinander noch zum absolut normalen Spiel gehört.


    Sicher gibt es viele andere Möglichkeiten. Aber gerade zum Ablegen der Scheu vor dem Körperkontakt finde ich dieses Spiel nicht schlecht und kam darauf, weil ich selbst als Kind auf dem Pausenhof bzw. der Rasenfläche, die als solches diente, gerne gespielt habe.


    Ich würde übrigens sogar sagen, dass es besser ist, das Spiel früher einzuführen als in der D, damit die Kinder Erfahrung darin sammeln, was an Körpereinsatz OK ist und was zu weit geht. In der D wäre mir das zu spät, da würde ich eher mit Verletzungen rechnen, wenn sie sich nicht gut genug einschätzen können..


    Und außerdem wurde ja schon von Anderen auf körperbetontere Spiele wie Rugby hingewiesen... Da wollte ich den Hinweis auf British Bulldog, das ja recht ähnlich ist, für diejenigen, die es mal ausprobieren möchten, nicht unterschlagen. Wenn es für dich nichts ist, kein Thema. Aber es ist bei weitem nicht so hart, wie es in dem Video aussieht. Und es steht dem Trainer ja, wie gesagt, frei, die Regeln an seine Schützlinge anzupassen.


    hast Du zu dieser Übung ein Link...wäre cool!
    Alles was ich dazu finde ist irgendwie Käse... :D


    Ja, da gibt es jede Menge Videos von Hunden, das ist nicht das, was ich meine. Schau mal hier: https://www.youtube.com/watch?v=A59DLf4J5ys. Das ist ein British-Bulldog-Spiel der New Zealand All Blacks gegen die Irish Lions, bei dem auch in zwar nicht ganz fehlerfreiem, aber gut verständlichen englischen Einblendungen die Spielregeln erklärt werden.


    Ach ja, es hat auch den Namen "Last Man Standing", weil der letzte Läufer, der übrig bleibt, gewinnt und im nächsten Spiel erster Bulldog wird.

    Du musst mal schauen, ob es was für Euch ist, aber ich kannte aus meiner eigenen Kindheit das auf englischen Spiel zumindest damals beliebte Spiel "British Bulldog", wozu du auch auf YouTube Videos findest. Ich habe es in der E ab und an mal spielen lassen, wobei ich da von den Kindern kein Rugby-Tackling sehen wollte, sondern ein Läufer galt als gefangen, wenn ein Bulldog ihn drei Sekunden fest hielt. Mir hat das Spiel als Kind viel Spaß gemacht, man macht damit sicher nicht aus einem Kind, das eher zurückhaltend ist und den Körperkontakt scheut, einen Vollkontaktsportler, aber es hilft schon ein wenig. Ich finde, sie merken darüber auch, Grenzen des körperlichen Einsatzes einzuschätzen.

    Klar, guenter, der Ton macht die Musik. Aber massiven Unzuverlässigkeiten einzelner Eltern, durch die Kinder anderer Eltern, die gerne spielen würden, dazu in geringerem Maß kommen, sollte man als Trainer schon entgegen wirken. Sicher nicht im Kasernenhofton, mit erhobenem Zeigefinger und unter Androhung von Strafen, sondern über eine freundliche Vermittlung des Mannschafts- und Kameradschaftsgedankens, der positiven Werte Zuverlässigkeit und, im KiFu in geringerem Maße, Pünktlichkeit. Und ich denke, dass die allermeisten Erwachsenen es verstehen und nachvollziehen können, wenn ein Trainer sagt, dass, wenn ein Kind mehrmals hintereinander trotz Einladung zum Spiel unentschuldigt nicht erscheint, dann seine Motivation, es einzuplanen, sinkt. Umso mehr, wenn der Trainer sich erfolgreich um ein gutes Verhältnis zu möglichst allen Eltern bemüht. Dazu kann ich nur jedem Trainer raten, es erleichtert die Aufgabe ungemein.

    Von einer Telefonkette habe ich von vornherein Abstand genommen, weil ich stets befürchtete, dass sie irgendwo abreißen dürfte oder jemand eine falsche Familie anruft. Wir haben es meistens so gehandhabt, dass ein paar, konkret bis zu drei Leute sich die Liste aufgeteilt haben und jeder fünf bis sieben Familien informiert hat. Das ließ sich unter diesen dreien dann auch noch recht gut koordinieren. Das Problem ist, dass man telefonisch halt ein paar leider nur schlecht bzw. mit deutlicher Verzögerung erreicht. Diese können die Kette maßgeblich aufhalten, speziell, wenn sie weit vorne in der Liste stehen..

