Ich muss zwischen der letzten Saison unterscheiden (E1-Jugend, E7), als ich alleine am Rand stand, und dieser (D2-Jugend, D9), in der ich einen Mittrainer habe, mit dem ich Ein- und Auswechslungen abstimme. Ich hatte und habe nahezu ausschließlich Spieler des Jahrgangs 2001.
Wie rotiert ihr? Während des Spiels? In der Halbzeit? Jedes Spiel? So wie Steini über 2-3 Spiele oder gar in noch größeren Intervallen?
E7: Sowohl während des Spiels als auch in der Halbzeit. Wir spielten 3-3, es gab ein paar Spieler, die darin alle Positionen bekleiden konnten und durften, einige setzte ich hingegen nur außen ein, zumindest hinten. Wichtigste Position war die hintere zentrale, der Spieler dort musste ja quasi unser Spiel zusammen halten, ähnlich wie es auf dem großfeld das defensive Mittelfeld ist. Für diese Position hatte ich vier Kandidaten (von neun Spielern im Team). Auf den übrigen fünf Positionen wurde jeder mal eingesetzt, wobei ich einen Spieler hatte, der etwas mehr vorne zentral spielte, und einen, den ich nach einem Gespräch mit ihm nur noch hinten außen spielen ließ. Ersterer war unser Mannschaftsküken, ein junger 2002er, der selbst für sein Alter klein war, und für den die Defensive gegen ein Jahr ältere und zumeist einen Kopf größere Gegenspieler entsprechend schwierig war. Der andere Spieler hatte drei Jahre mit dem Fußball ausgesetzt und war von einem anderen Verein gekommen, wo es ihm nicht gut ergangen war. Er war technisch völlig hinten dran und in der Offensive gelang ihm daher leider nur sehr wenig, er agierte dort auch unheimlich nervös. Also suchte ich das Gespräch mit ihm, in dem er dann sagte, ihm wäre es lieber, wenn er nur hinten spielen dürfe. Alle anderen meiner Spieler war es lieber, wenn sie offensiv sein durften. Im Tor haben wir meistens von Halbzeit zu Halbzeit rotiert, so dass jeder Spieler im Verlauf der Saison zumindest eine Halbzeit im Tor verbracht hatte. Einigen machte die Aufgabe im Tor mehr Spaß als den anderen, sie hatten am Ende bis zu fünf oder sechs Halbzeiten im Tor verbracht.
Ich versuchte also, die Fähigkeiten und Interessen der Spieler mit dem Gedanken der Rotation auf allen Positionen in Einklang zu bringen. Das klappte, wie ich meine, eigentlich ganz gut. Zumindest bin ich der Meinung, dass die Mannschaft (und auch die Eltern) die Rotation am Ende als sinnvoll und auch gerecht empfand.
D9: In dieser Saison rotieren wir bisher weniger, als ich es in der letzten Saison tat. Das hat mehrere Gründe:
- Mein Mittrainer ist ergebnisorientierter als ich und der Rotation gegenüber noch skeptisch eingestellt
- Bis auf meine alten (fünf von sechzehn im jetzigen Kader) sind unsere Spieler die Rotation nicht gewöhnt, so dass die gewohnheitsmäßigen Stürmer noch überhaupt keine Lust haben, in die Defensive zu wechseln. Außerdem interpretierten sie zumindest zu Saisonbeginn die Offensiv- und Defensivpositionen noch sehr ausgeprägt, d.h. diejenigen, die sich als Stürmer fühlten, beteiligten sich überhaupt nicht an der Defensivarbeit, die Abwehrspieler blieben nur hinten stehen. Das bessert sich inzwischen zwar unter intensivem Coaching-Einsatz, aber eine radikale Rotation würde erst einmal das Gefüge deutlich stören.
- Im D9 gibt es mehr Positionen als im E7 (zumindest, wenn man in letzterem 3-3 spielt) und die Aufgaben werden auch spezifischer. Es gilt zwar immer noch die Devise, dass die Mannschaft gemeinsam angreifen wie verteidigen soll, die Methodik dazu ist aber auf den unterschiedlichen Positionen differenzierter als im 7er-Fußball, zumal D-Junioren auch zu mehr taktischen Verhaltensweisen fähig sind als E-Jugendliche.
Ich strebe durchaus an, dass alle unsere Spieler sich auf fast allen Positionen zurecht finden können. Allerdings halte ich einen etwas behutsameren Weg als in der E-Jugend für angebracht, vor allem, weil ein Großteil der Spieler eben noch nicht so vielfältig eingesetzt wurde, wie es die meisten Spieler schon waren, als ich die Rotation zum festen Bestandteil der Aufstellung in Pflichtspielen machte.
Jetzt haben wir einen festen Torhüter, er ist auch als Torhüter am DFB-Stützpunkt. Die übrigen Spieler sind zwar auch im Training alle abwechselnd im Tor, er spielt im Training auch auf dem Feld, aber in den Pflichtspielen ist eigentlich nur er im Tor. Als er einmal nicht konnte, hat mein Mittrainer den Ersatzkeeper der D1 ausgeliehen, was für ihn eigentlich ganz gut war, da er in seiner Mannschaft wohl nur ganz selten zum Zuge kommt.
Trennt ihr zwischen Abwehr und Angriff, d.h. wird hinten weniger rotiert als vorne?
E7: Nein, da gab es keine großen Unterschiede. Ich hatte aber ohnehin nur einen Kader von maximal neun Spielern, da wir zwei Mannschaften gemeldet hatten, davon waren selten alle da, insofern musste ich ohnehin während der Spiele recht freigiebig wechseln. Ich habe oft auch Spieler im Spiel zwischen vorderer und hinterer Reihe wechseln lassen, weil sie ja vorne mehr laufen müssen. Wenn sie fertig waren, kamen sie nach hinten. Das gefiel eigentlich allen ganz gut so.
