Zum Thema Rotation möchte ich noch kurz meine Erfahrungen beisteuern. Ich habe in der zweiten Saisonhälfte der E2 damit begonnen, vorher hatten einige Spieler Gewohnheitspositionen, die sie gut und scheinbar auch ganz gerne besetzten, einige wurden auf verschiedenen Positionen eingesetzt, weil sie recht universell waren, und einige wurden leider auch ein bisschen hin und her geschoben und füllten, wenn man es böse ausdrücken möchte, die Lücken aus. Hmm, eigentlich war es für diese Spieler noch ganz OK, sie haben durchaus mal mehr defensiv und mal mehr offensiv spielen sollen. Blöd war es tatsächlich eher für die, zum Glück wenigen, Spieler, die fast nur defensiv eingesetzt wurden.
Unsere Grundaufstellung war in der F ein 1-2-1-2, in der E2 dann ein 2-3-1. Daraus ergab sich mehr oder weniger zwangsläufig, dass die halbe Mannschaft primär defensiv oder hauptsächlich offensiv ausgerichtet war. Ich änderte dann die Grundaufstellung ins 3-3 und gab gleichzeitig die Parole aus, dass alle gemeinsam angreifen wie verteidigen sollen. Durch die flache Aufstellung wurden wir natürlich nun häufiger mal überspielt, aber ich meine, den allermeisten Kindern kam die Vereinfachung entgegen: es gab nun nicht mehr drei bis fünf verschiedene Positionen und damit verbundene Profile, sondern nur noch zwei bis vier: vorne oder hinten, evtl. dazu noch außen vs. zentral. Vorher gab es hinten, mitte, vorne, teilweise noch mit der Unterscheidung zentral/außen.
Wir haben dann viel Minifußball gespielt und in größeren Trainingsspielen (7 gegen 7) alle paar Minuten alle Positionen getauscht, typischerweise reihum, d.h. Torhüter ging nach hinten links, die hintere Reihe verschob jeweils um einen nach rechts, der RAV wurde RA, die vordere Reihe verschob um eins nach links, und der LA ging ins Tor. Anfangs gab es ab und an noch etwas Verwirrung, aber die Jungs haben es erstaunlich schnell hin bekommen, sich auf alle Positionen einzustellen. Natürlich sieht man weiterhin Unterschiede, dem einen liegt natürlich weiterhin die Offensive oder Defensive mehr. Aber sie sammelten alle sichtbar Erfahrung in den verschiedenen Rollen und konnten sich bald recht schnell umstellen.
Da wir im Spielbetrieb mit zwei Mannschaften gemeldet waren, jede dieser Mannschaften (fürs 6+1) aber aus nur neun Spielern bestand, mussten wir auch innerhalb von Spielen zumindest teilweise Positionsrotation betreiben, sonst hätten vier Feldspieler durchspielen müssen, während die anderen vier jeweils nur eine Halbzeit hätten spielen können. Auch aus kondtioneller Sicht waren da gleichmäßigere Wechsel die bessere Option. Wie in anderen Threads schon erwähnt, wechselten wir häufig auch zur Halbzeit im Tor. Das klappte insgesamt auch sehr gut, wobei ich hier die bekanntermaßen schwächeren Torhüter auch gegen eher schwächere Teams stellte. Da bei uns die stärkeren Torhüter gleichzeitig auch eher stärkere Feldspieler waren, hatten die schwächeren Torhüter außerdem den Vorteil einer besseren Abwehr vor ihnen.
Ich möchte Steini darin beipflichten, dass die Rotation für alle Spieler von Vorteil ist. Da ich nun eine D-Jugendmannschaft betreue, die neben Spielern, die ich bereits vorher trainierte, zu zwei Dritteln aus Spielern besteht, die vorher deutlich positionsfixierter und in tieferen Systemen eingesetzt wurden, muss ich feststellen, dass diese 'fremden' Spieler deutlich weniger flexibel sind und stärker ausgeprägte Defizite aufweisen, die einen im offensiven, die anderen im defensiven Bereich. Das empfinde ich durchaus als Nachteil, sowohl für die Spieler als auch für die Mannschaft. Fiel ein Spieler letztes Jahr aus, so spielte es (bis auf jeweils eine Ausnahme in jeder Mannschaft) keine Rolle, wer fehlte. Im jetzigen Team ist das noch durchaus anders..