    Bei uns wurde das damals übrigens richtig kompliziert, weil unsere E1-2 unheimlich viele Spielverlegungen durchlebte. Das wird dann schnell sehr unübersichtlich, wenn Spieltag 3 erst nach Spieltag 5 kommt, und Spieltag 4 vielleicht sogar noch dazwischen stattfindet... Zum Glück war das eine Phase, in der niemand beim anderen Team aushelfen musste..

    Ich sehe das ähnlich wie Steini. Der letzte Pass ist super, aber ja auch 'nur' über eine Distanz von vielleicht vier oder fünf Metern und der Passempfänger befindet sich genau im Blickfeld des Ballführenden Spielers, d.h. nahezu zwischen ihm und dem Tor. Es ist toll, dass er so schlau ist, zu erkennen, dass der Mitspieler besser steht als er und dass er selbstlos den Ball zu diesem spielt. Aber es ist noch kein eingeübtes Passspiel im Sinne vom Spiel über den Dritten, Doppelpass, Spielverlagerung oder ähnlichem. Es ist eben das, was hoffentlich fast zwangsläufig entsteht, wenn man, wie du schreibst, viel 2:2 bis 4:4 spielt, hoffentlich auch häufig Minifußball oder ähnliche Spielformen. Insofern: :thumbup:

    Steini: Warum strebst du das 3:2:2:1 an? Mir kommt es zu tief vor. Wie interpretierst du es? Wird bspw. daraus bei gegnerischem Ballbesitz eher ein 3:4:1, sind die vorderen 2 Mittelfeldspieler (die zweite "2") Außen- und die hinteren 2 MF-Spieler quasi eine Doppel-Sechs?


    Vielen Dank ansonsten für den Erfahrungsbericht. Du schreibst, dass im 3:3:2 die Defensive sehr stabil stand, dass die Spielfeldbreite kein Problem darstellte. Bei uns gab es durchaus Probleme mit einer Dreierabwehr, das lag aber daran, dass sie halt oft keine Dreierabwehr war, weil ja einer oder sogar beide äußeren Verteidiger oft mit nach vorne gingen und nicht schnell genug zurück kamen. Es ist ja auch vollkommen in Ordnung, dass sie mit angreifen, speziell auf der Seite, auf der sich der Ball befindet, möchte man das ja auch haben. Und dann ist es zu erwarten, dass, wenn es dort zum Ballverlust kommt, der Verteidiger nicht selten vor dem Ball ist, so dass der zentrale Verteidiger auf die Seite, über die der gegnerische Konter kommt, laufen muss, um den Ballführenden zu stellen. Dadurch muss dann der Verteidiger der ballfernen Seite das Zentrum bzw. eigentlich sogar den zentralen Verteidiger absichern, so dass der Bereich vor dem langen Pfosten, jedoch immer noch im Zentrum, eigentlich zwangsläufig vakant ist. Da könnte dann der Mittelfeldaußen hinein stoßen, wenn er denn begreift, dass das sinnvoll wäre. Das ist bei unseren Spielern aber weniger der Fall...


    Andere Frage: verstehe ich richtig, Ihr spielt in der E-Jugend mit sieben Feldspielern? Bei uns sind es 'nur' sechs..

    die von Don zitierte Regelung des Hessichen Fussballverbandes spricht von höheren und unteren Mannschaften. meines Wissens nach bezieht sich das aber auf Mannschaften, die in aufstiegsberechtigten Ligen spielen. nicht Mannschaft 1,2,3 ist hier gemeint, sonderen die Klassenzugehörigkeit.
    Beispiel: B1 spielt Verbandsliga, B 2 Bezirksliga oder Gruppenliga. hier greift dann diese Regelung.


    Bei uns, in einem hessischen Kreis, ist das nicht so. Wir hatten in der vergangenen Saison zwei E1-Mannschaften, beide spielten in unterschiedlichen Kreisklassengruppen, darüber gab es noch eine Kreisliga. Eine musste als erste, die andere als zweite Mannschaft bezeichnet werden. Die Regelung hatte Bestand. So zumindest meine Info.


    Aber dein Rat, bei den konkret Verantwortlichen nachzufragen, ist sicherlich der beste. Bei uns ist das nur etwas schwierig, weil zumindest der Kreisjugendwart, der das Zepter ziemlich fest in der Hand zu halten scheint, es bevorzugt, seine Kommunikation auf die Jugendleiter zu beschränken, so dass man als Trainer immer über die Jugendleitung gehen muss, was dann unterschiedlich effektiv ist.

    allgemein zur Taktikdiskussion. ein herrliches Diskussionsthema für Trainer. bei der auch jeder Trainer seine ihm ureigene Fussballphylosphie unterbringen kann.