D9: Ja, vorne wechseln wir deutlich mehr aus als hinten. Am stabilsten sind dabei häufig die Innenverteidiger. Dafür spielen sie auch am ehesten durch.
Bildet ihr "Blöcke", z.B. feste Dreierreihen, die über Wochen zusammen bleiben und zusammen ein- und ausgewechselt werden?
E7: Das ging gar nicht, weil unser Kader so klein war. Ich hatte oft keinen, ebenso oft nur einen und eher selten mal zwei Auswechselspieler.
D9: Im Moment haben wir noch eine Hauptposition für jeden Spieler, fast jeder hat noch eine Zweitposition. Dabei spielt die Seite keine Rolle, wir haben also, da wir ein 4-3-1 spielen, die Positionen: TW, IV (2x), AV (2x), ZM, MA (2x), ST. Ich fände es gut, wenn jeder unserer Spieler auf drei, wenn nicht vier dieser Positionen gut zurecht käme.
Orientiert ihr euch an der Gegnerstärke?
Auf jeden Fall. Wichtig für die Stabilität des Teams ist das defensive Zentrum, also bei der von mir gewählten Aufstellungen im E7 der hintere, zentrale Spieler, und im D9 das Team aus IV und ZM. Im E7 habe ich gegen die stärksten Teams drei defensiv recht starke Spieler nach hinten gestellt, meinen stärksten hingegen als zentralen Offensivspieler aufgestellt, da er bei uns mit Abstand die größte Torgefahr ausstrahlte und außerdem auch nach hinten arbeitete. Gegen mittelstarke Gegner habe ich versucht, zwei von den vier Defensivstärksten hinten zu haben. Und gegen schwächere reichte einer. Zwischen diesen habe ich dann mal während des Spiels, mal von Spiel zu Spiel rotiert.
Im D9 gehen wir jetzt ähnlich vor. Wir haben, wie gesagt, ein paar Spieler, die als IV und als ZM in Frage kommen. Gegen ganz starke Gegner setzen wir da das insgesamt stärkste Tripel ein, evtl. auch zu Lasten der MA-Position, welche aber in der Defensive auch die geringste Bedeutung nach dem ST hat -- bitte das jetzt aber nicht so verstehen, als seien sie für die Defensive unbedeutend. Es ist nur so, dass die Spieler, die bei uns als IV und ZM am wirkungsvollsten sind, auch potente MA, teilweise auch ST sind. Gegen schwächere Gegner reicht auch ein starker ZM-Spieler vor mittelmäßigen IV oder ein mittelmäßiger ZM vor guten IV.
Ich muss aber hinzu fügen, dass die Stärken der Gegner bei uns im Kreis innerhalb der Gruppen wahnsinnig weit auseinander liegen. So haben wir in der E1-Saison mal mit 2:18 verloren, ein anderes Spiel mit 8:1 gewonnen. Und das alles trotz meiner Versuche, extreme Ergebnisse mittels der Aufstellungen zu vermeiden...
Wo liegt der goldene Mittelweg zwischen Routine, Stabilität und Sicherheit auf der einen und flexibler Ausbildung auf der anderen Seite?
Meiner Meinung nach gibt es nicht den einen goldenen Mittelweg für alle, weder für Mannschaften, Spieler, noch Trainer. Ich halte die Rotation für unbedingt erstrebenswert, nach meiner Erfahrung hilft sie den einzelnen Spielern als auch der Mannschaft in ihren Entwicklungen. Allerdings kann sie nur erfolgreich praktiziert werden, wenn die Spieler im Training ganzheitlich ausgebildet werden. Dazu gehört aus meiner Sicht unbedingt das häufige Spiel in kleinen Teams. Ich halte Minifußball in dieser Hinsicht nach wie vor für hervorragend. Man kann es auch abwandeln, indem man bspw. Jugendtore statt der Minitore einsetzt und anstatt den Auswechselspieler den Torhüter rotiert, und gleichzeitig, um auch Torschusstraining ins Spiel einzubauen, welches ja im Minifußball eher leidet, Tore von außerhalb der Strafräume mehrfach zählt. Meine Kids wollten oft aber auch gerne das Abschlussspiel übers halbe Feld machen, dann kann man immer noch, wie ich in einem anderen Beitrag schrieb, bei jedem Tor oder spätestens alle paar Minuten im Raupenmuster rotieren. Die Kinder stellen sich schneller darauf ein, als viele Erwachsene es glauben.
Im Training würde ich also ganz viel rotieren, im Pflichtspiel hingegen weniger. Dort stehen die Kinder unter einem viel größeren Druck, ich würde ihren individuellen Fähigkeiten deshalb durchaus mehr entgegen kommen. Für stärkere Rotation und evtl. auch mal das eine oder andere Experiment würde ich eher Freundschaftsspiele gegen vermutet gleich starke oder etwas schwächere Mannschaften ausmachen.
Was ist wirklich kindgerecht und bietet sowohl Spaß am Spiel als auch bestmögliche Förderung?
Ich denke, das, was ich zur vorherigen Frage geschrieben habe.
Welche Rolle spielt dabei das Alter?
Hmm, eigentlich würde ich sagen, es spielt keine besondere Rolle. Mit zunehmendem Alter verfestigen sich jedoch die individuellen Fähigkeiten, außerdem werden die Anforderungsprofile der Positionen differenzierter, so dass zwar keine Spezialisierung, aber doch zumindest eine gewisse Orientierung wohl unvermeidlich und unter Berücksichtigung der beschränkten zur Verfügung stehenden Zeit wahrscheinlich auch sinnvoll ist.