    Klar, als Amateur-Kloppi haben wir doch alle unseren Spaß :)



    Das sehe ich genauso. Insofern gehen IMHO die "Überlegungen und Gedanken" nicht zu weit, weil entscheidend ist, wie sie der Trainer den Spielern vermittelt und was er fordert oder, von mir aus auch, was er vorschlägt. Ich stimme dir vollkommen darin zu, dass das detaillierte Verhalten auf bestimmten Positionen in spezifischen Situationen nicht Ausbildungsinhalt sein sollte. Aber ich denke, es ist gut, wenn der Trainer eine Vorstellung davon hat, wo die Reise mal hin gehen soll, und dementsprechend seine Inhalte so entwirft, dass sie dem Ziel nicht widersprechen.


    In diesem Alter spielt es für mich da absolut keine Rolle. welches Spielsystem letzendlich gespielt wird, oder welches System für meine Mannschaft das beste ist (für mich ist das dann Leistungsdenken)


    Hmm, ja, aber genau deshalb bevorzuge ich doch das 4-3-1 gegenüber z.B. dem 3-3-2, weil ich eben finde, dass es das Leben und die Ausbildung sowohl für die Kids als auch den Trainer erleichtert.


    Ausbildung bedeutet möglichst vieles erlernen. Geschieht das noch in einem festgelegten System? Ist es nicht sinnvoller in diesen Ausbildungsjahren auch unterschiedliche Systeme mit weniger exakten Vorgaben und Erwartungen spielen zu lassen?


    Ich denke zunächst nein. Vielmehr bin ich der Meinung, dass häufig wechselnde Spielsysteme die Kinder verwirren und überfordern können. Beim 7er-Fußball, wie er bei uns bis zur E-Jugend inklusive gespielt wird, bevorzuge ich eindeutig das 3-3 vor einem möglichst mit spielenden Torhüter, weil ich meine, dass darin jeder Spieler stärker ins Spiel eingebunden ist als in Systemen mit drei Reihen. Und nun, in der D-Jugend, möchte ich meine noch junge Spieler nicht mit dem Wechsel zwischen verschiedenen Systemen verwirren und überfordern, sondern möglichst ein System wählen, das funktioniert und auch unter Ausbildungsgesichtspunkten sinnvoll ist. Da erscheint mir nach der Erfahrung von ein paar Spielen das 3-2-3-System als recht schwierig für meine Spieler: die Dreierkette ist aus meiner Sicht komplexer als die Viererkette (wenn man nicht sogar lieber von Reihen sprechen sollte, denn Kettenbewegungen kennen meine Spieler ja noch nicht), zusätzlich fiel unseren Spielern, die wir im Mittelfeld einsetzten, die Abstimmung sehr schwer. Da scheint mir das 4-3-1 als Grundaufstellung den Fähigkeiten von jungen D-Junioren mehr entgegen zu kommen.


    geh ich von dem hier Geschriebenen aus, entsteht bei mir jedoch der Eindruck, dass bereits bis ins letzte Detail ausgeklügelte Systeme eingefordert werden, wie man sie sich bei leistungsbezogenen Mannschaften vorstellt.


    Dann trügt der Eindruck. Aber es ist natürlich schon so, dass gruppen- und mannschaftstaktische Verhaltensweisen immer wichtiger werden, je mehr Spieler sich auf dem Platz befinden. Insofern ist es, so meine ich, auch nicht sinnvoll, sie gänzlich aus dem Training zu verbannen. Letztlich ist die Frage entscheidend, wie man diese Inhalte vermittelt. Natürlich muss man dabei die Spieler, wie man heute so gerne sagt, dort abholen, wo sie stehen, sprich den Ausgangspunkt nach ihrem aktuellen Niveau richten, Schritt für Schritt vorgehen, und die Vermittlungstechnik kind- bzw. jugendlichengerecht gestalten. Und den Spielern auch Zeit lässt, selbst Erfahrungen zu sammeln, damit sie lernen, selber einzuschätzen, was wie wann und wo besser oder auch schlechter funktioniert.


    Aber es ist schon so, und das entspricht durchaus auch der Weins-Denke, wie Andre sagt, dass man Kindern, wenn sie älter werden, durchaus als Trainer auch etwas beibringen kann, dass sie eben von sich aus nur bedingt kreativ sind, wenn man als Trainer keine Impulse setzt, so zumindest meine bisherige Erfahrung. In diesem Zusammenhang würden mich Dirk Coerverfans Methoden und Kinder sehr interessieren, weil in einigen seiner Beiträgen ja andere Erfahrungen und Überzeugungen durchklingen, was für mich im Moment aber noch zu gut, um wirklich wahr zu sein, klingt. Aber wieder zurück zu dem Punkt, den ich gerade machen möchte: es ist sicher nicht unser Thema, im Training mannschaftstaktische Überlegungen anzustellen, Laufwege einzuüben oder ähnliches. Aber die Vermittlung, am besten in gemeinsamer Erarbeitung, von geschickten und weniger geschickten Verhaltensweisen unter Berücksichtigung von Ort und Situation im Spiel durchaus.


    auch ich hab mich stets mit taktischen augeklügelten Überlegungen befasst, diese dann jedoch in der Praxis erheblich zurückgefahren.


    Was das Spiel unseres Teams anbelangt, so sind meine taktischen Überlegungen ziemlich elementar, siehe die Aufzählung in einem vorherigen Beitrag. Das sind die konkreten taktischen Überlegungen, die wir unserem Team mitteilen. Ganz sicher aber keine Laufwege, Vorschriften über Abstände, etc.


    nach mir kamen andere Trainer, mit anderen taktischen Überlegungen, einer anderen Phylosphie. die von mir nicht einseitig taktisch geschulten Jungs, hatten wenig Probleme sich da umzustellen. bis zu Beginn der C-Jugend standen die Grundschulungen der Taktik im Vordergrund, nicht die Details, die kommen später.


    Tja, was soll ich sagen, damit rennst du bei mir offene Türen ein.


    die taktische Marschrichtung wird für mich im Kinder- und unteren Jugendfussball eindeutig zu hoch gehangen, zumindest sehen viele Beiträge hier so aus.


    Vielleicht nennst du dann diese Beiträge und die konkreten Passagen dann mal direkt, damit wir wissen, woran du dich störst. Über diffuse Eindrücke lässt sich leider nur schwerlich diskutieren -- und das meine ich im eigentlichen Wortsinne, nicht im Sinne von streiten.


    irgendwie ist das für mich ein Widerspruch zu sonstigen Forderungen die für diese Altersgruppe berechtigterweise hier immer wieder gestellt werden. aber jeder hat ja seine eigeine Fussballphylosophie. das ist auch gut so.


    Das sollten sie nicht. Aber es ist halt so, dass der Weg von der G- bis zur A-Jugend ja einen stetigen Entwicklungsprozess darstellt. Da sind die Übergänge in der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen fließend, ebenso müssen es auch die Inhalte sein. Ich bin absolut für die von dir propagierte ganzheitliche Förderung junger Fußballspieler. Ich behaupte sogar, dass die aus meiner alten Mannschaft stammenden Spieler in dem neuen Team in dieser Hinsicht besser dran waren als die Spieler, die aus den anderen zwei Teams kamen. Aber gerade sie darf ich dann auch nicht gleich überfahren, indem ich bspw. eine Spielerin, die in den letzten vier Jahren ausschließlich defensiv gespielt hat, als Stürmer aufbiete. Ich muss sie vielmehr allmählich fördern, ihre technischen Fähigkeiten am Ball fördern und sie sich z.B. gegen schwächere Gegner auch mal offensiv versuchen lassen, damit da nicht alles in die Hose geht und sie gleich wieder die Segel streicht.
    Wobei ich da in dem neuen Team durchaus den Spagat zwischen meinen ausbildungstechnischen Idealen und dem durchaus von Vereinsseite vorhandenen Erfolgswunsch im Sinne von Siegen und Punkten hin bekommen muss.

    Don Quijote: Danke für die Anerkennung. :)


    Steini: Ja, Eure Erfahrungen würden mich dann sehr interessieren. Allerdings muss man den Kindern bei Umstellungen wie der vom 7er- zum 9er-Fußball, dem Abseits und dem zumindest deutlich breiteren Feld ja auch eine Weile geben, um sich einzugewöhnen. Deshalb hatten wir auch erst einmal ein paar Spiele im 3:2:3 gespielt. Aber da hatte mir unsere Abwehr nie richtig gefallen. Man möchte da ja eigentlich, dass sich auch einer der Außenverteidiger in den Angriff einschaltet, während die zwei anderen Verteidiger das Team absichern. Die Koordination, wer mit nach vorne geht, war unseren Spielern ziemlich schwer gefallen, so dass oft nur der zentrale Verteidiger hinten übrig war oder aber alle drei... Das sieht mit den getrennten Aufgaben von Außen- und Innenverteidigern für meine Begriffe bei uns inzwischen schon besser aus. Da bei uns in der Regel die komplette Spielfeldbreite genutzt wird, können vier Spieler den gefährlichen Raum auch besser abdecken als drei. Dazu kommt, dass es nicht selten vorkommt, dass die Angreifer einen unserer Außenverteidiger schon überlaufen haben, wenn wir den Ball im Spielaufbau (falls man überhaupt davon sprechen kann) verlieren, so dass der ballnahe Innenverteidiger übernehmen muss und seinen Partner, d.h. den anderen IV, mit auf die Ballseite zieht, so dass hinter ihnen eine Lücke vor dem Tor entsteht. Der ballferne Außenverteidiger der Viererkette kann diese Lücke schnell schließen, bevor der ballnahe AV hoffentlich bald wieder da ist und auch der Sechser hinzu gekommen ist, um das besonders gefährdete Zentrum zu besetzen.


    Naja, wir haben jetzt erst einmal eine Spielpause, mal sehen, wie es beim nächsten Spiel aussieht.

    Wie viele E2-Kinder dürfen zum Beispiel bei der E3 aushelfen und welchen Einschränkungen unterstehen sie nach diesem Spieltag?


    Wenn deine Frage sich auf die von Don Quijote genannten Regeln des Hessischen Fußballverbands bezieht, dann ist da so:

    • Von den Spielern, die im letzten Pflichtspiel der E2 eingesetzt wurden, darf einer im nächsten Pflichtspiel der E3 eingesetzt werden.
    • Spieler der E2, die im letzten Pflichtspiel (der E2) nicht eingesetzt wurden, dürfen im nächsten Pflichtspiel der E3 spielen


    Wie Don Quijote schon sagte, muss man mit dem Aushelfen aber zusätzlich aufpassen, dass Spieler der E3 nicht zu oft in der E2 spielen (maximal fünf mal), da sie sonst in den letzten vier Spieltagen der Saison nicht mehr für die E3 spielen dürfen.


    Ich weiß nicht, wie das Aushelfen über eine Mannschaft hinweg geregelt ist, also z.B. E1-Spieler in E3 und umgekehrt. Vom Alter her würde da ja noch alles passen, aber ob das erlaubt ist, weiß ich nicht, die Frage stellte sich bei uns nie.


    Zu obigen Ausführungen vielleicht ein Beispiel. Angenommen, du hast neun E2-Spieler, nennen wir sie E21 bis E29, und ebenso viele E3-Spieler, E31 bis E39. Am fünften Spieltag haben alle E2-Spieler für ihre Mannschaft gespielt. Am sechsten Spieltag darf dann einE2-Spieler in der E3 aushelfen, also bspw. Spieler E21. Spieler E22 bis E29 dürfen das dann nicht.


    Ein anderes Beispiel mit den selben Teams. Angenommen, am dritten Spieltag herrscht in der E2 Spielermangel, so dass zwei E3-Spieler dort aushelfen sollen. Dann sieht die E2-Mannschaft dann z.B. so aus: E21, E22, E23, E24, E25, E31, E32. Die E3 spielt ihr Spiel an dem Tag mit den verbleibenden sieben Spielern also mit E33 bis E39. Dann darf am vierten Spieltag nur einer der Spieler E31 und E32 wieder für die E3 spielen. Der andere könnte nochmals mit der E2 auflaufen und am fünften Spieltag zu seinem Team zurück kehren. Die Spieler der E2, die am dritten Spieltag gar nicht gespielt haben, dürfen alle am vierten Spieltag für die E3 spielen, sollte das gewünscht sein.


    Wir hatten mit dieser Regelung in der letzten Saison zu tun, als wir zwei Ecke auf Kante genähte E-Mannschaften meldeten, da musste an einigen Terminen hin und her ausgeholfen werden. Zum Glück reichte immer ein Spieler, so dass wir nie mit der Regel in Konflikt gerieten. Aber einmal wurde es ganz schön haarig: am ersten Spieltag waren gleich zwei Spieler des einen Teams verhindert, also half einer des anderen Teams aus. Tags darauf entdeckten wir zufällig, dass die zweite Mannschaft unter der Woche kurzfristig ein Pokalspiel zugewiesen bekommen hatte, das vorher nicht auf dem Schirm gewesen war. Aufgrund der kurzfristigen Ansetzung des Spiels sah es erst einmal so aus, als hätte die zweite Mannschaft in Personalnot geraten können, aber nur ein Spieler der ersten hätte dort aushelfen können, das wäre dann aber ja gerade der Spieler gewesen, der gerade in der ersten ausgeholfen hatte. Es hätte also tatsächlich kein Spieler der ersten in der zweiten Mannschaft aushelfen können... Zum Glück konnten am Ende doch genügend Spieler der Zweiten, aber da haben wir kurz mal geschwitzt...

    Ich möchte diesen Thread mal unter den Eindrücken unseres Saisonbeginns im D9 wieder beleben und würde mich freuen, wenn andere D-Junioren-Trainer ihre Erkenntnisse teilen würden. Dazu mache ich natürlich den Anfang:


    Ich bilde mit einem jüngeren Kollegen ein neues Trainerteam einer eher leistungsstarken und auch ambitionierteren D-Jugendmannschaft, die nur aus Jungjahrgängen besteht. Mein Kollege hat mit seiner alten Mannschaft, die inzwischen ein anderer Trainer übernommen hat, bereits eine Saison D9 hinter sich, in der er im 3:2:3 spielen ließ. Ich gab ihm auch mal den Link zum MFS-Video mit den Systemen 4:4 defensiv, 2:3:3 offensiv, wir haben das auch diskutiert, aber es war uns Ende letzter Saison, als wir ein paar Testspiele hatten, noch zu anspruchsvoll. Das 3:2:3 klappte auch gar nicht schlecht. Dennoch reizte mich der Gedanke der Viererketten und des ballorientierten Verteidigens weiterhin, hatte ich doch in der letzten E-Jugendsaison einige Mühe darauf verwendet, den Kindern zu vermitteln, dass alle gemeinsam angreifen wie verteidigen, und dabei im 3:3-System durchaus einige Erfolge erzielt. Da kam mir das 3:2:3 eher wie ein Rückschritt vor, zumal zwei Dritteln der neu gebildeten Mannschaft eben nicht das geschlossene Verteidigen als Mannschaft vermittelt worden war. Dort herrschte stattdessen mehr oder weniger ausgeprägte Positionsfixierung vor, welche meinem Ideal der ganzheitlichen Ausbildung junger Fußballspieler ein deutlicher Dorn im Auge ist.


    Ich nahm also meine Grübeleien mit in den Urlaub, zusammen mit ein paar ausgedruckten Artikeln von Martin Hasenpflugs Seite [ul]http://www.abwehrkette.de[/url] sowie zwei seiner Bücher. Speziell fand ich den unter http://www.abwehrkette.de/taktik-d-jugend/ verfügbaren Beitrag sowie seine Ausführungen zum Pressing interessant. Nun ist Pressing sicher noch kein Thema für meine Mannschaft, aber es ist sicher ein fernes Ziel, zu dem ich gerne einen passenden Weg einschlagen möchte. Und die mir bis dahin so attraktiv, aber auch vor allem wegen der mit den Umschaltvorgängen verbundenen Wechseln zwischen offensiver und defensiver taktischen Aufstellung, erscheinende D9-Taktik der Münchner Fußballschule (s. https://www.youtube.com/watch?v=twxnL0aiIvw, https://www.youtube.com/watch?v=9SsFiVMbZz8 und https://www.youtube.com/watch?v=ZbeXT20Geag) zeigte neben ihrer Komplexität ein weiteres Defizit: mit zwei Viererketten kann man keinen Druck auf den gegnerischen Spielaufbau ausüben, was macht man also, wenn man in Rückstand gerät und Druck machen muss? Denn letztlich ist die Viererkette ein reagierendes Gebilde, wenn sich mein Team bei gegnerischem Abstoß vom Tor in zwei Viererketten aufbaut, so können letztlich die gegnerischen Verteidiger sich den Ball bis in alle Ewigkeit hin- und herspielen, während im Idealfall meine vordere Viererkette immer schon brav mit schiebt und abwechselnd ihre verschiedenen Spieler zum Gegner aufrücken, um sich wieder fallen zu lassen, wenn er den Ball zur nächsten Station spielt. Das kann ja nicht erstrebenswert sein. So ist das 4:4 von der MFS vermutlich auch nicht gemeint, sie streben es vermutlich eher bei Ballverlust im Spiel an. Nur macht das die Geschichte für das Team ja noch komplizierter. Sie müssen jetzt nicht nur verstehen, dass sie defensiv ins 4:4 kommen müssen, wohlgemerkt ohne bisher Kettenbewegungen überhaupt zu kennen, und offensiv aufs 2:3:3 umschalten müssen, was für alle Spieler außer den Innenverteidigern eine Herausforderung darstellt. Sie müssen sogar auch noch den gegnerischen Abstoß oder den gegnerischen Spielaufbau als abweichende Situation erlernen, in der sie sich wiederum anders verhalten müssen.


    Da schien mir das von Martin Hasenpflug vorgeschlagene 4:3:1 doch einen Versuch wert, wobei es mir zunächst einmal nur um die Grundaufstellung und die Basics ging, also:

    • Abwehr mit vier Spielern, die in der Defensive ziemlich auf einer Höhe stehen sollten und zur Ballseite verschieben
    • Der zentrale Mittelfeldspieler unterstützt maßgeblich die Abwehr im Zentrum
    • Die Mittelfeldaußen arbeiten mit nach hinten und doppeln nach Möglichkeit auf dem Flügel (im Ggs. zu Hasenpflug)
    • Der Stürmer bleibt hoch, um dem Gegner das Verdichten des Mittelfelds zu erschweren und bietet sich für den Fall der Balleroberung an
    • Bei Ballbesitz greifen die AV über die Flügel mit an
    • Die IV arbeiten als Pärchen und stimmen sich ständig ab
    • Die IV schieben bis zur Mittellinie vor, um den Gegner zurück zu drängen


    Es klappte im ersten Testspiel erstaunlich gut, insbesondere war schön zu beobachten, dass sich die Abstimmung der Mannschaft in der Defensive mit zunehmender Spieldauer selbstständig stetig verbesserte, wobei wir die Halbzeitpause nutzten, um hier mit ein paar Erläuterungen zu unterstützen. Die Außenverteidiger taten und tun sich auch noch ein bisschen schwer mit der Abwägung zwischen Offensive und Defensive. Und viele unserer Spieler sind noch nicht ausreichend auf schnelles Umschalten in die Defensive gepolt, so dass es nach dem zu leichten ersten Pflichtspiel gegen einen sehr schwachen Gegner zur Katastrophe gegen ein körperlich sehr präsentes Team kam, welches das Mttelfeld immer schnell überbrückte und mir vier Spielern vorstieß. Unser Mittelfeld kam nicht oder nicht schnell genug zurück, schon gibt es im günstigsten Fall nur noch eine Gleichzahl für unsere Abwehr. Gekoppelt mit den Schwierigkeiten der AV kam es aber für unsere IV zu einigen Unterzahlsituationen, am Ende stand es leider 0:3, obwohl der Gegner nicht wirklich stärker war... Aber das ist OK, erstens wegen der Goldenen Ananas und zweitens, weil sich so leichter vermitteln lässt, dass unsere Spieler noch dazu lernen müssen.


    Aber ich sehe durchaus auch Fortschritte in allen Mannschaftsteilen, ich denke, den AV kommt gegenüber der Dreierkette die klarere Aufgabe entgegen: in der Dreierkette sind sie mal Innen-, mal Außenverteidiger, mal sollen sie mit nach vorne gehen, mal nicht. Das ist in der Viererkette einfacher: sie sollen sich immer in die Offensive einschalten, wenn sie genügend Luft für den anschließenden, schnellen Weg zurück haben. Der Stürmer und der Sechser haben auch eindeutigere Aufgaben, ersterer muss immer die gegnerische Abwehr beschäftigen, während zweiter für Spielaufbau und -verlagerung, Schüsse aus zweiter Reihe sowie, und zwar last, but definitely not least, die Sicherung des Zentrums und die Unterstützung der IV. Bei der MFS müssen sich Sechser und Stürmer (10er?) immer situationsgemäß und unter hohem Zeitdruck in die vordere Vierekette einfinden, ich befürchte, dass das im richtigen Spiel so gut wie nie klappen wird und nur unnötig Frust erzeugt...


    Sicher stehen wir nun vor der Herausforderung, unsere Spieler einerseits mit gruppen- und mannschaftstaktischen Inhalten weder zu überfrachten noch zu überfordern. Andererseits ist es mit acht Feldspielern nicht mehr so einfach möglich, sämtliches Zusammenspiel dem Zufall und den ureigenen Neigungen der Kinder zu überlassen. Wir versuchen uns am Grat der möglichst guten Kombination von Fördern und Fordern, ich hoffe, dass es weiterhin klappt.


    P.S.tobn...an dich noch eine Frage von mir


    ...du sagst...alle hinter den Ball bekommen...habe ich im Grunde so verstanden....dennoch die Frage: Kommen/sollten bei dir Alle hinter den Ball...also auch der/die Stürmer...und das auch dann, wenn der Ball z.B. vom Gegner bereits 10 Meter hinter der Mittelinie ist? Ich habe hier gedacht, dass das eher die Frage der Art des Pressings ist und das theretisch richtig und wünschenswert ist, ABER....vorraussichtlich zu schwierig für eine U 12./sehe ich das falsch?


    Gute Frage, Andre. Tatsächlich muss ich hier auch zwischen dem Spiel im Training oder dem 6+1:6+1 und dem bei meinem Team ja inzwischen in Pflichtspielen vorgesehenen D9 unterscheiden. Die Maßgabe, dass jeder eigene Spieler sich bemühen sollte, bei gegnerischem Ballbesitz schnellstmöglich hinter den Ball zu kommen, wende ich hauptsächlich im Training und im 7er-Fußball an. Mir geht es dabei vor allem darum, dass die Kinder merken, dass sie viel weniger Gegentore bekommen, wenn alle schnell auf Abwehr umschalten und sich hinter den Ball begeben, dass es dadurch für den Gegner eng und dadurch schwierig wird, zu unserem Tor zu kommen. Das hat in einem Training sehr endrucksvoll geklappt, ich hatte selbst auch mit gespielt. Mein Team bekam in den ersten zehn Minuten des Kicks drei oder vier Gegentore aus Überzahlsituationen des Gegners. Das reichte mir dann und ich habe dann von allen Spielern in meinem Team gefordert, dass sie bei gegnerischem Ballbesitz pronto hinter den Ball zu kommen haben. Die nächsten zehn Minuten bis zum Spielende kassierten wir kein einziges Tor mehr. Das war dann natürlich eine Steilvorlage für die Frage- und Antwortrunde in der anschließenden Trinkpause. Ich hatte das Ganze nicht geplant, aber ich glaube, es war gerade bei dem einen oder anderen, der sich mehr für die Offensive interessiert und sich aber auch seiner Defensivqualitäten unsicher ist und auch deshalb den Rückwärtsgang ein wenig scheut -- Stichwort: es könnte ja schief gehen --, die Augen dafür geöffnet hat, dass auch im Fußball der Beitrag jedes Einzelnen für das Team wichtig ist.


    Diese Episode stammt noch aus der letzten Saison, inzwischen trainiere ich eine Mannschaft, die zu zwei Dritteln aus Spielern besteht, die sie nicht erlebt haben und die (nicht nur) in der letzten Saison deutlich positionsfixierter gespielt haben als meine Schützlinge. Die Saison ist noch nicht so alt, die Mannschaft und das Trainerteam finden sich noch. Aber mittlerweile glaube ich, auch die mir neuen Spieler einigermaßen einschätzen zu können, so dass wir inzwischen Umschaltvorgänge zum Thema machen können und wissen, auf welche Spieler wir dabei wie stark achten müssen. Grundsätzlich möchte ich, dass jeder Spieler verinnerlicht, dass bei Ballverlust des Teams schnell der Rückwärtsgang eingeschaltet werden muss, d.h. es muss unverzüglich die persönliche Offensivaktion abgebrochen werden. Wenn sie am Ende der Entwicklung angekommen sind, können die Spieler dann schnell beurteilen, ob sie z.B. überhaupt noch eingreifen können (die die gegnerischen Verteidiger weit zurück drängende Sturmspitze kann bei einem Ballverlust des Sechsers im Spielaufbau z.B. nur noch ganz wenig bis gar nicht helfen..) oder, als weiteres Beispiel, dass das eigene Team in Ballnähe weiterhin in Überzahl ist und so die Balleroberung wahrscheinlich ist, so dass ein Zocken auf einen eigenen schnellen Angriff vielversprechend erscheint. Aber so weit sind meine Spieler, d.h. junge D-Junioren noch nicht. Nach meiner Erfahrung schleicht sich bei Kinder auch das Positionsdenken ein, wenn man als Trainer nicht aktiv dagegen arbeitet. So ist bei den mir neuen Spielern in unserem Team die Denke verbreitet, dass fast nur die Abwehr und der Torhüter für das Verhindern von Gegentoren zuständig ist. Um dem entgegen zu wirken, gibt es jetzt im Training erst mal die Vorgabe, dass alle Spieler die Umschaltvorgänge mit machen sollen, wir üben das zur Zeit noch über Belohnung und Bestrafung in Form von mehr oder weniger zählenden Toren bei Spielern in gegnerischer bzw. eigener Hälfte.


    Im Pflicht- oder Neunerspiel sieht die Mannschaftstaktik aber durchaus anders aus. Wir haben zur neuen Saison das 4:3:1 von http://www.abwehrkette.de/taktik-d-jugend/ ausprobiert und für gut befunden (mehr werde ich dazu noch in dem alten Thread von Aufstellungen im D9 schreiben). Da wir irgendwann zum Pressing kommen wollen, möchte ich dem Stürmer nicht mühevoll anerziehen, sich in die Abwehrarbeit einzuschalten, um es ihm irgendwann wieder mühevoll austreiben zu müssen. Da möchten wir also, dass sich bei Ballverlust sieben Spieler so schnell sie können hinter den Ball begeben, der Stürmer bleibt dabei außen vor. Er hat aber die Aufgabe, sich eine möglichst vielversprechende Lücke zu suchen, wo er als Anspielstation nach der erhofften Balleroberung zur Verfügung steht. Er soll tatsächlich zusätzlich nicht viel weiter zurück kommen als bis zur Mittellinie, um die gegnerische Abwehr zu binden und dem Gegner es zu erschweren, das Mittelfeld richtig dicht zu machen. Das ist alles schon ziemlich viel, ich weiß, wir fordern das auch nicht ein, sondern regen eher dazu an. Aber das ist quasi das Ziel: mit sieben Mann (bzw. bei uns auch oft mit sechs Mann und einer Frau) gegen den Ball arbeiten, während einer für die anschließende Entlastung sorgt.


    Für das mannschaftliche Defensivverhalten ist, wie gesagt, erst einmal das Ziel, dass alle Spieler das schnelle Umschalten in die Defensive erlernen und sich daran gewöhnen, es zu beherzigen, und zwar auch dann, wenn die Beine anfangen, etwas schwerer zu werden und das erste Adrenalin verfolgen ist, wenn sich also der innere Schweinehund zu manifestieren beginnt. Wenn das klappt, ist schon viel gewonnen, wie ich meine. Und dann gucken wir mal weiter.